Die Banater Schwaben 1941-1945   Leave a comment

 

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Banater-schwaben-1941-1945 Titelseite Link zum Buch >>Die Banter Schwaben 1941 – 1945<<

 

 

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Die Banater Schwaben 1941-1945

 

Donauschwaben einwandung Stefan Jäger

 

 

 

 

Die Zerschlagung und Aufteilung des jugoslawischen Staates

 

 

Nachdem Jugoslawien unter dem Druck des Deutschen Reiches im März 1941 ebenso wie seine Nachbarländer den Achsenmächten beigetreten war, widerrief nach einem Putsch eine neue Regierung in Belgrad nur wenige Tage später diese Entscheidung. Jugoslawien wurde daraufhin am 6. April 1941 von der Wehrmacht überfallen und in weniger als zwei Wochen besiegt. Dieser schnelle Erfolg war in erster Linie auf die überlegenen militärischen Kräfte der deutschen Wehrmacht zurückzuführen (vgl. Vogel 1989, 538). Darüber hinaus wirkte sich aber auch die unterschiedliche Identifikation der verschiedenen Bevölkerungsgruppen Jugoslawiens mit dem jugoslawischen Staat auf den Ausgang der Kämpfe aus. Nennenswerter Widerstand wurde in erster Linie nur von serbischen Verbänden geleistet. Bereits vor dem Überfall hatte die Diplomatie des »Dritten Reichs« den kroatischen Nationalisten einen eigenen Staat versprochen. Kroatische Verbände stellten schon vier Tage nach dem Überfall ihre Kampfhandlungen ein, nachdem deutsche Verbände die kroatische Hauptstadt Zagreb eingenommen hatten (vgl. ebd. 539). Was die donauschwäbische Bevölkerung betraf, so war am 28. März 1941, also zur Zeit des Machtwechsels in Belgrad, im Deutschen Volksblatt die Weisung des Volksgruppenführers Dr. Janko veröffentlicht worden, alle Tätigkeiten in den Ortsgruppen sofort einzustellen und Ruhe und Disziplin zu wahren (vgl. PA/AA: Inl. Hg 251/2419, Dok. H297813). Wie Janko später schreibt, geschah dies, um den Serben keinen Grund zu Ausschreitungen gegen die deutschsprachige Bevölkerung zu geben (vgl. Janko 1982, 72). Während also offiziell gegenüber der neuen Belgrader Regierung seitens der Volksgruppenführung Loyalität (vgl. PA/AA: Inl. Hg 251/2419, Dok. H297818) demonstriert wurde, erging, wie aus einem Schreiben des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) an das Auswärtige Amt hervorgeht, das ebenfalls vom 28. März 1941 datiert, eine Aufforderung des »Führers« über die VOMI an die »Volksdeutschen«, sich durch Desertation den kommenden Kampfhandlungen zu entziehen. So sollte verhindert werden, dass donauschwäbische, also »Volksdeutsche« Soldaten in Kämpfe mit reichsdeutschen Verbänden verwickelt wurden (vgl. PA/AA: Inl. Hg 251/2419, Dok. H297814 – H297816 und Dokumentation Bd.5, 46E).1 Gleichzeitig war, wie Berger am 3. April 1941 an Himmler schrieb, vom Auswärtigen Amt der Auftrag gegeben worden, »Hilferufe aus Jugoslawien und zwar von Volksdeutschen, Kroaten, Mazedonierin] und Slowenen zu organisieren« (BA: NS19/2802 Dok l).2
Damit wurde das »Lieblingsthema« der deutschen Diplomatie, nämlich die »Pflicht«, die »deutschen Minderheiten im Ausland zu beschützen« (Nürnberg V, 433), auch in Jugoslawien zur Begründung für den Überfall herangezogen.
Später bestreitet Dr. Janko, diese »angebliche Weisung Hitlers« jemals erhalten und weitergegeben zu haben (vgl. Janko 1982, 77). Er führt dazu weiter aus:
»Unabhängig davon bleiben berechtigte Zweifel bestehen, daß eine solche Anweisung zur Kriegsdienstverweigerung jemals an uns gerichtet worden sei. Es gibt keine Beweise, nicht einmal Anhaltspunkte dafür« (ebd.).
In Bezug auf den ersten Teil seiner Aussage kann Dr. Janko nicht das Gegenteil bewiesen werden. Allerdings wirkt auch dieser Aspekt seiner Behauptung unglaubwürdig angesichts der offensichtlichen Lüge in Hinblick auf die Weisung Hitlers, von der Janko aufgrund seiner Stellung zumindest im Anschluss an die Ereignisse informiert gewesen sein muss.
Das Prinzip der »Volkszugehörigkeit« hatte im multiethnischen Jugoslawien bereits vor Ausbruch des Krieges eine entscheidende Rolle gespielt: Schon in der Volksgruppenpolitik der Erneuerer war »Volkszugehörigkeit« zu dem Unterscheidungsmerkmal zwischen Eigenem und Fremdem geworden. Auch im Verlauf der Kämpfe zwischen der deutschen Wehrmacht und der jugoslawischen Armee blieb die Trennung zwischen Eigenem und Fremdem entlang der ethnischen beziehungsweise nationalen Merkmale von Bedeutung. So nahmen jugoslawische Behörden nach dem Überfall durch die deutsche Wehrmacht in vielen Ortschaften donauschwäbische Bewohner als Geiseln. Die Volksgruppenführung wiederum organisierte die Bewaffnung der deutschsprachigen Bevölkerung. Bereits seit Ende der dreißiger Jahre gab es bewaffnete »Selbstschutzeinheiten«
der Volksgruppenorganisationen (vgl. Sundhaussen 1995, 334). Diese soge-
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nannte »Mannschaft«, die von Jakob Lichtenberger und Michel Reiser organisiert worden war, bildete dann den Kern der 1941 gegründeten »Bürgerwehr« (vgl. Janko 1982, 162). Während der in erster Linie durch die Kapitulation kroatischer Verbände verursachten Auflösung der jugoslawischen Armee konnte der Einsatz der bewaffneten Einheiten der »Volksgruppe« einige militärische Erfolge, wie beispielsweise die Besetzung des Militärflughafens in Semlin bei Belgrad, erzielen (vgl. De Jong 1959, 218).
Diese Teilnahme bewaffneter Volksdeutscher Verbände am Kampfgeschehen hat der donauschwäbischen Bevölkerung seitens Jugoslawiens den Vorwurf eingebracht, zum Teil als deutsche »5. Kolonne« maßgebend an der Zerschlagung Jugoslawiens beteiligt gewesen zu sein. In der vom Bundesministerium herausgegebenen Dokumentation der Vertreibung (vgl. Dokumentation Bd.5, 48E), aber auch bei Wüscht (1959, 261), Senz (1987, 227) und Janko (1982, 77ff) werden diese Vorwürfe als »irrig«, als »Propagandamärchen« und als völlig haltlos zurückgewiesen. Wie wenig diese nachträgliche Einschätzung einiger Vertreter der »Volksdeutschen« mit der Geschichte übereinstimmt, kann bei Johann Wüscht aufgezeigt werden. Wüscht leugnet 1959 in seinem Buch Jugoslawien und das Dritte Reich einen organisatorischen Zusammenhang und eine aktive Teilnahme der »Bürgerwehren« am Kriegsgeschehen. Insgesamt versucht er die Rolle der bewaffneten »Volksdeutschen« herunterzuspielen:
»Diese Bürgerwehren, die anfangs nur mit Knüppeln und Äxten ausgerü- stet an den Ortseingängen Wache hielten, entwaffneten jugoslawische Deserteure, kleinere Nachschubeinheiten, wobei es nirgends zu ernsten Zusammenstößen kam. Zumeist genügte eine bloße Aufforderung zur Niederlegung der Waffen, die es taten, konnten unbehindert weiterziehen« (Wüscht 1959, 263).
Derselbe Johann Wüscht stand in den dreißiger Jahren den Erneuerern um Sepp Janko nahe (vgl. Janko 1982, 138). In einem seiner Lageberichte, die Teil einer Mappe waren, die dem Referatsleiter im Auswärtigen Amt Triska überreicht wurde,3 schrieb er am 17. April 1941 über die Vorfälle beim Einmarsch ungarischer Truppen in die Batschka:
»Am 3. und 4. Tag nach der Eröffnung der Kriegshandlung und nach der raschen Niederlage der Jugoslawen und dem Zusammenbruch der Staatsgewalt übernahmen die Volksdeutschen allmählich in Stadt und Land die Polizeigewalt und organisierten ihre Bürgerwache. Diese ent- waffnete die aus den Grenzgebieten zurückströmenden Soldaten/ca. 90000 ohne das Banat/und schützten oftmals in tapferen Kämpfen Gut und Leben unseres Volkes/ … [in] … Heufeld, Gross-Betschkerek u.a.

Auf diese Weise konnte die Ordnung im ganzen Siedlungsgebiet aufrechterhalten und sichergestellt werden« (PA/AA: Inl. Ilg 251/2419, Dok. H297364).
Die Leistung der Volksdeutschen in der Batschka wurde auch vom Leiter der VOMI, Obergruppenführer Lorenz, in einer Stellungnahme vom 16. April 1941 bestätigt:
«Volksgruppenfuehrung vor einzug ungarischer truppen drei Tage herr der läge, vollkommene ruhe, serbisches militaer zt durch Volksdeutsche entwaffnet« (PA/AA: Inl. Ilg 251/2419, Dok. H297859).
Auch die deutsche Gesandtschaft in Bukarest sprach in einem Schreiben über die »Teilnahme Volksdeutscher an der Jugoslawienaktion« vom 27. Mai 1941 (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 253/2423, D22) von einem Erfolg.
Obwohl die Teilnahme der bewaffneten Einheiten der Volksgruppe an den Kämpfen im April 1941 deren Ausgang sicherlich nicht entscheidend beeinflusst hat, ist sie doch Ausdruck einer nicht nur ideellen, sondern auch organisatorischen Parteinahme der deutschen Volksgruppe für das »Dritte Reich«. Bezieht man die folgenden Jahre deutscher Besatzungspolitik, das Verhalten der donauschwäbischen Bevölkerung in jenen Jahren und die »Erinnerungsfähigkeit« der damals beteiligten Volksdeutschen Po- litiker wie Johann Wüscht oder Sepp Janko mit ein, so wird der jugoslawi- sche Vorwurf mehr als verständlich.
Die Bürgerwehren wurden unter dem Namen »Deutsche Mannschaft« (DM) straff zusammengefasst (vgl. Janko 1982,162) und – wie aus einem Telegramm des Gesandten Benzler vom 22. Juli 1941 hervorgeht – mit Beginn der deutschen Besetzung des Banats einmal wöchentlich von deutschen Offizieren in Marschübungen und im Schießen geschult (PA/AA: Inl. Ilg 253/2423, Dok. H298120). Die »Deutsche Mannschaft« entwickelte sich so zu einer wichtigen Vorläuferformation der späteren 7. SS-Division »Prinz Eugen« (vgl. Sundhaussen 1971, 179).
Nach der Besetzung Belgrads durch die deutsche Wehrmacht und der Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation der jugoslawischen Streitkräfte am 17. April 1941 erfolgte die Aufteilung Jugoslawiens zwischen den Achsenmächten. Der nördliche und östliche Teil Sloweniens wurde dem Deutschen Reich angegliedert. Der südliche Teil Sloweniens und ein Teil Dalmatiens fielen an Italien. Montenegro wurde unter italienischen Schutz gestellt und der Kosovo dem italienischen »Großalbanien« zuge-
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Bild 3 »Den deutschen Truppen überreichten Volksdeutsche in Sarajewo
die Schandtafel, die an die Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares am 28. Juni 1914 und damit an den Beginn des Weltkrieges erinnerte. Sie kam ins Zeughaus nach Berlin«
(Untertitel zum Foto April 1941, Bayerische Staatsbibliothek).

schlagen. Aus Kroatien und Bosnien-Herzegowina entstand der »Unabhängige Kroatische Staat« (USK) unter Ante Pavelic. Der größte Teil Mazedoniens und ein kleiner Teil Südserbiens wurden von Bulgarien annektiert. Die Woiwodina wurde ebenfalls aufgeteilt. Ungarn erhielt die Baranja und die Batschka, die zuvor bereits bis 1918 zu Ungarn gehört hatten. Man beabsichtigte, das westliche Banat später ebenfalls an Ungarn anzugliedern (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 17a/l756 Dok. E024801), stellte es aber zunächst, zusammen mit »Restserbien«, unter deutsche Militärverwaltung (vgl. Sundhaussen 1993,68). Gleich im Anschluss an die Aufteilung Jugoslawiens kam es in den verschiedenen Gebieten zu ersten ethnischen Säuberungen. Wie aus einer Vortragsnotiz des Auswärtigen Amtes vom 31. Juli 1941 hervor- geht, betrug die Zahl der bis zu diesem Zeitpunkt vertriebenen Serben aus Kroatien, Mazedonien und der Batschka schon weit über 100 000, sodass die deutschen Besatzungsbehörden jeden weiteren Transport von Serben aus den an Ungarn gefallenen ehemaligen Gebieten Jugoslawiens nach Alt-Serbien ablehnten (PA/AA: Inl. Ilg 279/2488 Dok. H297935).4
Bei der Besetzung der Baranja und der Batschka durch ungarische Truppen kam es zu Spannungen zwischen den dort lebenden Volksdeutschen und der ungarischen Besatzungsmacht, die an die alten Konflikte aus der Zeit des Kaiserreichs anknüpften. Während Ungarn jede pro reichsdeutsche Äußerung der zahlenmäßig starken deutschsprachigen Minderheit fürchtete, war es gerade die Verbindung zum Deutschen Reich, von der sich die Volksdeutschen Unterstützung erhofften. Dieser Widerspruch wird in den Berichten des Beauftragten des Oberkommandos der ungarischen Wehrmacht, Hauptmann Dr. Novak, sichtbar. Er unternahm zwischen dem 17. April 1941 und dem 8. Mai 1941 drei mehrtägige Dienstreisen in die Batschka, um sich ein Bild von der Stimmungslage zu machen und den Berichten über Opfer unter der Volksdeutschen Zivilbevölkerung nachzugehen (PA/AA: Inl. Ilg 253/2423, Dok. D13).5 Im Bericht seiner letzten Dienstreise vom 5. Mai 1941 bis 8. Mai 1941, der am 14. Mai 1941 an das Auswärtige Amt und das Oberkommando der Wehrmacht verschickt wurde, bestätigt Dr. Novak Opfer unter der Zivilbevölkerung und kommt dann auf die Ursachen des Konflikts zu sprechen. Er führt dort aus:
»Die Stimmung hat sich seit Ende der letzten Fahrt (23. April) zweifellos verschlechtert. Zurückgreifend auf das in dem ersten Reisebericht Gesagte muß wiederholt werden, daß die Deutschen der Batschka auf einen Einmarsch deutscher Truppen gerechnet hatten und daher durch den Einzug der Honved schwer enttäuscht wurden« (PA/AA: Inl. Ilg 253/2423 Dok. D17).
Weiter fährt er fort:
»Die Volksdeutsche Bevölkerung hat das serbische Regime als Fremdherrschaft empfunden. Sie darf das ungarische Regime nicht als Fremdherrschaft empfinden … [D]ie deutsche Bevölkerung … will die Muttersprache im Verkehr auch mit den Behörden gebrauchen, unbeanstandet das Hakenkreuzabzeichen tragen, sich kulturell betätigen … kurzum: die Volksdeutschen wollen unbehindert von der Behörde als Deutsche in Ruhe leben und arbeiten können … Man erwartet von den Ungarn, daß sie mindestens das zugestehen, was den Serben in 23jährigen Kämpfen abgenötigt werden mußte … Der ungarische Gendarm, auch mancher ungarische Offizier weiß nicht, daß die Schwaben heute bis ins letzte Dorf nationalsozialistisch durchorganisiert sind … Deutscherseits herrscht bei vielen Leuten der jüngeren Generation eine ausgesprochene Kampfstimmung VOT, auf ungarischer Seite wiederum eine schroffe Betonung des Herrenstandpunktes« (PA/AA: Inl. Ilg 253/2423 Dok. D17-21).

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Der von Novak vorgelegte Bericht findet seine Entsprechung in zahlreichen Darstellungen und Beschwerden der Volksdeutschen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 253/2424 Dok. H296806). So auch in dem am 8. Mai 1941 an den Referatsleiter im Auswärtigen Amt Triska übergebenen Sonderheft (vgl. PA/AA: Inl. Hg 251/2419 Dok. H297858). Besonders deutlich wird der Widerspruch zwischen den Ansprüchen der Volksdeutschen einerseits und der ungarischen Besatzungsbehörden andererseits in einem Bericht vom 19. April 1941, den Bruno Kremling, Verbindungsoffizier der Volksgruppe mit den ungarischen Truppen, verfasste. Kremling schreibt, dass sich der Militärstationskommandant der ungarischen Truppen, General Veress, sowohl über das Hissen von Hakenkreuzflaggen als auch über die Beschlagnahmung von Motorfahrzeugen durch die Volksgruppe beschwerte. Veress beklagte insgesamt das Verhalten der Volksdeutschen und betonte, dass die von den ungarischen Truppen besetzten Gebiete nun endgültig wieder zu Ungarn gehörten (PA/AA: Inl. Ilg 251/2419 Dok. H297857). Kremling fährt fort:
»General Veress zeigte mir zuerst die Osternummer des Neusatzer >Deutschen Volksblattes<, auf deren Titelseite das Eintreffen der deutschen Soldaten in unserem Siedlungsraume gefeiert wurde. Er betonte, dass die madjarischen Behörden von folgendem Absatz des Aufsatzes schwer betroffen gewesen wären:

Deutsche Soldaten! Der Raum, der Euch mit uns zusammengeführt hat, ist ein geheiligter Raum. Dieser Raum ist Euch wohl vertraut, nicht bloss weil wir Euch hier als Brüder begrüssen, sondern auch weil die Zeugnisse der Geschichte die Verbundenheit dieses Raumes mit dem Schicksal des Reiches bekunden. Eure und unsere gemeinsamen Ahnen haben unter Prinz Eugen diese Erde mit ihrem Blute gefärbt, deutsche Reichsheere haben hier ruhmreiche Schlachten geschlagen; Eure Väter, ja vielleicht manche von Euch selbst oder Eure Brüder haben mit vielen von uns im Weltkrieg in diesem Räume für des Reiches Macht und Grösse gestritten. So heilig wie der Boden des Mutterlandes für Euch und für uns ist durch die Geschichte, ist dieser Raum heilig auch für Euch, wie er durch das Blut und den Schweiss unserer Ansiedlerahnen heilig für unsere Volksgruppe geworden ist<« (ebd.).

Die Volksdeutschen in den verschiedenen Gebieten Jugoslawiens waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht über die staatsrechtliche Zukunft ihrer Gebiete informiert (vgl. Janko 1982, 86).6 Auch war noch keine endgültige Regelung für Syrmien gefunden, das denn auch erst ab Oktober 1941 zu Kroatien gehören sollte (vgl. ebd. 94). Die Leitung der »Deutschen Volksgruppe« hatte also Mitte April 1941 noch ihren Sitz in Neusatz in der Batschka und sprach daher für die gesamte deutschsprachige Bevölkerung Jugoslawiens (vgl. ebd. 87). Insofern darf der Zeitungsartikel im Deutschen Volksblatt, ebenso wie Novaks Bericht, nicht in Hinblick auf die spezifischen Entwick- lungsbedingungen nach der Angliederung der Batschka an Ungarn gelesen werden. Der in dem Artikel unternommene Versuch, die auserwählten Ruhmestaten als Teil einer Mythologisierung der Geschichte zu einem Bindeglied zwischen den ethnischen Gruppen der Donauschwaben und dem Deutschen Reich, der Nation zu machen, galt vielmehr allen »Volksdeutschen« Jugoslawiens. Er enthält in seinen Grundzügen die Ideologie, die auch im weiteren Verlauf immer wieder die Verknüpfung des Schicksals der Donauschwaben mit dem Schicksal des Deutschen Reichs rechtfertigen sollte. Sowohl in Novaks als auch Kremlings Bericht wird dabei deutlich, wie weit die Identifizierung der Donauschaben mit der deutschen Nation, konkret mit dem Nationalsozialismus, bereits fortgeschritten war.
Zur gleichen Zeit als sich Gauamtsleiter Triska, wie er an anderer Stelle betitelt wird, mit den Beschwerden der Volksdeutschen in der Batschka auseinandersetzte, war er an den Vorbereitungen für die Vertreibung der Slowenen aus den nun dem Deutschen Reich angegliederten Gebieten Südsteiermark und Kärnten ebenso beteiligt (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 251/2420 Dok. H297913) wie später, im Oktober und November 1942, an der Umsiedlung der Volksdeutschen aus Bosnien. Dabei lassen sich deutlich die Konsequenzen der Aufteilung des Eigenen als Gutes und des Fremden als Schlechtes oder Böses zeigen. Einerseits ermöglichte diese Aufteilung, sich über an eigenen »Volksgenossen« begangenes Unrecht zu empören und vergleichbares Unrecht an Fremden zu vollziehen – eigene Gewalttaten konnten so als Reaktion auf vorher Erlittenes rechtfertigt werden. Andererseits ermöglichte der Wahn der ethnischen und nationalen Reinheit die strikte Zuordnung von Menschen entweder als Eigene oder als Fremde und lieferte somit eine Begründung sowohl für die Vertreibung der Slowenen aus dem Reich als auch später für die Umsiedlung der Bosnien-Deutschen aus der Fremde ins Reich.
Wie bereits erwähnt, war es in den ersten Tagen nach dem Einmarsch ungarischer Truppen zu Kampfhandlungen gekommen, die zu Opfern auch unter der Volksdeutschen Zivilbevölkerung geführt hatten. Kurzfristig überschatteten diese Ereignisse das deutsch-ungarische Verhältnis und führten, neben den genannten Berichten, zu einem Austausch von Verbalnoten zwischen dem ungarischen Ministerium des Äußeren und dem Reichsaußenminister (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 253/2423 Dok. ClO-21). Am 10. Mai 1941 versprach das ungarische Außenministerium dann, betroffenen Volksdeutschen einen angemessenen Schadensersatz zu gewähren – nachdem es allerdings am 7. Mai bereits darauf verwiesen hatte, dass es sich bei den zu beklagenden Opfern auf ungarischer und Volksdeutscher Seite letzt- endlich »um unvermeidliche Folgen der durch die Tätigkeit serbischer Heckenschützen bedingten Schießereien« (PA/AA: Inl. Ilg 253/2423 Dok. Cl3) gehandelt hatte. Während damit von ungarischer Seite versucht wurde, die Schuld an den Opfern unter der Zivilbevölkerung den Serben zu- zuweisen, um so das Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und dem Königreich Ungarn zu entlasten, tritt in den verschiedenen Berichten der Volksdeutschen ein weiterer Schuldvorwurf zu Tage. Einerseits sind es hier zwar auch die ungarischen Soldaten, denen der Vorwurf gemacht wurde, gegen Volksdeutsche vorgegangen zu sein. Andererseits schreibt aber eben jener Johann Wüscht in seinem Lagebericht:
»Es ist auffallend, daß die Juden madjarische Soldaten anwiesen, bestimmte Volksdeutsche Häuser zu beschiessen und auszuplündern, ohne daß dies die Madjaren abgelehnt hätten« (PA/AA: Inl. Ilg 251/2419 Dok. H297363). »Im Nachbarhaus wohnt der Jude Wermesch, der die ungarischen Soldaten mit Wein und Essen bewirtete, deshalb wurde sein Haus als einziges in der ganzen Umgebung verschont. Tatbestand aufgenommen am 17.4.1941 von Johann Wuescht« (ebd. Dok. H297364).
Johann Wüschts Denunziation der jüdischen Bevölkerung ist dabei kein Einzelfall, sondern fand ihre Ergänzung in einer Vielzahl vergleichbarer Berichte. So schreibt Franz Hamm ebenfalls ein früher Aktivist der deutschen Volksgruppe – über Neu-Werbass in der Batschka:
»Der Oberleutnant der ungarischen Truppe … erklärte dem Unterzeichneten, serbische Heckenschützen schössen aus einem Maschinengewehr vom Hause des jüdischen Arztes Dr. Alexander Fürts … Auch vom Dache des jüdischen Lederhändlers Breuer … sei geschossen worden« (ebd. Dok. H 297874).
Und in einem weiteren Bericht fanden dessen Verfasser, Erich Kirch und Peter Ermler, die Vermutung bestätigt, dass die Beschießung ungarischer Truppen bei ihrem Einmarsch in Neusatz7 ebenfalls nicht aus Häusern der Volksdeutschen erfolgte:

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»als man am nächsten Tage jenseits der hinter den Häusern liegenden Gärten am Dachboden des Magazins eines jüdischen Kaufmannes mehrere Maschinengewehre und ein grosses in Zuckerkisten verpacktes Lager von Munition fanden« (ebd. Dok. H297876).

Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt, als diese Berichte verfasst wurden, und noch vor der ab Ende Mai »offiziell« beginnenden Judenverfolgung kam es in einem der Siedlungsschwerpunkte der Banater Schwaben, in Groß- Betschkerek, zu ersten massiven Übergriffen gegen den jüdischen Teil der Bevölkerung. Die dort lebenden wohlhabenden Juden wurden zu einer »Sühnezahlung« gezwungen. Sie mussten den Judenstern tragen und in ein Ghetto umziehen (vgl. Manoschek 1998, 212). Laut einem Bericht der ju- goslawischen Regierung vom Juli 1945 folgte ihnen bald die gesamte jüdische Bevölkerung des Banats.8 Sie wurden in ein Belgrader Lager verschleppt, aus dem die notwendigen Opfer für die »Sühnemaßnahmen« entnommen wurden (vgl. Markovic 1945, 3 in Friedmann 2000).
Der Antisemitismus als Voraussetzung für die Herausbildung eines Eigenen, welches das Nationale einschließt, ergänzte somit die Vorwürfe gegenüber den anderssprachigen Bevölkerungsgruppen. Die Denunziation der jüdischen Bevölkerung beinhaltete dabei jenes klassische Motiv des Antisemitismus, welches die Juden als das Fremde schlechthin mit den widersprüchlichsten Schuldvorwürfen in Verbindung bringen kann. In obigen Berichten wurden sie sowohl für die Kollaboration mit den Ungarn als auch für deren Bekämpfung verantwortlich gemacht. Beide Seiten hatten somit zwar die aus den unterschiedlichen Interessen Ungarns und der Volksdeutschen resultierenden Probleme benannt, gleichzeitig aber auch durch den Schuldvorwurf an fremde Dritte eine Lösung für den eigenen Konflikt gefunden.
Es sei an dieser Stelle darauf verwiesen, dass auch vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Jugoslawien ein virulenter Antisemitismus exis- tierte. Ein kroatisches Flugblatt aus dem Jahr 1940, welches vom deutschen Generalkonsulat in Zagreb nach Berlin geschickt worden war, um dort die antijüdische Stimmung in Kroatien zu belegen, strotzte geradezu vor antisemitischer Hetzpropaganda (PA/AA: Inl. II A/B 5645 R99424 Dok. Dl7). Der deutsche Gesandte in Belgrad, Feine, hatte schon 1939 festgestellt, dass auch die jugoslawische Regierung unter Stojadinovic letztendlich alles andere als judenfreundlich sei (PA/AA: Inl. II A/B 5645 R99424 Dok. D6). Die von der Regierung vorgenommenen Maßnahmen zur »Ausschaltung der Juden« aus dem Wirtschaftsleben sollten denn auch seine Einschätzung bestätigen (PA/AA: Inl. II A/B 5645 R99424 Dok. Jl9). Trotzdem muss festgehalten werden, dass erst mit dem Zeitpunkt der Machtübernahme durch die deutschen Besatzungsbehörden im Banat, in Serbien und der Ustascha in Kroatien der Antisemitismus seine fatale Dynamik entfaltete. Die zum Teil persönlichen Berichte der Volksdeutschen waren dabei auf der Ebene der deutschen Besatzungspolitik, zumindest in einem legitimatorischen Zusammenhang, später noch einmal von Bedeutung. Sie sollten im weiteren Verlauf von den zuständigen Stellen der SS zur Legitimation der Ermordung der jüdischen Bevölkerung herangezogen werden.
Nach der Zerschlagung und Aufteilung Jugoslawiens hatte sich der Zugriff der Waffen-SS auf die dort lebenden Volksdeutschen insgesamt erleichtert. Bei der Rekrutierung der Volksdeutschen in Kroatien musste zuerst noch auf den mit dem Deutschen Reich verbündeten kroatischen Staat (USK) Rücksicht genommen werden, da die Volksdeutschen zum Teil in der kroatischen Armee dienten (vgl. BA: NS19/1728). Deswegen konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der Waffen-SS zunächst auf das unter deutscher Mili- tärverwaltung stehende Gebiet und hier besonders auf das westliche Banat mit seinem hohen Anteil Volksdeutscher Bevölkerung (vgl. Sundhaussen 1971, 178).9 Die dargestellten Konflikte zwischen den Volksdeutschen und den ungarischen Besatzungsbehörden in der Batschka blieben in Zusammenhang mit der Aufstellung Volksdeutscher bewaffneter Verbände für die Zukunft des Banats nicht ohne Auswirkungen. Im Juli 1941 machte der Staatssekretär Dr. Stuckart aus dem Reichsministerium des Inneren10 dem Botschafter des Auswärtigen Amtes Ritter den Vorschlag, den Zeitpunkt der Übergabe des jugoslawischen Banats an Ungarn hinauszuschieben. Ritter hatte im April 1941 die Ressortbesprechung in Wien über die Grundlinien der Aufteilung des jugoslawischen Staates geleitet (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 253/2423 Dok. H298095). Stuckart begründete diese Anregung in seiner »Denkschrift zur Lage des Deutschtums im ehemaligen Jugoslawien« mit dem Verweis auf die Bedeutung des deutschen Volkstums im Südostraum (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 253/2423 Dok. H298075) sowie mit der schwierigen Situation der Volksdeutschen in den von Ungarn besetzten Gebieten (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 253/2423 Dok. H298088). Wie mit dem Reichsführer-SS und Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums, Heinrich Himmler, abgesprochen wurde, sollte vor der endgültigen Übergabe erst ein »Volksgruppenabkommen« zur Sicherung der Volksdeutschen Interessen mit Ungarn abgeschlossen werden (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 253/2423 Dok. H298081).
Die Angliederung des Banats an Ungarn sollte während des Zweiten Weltkriegs nicht mehr realisiert werden. Auf diese Weise wurden von allen ethnischen Gruppen der Donauschwaben die Banater Schwaben im Bereich des Militärbefehlshabers Serbien die einzige deutsche Volksgruppe, auf welche die Waffen-SS ohne außenpolitische Rücksichten zugreifen konnte.

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Die »Volksgruppe« im Bereich des Militärbefehlshabers Serbien

2.1
Der Partisanenkrieg in Serbien bis zur Aufstellung der 7. SS-Division »Prinz Eugen«

Schon am 15. April 1941 hatten der Reichsaußenminister und das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) auf Drängen des Leiters der VOMI, Lorenz, die Freilassung aller Volksdeutschen jugoslawischen Kriegsgefangenen genehmigt (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 251/2419 Dok. H297823 – H297829). Nachdem die Volksdeutschen aus den Gefangenenlagern durch die Volksdeutsche Mittelstelle befreit worden waren, sollten sie der Waffen-SS zugeführt werden. In einem Brief vom 26. April 1941 an den Reichsführer-SS versprach sich SS-Gruppenführer Berger davon mindestens tausend Mann für seine Truppe (vgl. BA: NS19/2725). Ebenfalls im April stellte darüber hinaus der SS-Gruppenführer Hausser, der damals die SS-Division »Das Reich« kommandierte, SS-Untersturmführer Halwax, einem Aktivisten der Erneuerer und nun Stabsleiter der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, vier Annahmekommissionen zur Verfügung, die planmäßig in den deut- schen Gemeinden des Banats Musterungen durchführen sollten. Die aus diesen Maßnahmen resultierenden Freiwilligen wurden von der SS-Division »Das Reich« ausgebildet (vgl. BA: NS19/2725) und später an der Ost- front eingesetzt. Ende April 1941 befanden sich dann die ersten Divisionen der Wehrmacht schon wieder auf dem Weg in Richtung Sowjetunion, um dort rechtzeitig zum Unternehmen »Babarossa« eintreffen zu können. So blieben im jugoslawischen Raum nur sieben personell und materiell schwache Divisionen zurück, die zusammen mit italienischen, bulgari- schen und kroatischen Truppen die Besatzung sichern sollten (vgl. Vogel 1989, 541). Schon während des Abzugs der deutschen Divisionen kam es zu ersten heftigen Partisanenüberfällen. Trotz der rücksichtslosen Härte, mit der die Wehrmacht auf diese Überfälle reagierte nicht nur bewaffnete Partisanen, sondern alle sich in ihrer Nähe befindlichen Männer sollten erschossen und ihre Leichen zur Abschreckung aufgehängt werden  gelang es nicht, der Aufstände Herr zu werden (vgl. ebd. 544). Der Partisanenkampf verschärfte sich nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 weiter, da nun auch die kommunistischen Partisanengruppen Titos in die Kämpfe eingriffen (vgl. ebd. 543). Aus einem Telegramm des Gesandten Benzler vom 22. Juli 1941, in dem er auf Angaben Dr. Jankos verweist, wird deutlich, dass deswegen bereits im Sommer 1941 deutsche Militärbehörden an den Volksgruppenführer herangetreten waren, um den Aufbau eines »Volksdeutschen Freikorps« im Banat anzuregen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 253/2423 Dok. H298119). Dieses Freikorps sollte nach einer zwölfwöchigen Ausbildung die zu schwachen deutschen Truppen gegen kommunistische und sonstige Unruhen in Serbien unterstützen und etwa 1200 Mann umfassen. Parallel zu dem Vorschlag der Wehrmacht war aber, laut Dr. Janko, auch die Waffen-SS mit dem Wunsch aufgetreten, ein SS-Regiment in Stärke von 2000 Mann mit Volksdeutschen aus dem Banat, der ungarischen Batschka und Kroatien zu bilden. Unter Verweis auf außenpolitische Probleme hatte Benzler von den Vorhaben abgeraten, aber trotzdem den Vorschlag gemacht, dass, falls man in Berlin die Aufstellung doch wünschte, man diese Einheiten als ein Freikorps für den Kampf gegen Russland ausgeben könnte (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 253/2423 Dok. H298119). Am 30. Juli 1941 stimmte dann der Reichsaußenminister der Aufstellung eines Wachregiments von Banater Schwaben in der getarnten Form eines Volksdeutschen Freikorps zum Kampf gegen den Bolschewismus zu (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 253/2423 Dok. H298121). Das Auswärtige Amt lehnte aber die Aufnahme ungarischer, kroatischer und rumänischer Volksdeutscher zu diesem Zeitpunkt aus außenpolitischen Erwägungen ab (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 253/2423 Dok. H298122).11 Beschleunigt wurde die Aufstellung des Wachregiments durch ein Schreiben des Militärbefehlshabers Serbien vom 7. August 1941. Darin ersuchte er Berlin um die Entsendung von zwei weiteren Polizeibataillonen, die er »zur Durchführung der erforderlichen Repressivmaßnahmen« dringend benötigte (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 99/1989 Dok. H300991). Am 18. August 1941 musste der Chef der Ordnungspolizei in Berlin, Daluege, zu seinem Bedauern ablehnen, da alle verfügbaren Polizei- kräfte im Osten im Einsatz waren, wies aber darauf hin, dass er beim Oberkommando des Heeres um Genehmigung zur Aufstellung von Schutzformationen aus Volksdeutschen der dortigen Gebiete gebeten habe (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 99/1989 Dok. H300999). Ab Ende August 1941 wurde auf Vorschlag der VOMI, dem auch der Reichsaußenminister zustimmte, dem Banater Wachregiment die Bezeichnung »Selbstschutz« gegeben (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 253/2423 Dok. H298124). Die endgültige Form des »Selbst- schutzes« wurde dann in einem von Daluege in Vertretung unterzeichneten Befehl des Reichsführers-SS vom 5. Oktober 1941 festgelegt. Er sollte im Rahmen der Hilfspolizei in einer Stärke von tausend Mann aufgestellt wer- den. Zu der Einheit wurden fünfzehn Polizeioffiziere und fünfzig Wacht- meister aus dem Deutschen Reich für sechs Wochen als Ausbilder abkom- mandiert (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 99/1989 Dok. H301008 – H301010).
Neben der Aufstellung des Selbstschutzes versprach sich die Wehr- macht eine Stärkung ihrer Schlagkraft im Partisanenkrieg auch durch die direkte Einstellung Volksdeutscher Freiwilliger in ihre Verbände. Dabei konnten diese »orts- und sprachkundigen Soldaten« – den »Besatzungs- truppen« beigegeben – wertvolle Dienste auf dem Balkan leisten, wie es Dr. Janko (1982, 210) in einer Rückschau auf das Vorhaben der Wehrmacht ausdrückt. In einem Schreiben des SS-Obergruppenführers Lorenz, des Chefs der Volksdeutschen Mittelstelle, an den Reichsführer-SS vom 31. März 1942 wird deutlich, dass die Wehrmacht bis November 1941 bereits 150 Volksdeutsche eingestellt hatte. Diese Zahl sollte sich bis Januar 1942 aufgrund der verschärften Aufstandslage um weitere 700 Volksdeutsche Freiwillige erhöhen (vgl. BA: NS19/1728). Nach den bereits während des Überfalls der Deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien stattgefundenen Kampfhandlungen zwischen Teilen der jugoslawischen Armee und den Volksdeutschen Bürgerwehren stellt die Einbeziehung der donauschwäbischen Bevölkerung in die Bekämpfung der Aufstandsbewegung, sowohl als Selbstschutz als auch als Soldaten der deutschen Besatzungstruppen, ei- nen weiteren Schritt bei der Eskalation des Krieges in Jugoslawien dar.
Die ersten Ansätze zur Aufstellung Volksdeutscher Verbände bei der Partisanenbekämpfung waren dabei Teil eines umfassenden Entscheidungsprozesses über die langfristige strategische Vorgehensweise zur Niederschlagung der Aufstände. In einem Telegramm Benzlers vom 14. August 1941 an das AA wurden dabei die verschiedenen im weiteren Verlauf tatsächlich realisierten Aspekte der Aufstandsbekämpfung deutlich. Benzler hatte vorgeschlagen, sich zuerst auf die Vernichtung der kommunistischen Verbände zu konzentrieren und die ihm »aufgetragene allgemeine Unschädlichmachung serbischer Verschwörerclique [zurückzustellen]. Gleichzeitiges Vorgehen gegen serbische nationale Kreise und Kommunisten würde aber in jetzigem Zeitpunkt unweigerlich zur Bildung Einheitsfront gegen uns führen. Empfehle daher Zurückstellung der allgemeinen Reinigungsaktion bis Ruhe im Lande wieder hergestellt ist« (PA/AA: Inl. II A/B 5546 R99424 Dok. J21).
Benzlers Einschätzung geht auf seine Erfahrungen beim Einmarsch Bulga

riens in Südserbien zurück, worüber er dem Reichsaußenminister am 29. Januar 1942 in einem Telegramm berichtet hatte. Dort hatte sich tat- sächlich eine Einheitsfront der ansonsten verfeindeten serbischen Partisanengruppen Titos und Mihajlovics12 gegen den gemeinsamen Feind Bulgarien gebildet (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 402/2817 Dok. 004). Benzlers Vorschlag, erst nach der Vernichtung der kommunistischen Partisanengruppen ver- stärkt den Kampf gegen die anderen Aufständischen aufzunehmen, sollte langfristig die Strategie der deutschen Besatzungsbehörden gegenüber den Partisanen bestimmen.13 Darüber hinaus enthält Benzlers Telegramm den ersten Hinweis auf eine Verknüpfung der Partisanenbekämpfung mit Maß- nahmen gegen die jüdische Bevölkerung:
»Als Sofortmaßnahme habe ich schärfstes Vorgehen gegen ergriffene Kommunisten sowie allgemein gegen Juden geordert, die einwandfrei mit Kommunisten zusammenarbeiten. Erbitte hierzu Entscheidung, ob Abtransport der Juden donauabwärts oder nach dem Generalgouvernement erfolgen kann« (ebd.).

In einem Führerbefehl vom 16. September 1941, in dem der Wehrmachtsbefehlshaber im Südosten, Generalfeldmarschall List, mit der Niederschlagung der Aufstandsbewegung beauftragt wurde, forderte Adolf Hitler dann, dass die Ordnung mit den schärfsten Mitteln wiederherzustellen sei (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 2816 Dok. H298587). Die Wehrmachtsführung versuchte, der Ausdehnung des Partisanenkrieges nicht nur durch die Einbeziehung der Volksdeutschen, sondern auch durch die Verlegung von weiteren Divi- sionen nach Serbien zu begegnen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 2815 Dok. H298585 – H298586). Darüber hinaus verschärfte sie noch die bereits bestehenden dra- konischen Vergeltungsmaßnahmen. Am 14. Oktober 1941 erging ergänzend zu einer Weisung des OKW vom 12. Oktober 1941 über Maßnahmen zur Niederwerfung der kommunistischen Aufstandsbewegung vom »Bevoll- mächtigten Kommandierenden General in Serbien«, Franz Böhme, die Verfügung: »Künftig sind für jeden gefallenen deutschen Soldaten 100 und für jeden Verwundeten 50 Gefangene oder Geiseln zu erschiessen. Zu diesem Zwecke sind aus jedem Standortbereich sofort so viele Kommunisten und Juden sowie auch national oder demokratisch getarnte aufrührerische Elemente – in erster Linie aus den Reihen der Waldgänger14 – fest- zunehmen, als ohne Gefährdung der Kampfkraft bewacht werden können« (Originaldokument abgedruckt in Friedmann 2000).
Die ausdrückliche Erwähnung der Juden in diesem Befehl war das Ergebnis einer Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Dienststellen der deutschen Behörden. So hatte der Gesandte Benzler aus Belgrad weitere Telegramme nach Berlin geschickt, in denen er den Reichsaußenminis- ter Ribbentrop um die Erlaubnis zur Abschiebung der Juden aus Serbien er- suchte. Er begründete dies wieder mit der Aufstandslage, an der die Juden beteiligt wären, und nahm damit indirekt Bezug auf denunzierende Berichte der Volksdeutschen. Am 8. September 1941 hieß es: »Nachweislich haben sich bei zahlreichen Sabotage- und Aufruhrakten Juden als Mittäter herausgestellt« (PA/AA: Inl. Ilg 194/2249 Dok. H297132). Benzler forderte deswegen die »rasche und drakonische Erledigung« der serbischen »Judenfrage« als »dringendstes und zweckmäßigstes Gebot« (ebd. Dok. L10), und am 12. September, nachdem der Reichsaußenminister die Abschiebung abgelehnt hatte (vgl. ebd. Dok. H297131), wiederholte er sein Er- suchen:
»Unterbringung in Arbeitslagern bei jetzigen inneren Zuständen nicht möglich, da Sicherung nicht gewährleistet. Judenlager behindern und gefährden sogar unsere Truppen. So ist sofortige Räumung des Lagers von 1200 Juden in Sabac notwendig, da Sabac Kampfgebiet und in Umgegend aufständige Banden in Stärke von mehreren Tausend Mann festgestellt. Andererseits tragen Juden nachweislich zur Unruhe im Lande wesentlich bei. Im Banat hat, seit dort Juden entfernt worden sind, die hier in Serbien besonders schädliche Gerüchtemacherei sofort aufgehört« (PA/AA: Inl. Ilg 194/2249 Dok. H297125).
Am 13. September 1941 notierte in Berlin Rademacher Luthers Kommentar zu Benzlers Ersuchen. Luther meinte:
»M.E. müßte es bei der nötigen Härte und Entschlossenheit möglich sein, die Juden auch in Serbien in Lagern zu halten. Wenn die Juden dort nach wie vor Unruhen schüren, muß gegen sie mit verschärftem Stand- recht vorgegangen werden. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Juden weiter konspirieren, wenn erst eine größere Anzahl Geiseln erschossen ist« (ebd. Dok. H297124). Am 1, Oktober 1941 weist Benzler darauf hin, dass die »im Gange befindliche militärische Aktion zur Aufstandsbekämpfung … jetzt geeigneten Zeitpunkt für den Beginn … der Lösung der Judenfrage [schafft]« (ebd. Dok. 231277). In der von Luther am 2. Oktober 1941 verfassten Vortragsno- tiz zeichnet sich dann die im Weiteren praktizierte »Lösung der Judenfra- ge« endgültig ab:
»Wenn der Militärbefehlshaber mit Benzler dahingehend einig ist, dass diese 8000 Juden in erster Linie die Befriedungsaktion im serbischen Altreich verhindern, so muss meiner Ansicht nach der Militärbefehlshaber für die sofortige Beseitigung dieser 8000 Juden Sorge tragen« (ebd. Dok. K205182).

Am gleichen Tag, dem 2. Oktober 1941, wurde eine Lastwagen-Kolonne der 342. Infanteriedivision von Partisanen überfallen. Daraufhin ließ der Be- vollmächtigte Kommandierende General in Serbien, Franz Böhme, 2100 Ju- den zur Vergeltung erschießen (vgl. Friedmann 2000,3). Als im Oktober 1941 Rademacher dann eine Dienstreise nach Belgrad unternahm, um die Unter- suchung der Maßnahmen gegen die 8000 »jüdischen Hetzer« vor Ort vorzu- nehmen, konnte er am 25. Oktober 1941 über ein Gespräch mit den Sachbe- arbeitern der Judenfrage berichten:
»1. Die männlichen Juden sind bis Ende dieser Woche erschossen, damit ist das in dem Bericht der Gesandtschaft angeschnittene Problem erle- digt. 2. Der Rest von etwa 20 000 Juden (Frauen, Kinder und alte Leute) sowie rund 1500 Zigeuner, von denen die Männer ebenfalls noch er- schossen werden, sollte im sogenannten Zigeunerviertel der Stadt Belgrad als Ghetto zusammengefaßt werden. Die Ernährung für den Winter könnte notdürftig sichergestellt werden« (ebd. Dok. H297106).
Im gleichen Schreiben bemerkte Rademacher, dass von den etwa 2000 Ba- nater Juden nur noch 600 am Leben seien (vgl. ebd. Dok. H297105). Am 10. Mai 1942 war dann auch die Ermordung der Frauen, Kinder und alten Leute abgeschlossen. Es gab in Serbien »keine Judenfrage mehr« (vgl. Hil- berg 1990, 737).15 Wie Hilberg (ebd. 733) schreibt, blieb auch den Militärbe- hörden der grundlegende Widerspruch nicht verborgen, dass die Partisa- nen in erster Linie Serben und Kroaten, die Geiseln aber Juden und Zigeu- ner waren. In einem Privatbrief an den Höheren SS- und Polizeiführer von Danzig, SS-Gruppenführer Hildebrandt, hatte Staatsrat Turner im Oktober 1941 sogar geschrieben, dass es im Grunde unlogisch sei, für einen von Ser- ben ermordeten Deutschen nicht hundert Serben, sondern hundert Juden.

172

Die »Volksgruppe« im Bereich des Militärbefehlshabers Serbien
zu erschießen (vgl. ebd.). Trotzdem war die Verbindung von Partisanenbekämpfung und der Ermordung der Juden nicht einfach nur eine taktische Spielart nationalsozialistischer Rechtfertigungspropaganda, wenn der Brief Turners auch diesen Eindruck erwecken mag. Vielmehr war sie das logische Resultat aus der Verbindung des »eliminatorischen Antisemitismus« des Nationalsozialismus (Goldhagen 1996) mit dem Versuch, die Bedeutung der ethnischen Eigenständigkeit der Donauschwaben zugunsten einer nationalen, rassischen Einheit aller Deutschen aufzugeben. Bei- de, sowohl die Besatzungsbehörden als auch die Volksdeutsche Bevölkerung, waren davon überzeugt, dass in einer Situation, in der die Grenzen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen entlang ethnischer und nationaler Merkmale immer schärfer gezogen wurden, die Juden – als die universellen Gegner jeder rassischen und nationalen Reinheit – auch die gegen die deutsche Vorherrschaft gerichteten Partisanenaktionen unter- stützten. Insofern gleichen sich logischerweise auch die Anklagen aus der Volksdeutschen Zivilbevölkerung zur Zeit des Einmarschs ungarischer Truppen in die Batschka und die Anklagen der deutschen Besatzungsbehörden gegen die Juden in der Zeit des Partisanenkampfes.
Die wegen der verschärften Aufstandslage vom Wehrmachtsbefehlshaber Südost geforderten Konsequenzen, wie etwa die Unterstellung der Ver- waltungsbehörden unter die Kontrolle des »Bevollmächtigten Kommandierenden Generals«, der die gesamte vollziehende Gewalt in Serbien, also Militärverwaltung und Truppenkommando, übernehmen sollte (vgl. Vogel 1989, 544), führten zu einer heftigen Auseinandersetzung innerhalb der Be- satzungsbehörden (vgl. Friedmann 2000, 5 ff). Verwaltungschef SS-Grup- penführer Dr. Turner, der die Beschneidung seiner Kompetenzen nicht hinnehmen wollte, war in einem Antwortschreiben vom 6. Februar 1942 an Oberst Foertsch der Meinung, dass aufgrund der Schwäche der deutschen Divisionen »den Aufständischen mit militärischen Mitteln nicht beizu- kommen« (BA: NS19/1728) sei. Für Turner hing die Frage, ob der im Früh- jahr allgemein erwartete Aufstand in Serbien tatsächlich ausbrechen soll- te, von der Kriegslage und damit nicht zuletzt von der Art der Führung der örtlichen deutschen Politik auf dem Balkan ab (vgl. ebd.). Der Chef des Ge- neralstabes beim Wehrmachtbefehlshaber Südost, Hermann Foertsch, hat- te ihm vorher am 2. Februar 1942 geschrieben,
»daß in Serbien die Verhältnisse leider völlig anders liegen als in ande- ren Gebieten wo – abgesehen von kleinen Sabotageakten – Ruhe herrscht. Serbien ist, so gesehen, kein besetztes Gebiet, sondern Operationsgebiet, in dem Krieg herrscht und leider auch auf absehbare Zeit weiter herrschen wird« (BA: NS19/1730).
Foertsch beschrieb mit seiner Einschätzung der Situation in Serbien das zentrale Problem der deutschen Besatzungsbehörden. Das ehemalige Jugo- slawien hatte schon in der Vorkriegszeit in den wirtschaftlichen Planungen des Deutschen Reichs als Teil des sogenannten »Großwirtschaftsraumes auf dem Balkan« (Schlarp 1986, 411) eine wichtige Rolle gespielt. Wie auch in anderen besetzten Gebieten erwartete die deutsche Führung durch die Ausbeutung Jugoslawiens eine Stärkung des Kriegspotenzials (vgl. ebd.). Dieses Ziel drohte durch den Partisanenkrieg zu scheitern.

2.2
Die Situation der Volksdeutschen im Banat

Der Druck, unter dem die deutsche Besatzungspolitik in Serbien stand, hatte massive Auswirkungen auf die deutschsprachige Bevölkerung. Sie wurde de facto in einem doppelten Sinne zum Bestandteil der kriegsführenden Besatzungsmacht. Erstens nahmen Teile der Volksdeutschen auch schon vor der Aufstellung der SS-Division »Prinz Eugen« real an der Bekämpfung der jugoslawischen Partisanen teil und waren damit aktiv an der Unterdrückung ihrer ehemaligen Nachbarn beteiligt. Zweitens profitierte die deutschsprachige Bevölkerung erheblich von den Maßnahmen der deutschen Militär- und Besatzungsbehörden (vgl. Schlarp 1986, 346), die neben militärisch-strategischen auch die wirtschaftlichen Interessen des Deutschen Reichs vertraten. Der Schwerpunkt der deutschen Anforderungen an die serbische Wirtschaft lag dabei sowohl auf der Ausbeutung von Rohstoffquellen in Serbien als auch auf der Nutzung der Landwirt- schaft im Banat (vgl. Schlarp 1986, 414). Aber bereits mit der verschlechterten Sicherheitslage in der zweiten Jahreshälfte 1941 ging der Abtransport von Rohstoffen aus Beutebeständen erheblich zurück (vgl. ebd. 189). Während aber die Rohstoff-Förderung der Kriegsjahre auch weiter hinter der früheren Förderung zurückblieb – sie erreichte nie mehr als 50 % des Vorkriegsstandes – (vgl. ebd. 415) konnte die landwirtschaftliche Produktion im Banat durch die Zusammenarbeit zwischen den Volksdeutschen und den Besatzungsbehörden (ebd. 355) sogar noch weiter gesteigert werden. Dabei war schon vor Beginn des Zweiten Weltkrieges der jugoslawische

174

Die »Volksgruppe« im Bereich des Militärbefehlshabers Serbien
Teil des Banats zusammen mit der Batschka und der Südbaranja sowohl für die Versorgung Jugoslawiens als auch für den Export von herausragender Bedeutung (vgl. Schlarp 1986, 338).16 Bereits Ende der dreißiger Jahre hatten die donauschwäbischen Genossenschaften in Hinblick auf die kriegsbedingten Anforderungen durch das Deutsche Reich den Hanf-, Rizinus- und Sonnenblumenanbau intensiviert (vgl. Annabring 1955, 50).
Um die kriegswichtige Produktion ab 1941 noch zu steigern, war die Stärkung der Volksdeutschen im besetzten Banat und in Serbien nach der Niederlage der jugoslawischen Armee wesentlicher Bestandteil der deut- schen Besatzungspolitik (vgl. Schlarp 1986, 338ff). Daraus ergab sich für die Volksgruppenführung trotz der übergeordneten Bedürfnisse der deut- schen Kriegswirtschaft die Möglichkeit, ihr Vorhaben einer Verbesserung der ländlichen Wirtschafts- und Verwaltungsstruktur zugunsten der deutschsprachigen Landbevölkerung weiterzuverfolgen (vgl. ebd. 343). Am 5. Juni 1941 fand eine Besprechung zwecks Regelung der Verhältnisse im Banat zwischen Vertretern der Volksdeutschen, dem serbischen Staat und den deutschen Militärbehörden in Belgrad statt (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 253/2423 Dok. H298156). Auf dieser Besprechung wurden die entscheiden- den Festlegungen getroffen, die es der Volksgruppenführung ermöglichten, die Verwaltung des Banats weitgehend unabhängig von der serbischen Re- gierung zu gestalten. So wurden in allen Bereichen wie dem Schul- und Justizwesen, der Gemeinde-, Finanz- und Postverwaltung den Volksdeut- schen entscheidende Befugnisse eingeräumt (vgl. ebd. Dok. H298157). In einem Zusatzprotokoll wurde festgelegt, dass in Gemeinden mit einer großen Anzahl von Volksdeutschen grundsätzlich ein Volksdeutscher Bezirksvorsteher wurde, während man in Gemeinden und Städten, in denen nur wenige Volksdeutsche lebten, auch Vertreter anderer Bevölkerungsgruppen als Bezirksvorsteher oder Bürgermeister zuließ.17 Grundsätzlich wurden in allen Städten ausschließlich Volksdeutsche zu Polizeipräsidenten ernannt (vgl. ebd. Dok. H298159).18 Wegen der führenden Rolle der deutschen Volksgruppe im Banat kam es immer wieder zu Spannungen mit der unga- rischen Volksgruppe. Hier setzten sich die alten Rivalitäten fort, da für die ungarischen Behörden das Banat letztendlich zu Ungarn gehörte und sie die deutschen Privilegien nicht anerkennen wollten. Dies führte in den Jah- ren 1942 und 1943 zu einem Austausch von Memoranden und Schriftstü- cken zwischen dem deutschen und dem ungarischen Auswärtigen Amt, ohne dass die Schwierigkeiten ausgeräumt werden konnten (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 283/2497).19

175

III Die Banater Schwaben von 1941-1945

Ein erster Ausdruck der neuen Machtverhältnisse war die Änderung der Landreform von 1919. Viele der damals mit Land versehenen serbischen Neusiedler hatten sich nach der Niederlage Jugoslawiens im April 1941 den Partisanen angeschlossen und ihren Besitz nördlich der Donau aufgegeben. Am 19. Juni 1941 wurde von der Kommissarischen Serbischen Regierung auf Veranlassung der deutschen Besatzungsbehörden eine Gesetzesverord- nung erlassen, die den Verkauf von nicht selbst bewirtschaftetem Grund- besitz vorschrieb (vgl. Schlarp 1986, 344). Des Weiteren wurde für die Til- gung der dem serbischen Staat vom Deutschen Reich für entstandene Kriegsschäden auferlegten Schulden in Höhe von 500 bis 600 Millionen Dinar ein besonders fruchtbarer Landstrich, das »Pancevoer Ried«, an die Volksdeutschen verkauft. Diese konnten, wie es in einem Brief der VOMI an das Auswärtige Amt vom 24. Oktober 1941 heißt, auf diese Weise 42 000 Joch guten Ackerbodens erwerben (vgl. PA/AA: Inl. Ild R100614). Ebenfalls im Herbst 1941 wurde der Kauf und Verkauf von Grundstücken genehmi- gungspflichtig. So sollte, wie aus einem Schreiben der VOMI an den Volks- gruppenführer Janko vom 11. November 1941 hervorgeht, ausdrücklich der Bodenerwerb für Volksdeutsche erleichtert und im Gegenzug für Serben erschwert werden (BA: NS19/1728). Damit bediente sich die deutsche Besatzungsmacht eben jener Mechanismen, die noch, als der jugoslawische Staat sie angewandt hatte, von donauschwäbischer Seite massiv kritisiert worden waren. In einem Schreiben des Auswärtigen Amtes an den Volks- gruppenführer Dr. Janko vom 11. November 1941 wird über die Unterbin- dung des Liegenschaftsverkehrs ausgeführt, dass diese Maßnahme in kei- ner Weise gegen Bodenkäufe der Volksdeutschen gerichtet sei, sondern vielmehr eine Sicherung gegenüber nichtdeutschem Bodenkauf darstellen sollte – also, wie es in dem Schreiben heißt, »eine Erneuerung der zur ju- goslawischen Zeit eingeführten Kampfbestimmungen … mit umgekehrten Vorzeichen« sei (PA/AA: Inl. Ild R100614). Auch das im März 1942 einge- führte Früchtepfandrecht »zur Förderung der kriegswirtschaftlich wichti- gen Produktion« gelte nur für Volksdeutsche und werde »nur von Volks- deutschen Verwaltungs- und Kreditorganen durchgeführt« (BA: NS19/ 1728), wie die VOMI dem Reichsführer-SS berichtete.
Bei der Arisierung jüdischer Geschäfte und Betriebe, die bereits 1941 be- gann, sich insgesamt aber bis 1944 hinzog, wurden ebenfalls in erster Linie Volksdeutsche bedacht (vgl. Schlarp 1986, 294).20 Allerdings musste dabei zum Teil auf die Ansprüche der im Banat lebenden Ungarn Rücksicht ge- nommen werden. Aus einem Schreiben der VOMI an das Auswärtige Amt

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Die »Volksgruppe« im Bereich des Militärbefehlshabers Serbien
vom 30. Oktober 1941 wird deutlich, dass nach einer Besprechung zwi- schen dem SS-Brigadeführer Behrends und dem Volksgruppenführer Dr. Janko vereinbart wurde, dass der »Judenbesitz« entsprechend dem Zah- lenverhältnis zwischen Deutschen und Madjaren zu zwei Dritteln von den Volksdeutschen und zu einem Drittel von den Ungarn beansprucht werden konnte (vgl. PA/AA: Inl. Ild R 100614).21 Dass die Volksdeutschen an dem Verkauf des »Judenbesitzes« regen Anteil nahmen, wird aus einem Schrei- ben an die VOMI vom 31. Oktober 1941 ersichtlich. Hier beschwerte sich der Landesbauernführer der Deutschen Volksgruppe, Sepp Zwirner, dass die Genehmigung des Kaufs von »Judenbesitz« zu langsam vor sich ging, und verlangte eine schnelle Verbesserung dieser Situation (vgl. ebd.).22 Ins- gesamt war das Ziel der Arisierungsmaßnahmen offensichtlich. Es ging auch hier darum, die Stellung des »Deutschtums« zu stärken. Aus einem Aktenvermerk zu einer Besprechung über die Verwaltung des Judenvermö- gens vom 17. März 1942 ist zu entnehmen, dass die dabei getroffenen Maß- nahmen nicht nur bewusst ergriffen, sondern auch öffentlich bekannt ge- macht worden waren:
»Seit der Erwerb wirtschaftlicher Unternehmen aus undeutscher Hand möglich ist, wurde auf eine breite Heranführung von Volksdeutschen Kaufinteressenten wert gelegt. Es erfolgte diesbezüglich eine Bekannt- machung des Hauptamtes für Volkswirtschaft in geeigneter Weise (intern bei Amtsverwaltertagungen und öffentlich durch die Zeitung Banater Beobachter). Die Auswahl zwischen den Anmeldungen wurde im Hin- blick auf früheren volkspolitischen Einsatz und nach sozialen Gesichts- punkten getroffen« (PA/AA: Inl. Ild 5/3 R100548).
Dabei scheint es hier in der ersten Phase der Arisierungen zu einer über- proportionalen Bereicherung von Teilen der Volksgruppenführung gekom- men zu sein. Deutlich wird dies in einem dem Legationsrat Dr. Reichel am 28. April 1942 vorgelegten Bericht:
»Die Tatsache jedoch, dass diese bisher zum größten Teil vermögenslos- en hauptamtlichen oder ehrenamtlichen Angehörigen der Volksgruppen- führung plötzlich Grundstücke besaßen, hat sich stimmungsmäßig in der Bevölkerung so schlecht ausgewirkt, daß es schließlich zu einer Prestige- frage für die Volksgruppenführung wurde und Volksgruppenführer Dr. Janko sich gezwungen sah, … sämtliche von Angehörigen der Volks- gruppenführung geschlossenen Privatverträge zum Erwerb von Juden- vermögen rückgängig zu machen« (PA/AA: Inl. Ild 19/2 R100587).23

 

Insgesamt hatte im Banat mit seinem großen Anteil deutschsprachiger Bevölkerung die Arisierung nach dem Bericht der Treuhandverwaltung vom 31. Dezember 1943 dazu geführt, dass 80% der arisierten Vermögensobjekte auf Volks- oder Reichsdeutsche entfallen waren, während es in Restserbien mit seinem geringen Anteil deutschsprachiger Bevölkerung immerhin noch 52% waren (vgl. Schlarp 1986, 301). Dabei hatten die Verkäufe auf dem Preisniveau vom April 1941 getätigt werden müssen, was schon bei Erwerb den Käufern einen Gewinn zusicherte, der anderweitig auch bei be- ster Geschäftsführung nicht zu erzielen gewesen wäre (ebd. 300). Darüber hinaus waren es wiederum Volksdeutsche, die von der Treuhandverwal- tung als »kommissarische Leiter« jüdischer Betriebe eingesetzt wurden und so großen Einfluss auf deren Weiterführung hatten (ebd. 301). So be- fand sich unter den sechzehn kommissarischen Leitern von arisiertem jü- dischem Vermögen, die zwischen Juli 1941 und März 1942 in der Belgrader Donauzeitung aufgeführt wurden, nicht ein einziger mit jugoslawischem Namen (vgl. Hilberg 1990, 728).
Die wirtschaftliche Stärkung der Volksdeutschen wirkte sich für die Be- dürfnisse der Besatzungsbehörden nachdrücklich positiv aus. Das Banat stellte drei Viertel seiner landwirtschaftlichen Überschüsse für die Ausfuhr und die Versorgung der in Serbien stationierten Besatzungstruppen zur Verfügung. Die Banater Landwirtschaft war sogar in den Jahren 1943/44, trotz der erfolgten Aufstellung der SS-Division »Prinz Eugen« und dem daraus resultierenden Mangel an Volksdeutschen Arbeitskräften, zu einer Steigerung ihrer Produktion in der Lage (vgl. Schlarp 1984, 354). In einer am 22. Juli 1943 von Belgrad an das Auswärtige Amt geschickten »Aufstel- lung über den Kriegseinsatz der Deutschen Volksgruppe im Banat und Ser- bien« hieß es, dass de facto 17% der Volksgruppe eingezogen worden wa- ren. Aus dem gleichen Schreiben wird ersichtlich, dass die Leistungen in der Produktion auf den besonderen Einsatz der Frauen, denen »andersna- tionale« Arbeitskräfte zugewiesen wurden, und den Ernteeinsatz der »Deutschen Jugend« zurückzuführen war (PA/AA: Inl. IIc 32/153 R100380). In einem Vortrag, den der Leiter des wirtschaftlichen Hauptamtes, Leopold Egger,24 anlässlich der ersten Banater Hochschulwoche vom 3. bis 10. April 1944 in Betschkerek gehalten hatte, wurde die wirtschaftliche Bedeutung der Banater Schwaben zusammengefasst (vgl. PA/AA: Inl. Ild 5/3 R100548). Aus Eggers Vortrag wird die ganze Dynamik deutlich, die das Wirtschafts- leben der Banater Schwaben in den wenigen Jahren der deutschen Beset- zung entwickelt hatte. In Hinblick auf die Bodennutzung führt Egger aus,

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Die »Volksgruppe« im Bereich des Militärbefehlshabers Serbien
dass sich seit 1835 der Bodenbesitz der Volksdeutschen durch Ankauf von Grundstücken um 129% vergrößert hatte. Da 1919 bei der Landreform ein Großteil Volksdeutschen Bodenbesitzes an serbische Landbevölkerung ver- teilt worden war und bei den aus der Änderung der Landreform von 1941 resultierenden Landaufkäufen zu 85 % Volksdeutsche beteiligt waren (vgl. Schlarp 1986, 344), wird der Zusammenhang zwischen deutscher Besat- zungsmacht und der neuerlichen Ausdehnung der Volksdeutschen Land- wirtschaft ersichtlich. Noch deutlicher wird dieser Zusammenhang bei der industriellen Produktion. Nach Egger waren 1944 etwa 58 % der Gesamtin- dustrie und sogar 77% der Mühlen, im Banat der wichtigste industrielle Bereich, in Volksdeutschem Besitz. Bei den technisch besser ausgestatteten Handels- und Exportmühlen waren es noch 50%. Vor der Arisierung wa- ren zahlreiche dieser landwirtschaftlichen Schlüsselbetriebe, wie Mühlen und Maisdörranlagen oder auch die Ölfabrik A. G. und die Zuckerfabrik A.G. in Betschkerek sowie eine der bedeutendsten Glasfabriken Südost- europas, in Pantschowa, in jüdischem Besitz (vgl. Schlarp 1986, 295). Vom gesamten Aktienkapital aller sechzehn Banken im Banat entfielen 60 % auf die drei deutschen Banken. Die Differenz zwischen den wirtschaftlichen Möglichkeiten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Banat zeigt sich auch bei den Spareinlagen: 87 % der Einlagen befanden sich auf Kon- ten der deutschen Banken, von denen wiederum 84 % von deutschen Spa- rern getätigt worden waren (vgl. PA/AA: Inl. Ild 5/3 R100548). Darüber hin- aus bemühte sich die Volksgruppenführung Ende 1942 aktiv auch in Hin- blick auf die Bezahlung von Beamten, die Vergabe von Sonderrationen und anderer Vergünstigungen um die völlige Gleichstellung der Volksdeut- schen im Banat und in Serbien gegenüber den Reichsdeutschen, wie der Gesandte Benzler an das Auswärtige Amt in Berlin berichtete (PA/AA: Inl. IIc R100382). Im Juli 1943 schrieb Benzler dann:
»Den deutschen Volkszugehörigen im Banat werden im Grunde genom- men die gleichen Pflichten wie den Reichsangehörigen auferlegt. Dies gilt insbesondere bezüglich ihrer Kriegsdienstleistung. Es ist daher nur billig, wenn sie auch bezüglich ihrer Rechte den Reichsdeutschen gleichgestellt werden« (PA/AA: Inl. Ilg 283/2497 Dok. H299801).

Im August 1943 erfolgte dann die letzte »Verordnung über die Rechtsstel- lung der deutschen Volksgruppe« im Banat und in Serbien, die, wie sich später Janko ausdrückte, alle »Erfordernisse«, welche die Volksgruppen- führung für »unerläßlich« hielt, erfüllte (vgl. Janko 1982, 100). Die Banater Schwaben erwiesen ihren Dank für den Aufstieg ihrer Volksgruppe durch überdurchschnittliche Leistungen bei der Ausfuhr von landwirtschaft- lichen Produkten ins Deutsche Reich25 und einen hohen Anteil an Kriegsteilnehmern.
Für die Volksdeutschen, besonders im Banat und in Serbien, ergab sich aus den Maßnahmen der deutschen Besatzungsbehörden eine zweischnei- dige Situation. Grundsätzlich wurden sie als Angehörige der Volksgruppe nicht nur kollektiv, sondern auch individuell zu Profiteuren der Besat- zungspolitik. Damit musste aber jeder Volksdeutsche fürchten, unabhängig von seiner persönlichen Beteiligung an Kampfhandlungen, gerade auch durch die allgemein verbesserte Stellung der deutschen Volksgruppe gene- rell als Angehöriger des »deutschen Volkes« zu gelten und so zur Zielscheibe für Racheakte und von Partisanenüberfällen zu werden.
Wegen der Stärke der Partisanenverbände war es der deutschen Besat- zungspolitik nicht möglich, die Volksdeutsche Zivilbevölkerung in allen Teilen des ehemaligen Jugoslawiens gleichermaßen vor Überfällen zu schützen. Die Intensität der Bedrohung variierte je nach Zeitpunkt und Region. Während beispielsweise die durch die Überfälle schwierig gewor- dene Lage der Volksdeutschen in Bosnien-Herzegowina deren Umsiedlung verlangte, wurde das Banat 1942 von der deutschen Besatzungsmacht relativ sicher kontrolliert (vgl. BA: NS19/41). Am 15. Januar 1942 konnte der Polizeipräfekt für das Banat, Reith, berichten, dass die Partisanenbewe- gung im Banat zerschlagen worden war (PA/AA: Inl. Ilg 283/2500 Dok. H299920).26 Die wirtschaftliche und soziale Situation der Volksdeutschen im Banat während der Zeit der deutschen Besatzung kann denn auch tref- fend mit den Worten Jankos umschrieben werden:
»Die seit 20 Jahren gehegten Wünsche der Volksgruppe [gingen] infolge der Besetzung des Landes fast restlos in Erfüllung und das Westbanat [war] dadurch im Vergleich zu den anderen deutschen Volksgruppen des Südostens im Vorteil« (Janko 1982, 230).27
An dieser Stelle soll noch einmal auf den Aspekt der Ein- beziehungsweise Ausgrenzung durch die Volksgruppe eingegangen werden. Das Phantasma der Reinheit äußerte sich nicht nur in der Ausgrenzung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerungsteile des Banats und Serbiens. Auch gegenüber der durch Akkulturation und intermarriage eingetretenen Veränderung im Verhältnis von Teilen der Banater Schwaben zu ihren serbischen Nachbarn kommt sie zum Tragen. Dies zeigt sich in aller Deutlichkeit in einem

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Die »Volksgruppe« im Bereich des Militärbefehlshabers Serbien
Schreiben Jankos an den Reichsführer-SS Himmler vom 3. Juli 1943. Janko schrieb, dass die Volksgruppenführung schon vor dem Krieg versucht hat- te, alle »Volksgenossen« zu erfassen und weltanschaulich zu schulen, aber dabei vor allem in Südserbien und in Belgrad auf Schwierigkeiten gestoßen sei. Er fährt fort: »Es kamen damals nur die wertvolleren. Die sozial schon sehr gesunkenen Teile, diejenigen, die Mischehen eingegangen waren oder aus Mischehen stammten, blieben fern« (BA: NS19/2601). Janko kommt dann darauf zu sprechen, dass – nachdem deutsche Truppen einmarschiert waren und Deutsche bei der Lebensmittelvergabe bevorzugt wurden – nun auch diejenigen, die vorher fern geblieben waren, der Volksgruppe beitre- ten wollten. Auf Weisung Jankos waren sie aber nur als Bewährungsmit- glieder eingestuft und in den folgenden zwei Jahren ständig »gesiebt« wor- den. Bei der letzten »Hauptkontrolle«, ob der Einzelne als Deutscher ange- sehen werden konnte, wurden die restlichen Bewährungsmitglieder in drei Gruppen – A, B und C – eingeteilt:
»A.) Hiess: Charakterlich, volkspolitisch einwandfrei, sozial sicherge- stellt. B.) Hiess: Charakterlich einwandfrei, volkspolitisch unzuverlässig.
Da Mischehe eingegangen oder aus Mischehe stammend. Wobei keine
Gewähr für die deutsche Erziehung der Kinder gegeben ist. Ebenso fielen in diese Gruppe jene, die rein deutscher Abstammung sind, aber schwer in eine sozial gehobene Stellung untergebracht werden können, bez. den Arbeitsplatz gerne wechseln. C.) Hiess: Zu viel serbisches Blut, absolut
unzuverlässig, asozial. C. wurde endgültig aus der Volksgruppe ausge-
schlossen und ihr die Zugehörigkeit zum Deutschtum aberkannt« (BA: NS 19/2601; Hervh. v. Verf.).
Die Gruppe A sollte laut Janko als Vollmitglieder aufgenommen, der über- wiegende Teil von B – 323 Familien mit 1765 Personen – sollte ins Reich ausgesiedelt werden, damit sie sich aus der »volksfremden« Umgebung lö- sen und ihre Kinder für das Deutschtum gewonnen werden könnten. Da aber die meisten dieser Familien Männer und Söhne bei der Division »Prinz Eugen« hatten, befürchtete Janko, dass Unruhe entstehen könnte, wenn die Volksgruppenführung selbst die Umsiedlung verfügen würde. Janko betonte, dass die Umsiedlung von größter Wichtigkeit sei:
»Es liegt im deutschen Interesse, dass hier in Belgrad Deutsche leben, die
sozial, wirtschaftlich und kulturell, aber auch volkspolitisch ihrer Umgebung gegenüber überlegen sind. Es geht nicht an, dass die Volks-
gruppe, wie dies in früheren Jahren der Fall war, hier in Belgrad den Serben einen Hausmeister. Dienstmädchen und Bürodiener abgibt.

Diesem aber kann nur durch eine radikale Umsiedlung abgeholfen werden. Ich bitte deshalb um ihre Entscheidung« (ebd.; Hervh. v. Verf.).
In Jankos Schreiben finden sich alle Aspekte, welche die ungeheure Destruktivität und Unmenschlichkeit von Nationalismus – hier Nationalsozialismus – und Rassismus ausmachen. Die dabei zum Tragen kommende Formel war ebenso einfach wie menschenverachtend: Je reiner das Eigene ist, desto mehr ist es dem Fremden überlegen. Je mehr Fremdes im Eigenen vorhanden ist, desto mehr ist die eigene Überlegenheit gefährdet. Dies straft alle Beteuerungen nationalistischer Ideologie Lügen, nachdem Nationalismus ausschließlich die Theorie der Verschiedenheit und nicht die der Überlegenheit der eigenen Nation, des eigenen Volkes und der eigenen Rasse beinhaltet.28 Aus diesem Herrschaftsaspekt des Phantasmas der Reinheit leitet sich die Radikalität und Konsequenz der von den deutschen Stellen durchgeführten Maßnahmen ab. Die Einteilung in A, B, C konnte für die davon betroffenen Personen einerseits bedeuten, dass sie als Serben, also »C- Menschen«, zu den Zivilisten gehören konnten, die als Geiseln bei »Sühnemaßnahmen« erschossen wurden. Andererseits konnte man als vollwertiger Deutscher, also »A-Mensch«, materiell von dem Sieg der deutschen Truppen profitieren. Konsequenter kann die Verbindung der psychischen Motivation der einfachen Mitglieder einer ethnischen Gruppe mit den eigennützigen, politisch-ökonomischen Interessen der Führungsschichten nicht hergestellt werden, kann der Eindruck einer homogenen Einheit nicht erzwungen werden.
In den Jahren ab 1941 konnten dann die Volksdeutschen durch ihre Zu- gehörigkeit zur Volksgruppe nicht nur ihre Privilegien genießen,29 sondern wurden im weiteren Kriegsverlauf auch vermehrt in die Verteidigung ihrer bevorzugten Stellung eingebunden. Das heißt, bei der Motivation der Volksdeutschen für ihren Einsatz im Kampf gegen ihre ehemaligen Nach- barn war die Angst vor dem Fremden, war der Wunsch, das Fremde zu be- kämpfen, mit konkreten materiellen und sozialen Interessen verknüpft.

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Die »Volksgruppe« im Bereich des Militärbefehlshabers Serbien
2.3
Erste Pläne zur Aufstellung einer neuen SS-Division
Der Überfall auf die Sowjetunion wurde für die Verwendung der Volksdeutschen in der Waffen-SS zum Wendepunkt. Bis zu diesem Zeit- punkt war die Rekrutierung von Volksdeutschen für die Waffen-SS unter rein quantitativen Gesichtspunkten vorgenommen worden. Die Stellung der Wehrmacht als alleiniger Waffenträger der Nation hatte zwar seit den Führererlassen vom 17. August 1938 und 18. Mai 1939 in den bewaffneten Verbänden der SS Konkurrenz bekommen, doch blieb der Zugriff der SS bei den reichsdeutschen Rekruten auf Freiwillige beschränkt (vgl. Wegner 1997, 112 ff). Die SS versuchte durch vielfältige Maßnahmen ihre Truppen- stärke trotzdem zu erhöhen. Sie forcierte den Druck bei der Rekrutierung von reichsdeutschen Freiwilligen und wandte sich vermehrt den im Aus- land lebenden Volksdeutschen sowie aus so genannten »germanischen Ländern« stammenden ausländischen Freiwilligen zu (vgl. ebd. 274). Die Idee, durch die Rekrutierung von Volksdeutschen eine zahlenmäßige Ver- stärkung der Waffen-SS zu erreichen, ging auf den Leiter des SS-Hauptam- tes Gottlob Berger zurück (vgl. Stein 1967,153; Wistrich 1983, 2l).30 Bis zum Winter 1941/42 war es allerdings üblich, die rekrutierten Volksdeutschen unter rein quantitativen Aspekten zu betrachten31 und sie unabhängig von ethnischen Gesichtspunkten den verschiedenen SS-Divisionen als Ersatz zuzuführen. Dass dieses Prinzip bei der Aufstellung der 7. SS-Division »Prinz Eugen« zum ersten Mal aufgegeben werden sollte, hatte verschiede- ne Gründe. Sie lassen sich auf die äußerst komplizierte Lage Ende 1941 und die sich daraus ergebenden Notwendigkeiten zurückführen.
Der schnelle Vorstoß der deutschen Verbände in der Sowjetunion war vor Moskau zum Stehen gekommen. Der harte Winter und die einsetzende sowjetische Gegenoffensive führten zu hohen Verlusten bei den deutschen Verbänden, die vor allen Dingen bei der Waffen-SS nicht befriedigend er- setzt werden konnten (vgl. Stein 1967, 151). Die Frontlage stellte höchste Anforderungen an die physische und psychische Belastbarkeit der Solda- ten in Wehrmacht und Waffen-SS und damit auch an den ihnen zugeführ- ten Ersatz. Der Kommandeur der SS-Division »Totenkopf«, SS-Gruppen- führer Eicke, berichtete in einem Schreiben vom 15. November 1941 über seine Erfahrungen im Ostfeldzug und bemängelte, dass er insgesamt nicht genügend Ersatz erhalten hatte, um die Verluste an Mannschaften und be-
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
sonders an gefallenen Führern auszugleichen. Eicke kam dann auf die Ver- fassung des »Nachersatzes« zu sprechen und resümierte:
»2. Körperlicher Zustand: Der Nachersatz aus dem Altreich befindet sich durchweg in guter körperlicher Verfassung. Der Volksdeutsche Nach- ersatz ist meistens unterernährt und den körperlichen Anstrengungen weniger gewachsen und daher für Krankheit anfällig. 3. Geistige Verfassung: Altreich gut. Unter den Volksdeutschen befindet sich eine große Anzahl, die man als geistig minderwertig bezeichnen kann. Viele davon können nicht deutsch schreiben und lesen. Sprechen Kommandosprache nicht, haben bei Drückebergerei immer die Ausrede: Ich nicht verstehen« (Prag: Karton 1, 4/kr.l. SS Kraftfahr, Ausbildungs- und Ersatzregiment).32
Eicke beschwerte sich im gleichen Schreiben weiter über Volksdeutsche, die auf dem Posten schliefen. Generell seien sie mit ihrem Hang zur Selbst- verstümmelung und Feigheit eine Belastung. Er zog daraus die Schlussfol- gerung, dass der Einsatz der Volksdeutschen in der Waffen-SS umstruktu- riert werden sollte und schlug vor, dass
»Volksdeutsche Ersatzmänner … daher den Feldeinheiten nur dann zugeführt werden [können], wenn sie die deutsche Sprache vollkommen beherrschen und für ihr Tun und Lassen verantwortlich gemacht werden können. Volksdeutsche, die diesen Anforderungen nicht genügen, müssen in der Heimat zu Fremdenbataillonen zusammengestellt und monatelang besonders geschult und beobachtet werden« (ebd.).

Die nationalistische Arroganz gegenüber den ethnischen Merkmalen des Volksdeutschen Ersatzes, die aus den Äußerungen des reichsdeutschen SS- Gruppenführers sprach, war weit verbreitet und sollte grundsätzlich zu ei- nem Problem zwischen den oft reichsdeutschen Führern und den Volks- deutschen Mannschaften nach der Aufstellung der SS-Division »Prinz Eu- gen« werden (vgl. Kumm 1978, 53; Janko 1982, 226ff; Michaelis 1998,117).33 Darüber hinaus wird aber hier von Eicke eine neue Perspektive bei der Verwendung Volksdeutscher Rekruten der Waffen-SS aufgezeigt. Von ihm durchaus als eine Art der Vorbereitung des Nachersatzes für seine Einglie- derung in die reichsdeutschen Verbände der Waffen-SS gedacht, sollte der Einsatz der Volksdeutschen in ihrer Heimat in Form der 7. SS-Division »Prinz Eugen« einen anderen Schwerpunkt bekommen.
Gleichzeitig mit den ersten Rückschlägen in der Sowjetunion hatte der Partisanenkrieg in Jugoslawien an Intensität zugenommen. Die von der
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Die »Volksgruppe« im Bereich des Militärbefehlshabers Serbien
Deutschen Wehrmacht eingesetzten reichsdeutschen Divisionen hatten da- bei einerseits trotz schärfster Vergeltungsmaßnahmen die Partisanentätig- keit nicht völlig unterbinden können, andererseits fehlten sie dringend im Stellungskrieg an der Ostfront (vgl. Stein 1967, 153). In dieser Situation fand wiederum ein Besuch des Volksgruppenführers Dr. Janko bei Heinrich Himmler in Berlin statt. Am 6. November 1941 machte Dr. Janko dort, wie er später schreibt, den Vorschlag, einen Volksdeutschen »Heimatschutz« im Banat aufzustellen (vgl. Janko 1982, 214).34 Das Regiment in der Stärke von 3000 Mann sollte seiner Verfügungsgewalt unterstehen und aus- schließlich im Banat zur Partisanenbekämpfung eingesetzt werden. Neu an diesem Vorschlag, der an die bereits im Juli 1941 entwickelte Idee des »Selbstschutzes« anknüpfte und den Umfang der Bewaffnung der Banater Schwaben weiter ausdehnte, waren die sich aus ihm ergebenden Möglich- keiten. Im Gegenzug sollte es nämlich diese Maßnahme nach Überzeugung Jankos der Wehrmachtsführung ermöglichen, alle reichsdeutschen Divisio- nen aus dem Banat abzuziehen (vgl. ebd.). An der Besprechung des Reichs- führers-SS Heinrich Himmler mit Dr. Janko nahm auch der Volksgruppen- führer aus Kroatien, Branimir Altgayer, teil (vgl. Hamburger Institut 1999, 256). Auch in Kroatien existierten bereits SS-ähnliche Formationen wie die so genannte »Einsatzstaffel« (ES), die Verstärkung erhalten sollten. Die ES war bereits im Spätsommer 1941 als bewaffneter Teil der »Deutschen Mannschaft« im Rahmen der Ustascha-Miliz aufgestellt worden. Die Stär- ke der Einsatzstaffel betrug durchschnittlich ungefähr 2500 Mann und sie war, ähnlich wie der »Selbstschutz« im Banat, bereits zur Partisanenbe- kämpfung eingesetzt worden (vgl. Sundhaussen 1971, 179). In der oben ge- nannten Besprechung wurde unter anderem festgelegt, dass die Volksdeut- schen Mitglieder des Banater Regiments von im Partisanenkampf erfahre- nen Offizieren und Unteroffizieren ausgebildet werden sollten (vgl. Janko 1982, 214).
Kurze Zeit später genehmigte Adolf Hitler, wie der Chef des Oberkom- mandos der Wehrmacht, Keitel, am 30. Dezember 1941 an Heinrich Himm- ler schrieb, »die Aufstellung Volksdeutscher Verbände in Serbien« in der von Himmler »beabsichtigten Form« (BA: NS19/3519, Dok. 197). Aus dem gleichen Schreiben geht hervor, dass die Aufstellung der neuen SS-Ver- bände in direktem Zusammenhang mit der Verlegung weiterer Divisionen des Heeres von Jugoslawien an die Ostfront zu sehen ist. Keitel führt wei- ter aus:
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
»Um die Einsatzbereitschaft dieser Verbände mit dem Abtransport der z. Zt. auf dem Balkan eingesetzten Divisionen des Heeres nach dem Osten in Einklang zu bringen, wäre es besonders erwünscht, wenn Teile dieser Verbände schon ab Februar 42 einsatzbereit wären« (ebd.).

Sowohl der Zusammenhang zwischen dem Abzug von Teilen des Heeres und der Aufstellung der neuen Verbände als auch deren zukünftige Aufga- ben sind besonders deutlich aus einem späteren Schreiben Ribbentrops vom 4. Februar 1942 an die Gesandten in Budapest und Belgrad zu ersehen:
»Um bei der Unterdrückung der kommunistischen Aufstände in Serbien einen Ersatz für die von dort zurückgezogenen deutschen Armeekontin- gente zu schaffen, wird beabsichtigt, in nächster Zeit unter den Volks- deutschen im Banat und in Serbien Werbungen für die Bildung einer be- waffneten Heimwehr einzuleiten« (PA/AA: Inl. Ilg 17d/1767 Dok. 129707).
Es zeigt sich dabei auch, dass der Vorschlag zum Aufbau eines Heimat- schutzes ein wichtiger Schritt für die Aufstellung der SS-Division war. In der gesamten Vorlaufphase der Aufstellung der Division bis zur Musterung der ersten Rekruten im März 1942 war in der Korrespondenz zwischen dem Volksgruppenführer Janko, den Abteilungen des Auswärtigen Amtes und der Waffen-SS in Bezug auf die neuen Verbände nur von der bewaffneten »Heimatwehr« oder auch »Heimwehr« die Rede (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 323/2606). Somit war man sich der speziellen Aufgabe, die dieser Heimat- wehr in Form einer neuen SS-Gebirgsdivision zufallen würde, wie der spä- tere Divisionskommandant Otto Kumm sich erinnert, klar bewusst. Nach den schweren Kämpfen, die die Wehrmacht in dieser Region nach der Zer- schlagung des jugoslawischen Staates mit Partisanenverbänden geführt hatte, ging es nun um die weitere »Sicherung« dieses Gebietes (vgl. Kumm 1978, 43). Dabei ergänzten sich die Vorstellungen der Volksgruppenführung und der Wehrmachts- sowie SS-Führung in der Frage der kriegsmäßigen Verwendung der Banater Schwaben. Erstere verknüpften nicht nur endgül- tig die Sicherung der Privilegien ihrer Volksgruppe mit dem Erfolg der deutschen Truppen bei der Aufstandsbekämpfung, sondern waren darüber hinaus bereit, die Sicherung des Banats von bewaffneten Formationen der Volksgruppe selbst übernehmen zu lassen. Für Letztere bedeutete dies die Chance, einerseits im Partisanenkrieg umfassend auf orts- und sprachkun- dige Volksdeutsche Rekruten zurückgreifen zu können, deren Einsatz sich
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
im Stellungskrieg an der Ostfront nicht wirklich bewährt hatte. Anderer- seits konnten so für den Einsatz in der Sowjetunion dringend benötigte Di- visionen aus Jugoslawien abgezogen werden. Die gleichzeitig erfolgte end- gültige ideologische Gleichsetzung der ethnischen Interessen der Banater Schwaben mit den nationalen Interessen des Deutschen Reiches wurde in einer Rundfunkansprache des Volksgruppenführers Dr. Janko vom 6. April 1943 deutlich. Dabei sagte dieser:
»Das deutsche Volk im Reich hat freudigen Herzens von unserem Dasein Kenntnis genommen und uns wieder in seine Gemeinschaft aufgenom- men, und unsere Gegner haben uns als Deutsche kennengelernt« (PA/AA: Inl. IIc 32/153 R100380; Hervh. v. Verf.).
3
Die 7. SS-Freiwilligen Gebirgsdivision »Prinz Eugen«
3.1
Die Werbung
Die Rekrutierung der Männer für diese erste Volksdeutsche SS-Division lässt sich in verschiedene Phasen unterteilen. Grundsätzlich stand schon bei der Planung fest, dass ein kleiner Teil der Divisionsangehörigen aus Reichsdeutschen bestehen würde, da es vor allem an Volksdeutschen Führern und Spezialisten mangelte. Solange man aber davon ausging, dass es darüber hinaus möglich sein würde, die Division in der notwendigen Stärke ausschließlich aus dem Banat und Serbien35 aufzustellen, wurde die Einbeziehung von Volksdeutschen aus anderen Staaten Südosteuropas, bis auf einzelne Freiwillige, aus außenpolitischen Gründen abgelehnt. Damit fand eine offene Werbung für die Division anfangs auch nur in ihrem ersten Einsatzgebiet, im Banat und in Serbien, statt. Nachdem schnell deutlich ge- worden war, dass die Anzahl der wehrpflichtigen Banater Schwaben nicht ausreichen würde, um die Division auf die beabsichtigte Kampfstärke zu bringen, wurde sie zunächst mit Volksdeutschen aus Kroatien aufgefüllt, der Region also, in der die Division in der zweiten Phase, bis zum Ende des Krieges, auch hauptsächlich eingesetzt werden sollte. Im Zuge eines Ab- kommens zwischen der SS und Rumänien wurde dann im weiteren Verlauf des Jahres 1943 auch ein Teil der Volksdeutschen aus Rumänien gezielt zum Ersatz für die Division herangezogen.
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
Zunächst werden die im Verlauf der Werbung durchgeführten Maßnah- men ausführlich für das Banat und für Kroatien dargestellt.36 In diesen Ge- bieten fielen Einsatz und Werbung direkt zusammen, sodass dort die na- tionalsozialistische Ideologie bei der Instrumentalisierung des Ethnischen besonders erfolgreich war. Dort traten die mit der Instrumentalisierung ein- hergehenden Mechanismen in aller Deutlichkeit zutage, sodass sich an ih- nen exemplarisch die Strukturen dieses Prozesses aufzeigen lassen. Im An- schluss daran werden die Gründe für den Dienst von rumänischen Volks- deutschen in der »Prinz Eugen« geschildert.37 In Hinblick auf die SS-Män- ner aus dem Deutschen Reich ist anzunehmen, dass sie sich für den Dienst in der »Prinz Eugen« aus den unterschiedlichsten Gründen meldeten. Ein- zelne Aussagen, die hierzu vorliegen, werden im Laufe des vorliegenden Kapitels dargestellt und geben zumindest ansatzweise einen Einblick in ih- re Motive.

3.1.1
Im Banat
Bei der Verwirklichung der Pläne zur Aufstellung der 7. SS-Division »Prinz Eugen« versuchte man an alte Traditionen der Kolonisation anzu- schließen und die ethnischen Widersprüche zwischen der deutschsprachi- gen Bevölkerung und ihren Nachbarn auszunutzen. So griff man bei der Namensgebung der Division auf Vorschlag des ersten Divisionskomman- danten, SS-Gruppenführer Artur Phleps, auf Prinz Eugen zurück (vgl. Jan- ko 1982, 220). Damit hatte man, wie der spätere Divisionskommandant, SS- Brigadeführer Otto Kumm, ausführt, »bewußt an die jahrhundertelange Tradition der Grenzer-Regimenter angeknüpft, hier wie dort die große Mehrheit der Soldaten aus dem Bauernstand, bereit, ihre Heimatscholle zu verteidigen« (Kumm 1978,40). Auch die Ernennung des ersten Divisions- kommandeurs, Artur Phleps, war in diesem Zusammenhang bedeutsam. Aus einem Schreiben Bergers an Himmler vom 10. April 1941 geht hervor, dass Phleps generell von der SS-Führung gefördert worden war, da man sich von ihm eine Anziehungskraft auf die Volksdeutschen versprach und sich deswegen SS-Freiwillige auch aus Rumänien erhoffte (vgl. BA: NS19/ 2724). Dass Phleps die Aufgabe zufiel, die 7. SS-Division aufzubauen, spie- gelt den Versuch wider, ethnische Merkmale zu einem Orientierungspunkt bei der Aufstellung und der Verwendung der Division zu machen.
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Phleps stammte aus Siebenbürgen. Er hatte bereits unter der k.u.k-Monarchie als Offizier in Bosnien gekämpft und kannte das in Jugoslawien be- vorstehende Einsatzgebiet. Im Ersten Weltkrieg war er als Major und Gene- ralstabschef an Kämpfen um seine Heimat Siebenbürgen beteiligt. Als im Anschluss an den Krieg auch in Siebenbürgen und Rumänien revolutionä- re Unruhen ausbrachen, wurde Artur Phleps Kommandeur der sächsischen Nationalgarde in Siebenbürgen. Auf diesem Posten war er, wie viele späte- re SS-Führer, an der Bekämpfung der revolutionären Aufstände in Ost- und Südosteuropa beteiligt. 1941 trat Phleps aus der rumänischen Armee aus und nahm als SS-Standartenführer und später als SS-Oberführer am Über- fall auf die Sowjetunion teil (vgl. Kumm 1978, 25; Krätschmer 1982, 509 ff). Phleps vereinte damit entscheidende Prinzipien der 7. SS-Division »Prinz Eugen«: Er war Volksdeutscher, und der Einsatzraum war in einem gewis- sen Sinn Teil seiner weiteren Heimat. Er hatte Erfahrung sowohl in der Ver- teidigung der eigenen Heimat gegen fremde Truppen, als auch in der Be- kämpfung kommunistischer Aufstände. Er zog freiwillig den Waffendienst innerhalb der SS dem Dienst in der Armee seines Herkunftslandes vor.
Anfang 1942 setzte der Reichsführer-SS Heinrich Himmler den SS-Grup- penführer August Meyszner als »Höherern SS- und Polizeiführer« (HSSPF) in Serbien ein und unterstellte ihn dem dortigen Militärbefehlshaber. Die Ernennung Meyszners stand in direktem Zusammenhang mit der Sonderla- ge Serbiens, wie Oberst Foertsch am 2. Febraur 1942 an SS-Gruppenführer Staatsrat Turner schrieb (vgl. BA: NS19/1730). Aus einem Schreiben Himm- lers vom Januar 1942 über den zukünftigen Aufgabenbereich Meyszners wird deutlich, dass dieser sowohl über die gesamten SS-Kräfte als auch über die serbischen Polizeiverbände in der Region verfügen sollte. Er erhielt dabei von Himmler auch den Auftrag, »aus den dort vorhandenen Volks- deutschen Freiwilligenverbände der Waffen-SS aufzustellen« (BA: NS19/ 1728).
Zwischen Anfang und Mitte Februar fanden dann verschiedene Treffen von Vertretern der beteiligten Stellen statt. In diesen Besprechungen wur- den die aus der Aufstellung der Freiwilligenverbände resultierenden Probleme benannt, die langfristig die Geschichte der Division mitbestimmen sollten. Zum einen konnte selbst die Einziehung aller wehrfähigen Männer zwischen siebzehn und vierzig Jahren langfristig nicht ausreichen, die von Meyszner benötigten 24 000 bis 25 000 Mann zu beschaffen, sodass an eine Verstärkung der Verbände durch Volksdeutsche aus Ungarn gedacht wur- de. Wie der erste Divisionskommandeur Phleps im nachhinein am 19. Sep-
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
tember 1942 an den Volksgruppenführer in Kroatien Altgayer unter Hin- weis auf einen Eintrag in seinem Tagebuch schrieb, hatte es am 13. Febru- ar 1942 eine Besprechung mit Altgayer, Lorenz, Meyszner und Phleps in Belgrad gegeben, bei der über die Aufstellung der Division gesprochen worden war. Im Zusammenhang mit den fehlenden Volksdeutschen Rekru- ten sei ihm, Phleps, auch der Gedanke gekommen, dass man doch eine grö- ßere »deutsch-völkische Formation« in Kroatien – nach dem Vorbild der Banater Division – aufstellen und ihm unterstellen könnte (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 305/2563 Dok. J19-20).
Ein weiteres Problem waren die fehlenden Volksdeutschen Arbeitskräf- te in der Landwirtschaft. Sie sollten durch serbische Arbeiter ersetzt wer- den, die wiederum von den 40-50 jährigen Männern der Banater Schwaben beaufsichtigt werden mussten. Bei einem weiteren Treffen, diesmal zwi- schen Phleps, Janko, Meyszner und dem Generalbevollmächtigten der Wirtschaft in Serbien, dem NSFK-Gruppenführer Neuhausen, wurde des- wegen die Einführung einer »Arbeitsleistungsdienstpflicht für die gesamte serbische Bevölkerung bzw. geeignete Jahrgänge derselben« beschlossen (PA/AA: Inl. Ild 26/4 R100615).38 Am 14. Februar 1942 fand, laut eines Te- legramms des Gesandten Benzler, zwischen ihm, dem VOMI-Chef Ober- gruppenführer Lorenz, dem Volksgruppenführer Dr. Janko und dem Höhe- ren SS- und Polizeiführer Meyszner eine Besprechung statt, in der über die konkreten Schritte zur Aufstellung der bewaffneten Heimwehr beraten wurde (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 323/2606 Dok. H299603). In der Frage der Re- krutierung der Volksdeutschen im Banat setzten sich die schon bei den er- sten Plänen zur Aufstellung der Division aufgezeigten Widersprüche fort. Der Führung der Waffen-SS ging es um eine möglichst umfassende Kon- trolle über die wehrfähigen Männer, da sie nach den Erfordernissen der Kriegslage innerhalb der Waffen-SS eingesetzt werden sollten. Die Volks- gruppenführung aber stand dem zwiespältig gegenüber. Zum einen ging die Aufstellung bewaffneter Volksdeutscher Verbände auch auf ihre eige- nen Vorschläge zurück. Zum anderen barg deren Aufstellung innerhalb ei- ner SS-Division die beständige Gefahr, auch außerhalb des Banats einge- setzt zu werden. Aus diesem Grund machte der Volksgruppenführer Dr. Janko während der Besprechung am 14. Februar 1942 in Belgrad den Vorschlag, eine generelle Dienstpflicht der deutschen Volksgruppe im Ba- nat und in Serbien zu erlassen. Dies sollte als Ergänzung zu einem allge- meinen Aufruf an die Volksdeutschen im Banat geschehen, dessen Inhalt schon im Vorfeld der Beratung von den verschiedenen Dienststellen –
//190

Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Volksgruppenführung, Reichsführer-SS, Reichsaußenminister – entworfen und diskutiert worden war. (vgl. BA: NS19/1728, Dok. 9; PA/AA: Inl. Ilg 323/2606 Dok. H299608 und Ilg 17d/l767 Dok. 129704 und 129705). Janko wollte sich so ein größeres Mitspracherecht über die Verwendung der Volksdeutschen Rekruten sichern. Wie er später schreibt, ging es ihm da- mals darum,
»zu verhindern, daß unsere Division gegen kriegsführende Mächte in den Einsatz gebracht werde. Solange sie als Ordnungs- und Schutztrup- pe in unserem Banat… verwendet wurde, war alles … in Ordnung« (vgl. Janko 1982, 219).
Im Anschluss an die Besprechung fragte dann der Gesandte in Belgrad, Benzler, in einem Telegramm vom 16. Februar 1942 an das Auswärtige Amt, ob in Hinblick auf Jankos Vorhaben Bedenken bestünden. Benzler schrieb im selben Telegramm, dass Janko beabsichtigte, mit der Einführung der all- gemeinen Dienstpflicht dem Aufruf größeren Nachdruck zu verleihen, und sein Vorstoß durchaus vom höheren SS- und Polizeiführer in Serbien, Meyszner, begrüßt würde (vgl. PA/AA: Inl. Ilg Bd. 323/2606 Dok. H299615). Dieser Versuch Jankos wurde dann aber sowohl vom Auswärtigen Amt als auch vom Reichsführer-SS zurückgewiesen. So heißt es in einer Vortrags- notiz des Unterstaatssekretärs Luther vom 17. Februar 1942:
»Im Hinblick auf die Deutschen Volksgruppen in den übrigen Staaten hält es Abteilung Deutschland für außenpolitisch bedenklich, wenn der Führer der Deutschen Volksgruppe in Serbien das Recht erhält, die all- gemeine Wehrpflicht für die Angehörigen seiner Volksgruppe zu verkün- den. Der Reichsführer-SS, dem die Angelegenheit von der Volksdeut- schen Mittelstelle vorgelegt wurde, hat ebenfalls eine ablehnende Stel- lung gegenüber dem Plan des Volksgruppenführers eingenommen« (ebd. Dok. H299608).
Allerdings willigte man in die im Wesentlichen von Dr. Janko vorgeschla- gene Version des Aufrufs an die Volksdeutschen in Serbien und im Banat ein (vgl. ebd. Dok. H299599; Janko 1982, 219). Die erste, von Himmler vor- geschlagene Fassung hatte mit den Worten begonnen: »Die deutsche Wehr- macht hat im Frühjahr des vergangenen Jahres Eure Heimat befreit und Euch vom fremden Joch erlöst« (BA: NS19/1728). Auch in den folgenden Zeilen setzte sich diese Form der Ansprache fort. Es war Deutschland, es waren deutsche Truppen, welche für die Banater Schwaben etwas geleistet hatten und jetzt eine Gegenleistung forderten. So hieß es weiter:
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
»Deutschland kämpft mit seinen Soldaten einen schweren Kampf, um unser Vaterland und ganz Europa vor dem Bolschewismus zu bewahren. Auch in Eurer Heimat versuchte der bolschewistische Gegner in den ver- gangenen Monaten und Wochen sein Haupt zu erheben, die Straßen un- sicher zu machen und Eure Dörfer anzuzünden. Deutsche Truppen ha- ben wiederum diese Gefahr gebannt. Für Euch aber ist es nunmehr eine Ehrensache, daß Ihr, den Traditionen Eurer Väter folgend, als Grenzer- volk den Schutz Eurer Heimat selbst übernehmt« (BA: NS19/1728).
Die Sprache des Aufrufs machte darüber hinaus deutlich, dass der Verfas- ser nicht aus der gleichen Heimat stammte und auch nicht zu den Banater Schwaben gehörte:
»Ich rufe Euch daher auf, daß alle Männer vom 17. bis zum 45. Lebens- jahr sich bei den Bürgermeistern der deutschen Dörfer zum Dienst mit der Waffe zum Schutz Eurer eigenen Heimat melden. Von diesem Dienst kann sich keiner, der gesund ist, ausschließen. Deutsche in Serbien und im Banat, zeigt Euch Eurer Väter würdig und stattet Euren Dank an den Führer durch mannhaftes Eintreten und durch die Tat ab« (ebd.).
Der Schluss bestätigt noch einmal die Intention des Aufrufs: Der Eintritt in die Heimwehr wäre so als eine Handlung für Deutschland, als Dank an den Führer erschienen. Die vorgenommenen Änderungen an Himmlers Ent- wurf veränderten den Charakter des Aufrufes entscheidend. In der dann auch veröffentlichten Fassung hieß es:
»Die deutsche Wehrmacht hat im Frühjahr des vergangenen Jahres unsere Dörfer und Wohnstätten unter ihren Schutz genommen« (PA/AA: Inl. Ilg 323/2606 Dok. H299599).39
Und weiter heißt es:
»Deutschland kämpft mit seinen Soldaten einen schweren Kampf, um ganz Europa vor dem Bolschewismus zu bewahren. Auch in unserem Land versuchte der bolschewistische Gegner in den vergangenen Mona- ten und Wochen sein Haupt zu erheben, die Straßen unsicher zu machen und unsere Dörfer anzuzünden. Deutsche Truppen haben wiederum im Verein mit uns und allen ordnungsliebenden Elementen des Landes diese Gefahr gebannt.
Für uns aber ist es nunmehr eine Ehrensache, daß wir, den Traditionen unserer Väter folgend, den Schutz von Haus und Hof selbst übernehmen. Ich rufe Euch daher auf, daß alle Männer vom 17. bis zum 50. Lebensjahr, sobald der betreffende Jahrgang aufgerufen ist, sich bei ihrem Bürgermeis- ter und in Belgrad bei der Kreisleitung der Volksgruppe zum Dienst mit

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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
der Waffe zum Schutze unserer Wohnstätten melden. Von diesem Dienst kann sich keiner, der gesund ist, ausschließen. Deutsche Volksgenossen, zeigt Euch Eurer Väter würdig durch mannhaften Einsatz und die Tat!« (PA/AA: Inl. Ilg 17d/1767 Dok. 129690-129691).
Die Form der Anrede machte deutlich, dass es ein Banater Schwabe war, der seine »Volksgenossen« zum Kampf aufforderte. Auch wurde sichtbar, dass man zwar den Schutz der Deutschen Wehrmacht genoss, gleichzeitig aber auch schon selbst aktiv am Kampf teilgenommen hatte. Auch war jetzt klar, dass der Aufruf konkret dem eigenen Schutz dienen sollte. Es ging nicht mehr um eine Tat für Deutschland und den Führer. Noch nicht ein- mal der Begriff der Heimat wurde benutzt. Vielmehr ging es nun um die Si- cherheit des eigenen Hauses, des Hofes, der Wohnstätten und der Dörfer.
Die in den zwei Fassungen des Aufrufs beinhaltete Verknüpfung des Eth- nischen mit der deutschen Nation spiegelt die ganze Problematik der 7. SS- Division wider. Darüber hinaus sind sie, über die historischen Grenzen des Nationalsozialismus hinaus, für die Instrumentalisierung des Ethnischen durch den Nationalismus beispielhaft. In der ersten Fassung tritt der Ver- such des Nationalismus, sich des Ethnischen zu bedienen und es für seine Ziele zu nutzen, grob zu Tage. Die Aussage ist eindeutig: Das Ethnische soll dem Nationalen dankbar sein und hat sich ihm unterzuordnen. Der Aufruf Dr. Jankos hingegen benennt die Angst der Banater Schwaben um ihre Fa- milien und ihre Wohnhäuser. Er suggeriert eine größere Sicherheit durch den Anschluss an das deutsche Volk – hier in Form der Deutschen Wehr- macht – und appelliert gleichzeitig an die schon gezeigte Fähigkeit, das Ei- gene selbst zu verteidigen. Die zweite Fassung dient dem gleichen Zweck wie die erste. Sie setzt aber nicht die Bedürfnisse der Nation, sondern viel- mehr die unmittelbaren Ängste der ethnischen Gruppe in den Mittelpunkt und stellt damit par excellence ein subtiles Musterbeispiel für den Miss- brauch des Ethnischen für die Ziele des Nationalismus dar.
Gleichzeitig wird in ihm der Eindruck erweckt, dass durch die Deutsche Wehrmacht eine wirkliche Befreiung der Heimat stattgefunden habe, die es nun zusammen mit deutschen Truppen zu bewahren gelte. Es wird also suggeriert, dass das Ethnische nur durch den Schutz durch das Nationale erhalten werden kann. Es ist tragisch und doch wiederum kausal nach- vollziehbar, dass dieser Missbrauch des Ethnischen durch den National- sozialismus gerade dort, wo er überaus deutlich sichtbar wurde, auch die schonungslosesten Konsequenzen – Enteignung, Vertreibung, Zwangsar- beit – für die ethnischen Gruppen der Donauschwaben haben sollte.
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
Obwohl in der ersten Phase der Aufstellung die Bezeichnung »7. SS- Freiwilligen Division« eingeführt und auch weiter beibehalten wurde, deu- tet sich bereits in dem Aufruf an, dass die Werbung von Freiwilligen als al- leinige Maßnahme zur Rekrutierung der Volksdeutschen auch in Serbien aufgegeben und bald durch die flächendeckende Einziehung von Volks- deutschen Rekruten ergänzt werden sollte. Dies lag hauptsächlich daran, dass anfängliche Pläne des Divisionskommandanten Phleps, die Division mit Freiwilligen aus den verschiedenen Staaten Südosteuropas aufzustel- len, zurückgewiesen wurden. Ebenso wie schon der Reichsaußenminister im Sommer 1941 die Bildung des damals gegründeten »Selbstschutzes« aus Volksdeutschen aus den verschiedenen Staaten Südosteuropas abgelehnt hatte, sollte auch im Frühjahr 1942 die 7. SS-Division »Prinz Eugen« aus- schließlich aus Banater Volksdeutschen gebildet werden.40
Die Volksgruppenführung verfügte insgesamt über einen großen Ein- fluss auf die deutschsprachige Bevölkerung des Banats und tat ihr Mög- lichstes, um für den Eintritt in die »Prinz Eugen« zu werben – so meldete sie sich auch selbst freiwillig zur Waffen-SS. Allerdings belastete die Ab- wesenheit der Volksgruppenführung die weitere Verwaltungsarbeit im Ba- nat so sehr, dass sie nach wenigen Monaten Dienst in der Waffen-SS wie- der ausscheiden sollte. Es zeigte sich auch hier der Widerspruch zwischen den Interessen der SS-Führung und der anderer deutscher Besatzungsbe- hörden und den Interessen der Volksdeutschen. Erst nach einer Intervention des Auswärtigen Amtes gelang es, das Mitspracherecht des Volks- gruppenführers bei der Einberufung endgültig durchzusetzen und so die UK-Stellung, also die Unabkömmlichkeit, von für die Volksgruppenarbeit wichtigen Personen wie etwa Lehrern zu sichern (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 323/2606, Dok. H299569 – Dok. H299563). Es war offensichtlich, dass nur mit einer nahezu hundertprozentigen Freiwilligenquote die notwendige Zahl an Rekruten hätte erreicht werden können. Aber schon während der ersten Phase der Aufstellung, so schrieb Sepp Janko später, war erkennbar geworden, dass sich nicht alle Männer freiwillig melden würden, sodass er, um alle verpflichten zu können, eine gesetzliche Grundlage benötigte (vgl. Janko 1982, 216). In den dann an die »Freiwilligen« des Banats ergangenen Einberufungsbescheiden hieß es denn auch:
»Der Genannte untersteht vom Tage der Einberufung an dem Kommando seines Truppenkörpers (Einheit, Formation). Die Nichtbefolgung der Einberufung zieht die strengste Strafe nach sich« (Dokumentation Bd.5. Anlage 8, 177E).

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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Schon im August 1942 stellte daraufhin das SS- und Polizeigericht in Belgrad fest, dass der Charakter der SS-Division »Prinz Eugen« nicht mehr der einer Freiwilligentruppe sei, sondern vielmehr die Volksdeutschen in Serbien zu einem großen Teil durch die Volksgruppenführung und später durch die SS-Ergänzungsstelle unter Strafandrohung einberufen wurden (vgl. Herzog 1955, 13).51 In diesem Zusammenhang soll auf einen späteren Schriftwechsel zwischen dem OKW und dem AA zwischen März und Juli 1944 hingewiesen werden. Grundlage des Briefwechsels war ein Bericht des Volksgruppenführers Janko über die Weigerung einzelner Mitglieder der Volksgruppe, der Einberufung in die SS-Division »Prinz Eugen« Folge zu leisten. Offensichtlich fühlten sich die zuständigen Stellen durch das anfangs eingeführte Freiwilligenprinzip noch insoweit eingeengt, als sie ei- ne offizielle Einführung der Wehrpflicht für Volksdeutsche bis zu 40 Jahren erwogen, wie sie zu diesem Zeitpunkt bereits in Ungarn bestand. Ziel der Maßnahme sollte es sein, die Festnahme von Verweigerern zu ermöglichen und die Aufrechterhaltung der »völkischen Disziplin« zu gewährleisten (vgl. PA/AA: Inl. IIc Rl00384). Über das zahlenmäßige Verhältnis zwischen »echten« Freiwilligen, regulär Einberufenen und mit Gewalt zum Dienst in der »Prinz Eugen« gepressten Volksdeutschen lassen sich keine zuverlässi- gen Angaben machen. Fest steht, dass es für jede der drei genannten Ka- tegorien genügend Beispiele gibt (vgl. Dokumentation Bd.5, 65ff).52 So er- innert sich ein damaliger Schüler der Banater Gemeinde Franzfeld sowohl an die Begeisterung für die SS als auch an den auf die Dorfbewohner aus- geübten Zwang, sich »freiwillig« zu melden, und die gegen »Kriegsdienst- verweigerer« ausgeübte Gewalt:
»In Franzfeld sind die Deutschen am Karfreitag 1941 einmarschiert.
Uns Jungen hat die Aufmachung mit Hakenkreuzbinden, schwarzer Mannschaftsuniform und Koppel riesig gefallen … Wir Jungen waren nur von der SS eingenommen. Von Wehrmachtseinheiten, soweit sie fall- weise ins Dorf einzogen, waren wir riesig enttäuscht. Auch Lehrer Reiser ist in diesen Tagen in einer dekorativen schwarzen SS-Uniform im Dorf aufgetaucht… Schon kurz darauf zogen die ersten sechs donauschwäbi- schen Dorfbewohner als Freiwillige zur Waffen-SS« (Dokumentation Bd.5, 65f).
Und weiter heißt es:
»Bevor noch die Prinz-Eugen-Division aufgestellt wurde, wurden fall- weise einzelne Franzfelder noch zur HIPO (Hilfspolizei) eingezogen. Bei einer solchen Gelegenheit sollten wieder 25 Franzfelder zur HIPO
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
einberufen werden. Im Dorf munkelte man davon, daß auch der Sohn des Bürgermeisters einberufen worden war. Dieser Gestellungsbefehl … war dann plötzlich nicht mehr da. Von diesen 25 Einberufenen sind dann fünf tatsächlich eingezogen worden, die anderen sträubten sich mit dem Hinweis, daß sie nur zum Militär gingen, wenn auch der Sohn des Bürgermeisters einrückte … Die ganze Gemeinde stand hinter ihnen … Insgesamt dürfen es ca. 70 Personen mit den Kriegsdienstverweigerern gewesen sein [die verhaftet worden waren – Anm. v. Verf.]. Sämtliche … wurden auf die Fußsohlen geprügelt. Daraufhin wurden sie mit Schnü- ren aneinandergebunden und durch die Hauptstraße zum Bahnhof getrieben« (ebd. 66 f).
Bereits bis zum April 1942 war es im Banat – nach einer noch während der laufenden Werbung vorgenommenen Schätzung Luthers – zur Meldung von 10 000 bis 15 000 Männern gekommen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 323/2606 Dok. H299584). Insgesamt sind sicherlich sowohl die Einschätzung Jankos (1982, 210), dass es eine anfängliche Begeisterung, in der Waffen-SS zu dienen, ge- geben habe, als auch die in der Dokumentation (Bd.5, 64E) vertretene Position, dass diese Begeisterung mit zunehmender Dauer des Krieges zurück- ging, berechtigt. Bis zum Januar 1944 wurden insgesamt aus dem Banat und Serbien an die 22 000 Männer eingezogen, von denen nur etwa 600 bei der Wehrmacht, mehr als 15 000 aber in der Waffen-SS dienten, während eine nicht genau bestimmbare Zahl der Banater Polizei angehörte (vgl. ebd. 67E). Neben der ab April erfolgten Einberufung zur SS-Division »Prinz Eugen« wurden ab September 1942 auch alle 17- bis 60-Jährige, die nicht im aktiven Wehrdienst standen, zum Dienst in der neu aufgestellten »Deutschen Mannschaft« (DM) verpflichtet (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 323/2606 Dok. H299550). Dies geschah zeitgleich mit einem vom Reichsführer-SS erlassenen Befehl über die Verwendung von Volksdeutschen bei Sicherungsmaßnahmen in den besetzten Gebieten (vgl. ebd. Dok. H299547). Die Aufgabe der DM war neben der Betreuung der Volksgruppe, von der zu diesem Zeitpunkt de facto fast alle wehrfähigen männlichen Mitglieder zur »Prinz Eugen« eingezo- gen worden waren (vgl. ebd. Dok. H299550 und Dok. H299526), zusammen mit der Polizei die Sicherung der deutschen Siedlungen vor kleineren Par- tisanengruppen (vgl. Janko 1982, 165).43
Die extreme Ausschöpfung des »Menschenpotentials« im Banat für den Aufbau der SS-Division »Prinz Eugen« bedeutete besonders in der ersten Zeit eine über das Ethnische hinausgehende, bis in die direkte Verwandt- schaft und Familie hineinreichende Zusammensetzung der Division. Wie der in der Division dienende SS-Oberführer Brack44 an SS-Gruppenführer
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Berger am 5. September 1942 schrieb: »Bei uns dienen Vater und 2 Söhne in dergleichen Kompanie« (BA: NS19/292).

3.1.2
In Kroatien
Die schon im Banat aufgetauchten Probleme wiederholten sich bei der Entscheidung, einen Teil der Volksdeutschen Kroatiens zur »Prinz Eu- gen« zu überstellen. Auch in Kroatien, wo die Waffen-SS bereits im Som- mer 1941 um Freiwillige geworben hatte, zeigte sich der Widerspruch zwi- schen den Interessen der Volksgruppenführung, die zunächst vom Ge- sandten Kasche unterstützt wurde (vgl. Sundhaussen 1971, 181), und den Anforderungen durch die Waffen-SS. Während Erstere die Kontrolle über die Verwendung der Volksdeutschen Wehrpflichtigen zu behalten versuch- ten und sie hauptsächlich in Kroatien einsetzen wollten, ging es Letzteren um einen möglichst zahlreichen Ersatz für die bereits bestehenden SS-Di- visionen. Anders aber als im Banat, wo die Entscheidungen ohne staats- rechtliche Bedenken relativ unkompliziert von der SS-Führung in Abspra- che mit den betroffenen Dienststellen und der Volksgruppenführung ge- troffen werden konnten, war die Situation in Kroatien unendlich schwieri- ger. Dort musste auf die Interessen des kroatischen Staates Rücksicht ge- nommen werden, wodurch dem AA ein größeres Gewicht bei den Ent- scheidungen zukam und neben der Waffen-SS auch das OKW und die VO- MI stärker einbezogen wurden. Durch die Vielzahl der in Kroatien beteilig- ten Stellen entwickelte sich eine Auseinandersetzung, die sich über zwei Jahre hinzog, letztendlich aber für die Aufstellung und den späteren Ein- satz der 7. SS-Division »Prinz Eugen« von großer Bedeutung sein sollte.45
Zwischen dem deutschen Gesandten und dem kroatischen Kriegsminis- ter war bereits am 16. September 1941 ein Abkommen geschlossen worden, das zehn Prozent der wehrpflichtigen Volksdeutschen den Dienst in der deutschen Wehrmacht ermöglichte (vgl. ebd. 180 und PA/AA: Inl. Ilg 309/2569 Dok. H297510ff). Tatsächlich wurden die ersten Freiwilligen aus Kroatien aber von der Waffen-SS rekrutiert (vgl. Sundhaussen 1971, 181). Allerdings ergab sich aus der relativ geringen Zahl der Volksdeutschen – so umfasste der Jahrgang 1921 nur 863 taugliche Männer -, dass jede weitere Werbung für reichsdeutsche SS-Einheiten den Bestand der bewaffneten Formationen der deutschen Volksgruppe, der sogenannten »volksdeut-
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
sehen Einsatzstaffel« (ES), gefährden musste, wie Kasche bereits am 4. Sep- tember und noch einmal am 23. Oktober 1941 an den Reichsaußenminister schrieb (PA/AA: Inl. Ilg 305/2562 Dok. H298198). Das SS-Hauptamt ver- zichtete deswegen ab Oktober 1941 vorläufig auf weitere Werbungen, da die zehn Prozent bereits überschritten worden waren, behielt sich aber vor, zu einem späteren Zeitpunkt nach Absprache mit dem AA die Werbungen wieder aufzunehmen (vgl. ebd. Dok. H298184 und H298200). Als dann 1942 in Zusammenhang mit der Aufstellung der 7. SS-Division »Prinz Eugen« die Werbungen wieder aufgenommen werden sollten, hätte die SS bei der Rekrutierung der Volksdeutschen Kroatiens nun auf ein im Februar 1942 abgeschlossenes Zusatzabkommen zwischen dem kroatischen Staat und dem Deutschen Reich Rücksicht nehmen müssen (vgl. BA: NS 19/1728 Dok. 36). Dies sah vor, dass neben den zehn Prozent der Volksdeutschen aus jedem Jahrgang, die von Kroatien für die Wehrmacht freigegeben wur- den, der Rest langfristig in besonderen »deutschen« Einheiten der kroati- schen Wehrmacht den Wehrdienst ableisten sollte.46 In dem Zusatzabkom- men war auch festgelegt worden, dass die notwendige Ausbildung dieser Volksdeutschen Rekruten bei der deutschen Wehrmacht erfolgte. Zu die- sem Zweck wurde beabsichtigt, die Rekruten reichsdeutschen Wehr- machtsdivisionen, die in Kroatien und Serbien stationiert waren, für ein Jahr zuzuweisen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 309/2569 Dok. H297495). Auf Druck des Auswärtigen Amtes wurde in dem Abkommen die SS nicht direkt er- wähnt, sondern nur von der Deutschen Wehrmacht gesprochen. Damit wä- re aber die SS bei der Rekrutierung in Kroatien von der Wehrmacht abhän- gig geworden. Der Chef des SS-Hauptamtes, Gruppenführer Berger, be- fürchtete sogar, wie er an den Reichsführer-SS am 25. März 1942 schrieb, dass daraus ein Präzedenzfall geschaffen würde und dies grundsätzlich die Rekrutierung für die SS erschweren würde (vgl. BA: NS19/1728 Dok. 36f). Berger drang daher auf eine Klärung beim Oberkommando der Wehrmacht (OKW), die der SS im folgenden den direkten Zugriff auf die Volksdeut- schen sichern sollte. In der darauf folgenden Auseinandersetzung protes- tierte Himmler schärfstens beim Auswärtigen Amt (vgl. BA: NS 19/1728 Dok.). Himmler erreichte einerseits, dass das Zusatzabkommen laut Befehl des OKW vom 1. April 1942 eingezogen und vernichtet wurde (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 309/2569 Dok. H297483). Andererseits willigte das AA nur unter der Bedingung ein, dass die Überstellung der Volksdeutschen Rekruten von der Wehrmacht zur Waffen-SS erst erfolgte, wenn diese die SS-Division in der Region aufgestellt haben würde (vgl. ebd. Dok. H297478). Im Mai 1942 er-

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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
folgte dann auch der offizielle OKW-Befehl, mit dem die Erfassung und Ausbildung der Volksdeutschen im Südostraum ausschließlich und end- gültig zu einer Angelegenheit der Waffen-SS erklärt wurde (vgl. Dokumen- tation Bd.5, 73E und PA/AA: Inl. Ilg 309/2569 Dok. H297470).
Bereits im Verlauf des Jahres 1941 hatte sich der Partisanenkampf auch in Kroatien verschärft. Anders als in Serbien aber, wo die Aktionen der Par- tisanen sich gegen die Besetzung des Landes durch deutsche Truppen rich- teten, war die Ursache der Kämpfe in Kroatien im Terror der Ustascha gegenüber der serbischen Zivilbevölkerung zu sehen, wie selbst der Leiter der VOMI Lorenz in einem Schreiben vom 23. Februar 1942 zugeben mus- ste (PA/AA: Inl. Ilg 402/2817 Dok. H296600). Diese von kroatischen Usta- scha-Einheiten verübten Pogrome an der serbischen Zivilbevölkerung wa- ren Teil der ethnischen Säuberungen, die mit der Zerschlagung Jugosla- wiens begonnen hatten. Der von der Ustascha ausgeübte Terror behinderte dabei eher die von den deutschen Behörden geplante »Befriedung« des ehemaligen Jugoslawiens, als dass er sie unterstützte (vgl. Dokumentation Bd.5, 61E). In einem Bericht des Reichsicherheitshauptamtes an den Reichsführer-SS vom 9. September 1942 heißt es hierzu wörtlich:
»Ohne den Zuzug der von der Ustascha terrorisierten serbischen Bevöl- kerung wäre jedoch dieser Heckenschützenkrieg (der Cetniks) im Keime erstickt worden. Daß es zu ausgesprochenen Aufständen kam, ist zu einem erheblichen Teil auf den Terror der Ustascha zurückzuführen« (BA: NS19/319, Dok. 55).
Auch im weiteren Verlauf der Kämpfe setzten sich die Übergriffe der Usta- scha in einer Schärfe fort, dass sich die deutschen Militärbehörden zum Teil gezwungen sahen, einzuschreiten. Ein Beispiel soll hier stellvertretend für die dabei begangenen Grausamkeiten benannt werden: Wie aus einem Schreiben des Sicherheitsdienstes (SD) in Berlin an das AA hervorgeht, hatte der Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD in Belgrad am 12. Juni 1942 gemeldet, dass die im ostbosnischen Raum eingesetzte Siche- rungsdivision zwei Ustascha-Kompanien und das 5. Bataillon des Regiments Francetic festgenommen hatte.
»Die Gründe waren folgende: 1.) Mehrfache Plünderung … bei Bauern. 2.) Eigenmächtige Erschießung von 3 Cetniks. 3.) Mord und Verstümme- lung von 2 Männern und 2 Frauen. Die Morde erfolgten durch Halsab- schneiden. Den Frauen, einer 50-jährigen und einer 37-jährigen Schwan- geren, waren Holzstücke in die Geschlechtsteile getrieben. 4.) Mord und Verstümmelung eines Greises. 5.) Zahlreiche weitere Plünderungen und Diebstähle« (PA/AA: Inl. Ilg. 402/2818 Dok. 274539 – 540).47
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
Mit zunehmender Dauer des von der Ustascha ausgeübten Terrors begann sich der serbische Widerstand zu formieren und sich auch in Form von Ra- cheaktionen gegen die kroatische und muslimische Zivilbevölkerung so- wie darüber hinaus auch vermehrt gegen die Volksdeutsche Bevölkerung zu richten. Der evangelische Pfarrer F. Sommer beschreibt diese Entwick- lung am Beispiel seiner Gemeinde Schutzberg im Nachhinein auf beklem- mende Art und Weise. Sommer schildert detailliert den sich immer mehr steigernden Terror der Ustascha, die dabei begangenen Morde, die Verge- waltigungen und die Hilflosigkeit der serbischen Bevölkerung. Er be- schreibt ihren wachsenden Hass »nicht nur gegen die Kroaten, sondern noch mehr gegen das Deutsche Reich, unter dessen Oberherrschaft solches geschieht« (Zitiert nach Dokumentation Bd.5. 47f),48 ebenso wie den dann zunehmenden Druck auf die Volksdeutschen in Schutzberg:
»Da der Anbau sehr eingeschränkt wurde – 103 Hektar Land sind vom Feinde besetzt, wir können nicht auf die Felder, ohne beschossen zu werden
droht auch noch der Hunger … Der Krieg geht weiter. Am 1.6.1942 wird Franz Schmidt, ein Zwanzigjähriger, von Aufständischen erschossen. Bald darauf wird Frau Eisenbeis mit ihrem Söhnchen auf dem Feld gefangengenommen und werden beide zu Tode geschunden. Die einzige Straße, die noch passierbar ist, ist nur noch zeitweise frei. Benutzt man die Straße, muß man damit rechnen, dass man beschossen wird« (ebd. 51f).49
Als im Laufe des Jahres 1942 in Bosnien die Stärke der Partisanenbewegung immer mehr zugenommen hatte, fiel einerseits die Entscheidung des Reichsführers-SS, alle 17-30-Jährigen waffenfähigen Volksdeutschen Kroa- tiens unter anderem für die SS-Division »Prinz Eugen« zu mustern, die zu diesem Zeitpunkt noch in Serbien stand, sowie andererseits die Volks- deutschen aus dem Aufstandsgebiet auszusiedeln (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 309/2570 Dok. H464674).50 Anfang Juni 1942 ließ sich SS-Gruppenführer Berger einen Bericht über die bisherige Tätigkeit der »Volksdeutschen Ein- satzstaffel« (ES) vorlegen. Aus ihm geht hervor, dass die ES während ihres einjährigen Bestehens nicht nur an Sicherungsmaßnahmen deutscher Ort- schaften beteiligt gewesen war, sondern darüber hinaus zusammen mit Ustascha-Einheiten an der Zerschlagung von Partisanenverbänden betei- ligt gewesen war, also eine ideale Ergänzung der sich im Aufbau befinden- den SS-Division »Prinz Eugen« darstellen würde (vgl. ebd. 254/2426 Dok. H296583ff).51 Am 11. Juni 1942 schrieb Berger an den Reichsführer-SS, dass er mit einer Zahl von 3500 bis 4500 Volksdeutschen »SS-Tauglichen« aus
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Kroatien rechne (vgl. BA: NS19/1466). Kurze Zeit darauf wurde diese Zahl von Luther nach oben korrigiert. Luther sprach am 18. Juni 1942 nun von 10000 möglichen Meldungen für die Waffen-SS, warnte aber nochmals vor den sich daraus für die Volksdeutschen in Kroatien ergebenden Konse- quenzen (vgl. PA/AA: Ing. Ilg 309/2569 Dok. H297473f).52 Am 12. Juni 1942 hatte er bereits an das AA geschrieben und dieses dringend gebeten, gegen Himmlers Entscheidung zu intervenieren, da er fürchtete, die kroatischen Behörden könnten die Umsiedlung als Hinweis auf eine etwaige Abtretung Bosniens an Italien verstehen (vgl. ebd. 305/2562 Dok. F1-F3). Daraufhin wurden die Musterungen erst einmal verboten. Über diese Intervention des Reichsaußenministers beschwerte sich Berger äußerst verärgert sowohl am 8. August 1942 bei Triska (vgl. ebd. 309/2570 Dok. H297434f) als auch am 25. August 1942 bei Luther (vgl. ebd. 305/2562, Dok. F8-F9). Da allerdings der Reichsführer-SS, wie Luther am 25. August 1942 schrieb, »dringendst« Ersatz für die Waffen-SS benötigte (vgl. ebd. Dok. E464849), wurde das Verbot zwar für Syrmien und Bosnien beibehalten, für die Städte Agram und Es- seg aber mit sofortiger Wirkung aufgehoben (vgl. ebd. Dok. E464850). Hier hatte, worüber sich Luther am 24. August 1942 bei Berger beschwerte, allerdings schon vor der offiziellen Genehmigung der Landesmannschafts- führer Lichtenberger auf Weisung des SS-Obersturmführers Herrmann mit dem Aufhängen von Werbeplakaten für die Waffen-SS begonnen (BA: NS19/319 Dok. 43-44). Am 26. August 1942 konnte dann SS-Gruppenfüh- rer Berger in einem Schreiben an den SS-Obersturmbannführer Nagler vom Ersatzkommando Südwest endgültig die für die Musterung notwendigen Schritte anweisen.53 Die zur Musterung bereitgestellten Annahmekommis- sionen sollten zur SS-Division »Prinz Eugen« überstellt werden, um dort bei der Untersuchung der Freiwilligen mitzuhelfen. Mit Werbung und Be- reitstellung wurde der Volksgruppenführer Altgayer »vollverantwortlich« beauftragt. Nach der erfolgreichen Umsiedlung der Bosnien-Deutschen wurden dann die »ES-Sturmbanne« und -Bataillone in die 7. SS-Division »Prinz Eugen« eingegliedert. Ältere Volksdeutsche waren ebenfalls zu mu- stern, um sie später eventuell in einem Selbstschutz zusammenfassen zu können. Berger wies ausdrücklich daraufhin, dass niemand aus der für den neuen Selbstschutz vorgesehenen Gruppe zur »Prinz Eugen« oder gar ins Reich abkommandiert werden würde.
Noch einmal kam es im September 1942 zu einer Auseinandersetzung um die Frage der Verwendung der wehrfähigen Volksdeutschen. Neben der von Berger eingeleiteten Aktion der Waffen-SS meldete nun auch der neue
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
Militärbefehlshaber Südost, Generaloberst Lohr, Ansprüche auf die Volks- deutschen an. Allerdings wurde nach einer heftigen Intervention Himm- lers die Frage der Verwendung der Volksdeutschen im Sinne des SS-Haupt- amtes entschieden (vgl. Sundhaussen 1971,186 ff). Der nun von Luther vor- getragene Wunsch, ähnlich wie in Serbien die »Prinz Eugen«, auch in Kro- atien eine eigene Volksdeutsche SS-Brigade aufzustellen54 und auf diese Weise die Volksdeutschen in Kroatien zu halten (vgl. ebd. 188), wurde von Berger in einem Schreiben vom 10. September 1942 an den Gauamtsleiter Triska, unter Verweis auf den Reichsführer-SS, mit den Worten zurückge- wiesen:
»Nach der Entscheidung des Führers ist dieser Vorschlag aus politischen und militärischen Gründen nicht durchführbar. Die Division »Prinz Eugen«, aus Volksdeutschen zusammengesetzt und später aus den Volksdeutschen Kroatiens ergänzt, müsse genügen. Die Freiwilligen Kroatiens und die später nach Einsatz der Division und der Aussiedlung aus Bosnien freiwerdenden Teile der Einsatzstaffel sollen zur Ausbil- dung ins Reich und später im Osten innerhalb der Volksdeutschen Brigaden eingesetzt werden« (PA/AA: Inl. Ilg 305/2562 Dok. Jl l – J12).
In der Deutschen Zeitung in Kroatien vom 22. September 1942 wurde dann ein »Stabsbefehl des Volksgruppenführers über den Wehrdienst« veröffent- licht. Der Stabsbefehl begann mit dem Satz:
»Auf Befehl des Führers hat die Deutsche Volksgruppe in Kroatien am Entscheidungskampf über Sein oder Nichtsein des Deutschen Volkes in stärkerem Maße als bisher teilzunehmen« (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 311/2579 Dok. H297646).
Der »Stabsbefehl« selbst bestand in erster Linie aus genaueren Angaben zur Wehrpflicht, mit denen unter anderem das Prinzip der Freiwilligkeit end- gültig aufgegeben wurde. So hieß es dort beispielsweise, dass bis auf die notwendigen »UK-Stellungen« (Unabkömmlichstellungen), kein Volks- deutscher vom Wehrdienst befreit werden würde. Des weiteren kündigte er an:
»Der Aufruf des Volksgruppenführers für die Musterung und Einziehung wird nach Erledigung einiger noch ausstehender Formalitäten, die nicht von der Volksgruppenführung abhängen, in den nächsten Tagen erge- hen« (ebd. Dok. H297648).

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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
In Bezug auf den Aufruf folgte im »Stabsbefehl« der Zusatz, dass jeder, der ihm nicht Folge leisten würde, mit den schwersten Konsequenzen zu rech- nen hätte (vgl. ebd.). Die in dem Stabsbefehl nicht näher beschriebenen »Formalitäten« bezogen sich auf einen Entwurf des Aufrufs, den Altgayer vorher bei Kasche eingereicht hatte und der am 19. September 1942 ans AA nach Berlin zur Genehmigung weitergeleitet worden war. Der von Altgay- er angekündigte Aufruf war von Kasche um die Formulierung »auf Befehl des Führers« mit der Bemerkung gekürzt worden, dass ein ausdrücklicher Führerbefehl nicht vorläge (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 305/2562 Dok. K21).55 Im Folgenden der Wortlaut des Aufrufs:
»Männer der deutschen Volksgruppe. – Im gegenwärtigen gewaltigen Kampf, der das Schicksal des deutschen Volkes und ganz Europas für die nächsten Jahrhunderte entscheidet, kann auch die deutsche Volksgruppe nicht abseits stehen. Die Wehrkraft der Volksgruppe ist bis heute nur zum Teil ausgenützt… Jetzt sollen die wehrfähigen Männer der Volks- gruppe im Alter von 17 bis 35 Jahren in den Reihen der Waffen-SS eingesetzt werden. Kein wehrfähiger Deutscher kann sich dieser Pflicht entziehen, will er seinem Volke, dessen Zukunft und seiner Heimat dienen. Den Schutz der Heimat übernehmen die hier schon kämpfenden und die wehrfähigen Männe im Alter von 35 bis 50 Jahren, die gleichzei- tig gemustert und in der nächsten Zeit zu den Einheiten der Einsatzstaf- fel der DM und zu den deutschen Einheiten der kroatischen Landwehr auf Kriegsdauer eingezogen werden. Ich erwarte, daß diese Männer, vor allem die Teilnehmer des Weltkrieges 1914-1918, meine Kriegskamera- den, mit gleicher Hingabe, soldatischer Disziplin und Strammheit ihre Pflicht erfüllen werden, wie dies jetzt unsere Jungen tun. Die von den Juden angeführten kommunistischen Räuberbanden werden die Faust derjenigen spüren, die vor 24 Jahren und mehr in Galizien und Wolhy- nien, am Karst und in den Schluchten des Balkan mannhaft gestritten haben. Für die Versorgung der zurückbleibenden Familien ist weitge- hend Vorsorge getragen. Deutsche Männer, beweist auch diesmal, daß die deutsche Volkgruppe in Kroatien ein vollwertiger Zweig des großen deutschen Volkes und bereit ist, bis zum letzten ihre Pflicht zu erfüllen. – Alles für den Sieg. – Heil Hitler! Der Volksgruppenführer gez. Altgay- er« (ebd.).
Zweierlei wird aus dem Aufruf deutlich: Zum einen war zu diesem Zeit- punkt noch nicht endgültig entschieden, dass die 7. SS-Division »Prinz Eu- gen« zur Partisanenbekämpfung nach Kroatien verlegt werden würde.56 Somit warb man zwar einerseits für den Einsatz in der Waffen-SS mit dem Hinweis, dass auch der dortige Dienst letztendlich der Verteidigung des ei- genen Volkes, seiner Zukunft und seiner Heimat dienen würde. Anderer-
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
seits wurde besonders die Einberufung der älteren Volksdeutschen zur »Deutschen Mannschaft« (DM) durch den Hinweis auf den notwendigen direkten Schutz der Heimat legitimiert.
Darüber hinaus ist die Darstellung der kroatischen Juden als Anführer der »kommunistischen Räuberbanden« ebenfalls ein Bindeglied zwischen den bereits erwähnten antisemitischen Denunziationen durch Volksdeut- sche und der Ermordung der jüdischen Bevölkerung Kroatiens und Ser- biens, die im Wesentlichen zu diesem Zeitpunkt in Serbien schon abge- schlossen war, (vgl. Hilberg 1990, 725) in Kroatien aber noch immer weiter- ging (vgl. ebd. 755ff).57
So wurden in einem Brief des »Generalinspektors für das deutsche Stra- ßenwesen Organisation Todt« vom 18. Juli 1942 an das AA die Juden als die größte Gefährdung des Bauxitgebietes in der Nähe von Mostar ausgemacht. Weiter hieß es dort: »Die aufrührerische Tätigkeit der Juden in Mostar ist eine allgemein anerkannte Tatsache und hat bereits zu Schritten des Ge- sandten in Agram geführt« (PA/AA: Inl. Ilg 194/2248 Dok. K212260).58
Anders als bei der Rekrutierung im Banat wurde in Kroatien die alleini- ge Entscheidungsgewalt des Volksgruppenführers über die »Unabkömm- lichstellung« (UK) von für den Erhalt der Volksdeutschen Organisationen wichtigen Männern schon zu Anfang der Musterungen festgelegt (vgl. ebd. 306/2564). Aber ähnlich wie im Banat waren die Volksdeutschen Kroatiens in der Waffen-SS eine Mischung aus Freiwilligen, regulär Einberufenen59 und unter Zwang zum Dienst Gepressten. Insgesamt dienten Anfang 1944 etwa 17 500 Mann von den ungefähr 25 000 Volksdeutschen Kroatiens, die wehrpflichtig waren, in der Waffen-SS (vgl. Herzog 1955,17). Die schon seit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1941 bestehende »Einsatzstaf- fel« wurde dabei ebenso wie die kroatiendeutsche Landwehr geschlossen in die »Prinz Eugen« eingegliedert. Darüber hinaus musterte man die von der »Prinz Eugen« benötigten Ersatzmannschaften ebenfalls zum Teil aus Kroatiendeutschen (vgl. Dokumentation Bd.5, 74E). Aus dieser fast voll- ständigen Erfassung durch die Waffen-SS ergaben sich für die Volksdeut- schen Kroatiens weitreichende Folgen. So drängte die kroatische Regie- rung in einer Verbalnote vom 10. Oktober 1942, in Verbindung mit der For- derung nach einer Umsiedlung der Kroatiendeutschen, auch auf eine Än- derung der Staatsangehörigkeit (PA/AA: Inl. Ilg 307/2566 Dok. M13-14). Laut einem Schreiben Luthers vom Dezember 1942 wurden aber die Ände- rung der Staatsangehörigkeit sowie die Frage der Aussiedlung der Volks- deutschen bis zum Kriegsende zurückgestellt (vgl. ebd. 306/2564 Dok.
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
B/C6).60 Wie viel sich die SS-Führung von der Rekrutierung der Volksdeut- schen in Kroatien gerade auch für die Partisanenbekämpfung versprach, kann einem Schreiben Bergers vom 21. November 1942 an den »persön- lichen Stab« des Reichsführers-SS, Obersturmbannführer Dr. Brandt, ent- nommen werden. Berger führt hier aus, dass
«die Bandengefahr nur dadurch bekämpft werden kann, daß die Einsatz- staffel der deutschen Volksgruppe in Kroatien neu organisiert und unter Loslösung von der Ustascha Miliz vollkommen nach SS-Gesichtspunk- ten aufgezogen und in irgendeiner Form der Schutzstaffel angeschlossen oder eingegliedert wird« (BA: NS19/1671).

Auch während des Einsatzes in Kroatien erhielt die 7. SS-Freiwilligen-Ge- birgs-Division »Prinz Eugen«, wie die offizielle Bezeichnung der Division ab dem 20. Oktober 1943 lauten sollte (vgl. Hausser 1966, 377), Ersatz aus neu gemusterten Volksdeutschen Wehrpflichtigen, die zum Teil zunächst zur Ausbildung anderen Waffen-SS Einheiten zugewiesen worden waren. Welche Bedeutung dabei die Möglichkeit, in der »Prinz Eugen« zu dienen und damit in der Heimat eingesetzt zu werden, für Volksdeutsche Rekruten hatte, die sonst in anderen Einheiten hätten dienen müssen, wird noch ein- mal aus einem Schreiben vom 6. Oktober 1943 an das »SS-Führungshaupt- amt« (SS-FHA) ersichtlich. In einer Zusatzmeldung des Bataillons zum Ausbildungsbericht des SS-Grenadier-Ausbildungs-Bataillons »Ost« war darauf verwiesen worden, dass es insgesamt trotz einiger Schwierigkeiten, wie beispielsweise bei der Sprache, gelungen sei, das Ausbildungsziel bei den Volksdeutschen zu erreichen, dass sich in der letzten Zeit aber zusätz- liche Probleme ergeben hätten, die sich »stimmungsmäßig« auswirkten. Aus dem Schreiben geht hervor, dass die Volksdeutschen aus Briefen61 ih- rer Angehörigen Nachricht davon erhalten hatten,
»dass es besonders in der letzten Zeit häufig vorkommt, dass Häuser … der Angehörigen geplündert und gebrandschatzt werden, dass Frauen und Töchter in die Wälder verschleppt und dort misshandelt und vergewaltigt werden« (Prag: 18-SS Division »Horst Wessel«, Karton 4).
Es heißt dort weiter:
»Die Sorge und Unruhe der Männer … ist so gross, dass sie ständig bei ihren Einsatzführern vorsprechen und um Sonderurlaub bezw. Verset- zung in das Heimatgebiet bitten. Sie weisen darauf hin, dass sie als Volksdeutsche aus Kroatien, deren Familien, Hab und Gut durch die

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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
Banden auf das Äusserste gefährdet sind, in der Abwehr dieser Gefahr mindestens ebenso tapfer und erfolgreich kämpfen würden, wie dies die dort eingesetzten reichsdeutschen Soldaten tun« (ebd.).
»stimmungsmäßigen« Auswirkungen der Briefe empfindlich gestört worden sein, da der Befehls- haber der Waffen-SS Russland-Süd und Ukraine gegenüber dem SS-Füh- rungshauptamt (FHA) die Position vertrat, Der Ausbildungsbetrieb muss durch die
»daß es dringend erforderlich [sei], die aus den bandengefährdeten Gebieten Kroatiens beim SS-Gren.Aus.Btl. »Ost« in Hegewald befind- lichen Volksdeutschen Rekruten, sobald wie nur irgend möglich, entwe- der zur SS-Freiwilligen-Division »Prinz Eugen« oder zum SS-Einsatz- kommando III in Esseg versetzt werden« (ebd.).
Abschließend sei noch einmal auf den Aspekt der zwangsweisen Verein- nahmung einzelner Personen durch die Volksgruppenführung in Kroatien verwiesen. Wie verschiedentlich schon gezeigt, findet im Nationalismus die zwangsweise Ausmerzung des eigenen Fremden – der Juden – seine Entsprechung in der zwangsweisen Eingliederung des fremden Eigenen. Dem entsprach für die damalige Situation in Kroatien einerseits, dass der Volksgruppenführer Branimir Altgayer in seinem Stabsbefehl Nr. 11 vom 5. Oktober 1942 über die »Behandlung von Judenstämmlingen und -versipp- ten« verfügte, wem das Recht, »deutsch« zu sein, abzusprechen war:
»A/Mischlinge ersten Grades/Halbjuden/und Deutschstämmige, die mit einem jüdischen Ehepartner verheiratet sind, können keiner einzigen Organisation … der Volksgruppe angehören und nicht als Volksgruppen- angehörige betrachtet werden. Sie dürfen demnach auch keine deutsche Schule besuchen … B/Mischlinge zweiten Grades/Vierteljuden/und Deutschstämmige, die mit einem jüdischen Ehepartner verheiratet wa- ren, die Ehe jedoch … getrennt ist und nicht nach dem 15.9.1935 ge- schlossen wurde, daraus auch keine Kinder entstammen, können nur Mitglieder der Landesbauernschaft… [es folgt die Aufzählung weiterer Organisationen] sein. Der NSDG, der DM, der Frauenschaft und der DJ dürfen sie unter keinen Umständen angehören« (PA/AA: Inl. Ilg 256/2431 Dok. Jl).62
Andererseits war bereits im Stabsbefehl Nr. 7 vom 25. August 1942 über die »Behandlung von rein deutschblütigen Familien, in denen sich ein Teil der Kinder oder alle nicht zum Deutschtum bekennen« (PA/AA: Inl. Ilg 256/2431 Dok. F9-10), massiv auf deutschsprachige Familien Druck ausge- übt worden, sich als »deutsch« zu bekennen:
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
»a/Bekennen sich ein oder beide Elternteile und einzelne Kinder zum Deutschtum … so sind die sich zum Deutschtum Bekennenden als vollberechtigte Volksgruppenangehörige anzusehen, diejenigen Fami- lienmitglieder aber, die sich zum Deutschtum nicht bekennen wollen, sind … in Evidenz [D. h. Gewahrsam] zu führen. b/Bekennen sich die Eltern zum Deutschtum, von den Kindern jedoch niemand, so verlieren die Eltern jedoch Anspruch auf Rechtsschutz und soziale Betreuung seitens der Volksgruppe« (ebd.).
Dazu passt, dass der Volksgruppenführer später im Juli 1944 in einem Be- richt zur Lage der Volksgruppe mitteilt:
»28 rein oder überwiegend deutschblütige Wehrpflichtige, die in dem Bestreben, sich dem Wehrdienst zu entziehen, sich als Kroaten erklärt und um ihre Entlassung aus der Volksgruppe nachgesucht hatten, (wur- den) zur Einberufung freigegeben« (PA/AA: Inl. IIc 7/3 R100366).
Wie schon bei der nationalsozialistischen Volksgruppenpolitik im Banat wird auch an den Maßnahmen Altgayers die ganze Gewalttätigkeit der ras- sistischen und nationalsozialistischen Ein- und Ausgrenzungspolitik sicht- bar. Nicht die subjektive Einstellung einer Person entschied über die Zuge- hörigkeit zu einer Bevölkerungsgruppe. Es war die Entscheidung der na- tionalsozialistischen Führer – vor allem entlang der nationalen Merkmale Sprache beziehungsweise Herkunft und dem rassistischen Prinzip der Ab- stammung -, die gegebenenfalls darüber entschieden, ob man als »Jude« ausgestoßen und liquidiert oder als Volksdeutscher erkannt, also zum ei- nen privilegiert behandelt, zum anderen aber auch zur Verteidigung der Herrschaft der eigenen Volksgruppe gezwungen wurde.

3.1.3
Volksdeutsche aus Rumänien und anderen Staaten Südosteuropas in der »Prinz Eugen«
Wie bereits gezeigt, war es schon vereinzelt vor und während der Besetzung Jugoslawiens 1941 zu einem Eintritt Volksdeutscher aus den ver- schiedenen Gebieten Südosteuropas in die Waffen-SS und die Wehrmacht gekommen. Darunter hatten sich auch Volksdeutsche aus der 1941 an Un- garn angeschlossenen Batschka (vgl. Böhm 1990, 77) und dem rumänischen Teil des Banats (vgl. Dokumentation Bd. 3, 53E), die von durchziehenden
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
Wehrmachts- und SS-Einheiten angeworben worden waren, befunden. Ne- ben der allgemeinen Begeisterung für die Siege der deutschen Wehrmacht und der SS, vor allem in der Anfangszeit des Krieges, war das entschei- dende Motiv für den Eintritt dieser Volksdeutschen in die deutschen Ein- heiten die Möglichkeit, sich so dem unbeliebten Dienst in der ungarischen und rumänischen Wehrmacht zu entziehen, wo die Volksdeutschen Rekru- ten oft Schikanen und Entwürdigungen ausgesetzt waren (vgl. Dokumenta- tion Bd.2, 32E). Besonders durch den Übertritt in das benachbarte Serbien, das unter deutscher Verwaltung stand, bot sich für Volksdeutsche Rekruten aus Rumänien und Ungarn eine günstige Gelegenheit, sich bei deutschen Einheiten zu melden (vgl. Böhm 1990, 73).63
Bei der Aufstellung der »Prinz Eugen« konnte aus außenpolitischen Gründen nicht offen unter den Volksdeutschen Südosteuropas geworben werden. Die Volksdeutschen Rumäniens mussten zu diesem Zeitpunkt, Anfang 1942, noch in den nationalen Streitkräften ihres Landes unter ru- mänischem Oberbefehl dienen. Für die Volksdeutschen in Ungarn wurde zwar am 1. Februar 1942 ein Abkommen zwischen der Reichsregierung und dem ungarischen Staat geschlossen, das den Übertritt von Volksdeutschen Freiwilligen in die Waffen-SS beziehungsweise die Wehrmacht regelte (vgl. Dokumentation Bd.2, 33E). Aber bis auf einen kleinen Teil waren diese »Freiwilligen« für den Ersatz schon bestehender Waffen-SS Einheiten vor- gesehen (vgl. Böhm 1990, 85) und wurden nicht der »Prinz Eugen« zur Ver- fügung gestellt.64 Nachdem Anfang 1942 endgültig entschieden worden war, die SS-Division »Prinz Eugen« im Kern hauptsächlich aus Banater Schwaben aufzustellen, beschloss man gleichzeitig, diese nicht nur mit reichsdeutschem Rahmenpersonal, sondern auch gezielt durch einzelne Freiwillige aus Rumänien und der Batschka zu verstärken (vgl. Janko 1982, 219). Ähnlich wie auch schon bei der illegalen Rekrutierung für an- dere SS-Divisionen (vgl. Schuster 1987, 149), ergab sich aus diesem Vorha- ben sowohl für die Volksgruppenführung in Ungarn und Rumänien als auch für die Wehrmachts- und SS-Führung eine widersprüchliche Lage: Einerseits strebte man grundsätzlich eine Verstärkung der eigenen Verbän- de, auch durch die illegal in den deutschen Einheiten dienenden Volks- deutschen, an. Deswegen wollte man sie nur ungern an Ungarn oder Ru- mänien, wie von diesen Staaten verlangt, zurückgeben. Diese Haltung wurde in Bezug auf Rumänien noch dadurch verstärkt, dass, anders als mit Ungarn (vgl. Dokumentation Bd.2, 32E ff), 1942 mit Rumänien noch kein of- fizielles Abkommen geschlossen worden war (vgl. Dokumentation Bd. 3,
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
5lE). Obwohl es bereits 1940 eine erste Amnestie der rumänischen Regie- rung für die illegal in die Wehrmacht beziehungsweise SS eingetretenen Volksdeutschen gegeben hatte (vgl. Schuster 1987,149), wurden alle weite- ren Übertritte Volksdeutscher von Rumänien als Desertation angesehen. Noch 1942 lehnte die rumänische Staatsführung eine neue, umfassende Amnestie für zurückkehrende Volksdeutsche Freiwillige ab, sodass diese nach wie vor von einer Strafverfolgung bedroht waren (vgl. PA/AA: Inl. IIc 32/153 R100380 und Reiser 1987, 308). Andererseits konnte man aus außen- politischen Gründen, vor allen Dingen in der ersten Phase des Krieges ge- gen die Sowjetunion, keinen Konflikt mit den südosteuropäischen Verbün- deten riskieren. Besonders deutlich lassen sich die Veränderungen in der Einstellung der Wehrmacht und der Waffen-SS zur Frage der Rekrutierung von Volksdeutschen aus Rumänien im Verhalten des Volksgruppenführers Andreas Schmidt aufzeigen.
Während Schmidt auf Weisung seines Schwiegervaters, SS-Gruppen- führer Berger, noch 1940 die ersten illegalen Grenzübergänge von Volks- deutschen Freiwilligen für die Waffen-SS selbst geleitet hatte (vgl. Doku- mentation Bd.3, 52E) und auch im März 1941 noch persönlich die »In- marschsetzung« von Freiwilligen für die SS-Division »Das Reich« angeord- net hatte (ebd. 54E), änderte sich mit dem Machtwechsel in Rumänien und dem neuen Verbündeten Antonescu die offizielle Politik. So erging unter anderem am 17. November 1941 der Befehl des OKW, ab sofort keine Volks- deutschen aus Rumänien mehr einzustellen (vgl. Reiser 1987, 307). Anfang 1942 betonte Schmidt dann in einem Schreiben an Himmler, dass trotz des Bekanntwerdens der SS-Freiwilligenaktionen in Ungarn und Serbien auf Weisung der Volksgruppe die Rumäniendeutschen noch zu hundert Pro- zent in der rumänischen Armee dienten (vgl. Dokumentation Bd.3, 53E).65 Kurz darauf beschwerte Schmidt sich dann in Berlin, dass die sich häufen- de Übernahme Volksdeutscher Deserteure aus rumänischen Verbänden an der Ostfront durch deutsche SS- und Wehrmachtseinheiten sein Verhältnis zur rumänischen Staatsführung schwer belasten würde (vgl. ebd.). Aus ei- nem Schreiben des Gesandten Benzler in Belgrad an das Auswärtige Amt vom 21. August 1942 wird deutlich, dass es Schmidt dabei auch um Bana- ter Schwaben aus Rumänien ging, die bei der »Prinz Eugen« dienten. In dem Schreiben bittet Benzler das AA in Berlin, eine Weisung der VOMI an den »Führer der Banater Volksdeutschen SS-Division >Prinz Eugen<, Gruppen- führer Phleps« (PA/AA: Inl. IIc 32/153 R100380), vom 13. August 1942 zu überprüfen. Darin hatten die Volksgruppenführungen Ungarns und Rumä-
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
niens – Andreas Schmidt war zu diesem Zeitpunkt Volksgruppenführer in Rumänien – die Herausgabe der aus ihren Ländern in der »Prinz Eugen« die- nenden Volksdeutschen gefordert (vgl. ebd.). Am 14. September 1942 ant- wortete Triska für das AA: Etwa 100 Rumäniendeutsche seien von der »Prinz Eugen« entlassen und in die »Organisation Todt« überführt worden. Der Rest der Rumäniendeutschen sollte bei der Division verbleiben und wegen der drohenden kriegsgerichtlichen Verfolgung nicht aus dem serbi- schen Banat zurückgeführt werden (vgl. PA/AA: Inl. IIc 32/153 R100380).66 Erst Anfang 1943 sollte sich die offizielle Politik gegenüber den Volksdeut- schen in Rumänien noch einmal verändern. Nach der Zerschlagung der ru- mänischen Armeen um Stalingrad hatten sich bereits bis März 1943 etwa 10 000 versprengte Volksdeutsche Angehörige der rumänischen Truppen bei deutschen Wehrmachts- und SS-Stellen an der Ostfront gemeldet. Ein Füh- rerbefehl untersagte ihre Rückführung in die rumänische Armee (vgl. Do- kumentation Bd.3, 54E). Wie aus verschiedenen Schreiben der deutschen Dienststellen Ende März 1943 hervorgeht, drängte die SS-Führung schon zu diesem Zeitpunkt auf eine flächendeckende Werbung unter den rumäni- schen Volksdeutschen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg. 17e/l768 Dok. 130043-47). Am 12. Mai 1943 wurde dann ein SS-Abkommen mit dem rumänischen Staat unterzeichnet, das die offizielle Werbung freiwilliger Volksdeutscher für den Dienst in der SS und der Wehrmacht regelte (vgl. Dokumentation Bd. 3, Anlage 8). Allerdings blieb Volksdeutschen Soldaten, die bei rumänischen Einheiten »auf der Krim bzw. ostwärts des Don« im Einsatz waren, wegen der Frontlage der Wechsel auch weiterhin untersagt, wie aus einem Schrei- ben der Deutschen Gesandtschaft in Bukarest vom 20. Juli 1943 hervorgeht (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 17a/l755 Dok. E024781). Welche Bedeutung der Wech- sel von der rumänischen zur deutschen Wehrmacht oder Waffen-SS für die Volksdeutschen gehabt haben muss, wird daraus ersichtlich, dass sich auch aus diesen Einheiten die Fahnenflucht Volksdeutscher Soldaten fortsetzte (vgl. ebd. Dok. 327923). Darüber hinaus zeigte es sich, dass es wiederum die Waffen-SS war, welche die Volksdeutschen dabei unterstützte und so für sich zu gewinnen suchte (vgl. ebd. Dok. 327924). Durch das Abkommen und die damit verbundene SS-Politik wurden dann auch in der zweiten Hälfte 1943 vermehrt Volksdeutsche aus dem rumänischen Teil des Banats und aus Siebenbürgen zur 7. SS-Division »Prinz Eugen« überstellt. Wie es in einem Bericht Bergers an den Reichsführer-SS über den Stand der Musterungen in Rumänien vom 2. Juni 1943 heißt, sollte mit einem Teil der wehrfähigen Ru- mäniendeutschen die 7. SS-Division »Prinz Eugen« so verjüngt werden,67
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
dass sie als »aktive« SS-Division angesehen werden konnte (BA: NS19/ 371).68

3.1.4
Statistischer Überblick über die ethnische Zusammensetzung der 7. SS-Division »Prinz Eugen«
Nach einem Bericht über die »Landsmannschaftliche Zusammenset- zung« der »Prinz Eugen« vom 20. Februar 1944 dienten in der Division zu diesem Zeitpunkt 8,5% Reichs- und insgesamt 91,5% Volksdeutsche. 53,6% der Divisionsmitglieder kamen aus dem Banat und Serbien, 21,3% aus Rumänien, 11,204% aus Kroatien, 2,92% aus der Slowakei, 2,57% aus Ungarn und eine geringe Anzahl von 0,006 % aus sonstigen Volksdeutschen Gruppen (MA: RS3-7/17, Dok. 463).69 Laut Zustandsbericht des Divisions- kommandos vom 6. Februar 1944, den es an das Gen. Kommando des V. SS- Gebirgs-Korps schickte, hatte die Division im Januar 1944 einen Bestand von 392 Offizieren, 1901 Unteroffizieren, 18 985 Mannschaften und 1381 Hi- wis, insgesamt also 22 659 Mann (vgl. MA: RS 3-7/17 Dok. 449ff).70 Rechnet man die obigen Prozentzahlen auf Basis des Zustandsberichts in absolute Zahlen um, so ergibt sich, dass etwa 12145 Mitglieder der Division aus dem Banat und Serbien kamen. Nach einer statistischen Übersicht mit Stand vom 28. Dezember 1943 dienten zu diesem Zeitpunkt insgesamt 22118 Volksdeutsche aus dem Banat und Serbien in deutschen Einheiten – davon 21516 in der Waffen-SS, der Hilfs- und Banater Polizei, 602 in der Wehr- macht – (vgl. Herzog 1955,17). Damit waren etwa 97 % der Banater Schwa- ben in ihrer Heimatregion und den umliegenden Gebieten eingesetzt. Ins- gesamt dienten somit 55 % aller im Wehrdienst stehenden Banater Schwa- ben in der »Prinz Eugen«. Die 7. SS-Division »Prinz Eugen« hatte, auch nachdem sie vermehrt Ersatz durch Volksdeutsche aus anderen Teilen Süd- osteuropas erhalten hatte, somit nichts an Bedeutung für die Banater Schwaben verloren. Dies wird umso deutlicher, wenn man die Zahlen der aus den anderen Herkunftsgebieten Südosteuropas stammenden Mitglie- der der Division auf Grundlage der statistischen Übersicht mit Stand vom 28. Dezember 1943 (vgl. Herzog 1955, 16-17) der gleichen Rechnung unter- zieht. Die etwa 2539 Mann, aus Kroatien die in der Division dienten, mach- ten ungefähr 10% aller in Waffen stehenden Volksdeutschen aus Kroatien aus.71 Die 4826 Mann aus Rumänien und die 662 Mann aus der Slowakei
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
entsprachen jeweils sogar nur 8% der dortigen Volksdeutschen Soldaten. Die 582 Ungarndeutschen der Division machten gerade ein knappes Pro- zent der zu diesem Zeitpunkt dienenden Volksdeutschen Ungarns aus. Noch ein weiterer statistischer Hinweis soll an dieser Stelle erfolgen. Von allen deutschen Bevölkerungsgruppen Südosteuropas stellten bis Ende 1943 die Banater Schwaben und die Volksdeutschen aus Kroatien den höchsten Prozentsatz an Wehrdienstleistenden. Im Banat dienten 14,7% und in Kroatien 14,4% der gesamten Volksgruppe in den unterschied- lichen bewaffneten Verbände. Im Vergleich dazu waren es zum gleichen Zeitpunkt in Rumänien 11,7%, in der Slowakei 5,57% und in Ungarn 4,74%.
Volksdeutsche aus dem jugoslawischen Teil des Banats bildeten also auch im Sommer 1944 den entscheidenden Schwerpunkt der Division »Prinz Eugen«. Darüber hinaus war die »Prinz Eugen« nicht nur eine Volks- deutsche SS-Division, sondern mit ihren Verstärkungen aus Slawonien, Syrmien, der Batschka und dann dem rumänischen Teil des Banats im en- geren Sinn eine donauschwäbische SS-Division. Somit war Phleps ur- sprüngliches Vorhaben, die Division aus verschiedenen Gruppen Volks- deutscher Südosteuropas zusammenzusetzen, wenigstens ansatzweise doch noch umgesetzt worden.

3.2
Aufstellung und Ausbildung
3.2.1
Personelle Zusammensetzung – Führer und Mannschaften
Laut Schreiben des Oberkommandos der Wehrmacht über die Auf- stellung Volksdeutscher Verbände in Serbien durch den Reichsführer-SS vom 30. Dezember 1941 sollte auf Weisung Hitlers die neue Division aus zwei Brigaden mit je zehn bis elf selbstständigen Bataillonen bestehen. Die Aufstellung sollte dabei Zug um Zug, je nach Eintreffen der personellen Er- gänzungen, erfolgen. Auch in diesem Schreiben wird deutlich, dass die Aufstellung der Division unter dem Zeitdruck erfolgte, wenigstens teil- weise bis Februar 1942 abgeschlossen zu sein (vgl. BA: NS19/3519, Dok. 198). Letztendlich dauerte es dann allerdings bis Oktober 1942, bis die neue
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Division ihren ersten Einsatz, noch im Rahmen der Ausbildung, in Serbien hatte (vgl. Kumm 1978, 43). Die konkrete Struktur der Division erfuhr bis dahin immer wieder Ergänzungen und Veränderungen. Am 1. März 1942 hatte das SS-Führungshauptamt (SS-FHA) die Vorgaben der Reichsführung umgesetzt und die organisatorische Aufsteilung einer »Freiwilligen-Ge- birgsdivision« befohlen. In Bezug auf die Stellenbesetzung heißt es dort:
»6.) Führerstellenbesetzung erfolgt durch das Divisionskommando, das auf das Personal des serbischen Raumes und gewesene aktive deutsch- völkische Offiziere Nordsiebenbürgens zurückgreift. 7.) Stellenbesetzung der Unterführer und Mannschaften durch freiwillige Stellung der deutschvölkischen Einwohner des serbischen Raumes, bei teilweiser Ergänzung durch sonstige deutschvölkische Freiwillige. 12.) Mit der Aufstellung und Führung der Freiw. Geb. Div. ist der SS-Bri- gadeführer Phleps (Kdr. d. Div) beauftragt« (BA: NS19/ 3519 Dok. 138).
Während die reichsdeutschen Mitglieder der Division auf dem rechten Kragenspiegel die klassischen SS-Runen trugen, wurde am 20. März 1942 vom SS-Führungshauptamt festgelegt, dass das Erkennungsmerkmal der Volksdeutschen Mitglieder der Division die »Odalsrune«72 sein sollte (vgl. MA: N 756/149). Ebenso wie mit dem Divisionsnamen »Prinz Eugen« wur- de durch die Wahl der »Odalsrune« die Verbindung der donauschwäbi- schen Bauern mit altem germanischen Landbesitz unterstrichen und die Division »Prinz Eugen« als Fortsetzung alter Wehrbauerntraditionen be- schworen. Am 1. April 1942 erhielt die Division dann offiziell den Namen »Prinz Eugen«. Zum 1. August 1942 befahl das SS-FHA, unter Bezugnahme auf die bereits erfolgten Aufstellungsbefehle, nun die Aufstellung der SS- Freiw.Div. »Prinz Eugen« in ihrer endgültigen Form. Dabei wurde aus- drücklich betont, dass für die Stellenbesetzung keine Zuweisungen durch das SS-FHA stattfinden sollten (vgl. BA: NS19/3519, Dok. 57). Besondere Schwierigkeiten machte dabei die Besetzung der Führer- sowie Unterfüh- rerstellen (vgl. Hausser 1966, 378). Der Mangel an Führungspersonal war generell ein Problem beim Ausbau der Waffen-SS. Bereits seit Herbst 1939 hatte das SS-Führungshauptamt Schwierigkeiten, genügend »Nachersatz« zu stellen. Diese Schwierigkeiten verschärften sich noch mit der besonders hohen Verlustquote von SS-Führern seit Beginn des Krieges gegen die So- wjetunion (vgl. Wegner 1997, 284). Für die 7. SS-Division »Prinz Eugen« er- gab sich daraus die Notwendigkeit, den größten Teil ihres Führungsperso- nals aus bereits bestehenden Waffen-SS- sowie Wehrmachtsteilen selbst herauszusuchen (vgl. Kumm 1978, 27). Auch wurde versucht, unter den be-
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
reits in den verschiedenen Organisationen tätigen Volksdeutschen geeig- nete Unterführer zu finden. Im Januar 1942 konnten so 122 Unterführer aus dem Reichsarbeitsdienst der Division zur Verfügung gestellt werden (vgl. BA: NS19/2878). Bereits mit dem Befehl vom 1. März 1942 hatte das SS – FHA angeboten, die militärischen Kenntnisse von einem Teil der Volksdeutschen Führer und Unterführer in SS-Ersatzeinheiten oder Schulen im Reich zu fördern, damit diese später als Ausbilder bei ihren Einheiten tätig werden konnten (vgl. BA: NS19/3519)73. Aber auch im Banat fanden Um- schulungsmaßnahmen statt. So wurden in Pantschowa SS-Führer und Unterführer des Verwaltungsdienstes umgeschult (ebd. Dok. 59). Am 11. August 1942 erging dann vom SS-FHA der Befehl zur Aufstellung eines SS-Gebirgs-Jäger Ersatzbataillons »Prinz Eugen« mit Standort in der Bana- ter Stadt Werschetz. Die Aufgabe des Ersatzbataillons war eine 12-wöchige allgemeine Ausbildung der von den Ergänzungsstellen für die Division ge- musterten Volksdeutschen. Nach wie vor sollten aber die von der Division benötigten Spezialisten bei den zuständigen Ersatzeinheiten der Waffen-SS hauptsächlich im Reich ausgebildet werden (vgl. Prag: SS Kraftfahr Aus- bildungs- und Ersatzregiment Karton 2, ie2 (kr.2). Für den überwiegenden Teil der Banater Schwaben in der Division war aber der Aufstellungs- und Ausbildungsort in ihrer Heimat, dem Banat. Wie den Kriegstagebüchern zu entnehmen ist, verbrachten zum Beispiel die II.74 und III. Abteilung75 des SS-Geb. Artillerie Rgt. bis zu ihrem ersten Einsatz ihre Ausbildungszeit in Groß-Kikinda (vgl. MA: RS/4 1376 und 1377), während das SS-Geb. Pionier Btl. 7 in Pantschowa stationiert war (ebd. 1428-30). Die Tatsache, in der Hei- mat ausgebildet zu werden, hat das Gefühl, letztendlich doch »Heimat- schutz« zu sein, bei vielen Banatern sicherlich entscheidend unterstützt. Wie ebenfalls aus vielen Eintragungen in den Kriegstagebüchern ersicht- lich ist, wurde die Ausbildung insgesamt in engem Kontakt mit der Volks- deutschen Zivilbevölkerung durchgeführt. So wurden zum Beispiel bei Unterhaltungsveranstaltungen der Division im Mai und Juni 1942 auch Zi- vilisten eingeladen und die »Künstler« zu Volksdeutschen in die Wohnung gebracht (vgl. MA: RS/4 1377). Selbst Spätsommer 1944 war es noch üblich, dass Männer der im Banat stationierten Ersatzeinheiten zum Ernteeinsatz auf ihren Höfen freigestellt wurden (vgl. MA: RS/4 1136 Dok. 3938).
Mit dem Auftrag zur Aufstellung der Volksdeutschen Division hatte die Waffen-SS den alleinigen Anspruch auf die Volksdeutschen auf dem Balkan erhoben. In der nun schwierigen Situation forderte die Führung der Waffen-SS, dass alle Männer, die von anderen Teilen der Besatzungsbehör-
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen

Bild 5 Banater Bäuerin und ihr Mann aus der Ortschaft Kiek bei Groß-Betschkerek. Die Mütze weist ihn als SS-Mitglied aus.

den angeworben worden waren, an die SS-Division »Prinz Eugen« über- stellt werden sollten (vgl. BA: NS19/1728 und Herzog 1955,13). So wurden alle weiteren Werbungen durch die Wehrmacht gestoppt (vgl. BA: NS19/ 2878). Damit befand sich de facto schon ab Januar 1942 die Rekrutierung der Volksdeutschen Jugoslawiens allein im Zuständigkeitsbereich der Waf- fen-SS. Am 31. März 1942 hatte der Leiter der VOMI, SS-Obergruppenfüh- rer Lorenz, in einem Schreiben an Heinrich Himmler darauf verwiesen, dass die im Aufbau begriffene Division auch die 1941 bereits von der Wehr- macht infolge der Aufstände rekrutierten Volksdeutschen nun dringend selbst benötigte (vgl. BA: NS19/1728). Aus Volksdeutschen Offizieren und Unteroffizieren der ehemaligen jugoslawischen Wehrmacht konnte eben- falls ein großer Teil der Führerränge besetzt werden. Die noch fehlenden Führerstellen wurden mit Reichsdeutschen besetzt.
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
In diesem Zusammenhang soll auf eine Frage hingewiesen werden, die in der Auseinandersetzung mit der SS immer wieder eine wichtige Rolle gespielt hat (vgl. u.a. Stein 1967; Höhne 1996). Inwieweit waren die ver- schiedenen Bereiche der SS-Polizei, Allgemeine SS, Konzentrationslager- mannschaften und Waffen-SS miteinander verbunden beziehungsweise voneinander getrennt?76 Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wollten die Führer der Waffen-SS – beispielsweise als Zeugen im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher – eine besondere Verstrickung der Waf- fen-SS in die Menschenrechtsverbrechen des »Dritten Reichs« nicht sehen (vgl. Nürnberg XX, 400ff). Man bezeichnete sich als »Soldaten wie andere auch« (Hausser 1966) – als würde allein dieser Hinweis genügen, die er- drückende Anklage etwas abzumildern. Man versuchte, die Waffen-SS als sogenannten selbstständigen Teil der Wehrmacht von den anderen Berei- chen der SS zu trennen (vgl. Nürnberg XX, 395). Wie sehr gerade bei der »Prinz Eugen« die verschiedenen Aufgaben und Bereiche der SS zu- sammenflössen und nicht zu trennen waren, wird hier später immer wie- der zur Sprache kommen. Noch in der Aufstellungsphase der »Prinz Eu- gen« fand diese Vermischung ihren Ausdruck in einer Personalzuweisung, der noch weitere vergleichbare folgen sollten. Am 6. Juli 1942 schrieb SS- Oberführer77 Viktor Brack an Heinrich Himmler und bat um seine Verset- zung zur »Prinz Eugen«. Brack verwies darauf, dass er von der Wehrmacht in den Jahren 1936 bis 1938 zum Feldwebel und Offiziersanwärter der Ge- birgsjäger ausgebildet worden war und sich deswegen zum Dienst in der 7. SS- Geb. Div. besonders eignen würde. Außerdem erachtete er es für seine spätere politische Arbeit nützlich, wenn er in der »Praxis die Gelegen- heit« fände, »in fremdem Land mit fremden Menschen zu arbeiten« (BA: NS19/2526 Dok. 1 ff).78 Am 18. Juli 1942 ließ Himmler in einem Brief aus dem Führerhauptquartier mitteilen, dass er einverstanden sei und Brack sich möglichst bald zur Division begeben solle (vgl. ebd. Dok. 5). In der All- gemeinen SS mit dem Rang eines SS-Oberführers versehen, hatte Viktor Brack persönlich am Euthanasie-Programm teilgenommen (vgl. Aly 1995, 53). Später bereitete er den Einsatz der ersten Vergasungswagen für Juden in Riga und Minsk vor. Brack war außerdem maßgeblich am Aufbau der To- deslager und der Gaskammern in Polen beteiligt (vgl. Wistrich 1983, 30). Viktor Brack diente dann ab Sommer 1942 im Rang eines SS-Untersturm- führers bei der 7. Waffen-SS-Division »Prinz Eugen« (vgl. BA: NS19/938).79
Nach Angaben des späteren Divisionskommandeurs, SS-Brigadeführer Otto Kumm, kamen bei den Kompanie-, Bataillons- und Zugführern drei

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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«

Bild 6 Banater Familie in Kiek bei Groß-Betschkerek. Die Uniform weist den Vater als SS-Sturmmann aus.
Volks- auf einen Reichsdeutschen. Bei den Regimentskommandeuren wa- ren zwei Drittel Volksdeutsche, und bei den Unterführern war das Verhält- nis Volksdeutsche zu Reichsdeutschen fünf zu eins (vgl. Kumm 1978, 40). Insgesamt konnte aber der Mangel an Führungskräften auch im weiteren Verlauf des Krieges nicht behoben werden. Aus dem Zustandsbericht des
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
Divisionskommandanten über die personelle Lage der Division vom Januar 1944 lässt sich errechnen, dass auch zu diesem Zeitpunkt der Fehlbestand an Offizieren (49 %) und Unteroffizieren (48 %) den der Mannschaften (25 %) bei weitem überstieg (MA: RS 3-7/17 Dok. 449ff). Dabei führte die schwierige Personalsituation dazu, dass das »SS-Hauptamt-Ergänzungsamt« am 9. Dezember 1942 auf Anfrage des Ersatzkommandos Südost der Waffen-SS verfügte, dass die Division »Prinz Eugen« SS-geeignete und für das Heer als kriegsverwendugsfähig befundene Freiwillige bis zur Größe von 160 cm annehmen sollte. Damit waren die Tauglichkeitsvoraussetzungen für den Dienst in der »Prinz Eugen« niedriger als für alle anderen Einheiten (BA: NS31/367 Dok. 23).80
Die ethnische Zusammensetzung der Division aus 91,5% Volksdeut- schen Südosteuropas und 8,5% Reichsdeutschen führte von der Ausbil- dung bis zum Kampfeinsatz immer wieder zu Spannungen. Die nationalis- tische Überheblichkeit, die sich auch in der bereits zitierten abfälligen Be- urteilung des Volksdeutschen Ersatzes durch den Kommandeur der SS- »Totenkopfdivision«, Eicke, während des Russlandfeldzuges Ende 1941 gezeigt hatte (vgl. Prag: Karton 1, 4/kr.l. SS-Kraftfahr-, Ausbildungs- und Ersatzregiment), war offensichtlich auch unter einem Teil des reichsdeutschen Rahmenpersonals und der reichsdeutschen Führer der »Prinz Eugen« verbreitet. Noch am Ende der Ausbildungszeit, kurz bevor die »Prinz Eugen« nach Kroatien verlegt wurde, kam es deswegen zu ersten größeren Auseinandersetzungen. Aus Angst vor weiteren Repressalien hatten sich immer wieder Banater Schwaben in Briefen zum Teil anonym unter anderem auch an den Volksgruppenführer Sepp Janko gewandt und ihm über Demütigungen und Beleidigungen berichtet (vgl. Janko 1982, 227). In einem Divisions-Sonderbefehl vom 2. Dezember 1942 wandte sich dann der Divisionskommandant Phleps überscharf gegen das anonyme Briefeschreiben:
»Der anonyme Briefschreiber ist mit einem wilden Tier zu vergleichen, das bei Nacht und Nebel aus dem Hinterhalt das in Ruhe einherschreitende Opfer anfällt. Er ist das nichtswürdigste Individuum, das sich der deutsche Mann vorstellen kann, weil es der Ausfluss der Feigheit, der Heimtücke, der Hinterlistigkeit und der Ausdruck der niedrigsten Instinkte ist« (BA: NS19/292, Dok. 9).81
Phleps Wut erklärt sich auch daher, dass in den Briefen zum Teil Geheimbefehle der Division an den Volksgruppenführer weitergegeben worden waren. Er verweist dabei auf Vorgänge, bei denen Originalbefehle der Division in die Hände des Höheren SS- und Polizeiführers gelangt waren.

Phleps bezeichnet die dafür Verantwortlichen als Kapitalverbrecher und droht ihnen mit Kerkerhaft, »denn diese Menschen versündigen sich gegen das Hauptgebot des Soldaten, gegen die Disziplin, und zerstören bewusst das innere Gefüge der Division« (ebd. Dok. 10). Dann kommt er auf die Probleme in der Personalführung zu sprechen:
»Ich erwarte von allen Kommandeuren, dass sie diesen Befehl in ent- sprechender Form zum Anlass von fortgesetzten Belehrungen machen und darauf einwirken, dass durch ständige Kontrolle und wiederholtes Ausfragen Ubergriffe, Ungerechtigkeiten, Misshandlungen, Beschimp- fungen,82 mangelhafte Verpflegung usw. ausgeschlossen sind … Führer und Unterführer, die sich nicht fügen oder denen der Sinn für menschli- che, dabei doch soldatisch strenge Art, abgeht, sind nicht würdig, in der Div. zu führen und müssen rücksichtslos ausgeschaltet werden« (B A: NS19/292, Dok. 9ff).
Phleps Sonderbefehl und die Schwierigkeiten in der Division veranlassten Himmler am 13. Januar 1943 zu einem Schreiben an Jüttner. Zum einen führte Himmler aus, dass Phleps Aussagen über die Originalbefehle missverständlich seien. So als ginge es um die Frage, ob überhaupt und nicht wie Befehle in die Hände des Höheren SS- und Polizeiführers gelangen sollten. Dann kommt Himmler auf Beschwerden der Volksdeutschen zu sprechen, dass die SS-Führer versuchen würden, zusätzliches und besseres Essen als sie zu bekommen. Himmler forderte Jüttner auf, diesbezüglich mit Phleps zu sprechen, da er
»es als Grundlage ansehe, dass jeder derartige Versuch brutal und mit allen Mitteln unterbunden wird. Gleiches Essen ist im Krieg das Fundament der Zufriedenheit« (BA: NS19/938, Dok. 2).
Trotz des frühen Eingreifens des Divisionskommandanten mit dem Ziel, sowohl vehement die Disziplin aufrechtzuerhalten als auch die offensicht- lich erfolgten Demütigungen Volksdeutscher durch reichsdeutsche Führer zukünftig zu unterbinden, sollten sich die Schwierigkeiten fortsetzen. Da- bei stellten sich sowohl Himmler als auch später Berger, eindeutiger als Phleps, auf die Seite der Volksdeutschen.
Für die Offiziere und Mannschaften wurde nicht nur durch den Namen »Prinz Eugen« oder das Divisionszeichen »Odalsrune« versucht, die Auf- stellung der SS-Division in eine Traditionslinie mit vergangenen Ereignis- sen der deutschsprachigen Besiedlung des Balkans zu stellen. Die Mytho- logisierung der Geschichte wurde immer wieder in den unterschiedlichsten Formen betrieben und fand Eingang in den Alltag der Division schon während ihrer Aufstellungszeit. So stand im Vorwort der ersten Kriegstagebücher verschiedener Bataillone des Geb. Artillerie-Rgts. der SS- Freiw. Div. »Prinz Eugen« in Groß-Kikinda, dass die Aufgabe des Regiments »die Wahrung der Ordnung und Sicherheit und des dem deutschen Volke im Südosten zugewiesenen Lebensraumes« ist. Dabei stehe und kämpfe es »in einem Raum … der größtenteils von fremden Nationen bewohnt ist« und sei somit »eine dringende Notwendigkeit zum Schutze von Volk und Land, da beide durch bekannte feindliche Einstellung der hier vorherrschenden serbischen Elemente gefährdet sind« (MA: RS 4/ 1376, 1377 und 1379).
In der Ausgabe der Zeitung Volkswacht vom 24. Mai 1942, »Stimme der SS-Freiw. Division >Prinz Eugen< für die Truppe und das Deutschtum im Banat«, wurden »Worte des Kommandeurs der SS-Freiw. Division >Prinz Eugen<« abgedruckt. In den »markigen« Gewissheiten, mit denen Phleps seine Männer anspricht, verbinden sich schon bekannte Aspekte der My- thologisierung der Geschichte, wie beispielsweise der oft wiederholte Ver- weis auf den bäuerlichen Grenzergeist, mit durchaus realen Veränderungen für die Volksdeutschen Mitglieder der Division, wie der Tatsache, dass sie nun nicht mehr in fremden Uniformen kämpfen mussten. Phleps wird in der »Volkswacht« mit den Worten zitiert:
»Noch stehen Armeen der östlichen Unholde, Nachkommen jener wilden Horden, die vor Jahrhunderten unsere Gefilde verwüstend durchschritten. Sie werden aber vernichtet werden, denn vor unseren Streitern steht der Führer – unerreicht auch als Soldat – und verzehn- facht unsere Kräfte.
Nun ruft uns der Führer. Und freudig folgen seinem Rufe Jung und Alt und reihen sich ein zur festgefügten Kampfeinheit, die den ehrenvollen Namen »Prinz Eugen« trägt. Alte Weltkriegsteilnehmer neben ihren jungen, begeisterten Söhnefn]. Viele unter ihnen trugen vorher Uniform und Waffen von Fremdvölkern und mussten gegen deutsche Brüder kämpfen.
Noch gilt es den letzten grossen Einsatz, und dazu seid nun auch ihr ausersehen. Gleich den Vätern, die diesen Boden in bewunderungswertem zähen Ringen urbar machten und in vielen Kriegen verteidigten, werdet auch ihr ehrenvoll bestehen. In vielen Kriegen bewährter Grenzergeist wird lebendig und bald werden die Schritte der Kolonnen erschallen, die da ankündigen: >Wo deutsche Faust den Boden pflügt, bleibt deutsch die Erde.<
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Ich aber, als der vom Führer ernannte Kommandeur dieser Division, selbst dem ältesten deutschen Grenzerstamm des Südostens entstammend, der euch in eurem Wesen und Tun kennt, mit euch denkt und fühlt, gehe mit felsenfestem Vertrauen auf eure Gefolgschaft an die Lösung der gestellten Aufgabe, denn ich weiss, dass die deutschen Männer dieser Gefilde nur wahr, treu und tapfer sein können« (MA: N 756/149).
Ein anderes Mal heißt es in einem handschriftlichen Entwurf des SS-Ober- sturmbannführers Scherhaufer83 vom 5. Juni 1942 für eine Rede anlässlich einer »Prinz Eugen«-Feier, an der als Gäste Staatsrat Turner, Kreisleiter Bauer und Bürgermeister Wolff teilnahmen:
»Volksgenossen und Männer der Waffen-SS … 1717 vor 225 Jahren am gleichen Tage gab es den Sieg Prinz Eugens gegen die Türken vor Belgrad … [so] entstand das Bollwerk des Deutschen Reiches und die Banater Waffen-SS ist nunmehr zur vermächtniserfüllender Verkörperung dies Prinz Eugenschen Gedankens geworden« (Prag: inr.e.l/kr.l. 7. SS-Geb. Division Prinz Eugen).
Auch im Soldatenheim in Pantschowa wurde die Geschichte als »Sinngeber« missbraucht. Hier wurden die Wände von einem Münchner Künstler mit riesigen Wandgemälden versehen (vgl. Kumm 1978, 40), die ausge- wählte Ruhmestaten donauschwäbischer Geschichte und Militärgeschichte zeigten und zum Teil auf eigenwillige Art kommentierten. Dabei trat die Mythologisierung der Geschichte besonders deutlich hervor, da hier der Bogen von der SS-Division »Prinz Eugen« über die Jahrhunderte zurück bis in die sagenumwobene Zeit der Nibelungen gespannt wurde. So lauteten die Überschriften und Kommentare zu den jeweiligen Wandbildern: »Die Nibelungen ziehen zu Attila an die Theis« – »Nibelungenlied! Man nennt es eine Sage. Mit Blut geschriebene Geschichte steht dahinter« – »1604 Wallenstein, 1717 Prinz Eugen, 1718 der große Schwabenzug, 1788 Jakob Hennemann, der Verteidiger von Werschetz« – »1813 Deutsch-Banater Grenzer bei der Völkerschlacht von Leipzig«, »1820 Soldaten waren, sind oder werden sie alle – Der Offizier ist von der Wiege bis zum Grabe dem Wehrbauern Vorgesetzter, Vater und Freund. Ahne und Enkel kennen nur einen Gruß – den soldatischen -« »1942 Vorwärts, >Prinz Eugen<!« (Kumm 1978).84

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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
3.2.2
Organisatorische Struktur, Ausrüstung und Bewaffnung
Das Einsatzziel der Division zeigte sich auch in Ausrüstung, Be- waffnung und besonders in der organisatorischen Struktur der Division. Die Aufstellung der Division erfolgte in Form eines selbstständigen Kampf- verbandes (vgl. Janko 1982, 215). Sie bestand aus allen Waffengattungen und war dabei entsprechend ihrer Aufgabe zusammengestellt. Sie sollte anfangs aus zwei Gebirgsjäger-Regimentern mit jeweils vier Bataillonen und darüber hinaus aus einem Artillerie- Regiment bestehen. Hinzu kamen eine Reiterschwadron, ein Radfahrbataillon, eine Panzerkompanie, eine Flakabteilung, eine Nachrichtenabteilung, ein Pionierbatallion und der Tross aus Wirtschaftsbataillon, Werkstattkompanie, Sanitär- und Veterinär- abteilung (vgl. BA: NS19/3519, Dok. 57 und Kumm 1978, 42). Zusätzlich er- hielt die Division einen Propaganda-Zug. Seine Aufgaben waren die Propaganda innerhalb der Deutschen Volksgruppe: beispielsweise »Redner Einsatz« und die Herausgabe von Zeitungen wie Volkswacht und Banater Beobachter. Darüber hinaus sollte der Zug Flugblätter und anderes Propa- gandamaterial herausgeben und eine »Volksdeutsche Stunde« am Radio- sender Belgrad durchführen (vgl. BA: NS19/3519, Dok. 55).
Ebenso wie bei der Aufstellung des Führerpersonals gab es allerdings auch bei der Ausrüstung massive Probleme (vgl. Hausser 1966, 378). So ge- staltete sich die Versorgung mit genügend Waffen und Munition in der ersten Phase als kompliziert. Da der Kampf gegen die Partisanen im unweg- samen Gelände Serbiens nicht sofort eine umfassende schwere Bewaffnung erforderte, konnte die erste Bewaffnung der Division hauptsächlich aus Beutewaffen erfolgen (vgl. ebd. 378; Kumm 1978, 43). Trotzdem gab es auch hier Probleme, wie Keitel am 30. Dezember 1941 an Himmler schrieb: Da die Waffen aus der jugoslawischen Beute bereits vollständig verteilt worden waren, konnten zunächst nur 10 000 Gewehre mit je 150 Schuss (8 mm), 500 leichte Maschinengewehre mit je 5000 Schuss und 200 bis 240 schwe- re Maschinengewehre an die Division überwiesen werden (vgl. BA: NS19/3519, Dok. 197 und 198).
Für den Einsatz der Division in den Bergen kam den Reit- und Lasttie- ren eine besondere Bedeutung zu. In dem schwierigen Gelände konnten motorisierte Einheiten nicht überall eingesetzt werden. Eine der ersten Ausrüstungsmaßnahmen war der Ankauf von genügend Tragetieren wie Maultieren und Eseln. Wie aus verschiedenen Schreiben zwischen dem
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
SS-Hauptamt und dem persönlichen Stab des Reichsführers-SS Anfang 1942 hervorgeht, war besonders die Beschaffung der benötigten Menge von Lasttieren für die 7. SS-Division äußerst schwierig (vgl. BA: NS 19/2878). Im Januar hatte der kroatische Staat 2000 Gebirgspferde für die Division be- willigt (vgl. BA: NS19/2878). Fast zeitgleich war aber eine Anfrage der Waf- fen-SS über ebenfalls zwei- bis dreitausend Mulis und Tragpferde für die 6. SS-Division Nordland in Kroatien eingegangen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 305/ 2562 Dok. D8-D24). Über die Lieferung der Tragtiere aus Kroatien für die in Nordosteuropa eingesetzte Division kam es zu einer weiteren Ausein- andersetzung zwischen Berger und dem deutschen Gesandten in Agram, Kasche (vgl. ebd.). Wiederum stellte Kasche die deutschen Interessen in Kroatien in den Vordergrund, während Berger bereit war, sie den allgemei- nen Erfordernissen der Waffen-SS unterzuordnen. Somit setzte sich der be- reits aufgezeigte Gegensatz zwischen Kasche und Berger fort, wobei auch hier Kasche letztendlich unterlag. Kasche wurde in einem Schreiben des Legationsrates Rademacher vom 27. Januar 1942 angewiesen, die Bemü- hungen der Waffen-SS zu unterstützen (vgl. ebd. Dl3). Der Versuch, den Bedarf der 7. SS-Division »Prinz Eugen« nach Lasttieren daraufhin aus Spa- nien zu decken, war ebenfalls nur bedingt erfolgreich. So musste das Vor- haben, 3000 Maultiere aus Spanien zu beschaffen, wie Himmler am 14. März 1942 schreibt, aus politischen Gründen fallen gelassen werden (vgl. BA: NS19/2878). Die Division musste sich vorläufig mit der legalen Lieferung von 500 Maultieren aus Spanien begnügen.
Die vielfältigen Probleme, die beim Aufbau der 7. SS-Division »Prinz Eugen« auftraten, führten im Sommer 1942 zu dem Versuch einer ungewöhnlichen Hilfsmaßnahme des SS-Gruppenführers Staatsrat Turner, dem Chef der Militärverwaltung in Serbien. Turner wollte die Division mit ge- nügend finanziellen Mitteln ausstatten. Nachdem ihm die Verwaltung der »Judengelder« zugefallen war, übergab er einige Millionen »Judengelder« an den Kommandanten der SS-Division, SS-Gruppenführer Phleps, wie er am 29. August 1942 an SS-Obergruppenführer Meyszner schrieb (vgl. BA: NS19/1672). Diese für die allgemeine Vorgehensweise der SS eher unbüro- kratische Maßnahme – man achtete allgemein auf eine ordentliche Ab- wicklung des Judenvermögens (vgl. Schlarp 1986, 302) – wurde denn auch auf Drängen Meyszners, der mit Turner einen langwierigen Kompetenzstreit ausfocht (vgl. Friedmann 2000, 7), zurückgenommen. In einem Schreiben an Heinrich Himmler vom 4. September 1942 berichtete Meyszner, dass er Phleps beauftragt hatte, das »Judengeld« wieder zurückzuerstatten, da noch keine ordnungsgemäße Abrechnung des Judenvermögens in Serbien stattgefunden habe (vgl. BA: NS19/1672). Es liegt in der Struktur der SS, dass Meyszner nicht grundsätzlich gegen die Verwendung von »Ju- dengeld« für den Aufbau der »Prinz Eugen« war, sondern nur bürokrati- sche Einwände gegen die konkrete Form der Vergabe vorbrachte. Vielmehr zeigt dieser Zusammenhang zwischen dem Schicksal der Juden und der 7. SS-Division »Prinz Eugen«, wie direkt die Division schon in ihrer Anla- ge in die Ausbeutungs- und Vernichtungsmaßnahmen der Militärverwal- tung in Serbien verstrickt war – und wie wenig Haussers (1966) Satz »Sol- daten wie andere auch« auf sie zutrifft.
Auf den besonderen Charakter der 7. SS-Division »Prinz Eugen« ist schon mehrfach hingewiesen worden. Zum einen im Hinblick auf ihre spe- zifische Aufgabenstellung, nämlich die Befriedung des jugoslawischen Raumes im Sinne der deutschen Besatzungsmacht, und zum anderen in Bezug auf ihre Zusammensetzung aus fast ausschließlich Volksdeutschen aus dieser Region. Nirgendwo wird der besondere Charakter der Division aber deutlicher als in einem mehrseitigen Papier über »[t]aktische Grund- sätze für die Führung des Kleinkrieges«, das SS-Obergruppenführer Phleps bereits am 27. April 1942, also noch in der Phase der Aufstellung, heraus- gegeben hatte. Phleps zeichnet in ihm die Grundzüge des späteren Einsat- zes der Division in einer solchen Deutlichkeit vor, dass die Wirklichkeit der Partisanenbekämpfung durch die 7. SS-Division »Prinz Eugen« wie eine Umsetzung seiner Theorie in die Praxis wirkt. Ein Schwerpunkt des Pa- piers ist dabei die gefechtsmäßige Aufgliederung der Division. Hier wird deutlich, dass die oben bereits beschriebene Zusammensetzung der Division aus allen Waffengattungen sich aus der ihr zugewiesenen Aufgabe der Partisanenbekämpfung ergab. Des Weiteren macht Phleps dabei immer wieder unmissverständlich deutlich, dass im zukünftigen Partisanenkampf die Division nur bedingt zwischen der Zivilbevölkerung, also auch Frauen und Kindern, und dem Feind zu unterscheiden hatte:
»SS-Freiwilligen Division >Prinz Eugen< vom 27.4.42
Geheim!
Taktische Grundsätze für die Führung des Kleinkriegs
Die Bevölkerung muss wissen, dass sie keine Schonung findet, wenn Banden unangemeldet in ihrem Raum auftreten und es zum Kampfe kommt.
Dem fanatisch kämpfenden Feind muss ein noch fanatischer und besser kämpfender Streiter entgegentreten.

Es muss also das Kämpferische mit dem Tagdmässigen vereint in kühnem Wagen zum Erfolg gebracht werden. Auch geht die Bande nach getaner Arbeit wieder in die Bevölkerung auf, zumeist in Räumen, aus denen sie entstammt, daher ihre Mitglieder nicht als Fremde von Spähern oder Verrätern leicht feststellbar sind. Frauen und Kinder sind zumeist die Beobachter und Nachrichtenübermittler unserer Gegner« (MA: RS 3- 7/15, Dok. 199 und 200; diese und alle weiteren Hervh. i. Orig.).
Im weiteren Verlauf kommt Phleps auf die Eigentümlichkeiten des Einsatzes im Partisanenkampf zu sprechen, der es notwendig macht, die Division meistens in kleinere Kampfeinheiten aufzusplittern. Er führt dazu aus, dass zwar:
»Grössere Bandenaktionen, einheitlich geleitet, dieselben Bilder des Kampffeldes zeigen [werden], die wir aus dem Kampf mit regulären Formationen kennen« (ebd. Dok. 201).
Er verweist aber auf die Erfahrungen und Instruktionen des bulgarischen Oberstleutnants Darv aus dem Ersten Weltkrieg, der damals auf dem Balkan die Bildung von sogenannten Gegenbanden gefordert hatte:
»Jede Gegenbande bekommt die Aufgabe eine bestimmte Bande tage- wochen- monatelang bis zur Vernichtung zu verfolgen« (ebd. Dok. 202).
Phleps folgert daraus für die Unterteilung der »Prinz Eugen« in kampffähi- ge Abteilungen:
»Es müssen Gegenbanden formiert werden. Diese Bezeichnung besagt eigentlich alles. Wir müssen also den Teufel mit dem Beizebuben aus- treiben, den Feind mit den ihm eigenen Waffen bekämpfen.85 Die Stärke der Gegenbande wird nach der zur jagenden Bande festgelegt … Als geringste Stärke ist die Gruppe zu betrachten (ebd. Dok. 203). In schwierigem Gebirgsgelände ist die Gruppe aus dem alpinen Zug zu entnehmen und nötigenfalls aus besonders gewandten Kletterern zusam- men zu setzen« (ebd. Dok. 206).
Die nächstgrößere Einheit war der »Zug«, der ähnlich wie die Gruppe for- miert und nur größer sein sollte (vgl. ebd. Dok. 206).
»Dem Zug können als Verstärkung schwere Waffen wie s. MG, 1. und s.Gr. W., PAK und sogar Jagd-Geschütze zugewiesen werden« (ebd. Dok. 207).

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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
Immer wieder kommt Phleps auf die seiner Meinung nach notwendigen Repressionen gegenüber der Zivilbevölkerung zu sprechen:
»Um die Bevölkerung vom Ernst der Lage zu überzeugen und ihr den Boden zur Unterstützung der Banden zu nehmen, ist es oft zweckmäßig, wenn die Streifabt. beim Verweilen in Ortschaften Geiseln an sicherem Orte in Haft setzen, um im Falle eines Bandenüberfalls oder sonstigen feindseligen Handlungen durch Bevölkerungsteile exekutiert zu wer- den« (ebd. Dok. 207).
An all diesen Aktionen sollte immer eine »Streifkompanie« beteiligt sein, die letztendlich den Ausgangspunkt der Gruppe oder des Zuges bildete und deren Aktionen de facto einzuleiten hatte (ebd. Dok. 207). Des weite- ren meinte Phleps:
»Das Bataillon [ist] die Kampfeinheit, mit der die meisten Kampfhand- lungen, selbst stärkeren Banden gegenüber, zum entscheidenden Ab- schluss gebracht werden können« (ebd. Dok. 211). »Wenn nur irgendwie angängig, wird dem Bataillon eine Gebirgs-Kanonen- oder Geb. Haubitz-Batterie zugeteilt, denn alle bisherigen Banden- kämpfe haben gezeigt, dass die irregulären Kämpfer Artl.-Feuer nicht vertragen« (ebd. Dok. 213).
»Von überlegenem Gegner in die Abwehr gedrängt, führt das Bataillon diesen Abwehrkampf nach den Regeln des Feldkrieges« (ebd. Dok. 215).
Danach kommt Phleps wieder auf den Umgang mit der Zivilbevölkerung zu sprechen. Wobei nicht nur das Herrschaftsverhältnis gegenüber der ser- bischen Bevölkerung sichtbar wird, sondern auch die Schonungslosigkeit der mit der Herrschaftssicherung verbundenen Maßnahmen zutage tritt.
»Eine fanatisierte Bevölkerung, besonders serbischer Nationalität, verträgt keine von Humanitätsduselei beeinflußte, vornehme, duldende Behandlung. Sie respektiert nur die brutale Gewalt. Sie will und muss den Herren jeder Zeit fühlen! Güte oder Gewährenlassen wird nur als Schwäche und Unvermögen sofort ausgewertet. Die Bevölkerung muss derart durch die Aktionen unserer Abteilungen und durch das Auftreten des Einzelnen beeindruckt sein, dass bereits das Erscheinen eines einzelnen Mannes, der die Odalsrune86 am Spiegel und das Hoheitszeichen am Arme trägt, Respekt einflösst und jede feindselige Handlung erstickt. Wo aber Ordnung und Disziplin herrscht, da muss wieder die Überzeugung Platz greifen, dass eine sich den Gesetzen fügende Bevölkerung unter dem Schutz des deutschen Schwer- tes in Ruhe und gut leben und jederzeit der Unterstützung des deutschen Soldaten teilhaftig werden kann.

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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Ist die Bande im eigenen Raum gebildet worden (also hat nicht hereinge- wechselt) und wurde das von der Bevölkerung (Ortsvorstand) nicht gemeldet, so sind die von diesem Orte gestellten Geiseln sofort niederzu- machen. Sollten keine Geiseln gestellt worden sein, so sind der Ortsvor- stand und einige ansehnliche Bürger öffentlich zu erschiessen … Betei- ligt sich die Bevölkerung am Bandenkampf, so ist sie ohne Schonung zur
Gänze niederzumachen und der Ort anzuzünden« (ebd. Dok. 218).
»Die Bevölkerung muss schon nach dem ersten Auftreten unserer Abtei- lungen wissen, dass sie keine Gnade findet, wenn sie sich nicht friedfer- tig verhält« (ebd. Dok. 219).
Im letzten Teil benennt Phleps die Aufgabenbereiche der Regimenter und der Division:
»Das Rgt. (als Gefechtstruppe) wird zur Befriedung eines bestimmten Raumes von der Division eingesetzt« (ebd. Dok. 221). »Die Stabsjägerkompanie … hat die Aufgabe, den Rgt. Stab ständig zu sichern und die Bevölkerung in der nächsten Umgebung zu überwachen und niederzuhalten« (ebd. Dok. 222).
»Der Division obliegt der einheitliche Einsatz der ihr unterstellten Kräfte im zugewiesenen zu befriedenden Räume. Es wird wohl selten der Fall sein, dass sie hierzu über alle ihre kriegsgliederungsgemäss zustehenden Kräfte verfügt, vielmehr werden oft Teile abgetrennt oder Rgts- (Gefechts- gruppen-) weise in weit voneinander entlegenen Räumen eingesetzt sein« (ebd. Dok. 224).
»Die Masse der Artl. behält sich der Div.Kdr. in der Hand um sie dort einzusetzen, von wo aus er den Kampf der Rgter. am besten beeinflussen kann« (ebd., Dok. 225).
»Die Kämpfer aber müssen gerade in diesem Kampfe das ihnen am meisten zusagende kriegerische Ausleben finden und es mit sportge- mässem Eifer betreiben« (ebd. Dok. 227).

Abschließend verfügt Phleps:
»Diese hier entwickelten Grundsätze [sind] durch Rgt.- und Abt. Kom- mandeure erläuternd Führern und Unterführern bekanntzugeben und bei jeder Gelegenheit zu erläutern. Sie sind unter strengsten Verschluss zu halten, damit sie nicht in Feindeshand fallen« (ebd. Dok. 228).
Damit ist deutlich, dass zumindest bis zu den Unterführerrängen der »Prinz Eugen« deren Mitglieder schon während der Aufstellung auf das »Besondere« ihres Einsatzes vorbereitet worden waren. Dass diese Grund- sätze auch wirklich den Alltag der Kampfeinsätze mitbestimmt haben, geht aus einem späteren Befehl vom 4. November 1942 hervor. Der Befehl, der
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
an die Regimenter hinausging und von einem SS-Standartenführer97 unter- schrieben wurde, lautete:
»Bezüglich Kampfführung verweise ich auf die von der Division wieder- holt ergangenen Befehle und Weisungen (Kleinkrieg usw.)« (MA: RS4/ 1419, Dok. 61).

3.3
Verschiedene Einsätze bis zur Aufstellung des V. SS-Armeekorps
Die 7. SS-Division »Prinz Eugen« wurde bis zum Ende des Krieges ausschließlich auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens, in Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Kroatien eingesetzt. Wie bereits er- wähnt, sollten dabei die von Phleps herausgegebenen und vom Verfasser oben ausführlich dargestellten »Grundsätze der Führung des Kleinkrieges« mit aller Konsequenz umgesetzt werden. Dabei wurde die Division nur sel- ten, wie von Phleps vorausgesehen, geschlossen in die Kämpfe geführt. Je nach Stärke des Gegners wurde sie also in verschiedene Kampfgruppen in Regiments- oder Bataillonsstärke aufgeteilt und eingesetzt. Zwischen den großen Operationen zur Zerschlagung der Partisanenbewegung wurde die Division an verschiedenen Orten stationiert. In diesen »Pausen« sollten sich die Führer und Mannschaften der Division wieder erholen und die Verluste an Menschen und Material ersetzt werden. Gleichzeitig hatten die verschiedenen Abteilungen der Division die Aufgabe, dort, wo sie statio- niert waren, die Ordnung der deutschen Besatzungsbehörden durch be- ständige Patroullien, Kontrollen und Sicherungsaufgaben in Zug- oder Kompaniestärke aufrechtzuerhalten. Im Folgenden wird ein möglichst ge- naues Bild der verschiedenen Aufgabenbereiche der Division entworfen. Dabei geht es in erster Linie nicht um eine abschließende strategische Analyse des Kriegsgeschehens auf dem Balkan und dessen Bedeutung für den Ausgang des Zweiten Weltkriegs.88 Noch soll es darum gehen, das Kampf- geschehen bis auf alle Regiments- und Bataillonsebenen zu verfolgen oder gar möglichst viele Kämpfe um einzelne Städte, Dörfer oder Höhenzüge de- tailliert zu schildern.89 Beide Aspekte des Kriegseinsatzes der Division, so- wohl der strategische als auch der taktische, werden aber insoweit vorge- stellt, wie sie zum Verständnis der Aufgaben der Division notwendig sind. Darüber hinaus werden auch in diesem Abschnitt die Spuren des Ethni-
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
sehen, auch in den militärischen Aktionen, weiterverfolgt und es wird der Frage nachgegangen, wie das Verhältnis von Eigenem und Fremdem und der Alltag der Kämpfe der Volksdeutschen Division »Prinz Eugen« gegen die anderssprachigen ethnischen Gruppen sich gegenseitig beeinflusst ha- ben.
3.3.1
1942 – Erste Versuche im Partisanenkampf in Serbien
Anfang Oktober 1942 wurde die Division aus ihrem Aufstellungs- raum im Banat nach Südserbien verlegt,90 wo seit der Niederschlagung der Aufstände im Herbst 1941 relative Ruhe herrschte. Sie wurde dort auf Standorte in Kraljevo, Uzice, Ivanjica, Cacak, Raska, Mitrovica, Novi Pazar verteilt (vgl. MA: RS4/1419)91 und sollte – bei Fortsetzung intensiver Aus- bildung (Kumm 1978, 43) – das Gebiet weiter sichern. Ende September 1942 war ein »Divisions + Sonderbefehl« zum Ausbau der genannten Standorte ergangen. Aus den verschiedenen Einheiten wurden Architekten und Bau- meister abgestellt, um den Ausbau zu leiten. Die Kommandeure hatten dar- auf zu achten, dass das Baugelände Zufahrtsmöglichkeiten bot, auf mög- lichst ebenem Gelände lag und trockener Baugrund vorhanden war. Darü- ber hinaus musste die Entwässerung gewährleistet, genügend Trinkwasser und die Nähe zu elektrischen Hochspannungsleitungen sichergestellt wer- den (vgl. MA: RS 3-7/19). Am 3. Oktober 1942 erging dann der »Vorbefehl für die Vorbereitung der bevorstehenden Operation«, die der erste, mehre- re Tage dauernde Einsatz der Division im Partisanenkampf in Serbien sein sollte (vgl. MA: RS4/1419 Dok. 24ff). Dieser erste Einsatz gab die Möglich- keit, die schon im Vorfeld geübte Vorgehensweise in der Praxis zu erpro- ben. Sowohl die Übungsstunden in der Aufstellungsphase Sommer 1942 als auch die wirklichen Befehle im Oktober 1942 spiegeln den Alltag des Einsatzes gegen Partisanengruppen. So hatte es im Ausbildungsplan für die Kompanieausbildungsperiode vom 22. Juli bis 4. August 1942 geheißen, dass neben der normalen Ausbildung »auch Verhalten im Angriff im Wal- de und im Häuserkampf« zu üben sei. Beispielsweise:
»Übungsszenario: 1. Banater Sand insurgiert. Nichtserbische Schnitt- arbeiter wurden in mehreren Ortschaften angegriffen, vertrieben. Die Weizenernte wurde angezündet und andere Dörfer in Brand gesteckt« (Prag: inr. e. 5/kr.l. 7. SS- Geb. Division »Prinz Eugen«).
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
Die Weisungen für die Durchführung der Bataillonsausbildung vom 7. August 1942 hatten unter anderem gelautet:
»Auch beim Marsch so eine Ordnung wählen, daß höchstens kleine Teile in der selben Zeit überfallen werden können. (Auseinanderziehen, Staf- feln). Abschnittsweise vorgehen von Rücken zu Rücken. Große Bedeu- tung von Höhenknotenpunkten, nie außer Acht lassen. Häufige Überfälle, bei Tag und Nacht, im Marsch und in Ruhe müssen Männer an ähnliche Ereignisse gewöhnen und automatisch die richtige Reaktion auslösen. (Decken, Gegenangriff) Nie Panik! gez. SS Standartenführer Rgt. Kom- mandeur Broser« (Prag: inr.e.l/kr.l. 7. SS- Geb. Division »Prinz Eugen«).
Und laut einem Befehl über die Vorbereitung der Stationierung in Uzice vom 27. Juli 1942 war unter anderem der Inhalt der
»Kriegsspielstunde 5 und 6: Alle im Bereitstellungsraum vorhandenen Landesbewohner sind rücksichtslos in Richtung Uzice zu evakuieren und der Feldgendarmerie zu übergeben, gez. Scherhaufer« (Prag: inr.e.4/kr.l. 7. SS- Geb. Division »Prinz Eugen«).
Bei der Verlegung nach Serbien hieß es dann am 1. Oktober 1942 in einem Befehl an die vorgeschobenen Kompanien:
»2. Überwachen der Bevölkerung, Bekämpfen der Banden, Luftschutz, Markieren der Wege durch Teerfarbe und Axt. Alle Wege müssen erkun- det und bezeichnet werden. 3. Bei allen Wegen müssen Marschzeiten festgestellt werden. Bericht über Ortschaften an den Wegen. Gesinnung und Benehmen der Bevölkerung [feststellen]. Den Streifen ortskundige und verlässliche Führer beigeben. Diese Führer müssen ständig und sorgfältig überwacht werden. 4. In allen Standorten müssen sofort Listen von Personen, die als Geiseln oder Führer in Betracht kommen, sowie über nicht im Ort beheimatete Fremde angelegt werden [,] … 10. … dem landesüblichen Signalwesen durch Vermittlung der Ortsbehörden und Verlautbarung der darauf stehenden Todesstrafe Einhalt geboten werden … 16. Unterhandlungen mit dem Feinde sind grundsätzlich verboten. 17. Jeder irreguläre Kämpfer ist vogelfrei/Div. Bef. 370/42/ wenn eine Vernehmung keinen Erfolg verspricht, ist er sofort zu erschiessen, andernfalls als Gefangener mitzunehmen« (Prag: inr.e.l/kr.l. 7. SS- Geb. Division »Prinz Eugen«).
Anfang Oktober 1942 sollte nun das Geübte in Serbien umgesetzt werden. Am 5. Oktober 1942 erging dann der Divisionsbefehl für den Einsatz, an dem die ganze Division beteiligt war. Während dieser alle militärischen Einzelheiten enthielt, stellte der Vorbefehl vom 3. Oktober 1942 die »Richt-
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Bild 7 »Erster Einsatz der Division. Für die Söhne der Ebene bedeutete der erste feldmarschmäßige Anstieg viele, ungewohnte Strapazen und viel Schweiß« (Untertitel zum Foto Oktober 1942, Bayerische Staatsbibliothek). Die Rückseite des Bildes trägt den Stempel der Bildstelle der Abt. VI der SS-Freiw. Div. »Prinz Eugen«.

schnür für die zukünfige Arbeit« dar (vgl. Kumm 1978, 51).92 So wurden in diesem Vorbefehl unter Punkt 3 alle Details benannt, die in Zukunft für den Kampfalltag im Gebirge gegen Partisanen grundsätzlich von der Truppe be- achtet werden sollten. Einige Beispiele:
»Mann: … bei bequemen Schuh (sind) zwei paar Socken anzuziehen, Rucksack besonders sorgfältig packen, Tragetiere: Besonders sorgfältige Auffüllung der Sattelkissen, Nachrichtenmittel: Ich mache besonders auf die Funkgeräte und Winker aufmerksam, die allein im Gebirgskrieg die Aufrechterhaltung der Verbindung gewährleisten. Auch Megaphone mit- nehmen. Stete Sicherung nach allen Seiten … Abschnittsweises Vorge-
hen von Höhe zu Höhe, von Knotenpunkt zu Knotenpunkt« (MA: RS4/
1419, Dok. 28-29; Hervh. i. Orig.).
Dann folgt zwangsläufig wieder der Hinweis auf den Umgang mit der ser- bischen Bevölkerung:
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
»Alle Häuser, Gehöfte und Ortschaften durchsuchen, Bevölkerung aus- weisen lassen und verdächtige männliche Bevölkerung gefangen neh- men. Bei Widerstand sofort niedermachen und bei ernstem Widerstand rasch handeln oder mit schweren Waffen vorbereitend, Stosstrupps ansetzen. Wo Artl. und Flammenwerfer zur Hand, mit diesen wirken, damit moralisch und materiell gut vorbereitet wird« (ebd. Dok. 29).
In diesem Einsatz kam erstmals eine weitere Besonderheit des Kampfes ge- gen Partisanen hinzu: In dem Einsatzraum kämpften auch mit der deut- schen Besatzungsmacht verbündete Tschetnik-Abteilungen,93 die nicht mit feindlichen Einheiten verwechselt werden durften. Hier war es die Abtei- lung »C-54 (M.Djurovic)«, die »legal in diesem Raum streift und illegale Cetnik-Verbände und Banden zu jagen hat« (ebd. Dok. 31). Während des Einsatzes ergingen am 6. Oktober 1942 noch einmal »Besondere Weisun- gen«, die die »Verfügungen« vom 3. Oktober 1942 ergänzen sollten. So heißt es beispielsweise:
»2.) Verpflegung: Durch Abstellung von lebend Vieh in Uzice und Raska … Frischfleischversorgung bis einschliesslich des Aufstiegs auf die Höhen am 11.10. und Angriffstag am 12.10. gesichert. (Vieh nachtreiben, Vortag nachm. Schlachten, Nacht aushängen, morgens Feldküche bezw. Kochkiste abkochen.) … Mit größter Strenge darauf achten, dass Geträn-
kefässchen und Kochkisten (nach Verpflegungsausgabe) stets mit Wasser gefüllt sind und jeder Mann beim Abmarsch beide Feldflaschen gefüllt
hat (Tee oder Kaffee). 3.) Munition: Nebelgranaten häufig zum Abschir- men und Vernebeln anzugreifender Häuser oder Bunker verwenden und dabei auf Windrichtung besonders achten. Die Materialknappheit fordert das Sammeln der verschossenen Hülsen und ihre Ablieferung bei den Verpflegungsabgabestellen. Nicht vergessen, Verwundeten Waffen mit- zugeben. 4.) San. Weisungen: Keine Verwundeten zurücklassen. Vorsicht bei Verwendung von Zisternenwasser. Quellen- und Bachwasser überall geniessbar. Bäuerliche Unterkünfte in jedem Fall meiden. 5.) Vet. Wei-
sungen: Vorspann bei Steigungen gut organisieren; wenn nötig Ochsen-
gespann. Bei schweren Stellen Tragtier einzeln führen, nötigenfalls Pack abladen« (MA: RS4/1419, Dok. 41-43; Hervh. i. Orig.).

Auch hier fehlt es nicht an dem Verweis auf die Bevölkerung:
»7. Ordnungs-Dienste: Größte Aufmerksamkeit auf Signalgebungen im Operationsraum und rücksichtsloses Einschreiten bei umliegender Bevölkerung. Alle Passanten durchsuchen. Vor Tagesanbruch und bei Nachtanbruch darf niemand die Unterkünfte verlassen. Achtung auf Baum- und Dachschützen und als Bauern, selbst Weiber, getarnte Bandi- ten« (ebd. Dok. 43-44; Hervh. i. Orig.).
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Über dieser ausführlichen Darstellung darf nicht vergessen werden, dass dieser Einsatz für die Banater Mitglieder der Division in unmittelba- rer Nähe ihrer Heimat94 stattfand. Die Gegner waren, wie immer wieder be- tont wurde, Serben, also Mitglieder einer ethnischen Gruppe, neben der die Banater Schwaben seit langem lebten. Die serbischen Partisanen, die es nun zu bekämpfen galt, gefährdeten die deutsche Besatzungsherrschaft und damit auch die Aufwertung des kulturellen Kapitals der »deutschen Volksgruppe«. Für die Volksdeutschen Mitglieder der »Prinz Eugen« setzte sich in diesem Krieg zwangsläufig der ethnische Konflikt – der Konflikt zwischen dem Eigenen und dem Fremden – fort. Dieser Aspekt wurde von der SS-Führung auch weiterhin bewusst gefördert. Kurz nach Abschluss des ersten Kampfeinsatzes besuchte der Reichsführer-SS Heinrich Himm- ler am 17. Oktober 1942 die SS-Division »Prinz Eugen« in Kraljevo, um den Aufbau der Division zu beschleunigen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 118/2042 Dok. H298606). Himmlers Besuch fiel nicht zufällig auf den 17. Oktober. Am Sonntag, dem 18. Oktober 1942, sollte sich der Geburtstag des »Schöpfers unserer Heimat«, wie Altgayer schrieb, wieder einmal jähren, sodass von Kroatien bis Serbien der »Prinz Eugen-Tag« von den Volksdeutschen Stel- len gefeiert wurde (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 256/2431 Dok. J4). Der Besuch Himmlers bei einer Waffen-SS Division kam nicht häufig vor. Nach Aussa- ge des Generalinspektors der Waffen-SS Hausser hatte Himmler überhaupt »nur einige Male Kommandeure oder Offiziere einzelner Divisionen im Felde gesprochen« (Nürnberg Bd. XX, 403).
Kurz vor dem Besuch der Division »Prinz Eugen« hatte es noch einmal eine Auseinandersetzung Himmlers mit Generaloberst Lohr um die Frage der Verwendung der Volksdeutschen bei der Bandenbekämpfung gegeben. Lohr versuchte nach wie vor, die schon in der Wehrmacht eingesetzten Volksdeutschen zu behalten, und versprach aber, in Zukunft keine weite- ren zu werben (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 17e/l770 Dok. 130286). Dazu heißt es in Himmlers Stellungnahme an das OKW im Führerhauptquartier vom 13. Oktober 1942:
»Die Tendenzen scheinen mir dort sehr wenig freundlich zu sein. Die Division »Prinz Eugen« wäre ja nach dem Willen des Militärbefehlsha- bers ebenfalls in Teile gerissen worden, wenn der Führer dies nicht verboten hätte … Die Volksdeutschen brauchen sehr stark eine weltan- schauliche und politische Erziehung. Diese ist im Rahmen der Division »Prinz Eugen« absolut gewährleistet. Sie ist jedoch in keiner Weise gewährleistet, wenn die Volksdeutschen in den Sicherungs-Divisionen und ähnlichen Wehrmachtsteilen erfasst sind, die bekanntlich kein
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
nationalsozialistisch-aktives Offizierskorps haben, sondern zumeist Reserve-Offiziere ältester Jahrgänge, die sehr oft die nationalsozialisti- sche Weltanschauung selbst nicht richtig erfasst haben. Ich bitte daher erneut um die Uberstellung dieser Volksdeutschen« (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 17e/1770 Dok 130288).
Sowohl der Besuch als auch Himmlers Schreiben zeigen, welche Bedeu- tung der Reichsführer-SS dem Einsatz der Volksdeutschen in der neuen Division beimaß. Dass die Verwendung der Volksdeutschen in der »Prinz Eu- gen« tatsächlich auch einen besonderen »weltanschaulichen« Charakter hatte, wird im Juli 1942 aus einem allgemeinen Befehl der Division deut- lich, nachdem Eheschließungen von Angehörigen der Division nur nach er- teilter Genehmigung vollzogen werden durften – damit, wie aus einem Schreiben Jankos hervorgeht, »keine Mischehen, d.h. Ehen mit Serben, Madjaren, Rumänen, Kroaten« stattfanden (PA/AA: Inl. IIc R100382). Im Allgemeinen waren bei der SS und der Wehrmacht die Eheschließungen ih- rer Mitglieder genehmigungspflichtig. Wie Himmler später am 17. Juni 1943 in einer Niederschrift über eine Besprechung mit dem Führer notieren soll- te, war dabei aber die Heirat mit »artverwandten« germanischen Völkern grundsätzlich möglich (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 17a/l755 Dok E024756). Jankos Schreiben zeigt, dass die Abgrenzung der Volksdeutschen in der »Prinz Eu- gen« sich nicht nur gegenüber den »Serben«, sondern auch gegenüber An- gehörigen der verbündeten Staaten vollzog. Dabei zeigt sich die rassistische Komponente im Ethnomanagement der deutschen Volksgruppe, die gerade für die »Prinz Eugen« von Bedeutung war und im weiteren Verlauf des Krie- ges zunehmend zum Tragen kommen sollte. Um gleichzeitig die Heirat innerhalb der Volksdeutschen Mitglieder der »Prinz Eugen« aufzuwerten, wurden sogenannte »völkische Ehe-Weihen« vollzogen, an denen mög- lichst viele Divisionsangehörige teilnehmen sollten (vgl. Prag: inr. e. 2/kr.l. 7. SS-Geb. Division »Prinz Eugen«).
Den Rest des Jahres 1942 verbrachte die Division in Serbien, wobei es immer wieder zu kleinen Aktionen gegen Partisanengruppen kam. Am 28. Oktober 1942 hieß es in Bezug auf ein Unternehmen nahe Brezovica- Radinovac:
»I. kommunistische Banden wurden gemeldet. Es sollen überwiegend Landesbewohner sein, die plündern wollen … III. Personen mit der Waffe in der Hand werden niedergemacht. IV. Ein verdächtiger Gastwirt soll notfalls mit Gewalt zu einer Aussage gezwungen werden … VI. Klei- dung : Sturmgepäck« (Prag: inr.e.4/kr.l. 7. SS – Geb. Division »Prinz Eugen«).
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Am 6. November 1942 konnte SS-Gruppenführer Meyszner dem persön- lichen Stab des Reichsführer-SS melden, dass die Lage der SS-Division »Prinz Eugen« im Allgemeinen unverändert war und die Division einige kleinere Aktionen in Uzice und Cacak durchgeführt hatte (BA: NS19/ 1728). Und am 7. Dezember 1942 hieß es in einem Sonderbefehl der SS-Division »Prinz Eugen« für das Unternehmen »Jasenovo-Rokin Brod«:
»Kampfgruppe soll versteckte Waffenlager aufspüren (Häuser niederzu- brennen). Wer bewaffneten Widerstand leistet oder flüchten will, wird niedergemacht« (Prag: inr.e.l/kr.l. 7. SS- Geb. Division »Prinz Eugen«).
Wenige Tage später hingegen lautete ein Befehl vom 13. Dezember 1942 in Bezug auf eine Aktion nördlich von Trstenik, den Phleps unterzeichnet hat:
»Ich verbiete Grausamkeiten und alle durch den Kampf nicht bedingten und daher vermeidbaren Härten gegenüber waffenlosen Einwohnern wie Erschiessungen von Frauen und Kindern, wie Abbrennen von Dörfern und Häusern und dergleichen« (MA: RS 4/1419 Dok. 70, Hervh. i. Orig.).
Ebenso wie die oft zitierten Befehle rücksichtslosem Umgang mit der Be- völkerung finden sich auch immer wieder Weisungen, die dem scheinbar widersprechen und Ausschreitungen verbieten. In einem Befehl vom 4. November 1942, der nur einen Teil der Division betraf, wurde eine Nach- taktion vorbereitet:
»Um ein vom Feind möglichst unbemerktes Vorgehen zu gewährleisten, ist während des Nachtmarsches und beim Lagern bis zum Morgen des 6.11. das Anzünden von Feuer und Rauchen strengstens verboten, da schon das Aufflammen eines Zündhölzchens genügt, um die Truppe zu verraten. Ebenso ist lautes Sprechen, Kommandieren und Zurufen untersagt, Befehle werden mit leiser Stimme weitergegeben« (MA: RS 4/1419 Dok.60).
Weiter hieß es dann, dass jeder bewaffnete Mann als Bandit anzusehen sei und
»Verdächtige festzunehmen und gefesselt abzuführen [sind]. Häuser, aus denen geschossen wird, in denen Waffen, Munition oder versteckte Ban- diten vorgefunden werden, sind niederzubrennen. Frauen und Kinder sind zu schonen und nur solche festzunehmen, in deren Häusern Waf- fen, Munition oder Banditen angetroffen werden. Auf Morden, Rauben und Plündern steht die Todesstrafe!« (ebd.; Hervh. i. Orig.).
An dieser Stelle soll noch einmal auf die im April 1942 von Phleps aufge-
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
stellten »Grundsätze zur Führung des Kleinkriegs« verwiesen werden. Mit ihnen lässt sich der scheinbare Widerspruch in den Befehlen an die 7. SS- Division »Prinz Eugen« für den Umgang mit den Partisanen und der serbi- schen Zivilbevölkerung aufklären. Einerseits fordert Phleps dort, dass die Bevölkerung wissen muss, dass sie keine Gnade zu erwarten hat, wenn sie gegen die Gesetze der deutschen Besatzungsmacht verstößt. Aber anderer- seits muss sie davon überzeugt sein, dass sie in Sicherheit ist, wenn sie sich den deutschen Befehlen beugt (vgl. MA: RS 3-7/v.l5). Dieser klaren Linie widerspricht die in ethnischen Kriegen entfesselte, schwer kontrollierbare, sich in Racheorgien entladende Gewalt gegen das Fremde. Um diese Ge- walt zielgerichtet nutzen zu können, musste sie diszipliniert werden. In der Hierarchie der Waffen-SS bedeutete dies, dass die letzte Entscheidung, wie die Bevölkerung zu behandeln war, in den Händen des jeweils höchs- ten SS-Führers lag. Erschießungen waren also je nach Einsatzlage manch- mal legitim und manchmal verboten.95 Dies erklärt, dass einerseits sich scheinbar widersprechende Befehle ergingen, andererseits die SS-Führung im Nachhinein gegebenenfalls über die Korrektheit der Erschießung von Zivilisten, Frauen und Kindern zu entscheiden hatte.
Ende Dezember 1942 wurde die SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division »Prinz Eugen«, wie sie mit Beginn des Jahres 1943 offiziell genannt werden sollte (vgl. Hausser 1966, 377), in Serbien von der bulgarischen 9. Infanterie-Division abgelöst (vgl. OKW 1943 Tb. I, 36) und nach Kroatien verlegt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich die »Prinz Eugen«, wie es in einem Schreiben des deutschen Gesandten in Belgrad, Feine, heißt, wegen ihrer »starken Mannschaftsbestände« und »der schweren Bewaffnung zum deutschen mi- litärischen Hauptmachtfaktor« in Serbien entwickelt (PA/AA: Inl. Ilg 323/2606 Dok. H299538).

3.3.2
1943 – Die Verlegung nach Kroatien
Die Gründe für die Verlegung der Division von Serbien nach Kroa- tien waren durchaus komplex und sind zum Teil im Rahmen des Ab- schnitts über die Werbung in Kroatien bereits dargestellt worden. Offen- sichtlich hatte Berger schon frühzeitig darauf gehofft, dass allein die Auf- stellung der »Prinz Eugen« die Aufstandslage in Bosnien beeinflussen wür- de. So hatte er am 31. März 1942 an Himmler geschrieben:
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
»Die Bildung djgr Freiwilligen-Gebirgsdivision »Prinz Eugen« wirft ihren Schatten voraus. Wenn die Division marschbereit ist, glaube ich, dass durch Verhandlungen das Gebiet ohne grosse Verluste beruhigt werden kann« (BA: NS 19/3896).

In einem Telegramm vom 14. Juli 1942 teilte Reichsaußenminister Ribben- trop dem Gesandten in Agram, Kasche, mit, dass wegen der »Erfordernisse der Kriegsführung« die Entscheidung gefallen war, alle waffenfähigen Volksdeutschen, also nun auch die Volksdeutschen Kroatiens, im Rahmen der Waffen-SS zum Einsatz an die Front zu bringen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 309/2570 Dok. H297459-H297462). Da diese Maßnahme auch die »Einsatz- staffel« (ES) und die Volksdeutschen Jägerbataillone innerhalb der kroati- schen Wehrmacht einschließen sollte, ergaben sich dadurch weitreichende Konsequenzen für die Situation in Kroatien. Am 17. Juli 1942 antwortete Kasche, dass die kroatische Regierung mit der Werbung für die Waffen-SS grundsätzlich einverstanden sei. Kasche führte dann aber an, dass der Übergang der sich schon im Kampf befindenden ES und der Jägerbataillo- ne zur Waffen-SS wegen der Aufstandslage »äußerst bedenklich« sei (vgl. ebd. Dok. H297457). Er sollte bei seiner Argumentation Unterstützung vom deutschen General in Agram, Glaise-Horstenau, erfahren. Dieser schreibt am 31. Juli 1942:
»Die wehrfähigen Volksdeutschen Kroatiens haben in den letzten Mona- ten in zunehmendem Ausmasse an der militärischen Behauptung des deutschen Besetzungsraumes wirkungsvollsten Anteil genommen« (vgl. ebd. Dok. H297440).
Es folgt eine Aufzählung der Leistungen der Jägerbataillone, der »Einsatz- staffel« (ES) und der Heimwehrformationen. Glaise-Horstenau fasst zu- sammen.
»[Es] kann sonach gesagt werden, dass die gesamte Wehrkraft der Volksdeutschen in Kroatien im Kampfe gegen die Aufständischen wohl noch nicht erfasst ist. Dass sie aber für diesen Kampf unter allen Staats- bürgern das beste Element darstellt und dass eine Abberufung in grösse- rem Ausmasse zweifellos eine empfindliche Schwächung der inneren Abwehrkraft des Landes bedeuten würde. Zumal die Entnahme der schon formierten Abteilungen (volksdeutsches Bataillon und Einsatz- staffel) könnte uns zwingen dafür reichsdeutsche Soldaten in gleicher Zahl einzusetzen« (ebd.).

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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
Offensichtlich hatte aber auch die SS-Führung in die gleiche Richtung ge- dacht. Wollte sie an der Verwirklichung ihrer Pläne zum Ausbau der Volks- deutschen Waffen-SS festhalten, gab es nur eine Lösung, die der schwieri- gen Situation gerecht werden konnte. Deswegen hatte die SS-Führung auf einer Besprechung mit Luther schon am 23. Juli 1942 entschieden, dass Phleps die durch die Einziehung entstehenden Lücken durch Einheiten der Division »Prinz Eugen« füllen sollte (vgl. ebd. Dok. H297449). Das AA schloss sich dem an und verfügte am 31. Juli 1942, dass die Werbung für die Waffen-SS in Kroatien in zwei Phasen durchgeführt werden sollte. So soll- ten die ES und die Jägerbataillone sofort nach erfolgter Ablösung durch an- dere Waffen-SS-Einheiten abgezogen werden, während die freie Werbung erst nach Abschluss der Umsiedlung einzusetzen hatte (vgl. ebd. Dok. H297453 f). Am 3. August 1942 resümierte dann Berger, dass, nachdem die Division »Prinz Eugen« im Südostraum stehe, nun mit einigem guten Willen die nötige Sicherung der Volksdeutschen und die Herausziehung der »ES-Sturmbanne« vorgenommen werden könne (vgl. ebd. Dok. E464660). Im Rahmen einer Zusammenstellung der zurückliegenden Ereig- nisse versuchte Kasche im Oktober 1942 die seiner Meinung nach gegen die Absprachen verstoßende Musterung der Waffen-SS von Volksdeutschen, die sich bereits im Arbeitsdienst oder anderen Organisationen befanden, zu verhindern (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 305/2563 Dok. F17-22). Er erhielt dabei wiederum Unterstützung von Luther, der sich diesbezüglich in einem lan- gen Schreiben an den Gesandten von Rintelen wandte (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 305/2563 Dok. F24-H22). Trotzdem waren Ende Oktober bereits 25 000 Volksdeutsche aus Kroatien gemustert und davon zwischen 4000 und 5000 eingezogen worden (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 306/2564 Dok. H297409).96 Auch im November setzten Luther und Kasche ihre Beschwerden über das Vor- gehen der Waffen-SS fort und versuchten durch Einschaltung des AA, des OKW und der VOMI, den umfassenden Abzug von Volksdeutschen Rekru- ten aus Wehrmachtseinheiten, Arbeitsdienst und den Einsatzstaffeln zu verhindern. Dabei argumentierten sie immer mit der Aufstandslage in Kro- atien (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 306/2564).97 Zum einen wurde der serbische Raum zu diesem Zeitpunkt von den deutschen Besatzungsbehörden relativ sicher kontrolliert. Zum anderen befand sich inzwischen der größte Teil der kommunistischen Partisanen Titos in Bosnien und lieferte sich dort heftige Kämpfe mit den deutschen, kroatischen und italienischen Divisio- nen (vgl. OKW 1942 Tb. II und Kumm 1978, 56),98 sodass ein Abziehen der Volksdeutschen ES aus diesem Gebiet und damit ihre Eingliederung in die

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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Waffen-SS nur möglich war, wenn man andere Kräfte zur Sicherung nach Kroatien und Bosnien schicken konnte. Immerhin wurde der Reichsführer- SS durch den hartnäckigen Widerstand gezwungen, die Entscheidung von allerhöchster Stelle fällen zu lassen.“ Am 6. Dezember 1942 sprach Hein- rich Himmler dann bei Adolf Hitler vor und bat darum, verfügen zu dür- fen:
»daß nach der Verlegung der Division »Prinz Eugen« aus dem serbischen Raum nach Kroatien alle Einsatzkräfte der deutschen Volksgruppe der Division »Prinz Eugen« unterstellt werden. Außerdem schlage ich vor, daß die SS ebenfalls mit der Aufstellung einer kroatischen Division be- auftragt wird. Diese Aufstellung hätte durch die Division »Prinz Eugen« in Kroatien zu erfolgen« (PA/AA: Inl. Ilg 17e/1769 Dok.130166).
Wie aus einem Schreiben Bergers an das Auswärtige Amt vom 7. Januar 1943 hervorgeht, hatte Hitler am 18. Dezember 1942 Himmlers Vorhaben in vollem Umfang genehmigt (PA/AA: Inl. Ilg 17e/l769 Dok. 130165). Darüber hinaus wurde durch die Aushebung einer weiteren SS-Division in der Region – sie sollte aus muslimischen Bosniaken gebildet werden – das Prin- zip, neue SS-Divisionen nach ethnischen Gesichtspunkten aufzustellen, weiter ausgedehnt. In Kroatien sollten der »Prinz Eugen« dann auch wirk- lich die Volksdeutschen Einheiten der kroatischen Wehrmacht und die »Einsatzstaffel« (ES) zugewiesen werden, obwohl noch einmal Luther und Kasche versuchten, gegen diese neuerliche Wendung zugunsten Bergers und der Waffen-SS vorsichtig Widerstand zu leisten. In einem Schreiben vom 29. Dezember 1942 musste Luther zwar zugeben, dass aus außenpoli- tischen Erwägungen nichts gegen die Pläne der Waffen-SS einzuwenden sei, fügte dann aber hinzu:
»Bisher unterstützte das Auswärtige Amt das Bestreben des Volksgrup- penführers, die Volksdeutschen kroatischen Wehrmachtseinheiten und Volksdeutschen Einsatzstaffeln der Ustascha-Miliz in den Volksdeut- schen Siedlungsgebieten einzusetzen. Sollte das Einsatzgebiet der Division Prinz Eugen nicht das Volksdeutsche Siedlungsgebiet sein, so müsste sich das Auswärtige Amt gegen eine Verlegung der Volksdeut- schen Einheiten aus dem Volksdeutschen Siedlungsgebiet in den übrigen kroatischen Raum zur Wehr setzen« (PA/AA: Inl. Ilg 17e/l769 Dok. 130187 ff).
Die Hartnäckigkeit, mit der Luther und Kasche Widerstand leisteten, zeig- te sich in einem Telegramm Kasches an das Auswärtige Amt vom 30. De- zember 1942, in dem Kasche sogar die Existenz eines Führerbefehls an-
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
zweifelte (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 17e/l769 Dok. 130178). Am 7. Januar 1943 griff Kasche abschließend nochmals Luthers Argumente gegen die Über- nahme der kroatischen Volksdeutschen durch die »Prinz Eugen« auf und fügte ihnen noch weitere Bedenken über etwaige wirtschaftliche, finanz- und außenpolitische Konsequenzen hinzu (PA/AA: Inl. Ilg 17e/l769 Dok. 130173ff). Trotzdem blieb es bei der Entscheidung, der 7. SS-Division »Prinz Eugen« den Zugriff auf die jüngeren Jahrgänge 1908 bis 1925 zu er- möglichen (vgl. ebd. 307/2566 Dok. H297384). So konnte sich die Division dann, nach endgültigem Abschluss der Umsiedlung der Volksdeutschen Bosniens und am Ende ihres ersten großen Kampfeinsatzes, ab Mitte Fe- bruar mit kampferfahrenen Volksdeutschen Rekruten aus den Einsatzstaf- feln und den Volksdeutschen Bataillonen der Wehrmacht verstärken.100 Die Bedingung hierzu war die Verlegung der Division nach Kroatien Anfang 1943. Nur so konnte es der SS-Führung gelingen, sich den alleinigen Zu- griff auf die Volksdeutschen Rekruten zu sichern und gleichzeitig den deut- schen Sicherheitsinteressen innerhalb Kroatiens gerecht zu werden. Wie aus einem Vermerk des Legationsrats Reichel vom 10. März 1943 hervor- geht, war man sich bewusst, dass, wie auch schon im Banat, die Siche- rungsaufgaben in den Siedlungsgebieten von Selbstschutzeinheiten, beste- hend aus älteren Jahrgängen Volksdeutscher, übernommen werden mus- sten, »da die Aufgabe der Prinz Eugen in der Hauptsache der Schutz des deutschen Nachschubverkehrs und der wehrwirtschaftlichen Betriebe ist« (PA/AA: Inl. Ilg 307/2566 Dok. H297393).
Zwei Tage vor Kasches letztem Versuch hatte der Reichsaußenminister bereits Luther die Anweisung gegeben, den Aufbau und den Ersatz der SS- Divisionen so weit wie möglich zu erleichtern, selbst wenn dabei auch an- dere Nachteile in Kauf genommen werden mussten (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 17e/l769 Dok. 139182). Während der langwierige Streit über den Ausbau der Waffen-SS im ehemaligen Jugoslawien damit entschieden worden war,101 hatte sich die Situation im kroatischen Aufstandsgebiet weiter zu- gespitzt. Dabei verliefen die Grenzen der Auseinandersetzung sowohl zwi- schen den verschiedenen ethnischen Gruppen als auch entlang der natio- nalen Interessensphären der an den Kampfhandlungen beteiligten kon- kurrierenden Mächte. Für die deutsche Führung ging es in erster Linie da- rum, das Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens so schnell wie möglich zu be- frieden. Zum einen, damit die für die deutsche Kriegswirtschaft benötigten Rohstoffe und Güter ungehindert geliefert, und zum anderen, damit die dort stationierten Divisionen an anderen Kriegsschauplätzen eingesetzt
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
werden konnten. Aus dieser strategischen Vorgabe resultierte einerseits, dass Volksdeutsche Verbände in die Besatzungsstreitkräfte in ihrer Heimat eingegliedert* wurden, anstatt an anderen Fronten zu kämpfen. Anderer- seits wurde dabei die frühzeitig vorgegebene Strategie beibehalten, als Hauptfeind zuerst die kommunistischen Partisanen und danach die Tschetniks zu bekämpfen. Zwischen den mit Deutschland verbündeten Staaten Kroatien und Italien gab es, das ehemalige Jugoslawien betreffend, anhaltende Gebietsstreitigkeiten, sodass sich die im Aufstandsgebiet ein- gesetzten Ustascha- und italienischen Truppen gegenseitig misstrauisch beäugten.102 Hinzu kam, dass Italien die mit der Ustascha verfeindeten Tschetniks mit Waffen belieferte, da es eng mit ihnen bei der Bekämpfung der kommunistischen Partisanen zusammenarbeitete. Kaum zu trennen von diesem stark von staatlichen Interessen bestimmten Konflikt verliefen die Auseinandersetzungen entlang der ethnischen Grenzen des ehemaligen Jugoslawiens.103 Die kroatischen Ustascha-Verbände bekämpften nicht nur die kommunistischen Partisanen und die serbischen Tschetniks und terro- risierten die serbische Zivilbevölkerung. Sie unterdrückten auch die formal zu Kroatien gehörenden Muslime in Bosnien.104 Die serbischen Tschet- niks waren für ihre Racheakte an der kroatischen und bosnischen Zivilbe- völkerung bekannt.105 Gleichzeitig bekämpften sie, zum Teil eigenverant- wortlich, zum Teil zusammen mit italienischen und manchmal deutschen Verbänden, die kommunistischen Partisanen. Die kommunistischen Parti- sanen Titos waren die einzige an diesen Kämpfen beteiligte Gruppe, die sich nicht an ethnischen Prinzipien orientierte und letztendlich allen offen stand, die bereit waren, die deutsche Besatzungsmacht zu bekämpfen (vgl. Hory/Broszat 1964, 129).

3.3.3
Die Operation »Weiß«
Ende November 1942 hatte sich die Lage in Kroatien zugunsten der Partisanen Titos so stabilisiert, dass der erste Kongress der Kommunisti- schen Partei Jugoslawiens (KPJ) in Bihac an der bosnisch-kroatischen Grenze stattfinden konnte. Bei diesem Kongress, an dem auch Tito als »Oberster Kommandant des Volksbefreiungsheers und der Partisanenabtei- lungen Jugoslawiens« teilnahm, waren laut Sitzungsprotokoll Vertreter al- ler »Völker«106 des ehemaligen Jugoslawiens vertreten (vgl. PA/AA: Inl. Ilg
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
86/1957 Dok. H300310). Aus den im Protokoll – oftmals mit Zusatz von Be- ruf und Heimatstadt – aufgeführten Namen geht hervor, dass in der Tat alle ethnischen Gruppen bis auf die deutschsprachigen vertreten waren (vgl. ebd. Dok. H30031lff).
Fast zum gleichen Zeitpunkt, als der Kongress tagte, war die Umsied- lung der Volksdeutschen aus Bosnien abgeschlossen worden (vgl. BA: NS 19/41 Dok. 20). Auch während der siebenwöchigen Umsiedlungsaktion war es weiter zu Überfällen der Partisanen auf Volksdeutsche Ortschaften und Transporte gekommen. Im »2. Bericht. Über die Umsiedlung der Deut- schen aus Bosnien« vom 31. Oktober 1942 schreibt der mit der Aktion be- auftragte SS-Obersturmführer Lackmann:
»So musste das Dorf Mlinska innerhalb einer Stunde geräumt und die Umsiedler mit Treck in das 13 km entferntliegende, wenigstens etwas sicherere Gareschnica gebracht werden, weil Banditen in grosser Stärke das ungesicherte Dorf erneut bedrohten, wo schon vor einem Monat bei einem Überfall 19 deutsche Männer gefallen und 2 regelrecht abge- schlachtet worden waren. Die Sicherung des Trecks, der in mondheller Nacht glücklich durchgebracht wurde, erfolgte durch einen verstärkten Zug Wehrmacht, 30 Mann Einsatzstaffel und den um den Hauptstab ver- stärkten Ortsstab des Umsiedlungskommandos« (BA: NS19/41 Dok. 9).
Während die zunehmende Stärke der Partisanen sich in Gebieten mit nur einem geringen Teil deutscher Bevölkerung zu einer Gefahr für die dort le- benden Volksdeutschen entwickelt hatte,107 waren die Partisanen für die jüdische Bevölkerung oftmals die einzige Hoffnung, dem sicheren Tod zu entgehen. So riet Luther im Dezember 1942, Judendeportationen entlang der Küste mit dem Schiff anstatt mit der Eisenbahn durchzuführen, da da- mit gerechnet werden müsste, dass Aufständische die Transporte anhielten und so Juden freigelassen werden könnten (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 194/2249 Dok. K212348).108
Am 22. Dezember 1942 wurde dann vom OKW die Operation »Weiß« un- ter der Leitung des Wehrmachtsbefehlshabers Südost, Generaloberst Lohr (vgl. OKW 1942 Tb. II 1347), zur Zerschlagung der Aufstandsbewegung in Bosnien geplant. An der Operation sollten von deutscher Seite neben der »Prinz Eugen« die 714. ID109 und die 717. ID. teilnehmen. Beide Divisionen waren eigens für Besatzungsaufgaben aufgestellt worden und 1941, noch vor Beendigung der militärischen Ausbildung, in Serbien eingesetzt gewe- sen. Die 717. ID hatte in Kraljevo und Kragujevac »Säuberungsaufgaben«110 und »Sühnemaßnahmen« durchgeführt, der Tausende von Zivilisten zum
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Opfer gefallen waren (vgl. Manoschek/Safrian 1995, 359ff). Wie es im Tage- buch des OKW vom 23. Januar 1943 hieß, hatten sie sich dabei kämpferisch bewährt, waren aber nach »Gliederung und Ausrüstung« den neuen An- forderungen nicht gewachsen, sodass ihre Umgliederung beantragt wurde (vgl. OKW 1943 Tb. I, 65). In beiden Infanteriedivisionen gab es Volksdeut- sche Bataillone, die nach den Absprachen der SS mit der Wehrmachtsfüh- rung der Waffen-SS hätten überstellt werden müssen. Mit Einverständnis des Reichsführers-SS wurde nun die Überstellung bis nach Abschluss von »Weiß« verschoben. Ebenso verzichtete Himmler wegen des Kampfeinsat- zes vorläufig auf Werbungen unter den Volksdeutschen, die in der 369. kro- atischen Division dienten, die ebenfalls an dem Einsatz teilnahm (vgl. OKW 1943 Tb. I, 67f und 137). Von italienischer Seite wurden drei Divisio- nen gestellt (vgl. Kumm 1978, 56). Der Beginn des Unternehmens »Weiß« wurde für den 20. Januar 1943 festgelegt (vgl. OKW 1942 Tb. II, 1343). Die 7. SS-Division »Prinz Eugen« sollte dabei den Stoß gegen Bihac führen (vgl. Kumm 1978, 56) und wurde deswegen Anfang 1943 von den verschiedenen serbischen Standorten in das Gebiet um Karlovac in Kroatien verlegt (vgl. MA: RS 4/1377). Wie die Stimmung innerhalb der Banater Schwaben über die Verlegung nach Kroatien war, lässt sich aus den Worten Sepp Jankos er- ahnen, der die nachstehenden Aussagen in seiner Rückschau in direktem Zusammenhang mit dem ersten kommunistischen Kongress in Bihac und der Verlegung der Division trifft.
»Die aus der deutschen Volksgruppe in Kroatien zur Division überstell- ten Deutschen bekräftigten unsere diesbezüglichen [auf die Partisanen bezogenen] Erkenntnisse aus eigenen bitteren Erfahrungen« (Janko 1982, 232).
Er fährt fort:
»Für uns aber drängte sich die Frage in den Vordergrund, ob die bei der Aufstellung der Division vereinbarte Verwendung als >Heimatschutz< für >unsere Dörfer und Wohnstätten< im engsten Wortsinne zu verstehen war, oder ob in der gegebenen Situation der Begriff >Heimat< nicht notwendig einer darüber hinausgehenden Auslegung bedurfte. Denn der Heimat- schutz war überall dort erforderlich, wo die Gefahr für die Deutschen sich zusammenballte. Und das hieß: Nicht nur in der engeren Heimat, wenn die tödliche Gefahr aus den benachbarten Räumen schon über- mächtig in unser Leben hereinbrach. Daß der Einsatz ausschließlich innerhalb Jugoslawiens erfolgen werde,… wurde uns bei dieser Gelegen- heit erneut zugesichert« (ebd. 233).111

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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
Nachdem bis Mitte Januar die verschiedenen Abteilungen in Karlovac an- gekommen waren (vgl. MA: RS 4/1377), erging am 15. Januar 1943 ein »Di- visionsbefehl für die Versammlung der Division für das Unternehmen >Weiß<«. Man sollte beim Lesen des folgenden Auszuges aus dem Divi- sionsbefehl an die von Phleps erstellten »Grundsätze« denken, um zu wis- sen, wer neben Titos Partisanen als Gegner zu betrachten war. Der Punkt 2 des Befehls lautet »Marschvorbereitungen sind derart zu treffen, dass durch die einheimische Bevölkerung die Partisanen nicht frühzeitig ver- ständigt werden« (MA: RS4/1419 Dok. 110). Und in einem weiteren Divi- sionsbefehl des Kommandeurs Phleps vom 18. Januar 1943 für den Einsatz bei der Operation »Weiß« heißt es:
»unter dem rücksichtslosen Einsatz der Bevölkerung sind die auf der Straße möglicherweise vorhandenen Sperren auszuschalten … Beim Durchkämmen des zu durchschreitenden Geländes ist rücksichtslos die wehrfähige, männliche Bevölkerung aufzugreifen, Waffenträger sind kurzerhand zu erschiessen« (MA: RS4/1419 Dok. 125 und 128).112

Bei der Operation »Weiß«, die insgesamt vom 20. Januar 1943 bis Mitte März 1943 dauerte, traten verschiedene Gesichtspunkte zu Tage, die die fol- genden zwei Jahre des Krieges in Kroatien bestimmen sollten. Neben dem Hauptziel der Operation, der Vernichtung der kommunistischen Partisa- nenverbände in Bosnien – »Weiß I« – waren ursprünglich als weitere Ziele die endgültige »Säuberung« des Gebietes durch deutsche und italienische Truppen und die Entwaffnung der dortigen anti-kommunistischen Tschet- nik-Verbände – »Weiß II und III« – vorgesehen gewesen (vgl. OKW 1943 Tb. I, 89 und Tb. II, 1612). Diese hochgestellten Ziele sollten weder in der Operation »Weiß« noch während anderer, ihr in den nächsten Jahren folgender Operationen endgültig erreicht werden. Zwar gelang es, den »Tito-Staat« (vgl. OKW 1943, Tb. I, 168) in Bosnien, unter anderem auch mit der Unter- stützung durch die Luftwaffe (vgl. ebd. 84), zu zerschlagen. Das Entkom- men des größten Teils der jugoslawischen Befreiungsarmee nach Südwest- en und Südosten konnte aber nicht verhindert werden (vgl. ebd. 168). Das Dilemma der deutschen Kriegsführung, dass die Kampfkraft der Armeen der verbündeten Staaten nicht mit der Kampfkraft der deutschen ver- gleichbar war, gleichzeitig aber auch aus zahlenmäßigen Gründen nicht auf sie verzichtet werden konnte, offenbarte sich auch während der Operation »Weiß«. Sowohl die neben den deutschen Verbänden eingesetzten kroati- schen als auch die italienischen Divisionen erreichten oftmals nicht recht-
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
zeitig ihre Einsatzräume, sodass die Partisanen fliehen konnten (vgl. OKW 1943 Tb. I, 94 und 168). Darüber hinaus zeigte es sich, dass sie zu einem großen Teil den modern ausgerüsteten und diszipliniert kämpfenden Parti- sanen (vgl. ebd. 65) militärisch nicht gewachsen waren (vgl. ebd. 91).113 Während also die kroatischen114 und italienischen Divisionen nur bedingt erfolgreich waren und auch die beiden deutschen Infanteriedivisionen nur eine begrenzte Kampfstärke hatten, zeigte sich die 7. SS-Division »Prinz Eu- gen« als den einzelnen Partisaneneinheiten sichtlich überlegen. So wurde die Division bereits bei dieser ersten Operation zunehmend zum Rückgrat der gegen die Partisanen eingesetzten Verbände.115
In der Nähe von Mostar lagen im Einflussbereich der Tschetniks für die deutsche Kriegswirtschaft wichtige Bauxitgruben (vgl. ebd. 89 f).116 Weil das Gebiet im Verlauf der Kämpfe zunehmend gefährdet erschien (vgl. ebd. 118) und die dort im Vorgelände eingesetzten kroatischen Ver- bände von den Partisanen zurückgedrängt wurden, sollte es von italieni- schen Truppen gesichert werden (vgl. ebd. 144 und 168). Nachdem es wegen der Sicherungsfrage nicht zu einer befriedigenden Lösung mit dem italienischen Oberkommando gekommen war (vgl. ebd. 169 und 173), wur- de vom deutschen Oberkommando der Entschluss gefasst, das Bauxitgebiet unter deutschen Befehl und deutsche Bewachung zu stellen (vgl. ebd. 191). Deswegen änderte sich der anfängliche Einsatzplan der 7. SS-Division »Prinz Eugen«. Sie war nun zur Sicherung der Bauxitgruben bei Mostar be- stimmt (vgl. ebd. 214 und MA: RS 4/1419 Dok. 186).
Neben dem konkreten Kampfgeschehen wurde die Frage nach dem Um- gang mit den Tschetnik-Verbänden zum zweiten beherrschenden Problem der Operation »Weiß«. Einerseits bekämpften die Tschetniks die kommunis- tischen Partisanen Titos und konnten, solange es um Bandenbekämpfung oder die Sicherung eines »gesäuberten« Gebietes ging, eine Verstärkung der Besatzungstruppen sein. Andererseits beobachtete die Wehrmachtsführung die Tschetnik-Verbände misstrauisch, da sie erwartete, dass, sobald die be- fürchtete Landung der Alliierten auf dem Balkan stattfände, alle serbischen Verbände diese unterstützen würden und ihre Feindschaft gegen die deutsche Besatzungsmacht offen zum Vorschein käme (vgl. OKW 1943 Tb. 1,169). Während das italienische Oberkommando aus ersteren Gründen zu einer Beibehaltung des widersprüchlichen Bündnisses tendierte (vgl. OKW 1943 Tb. I, 99 und 172), verlangte aus letzteren Gründen die deutsche Führung die strikte Entwaffnung aller Tschetnik-Verbände, in denen sie letztendlich nur unter antikommunistischem Deckmantel getarnte »groß-
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
serbische« Truppen Mihajlovics sah (vgl. ebd. 168). Nachdem sogar der »Führer« und der »Duce« in die Auseinandersetzungen zwischen dem ita- lienischen und dem deutschen Oberkommando eingeschaltet worden wa- ren (vgl. ebd. 125 und 171), einigte man sich darauf, die Tschetniks nach der gelungenen Zerschlagung der kommunistischen Verbände zu entwaffnen (vgl. ebd. 173 und 208). Beides sollte nicht gelingen. Zwar wurden den Par- tisanenverbänden empfindliche Verluste zugefügt,117 es konnte aber nicht verhindert werden, dass sich diese absetzten und an der Grenze zu Monte- negro wieder neu formierten. Aus diesem Grund wurde auch die Entwaff- nung der Tschetniks nicht vollendet. Vielmehr blieb es dabei, dass nicht nur die italienischen, sondern auch die deutschen Truppen immer wieder mit lokalen Tschetnik-Abteilungen zusammenarbeiteten.
Bereits am 14. März 1943 plante das OB Südwest, ab Anfang Mai in ei- ner Operation »Schwarz« die Verfolgung der Partisanenverbände in Mon- tenegro fortzusetzen. Dabei sollten die schon erprobten Kräfte der Operation »Weiß«, noch durch eine weitere deutsche Division verstärkt, wieder eingesetzt werden (vgl. OKW 1943 Tb. 1, 215 f). Durch die Operation »Weiß« waren zwar alle großen Partisanenformationen in Bosnien zerschlagen oder vertrieben worden, trotzdem machte der wenn auch nur vorüber- gehende Abzug dieser Divisionen dort die Aufstellung neuer Verbände notwendig. Nachdem bereits seit Anfang Januar für die »bevorstehenden Operationen« auch die vollziehende Gewalt auf den deutschen Befehls- haber übergegangen war (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 403/2820 Dok. H300938), plante man die Aufstellung von Polizeiverbänden zur Sicherung des Gebietes. Mit der Aufstellung dieser Verbände wurde im März der SS-Brigadeführer Kammerhofer beauftragt. Die »Polizeiorganisation« sollte aus »reichsdeut- schen, kroatischen und Volksdeutschen Kräften« bestehen und die »Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung« er- möglichen (PA/AA: Inl. Ilg 309/2572 Dok. E464820-823).118 Auch bei dieser Einberufung von Volksdeutschen aus Kroatien wiederholten sich die schon aus den vorherigen Auseinandersetzungen bekannten Schwierigkeiten mit dem Gesandten Kasche.
Wie aus dem Kriegstagebuch des OKW hervorgeht, gab es zwischen März und Mai 1943 viele kleine Überfälle und Scharmützel in Kroatien und Bosnien, ohne dass es dabei zu größeren Kampfeinsätzen gekommen wäre (vgl. OKW 1943 Tb. I, 215ff).119 Das gleiche Bild ergibt sich auch aus einem Bericht des Volksgruppenführers Altgayer vom 3. April 1943 (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 254/2427 Dok. D4). Bei seiner Schilderung der Situation der volks-
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deutschen Bevölkerung in den verschiedenen Gebieten Kroatiens und Bos- niens kommt er aber auf einen Aspekt zu sprechen, der – je nach dem wie er sich entwickeln würde – entscheidend deren Zukunft mitbestimmen musste: Es war eine deutsche Partisanenabteilung mit deutscher Komman- dosprache gegündet worden.120 Deren »Kern« bildeten, so Altgayer,
»einige deutschnamige Uberzeugungskommunisten, die, bis auf Franz Schrempf aus Esseg – der von der Ustascha-Polizei zu den Kommunisten getrieben worden ist – niemals etwas mit der Volksgruppe gemein hatten, 2 elsässische Überläufer und einige Juden. Es wurde auch befoh- len, gefangene ES-Männer [Männer der Einsatzstaffel] nicht mehr zu entkleiden und zu erschiessen, sondern sie der deutschen Partisanen- abteilung zu übergeben« (PA/AA: Inl. Ilg 254/2427 Dok. D4).
Damit war zum ersten Mal seit Beginn des Krieges, wenn auch nur durch einige wenige Personen, auch die deutschsprachige Bevölkerung in einer eigenen Partisanenabteilung vertreten. Im weiteren Verlauf der Kämpfe musste es zu einer entscheidenden Frage für die Zukunft der Volksdeut- schen werden, ob Teile von ihnen bereit sein würden, sich vermehrt auf die Seite der Partisanen zu stellen, oder ob sie, wie bisher die Volksdeutschen, als einzige Bevölkerungsgruppe des ehemaligen Jugoslawiens weiter fast geschlossen auf Seiten der deutschen Besatzungsmacht kämpfen würden.
Bis zum Einsatz bei der Operation »Schwarz« befand sich die »Prinz Eu- gen« nach wie vor zur Sicherung des Bauxitgebietes in der Nähe von Mo- star (vgl. Kumm 1978, 70). Teile der Division nahmen, ganz wie Phleps es in seinen »Grundsätzen« beschrieben hatte, an einzelnen Aktionen gegen kleinere Partisanengruppen teil. So entsetzte am 27. April 1943 eine Kom- panie der Division ein in Glamoc eingeschlossenes kroatisches Bataillon und »säuberte« die Gegend (vgl. OKW 1943 Tb. I, 293). Am 5. Mai 1943 wur- de der SS-Versorgungsstützpunkt Mostar von Tschetniks überfallen (vgl. ebd. 473). In dieser Zeit wurden auch erste konkrete Schritte zu Aufstel- lung der aus bosnischen Muslimen bestehenden SS-Division unternom- men, deren Bildung sich bereits Ende 1942 angedeutet hatte. Wie aus einem Schreiben des Reichsführer-SS vom 31. März 1943 hervorgeht, ergaben sich daraus für die 7. SS-Division »Prinz Eugen« wesentliche Umstrukturierun- gen. Der bisherige Kommandant, SS-Gruppenführer Phleps, wurde zum Oberkommandierenden des aus der »Prinz Eugen« und der »muselmani- schen Bosniaken-Division« zu bildenden V. SS Armee-Korps ernannt.121 Er blieb damit zwar für den Einsatz der »Prinz Eugen« als Führer des V. SS- Armee-Korps verantwortlich, das direkte Divisionskommando übernahm
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
aber SS-Brigadeführer von Oberkamp, der damit Phleps unterstellt wurde (vgl. BA: NS19/2601, Dok. 6). Phleps sollte allerdings die 7. SS-Division »Prinz Eugen« während der folgenden Operationen noch selbst führen. Von Oberkamp hatte ihn dabei in dieser Übergangsphase zu unterstützen und die Zeit zu nutzen, sich einzugewöhnen und »Land und Leute« kennenzu- lernen (vgl. ebd.). Im Anschluss an die Operationen wollte Himmler dann den genauen Zeitpunkt der Einsetzung eines Divisionskommandanten für die Bosniaken-Division, der Bildung des Korps-Kommandos und der end- gültigen Übergabe der »Prinz Eugen« an von Oberkamp bekannt geben (vgl. ebd.).122
Wie schwer der Einsatz der 7. SS-Division »Prinz Eugen« von Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen zu trennen war, wurde bereits gezeigt und wird auch im Weiteren zur Sprache kommen. Auch der Zusammenhang zwischen der konsequenten Stärkung der Position der eigenen, der Volks- deutschen Bevölkerung und der Unterdrückung beziehungsweise Ermor- dung der anderen, in erster Linie jüdischen und serbischen Bevölkerung wurde aufgezeigt. Während im März 1943 in Bezug auf die im Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens kämpfenden SS-Verbände wichtige Umstruktu- rierungsmaßnahmen vorgenommen wurden, fand auch eine unter militäri- schen Gesichtspunkten für die Entwicklung der Division eher unbedeutsa- me Personalzuweisung statt, die aber die verschiedenen oben genannten Aspekte widerspiegelt.
Am 19. März 1943 schrieb der Reichsstatthalter im Reichsgau Warthe- land, Greiser, an den Reichsführer-SS einen Brief, in dem er ihm von einem Besuch in Kulmhof bei dem ehemaligen Sonderkommando »Lange«, das zu dieser Zeit unter dem Befehl des SS-Hauptsturmführers Bothmann stand, berichtete (vgl. BA: NS19/2635). Bothmann123 und sein Sonderkommando ermordeten zu diesem Zeitpunkt einen Großteil der jüdischen Bevölkerung des Warthegaus im Vernichtungslager Kulmhof, das nahe an Lodz, damals Litzmannstadt, lag (vgl. Hilberg 1990, 957). Greiser schrieb:
»Ich habe … eine Haltung der Männer des Sonderkommandos vorgefun- den, die ich nicht verfehlen möchte, Ihnen, Reichsführer-SS zur gefl. Kenntnis zu bringen. Die Männer haben nicht nur treu und brav in jeder Beziehung konsequent die ihnen übertragene schwere Pflicht erfüllt, sondern darüber hinaus auch noch haltungsmäßig bestes Soldatentum repräsentiert. So haben sie mir z. B. auf einem Kameradschaftsabend … eine Spende von 15 150,- RM in bar übergeben, die sie am gleichen Tag spontan veranlasst haben … Ich habe das Geld dem Fonds zu Gunsten der Kinder ermordeter Volksdeutscher überwiesen … Die Männer haben
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
mir weiterhin ihren Wunsch zum Ausdruck gebracht, unter ihrem Hauptsturmführer Bothmann möglichst geschlossen weiterhin eingesetzt zu werden. Ich habe den Männern versprochen, Ihnen, Reichsführer, diesen Wunsch zu übermitteln. Ich bitte Sie, mir auch noch zu genehmi- gen,^dass ich die Männer bei dem ihnen zustehenden Urlaub zum Teil als meine Gäste auf meine Landgüter einladen und ihnen außerdem eine namhafte Beihilfe gewähre, die ihnen den Urlaub verschönen soll« (BA: NS19/2635).
Radikaler als durch die Spende für die Kinder ermordeter Volksdeutscher aus den Händen derjenigen, die jüdische Kinder- und Frauen ermordeten, kann sich der Zusammenhang zwischen der Unterstützung des Eigenen und der Vernichtung des Fremden -nicht ausdrücken.
Am 27. März 1943 dankte Himmler dann Greiser dafür, dass sich dieser »der Männer in so netter Weise angenommen« hatte und versprach, sie bei einer neuen Verwendung wieder geschlossen unter Bothmann einzusetzen (vgl. BA: NS 19/2635, Dok. 8). Himmlers persönlicher Stab, Dr. Brandt, schrieb dann am 29. März 1943 an den Chef des SS-Führungshauptamtes, Gruppenführer Jüttner, dass Bothmann und seine 85 Männer nach Beendi- gung ihres Einsatzes und des anschließenden Urlaubs geschlossen zur SS- Freiwilligen-Division »Prinz Eugen« versetzt werden sollten. Er verwies noch darauf, dass Jüttner das genaue Datum der Versetzung von SS-Grup- penführer Dr. Kaltenbrunner erfahren könnte und der Reichsführer in den nächsten Tagen sicherlich Kontakt mit Phleps aufnehmen würde, da die »Prinz Eugen« für den Zugang die gleiche Anzahl Männer an die neue Bos- niaken-Division abgeben sollte (vgl. BA: NS19/2635, Dok. 9). Am gleichen Tag hatte Dr. Brandt auch den Brief an Kaltenbrunner abgeschickt. Aus die- sem geht hervor, dass sowohl Jüttner als auch die neuen Kameraden der »Prinz Eugen« möglichst nichts von dem zurückliegenden Sonderauftrag erfahren sollten:
»Der Reichsführer-SS bittet Sie, die Männer vor ihrem Einsatz noch ein- mal zusammenzunehmen und sie eindringlich zu verpflichten, unter die Zeit ihres Sonderkommandos einen Strich zu setzen und auch nicht an- deutungsweise davon zu reden. Der Chef des SS-Führungshauptamtes Jüttner hat von mir lediglich die Mitteilung erhalten, dass im Laufe des April 85 Männer mit ihrem Kommandeur geschlossen der SS-Freiwilli- gen-Division >Prinz Eugen< zugeführt werden können« (BA: NS 19/2635 Dok. 12).
Ob Bothmann und seine Männer sich an die Anweisung hielten, ist nicht
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
mehr zu klären. Falls sie wirklich einen »Strich« gezogen hatten, so sollte dies nur ein vorläufiger gewesen sein. Am 14. Februar 1944 erging ein wei- teres Schreiben des Reichsstatthalters Greiser, diesmal an den Chef des SS- Verwaltungshauptamtes, SS-Obergruppenführer Pohl:
»Das Ghetto Litzmannstadt soll nicht in ein KL umgewandelt werden … Ich habe mit dem Reichsführer folgendes vereinbart: a) Das Ghetto wird personell auf ein Mindestes verringert und behält nur soviel Juden, wie sie unbedingt im Interesse der Rüstungswirtschaft erhalten werden müssen … c) Die Verringerung wird durch das im Gau schon früher tätig gewesene Sonderkommando des SS-Hauptsturmfüh- rers Bothmann124 durchgeführt werden. Der Reichsführer wird Befehl erteilen, den SS-Hauptsturmführer Bothmann mit seinem Sonderkom- mando aus seinem Einsatz in Kroatien herauszuziehen und dem Gau Wartheland wieder zur Verfügung zu stellen … e) Nach Entfernung aller Juden aus dem Ghetto und nach der Auflösung desselben soll der gesam- te Grundbesitz des Ghettos der Stadt Litzmannstadt zufallen« (BA: SSO Bothmann, Hans).
Bothmann und seine Männer kehrten daraufhin nach Kulmhof zurück (vgl. Hilberg 1990, 957). Insgesamt wurden in Kulmhof 150 000 Juden ermordet (vgl. ebd. 956).
Litzmannstadt hatte aber für den Krieg in Bosnien noch eine andere Be- deutung. Von März/April 1942, nachdem Bothmann das Sonderkommando »Lange« übernommen hatte, bis März 1943 (vgl. Hilberg 1990, 957) hatten er und sein Männer große Teile der jüdischen Bevölkerung des Warthegaus in Kulmhof ermordet. Ab Oktober 1942 fand die Umsiedlung der Volksdeut- schen aus den verschiedenen Streusiedlungen Bosniens wegen der dorti- gen Aufstandslage statt. Wie aus der »Schlussmeldung über die Umsied- lung Bosnien«, die der Chef der VOMI, Lorenz, im Dezember 1942 an Himmler schickte, hervorgeht, waren bis zum 22. November 1942 insgesamt 16 932 Personen aus Bosnien mit Umsiedlungstransporten abtransportiert und »in die Lager der Volksdeutschen Mittelstelle in und bei Litzmann- stadt überführt« worden (BA: NS 19/41 Dok. 20). Die Lager bei Litzmann- stadt gehörten zu den ersten, die die VOMI für Volksdeutsche Umsiedler gegründet hatte. In der ersten Phase ihres Bestehens war es dabei noch zu direkten Begegnungen und damit verbundenen »erschütternden«125 Szenen zwischen Juden, die aus ihren Wohnungen und Häusern vertrieben wur- den, und den direkt in diese einziehenden Volksdeutschen gekommen (vgl. Lumans 1993, 202). Ende 1942 fand aufgrund der gründlichen Arbeit Both- manns diese direkte Konfrontation zwischen den von den Säuberungs- und
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
den Umsiedlungsaktionen unterschiedlich betroffenen Menschen nicht mehr statt. Der Zusammenhang blieb gleichwohl bestehen.126

3.3.4
Die Operation »Schwarz«
Die Operation wurde entsprechend der schon am 14. März 1943 ent- wickelten Pläne vorbereitet. Neben der »Prinz Eugen«, der 718. Jg. Div.,127 einer Rgt. Gruppe der 369. kroat. Div. und zwei kroatischen Gebirgsbriga- den wurde zur Verstärkung die 1. Geb. Division von der »Gotenkopfstel- lung« an der Ostfront über Rumänien und-Bulgarien mit der Eisenbahn her- angeführt (vgl. OKW 1943 Tb. I, 215).128 Das vorrangige Ziel der Operation war die Verfolgung und Vernichtung nicht nur der kommunistischen Parti- sanen, sondern auch der Mihajlovic-Verbände. Darüber hinaus war die Ent- waffnung der dortigen Tschetniks geplant. Da die deutsch-italienischen Meinungsverschiedenheiten in der Frage des Umgangs mit den Tschetniks noch nicht endgültig bereinigt waren, wurde beabsichtigt, in der ersten Phase nur möglichst wenige italienische Verbände teilnehmen zu lassen. Teile der bulgarischen Besatzungsstreitkräfte in Serbien sollten, verstärkt durch Teile der 704. Jg. Div., die Flucht der Partisanen über die serbisch- montenegrinische Grenze verhindern (vgl. ebd. 216). Bis zum 15. Mai 1943 war der Aufmarsch der Verbände abgeschlossen, sodass die Operation »Schwarz« planmäßig begann (vgl. ebd. 482).
Für die 7. SS-Division »Prinz Eugen« war »Schwarz« nach dem Einsatz in Serbien und der vorausgegangenen Operation »Weiß« ein weiterer Schritt hin zum Kampf mit »regulären Formationen«, wie es Phleps in sei- nen »Grundsätzen« genannt hatte (vgl. MA: RS 3-7/15, Dok. 201). Wie schon in der theoretischen Vorbereitung, den »Grundsätzen«, trat nun in der praktischen Umsetzung der Operation »Schwarz« die ganze Dynamik der Vermischung des Kampfes mit schweren Waffen gegen starke Partisa- nenverbände auf der einen Seite mit dem damit verbundenen Vorgehen ge- gen die Zivilbevölkerung auf der anderen Seite zutage.
Dies zeigte sich schon in dem am 10. Mai 1943 ergangenen Divisionsbe- fehl der »Prinz Eugen« »für den Angriff in die Ostherzegowina« (vgl. MA: RS 4/1420 Dok. 20). Die Division sollte aus dem Raum Mostar nach Osten vordringen und am ersten Tag Nevesinje erreichen. In dieser Gegend wur- de nur mit gegnerischen Tschetnik-Verbänden gerechnet (vgl. ebd.). Die Di-
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
vision war in zwei Gefechts- und drei Kampfgruppen eingeteilt. Die Ge- fechtsgruppen Petersen und Schmidhuber bestanden aus jeweils drei Ba- taillonen der Regimenter 1 beziehungsweise 2. Darüber hinaus waren ih- nen Artillerieabteilungen,129 Flakzüge und Panzerabteilungen zugeteilt. Neben den Tragtier- und Fahrkolonnen kamen zu Petersen noch das Wirt- schaftsbataillon und zu Schmidhuber die Kavallerieschwadron hinzu. Die Kampfgruppen Vollmer, Strahtmann und Dietsche bestanden aus je einem Bataillon und einer Artillerieabteilung. Strahtmann und Dietsche hatten darüber hinaus noch jeweils Krankenträgerzüge, Krankenkarren und Trag- tierkolonnen dabei (vgl. ebd. Dok 21 und 22). Die verschiedenen Gruppen sollten separate Tagesziele erfüllen, jeweils aber die Verbindung zu den an- liegenden Gruppen aufrechterhalten oder an bestimmten Punkten aufneh- men. Der detailliert ausgearbeitete Divisionsbefehl enthielt eine Fülle von wichtigen militärischen Weisungen für den Einsatz. In Bezug auf die Ge- fechtsgruppe Petersen, die auf der Straße vorrückte, hieß es:
»Alle fahrbaren schw. Waffen sind der Gefechtsgruppe (Hauptkolonne) nachzuführen und als schwere Waffen-Gruppe zu verwenden« (ebd. Dok. 20; Hervh. i. Orig.).
Immer wieder wurde auf die Wichtigkeit der Sicherung von den Berghöhen aus verwiesen:
»Sicherung nach Nord und Süd [ist] auf die das Polje abschließenden Sättel zu stellen … Vorrücken ist auf den ostw. begleitenden Höhen … zu decken … Vorerst sind die den Ort Nevesinje westl. beherrschenden Höhen in die Hand zu nehmen …« (ebd. Dok. 20 und 21).
Diese und die folgenden Teile des Divisionsbefehls lesen sich, wie man es von Einsatzbefehlen für »reguläre Formationen« erwartet:130
»Die Kampfgruppe (Dietsche) muss bereit sein, im Raum TRIJEB ANJ und während des Vorgehens in den Raum STJEPANKRS nach Norden oder Süden in den Kampf des Nachbarn einzugreifen (ebd. Dok. 22). Die Gruppe (Strahtmann) ist bereit, in den bei NEVESINJE stehenden Kampf am folgenden Tag einzugreifen« (ebd. Dok. 23; Hervh. i. Orig.).

Noch mehr als schon die Operation »Weiß« sollte »Schwarz« mit Unter- stützung der Luftwaffe durchgeführt werden:
»9.) Einsatz der verfügbaren Fliegerkräfte wird in engster Zusammen- arbeit mit der Operation der Erdtruppe erfolgen. Der Schwerpunkt wird
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
anfangs bei der SS-Division »Prinz Eugen« und den von Osten gegen Montenegro vorgehenden Kräften liegen« (ebd. Dok. 24; Hervh. i. Orig.).
Aber auch bei der Operation »Schwarz« hatte die »Prinz Eugen« neben den Partisaneneinheiten wie »Titos beste[r], d[er] 1. prol. Div.« (Kumm 1978, 78), auch die Zivilbevölkerung im Blick:
»7.) Die Truppe hat rücksichtslos und mit brutaler Härte gegen die sich feindlich zeigende Bevölkerung vorzugehen und dem Feinde jede Lebensmöglichkeit durch Zerstörung verlassener Ortschaften und Sicherstellung vorhandener Vorräte zu nehmen. Wichtige Wasserstellen, die mit Rücksicht auf eigenen Bedarf und den Bedarf der friedlichen Bevölkerung nicht zerstört werden, müssen bewacht werden« (MA: RS 4/1420 Dok. 24; Hervh. i.Orig.)131.
Dass es in diesem Einsatz keine im eigentlichen Sinn friedliche Bevölke- rung geben konnte, wird im Weiteren deutlich. »Friedlich« muss hier viel- mehr im Sinne von »für die deutschen Interessen« einsetzbar verstanden werden. Dies zeigt sich auch bei der besonderen Erwähnung der Muslime, wobei zu bedenken ist, dass zeitgleich in Bosnien die Aufstellung der mus- limischen SS-Division stattfand:
»Friedliebende Bevölkerungsteile sind zu schonen und weitgehend in den Dienst der Sache zur Vernichtung der Feindkräfte einzuspannen. Die Muselmanen sind, soweit sie sich nicht feindlich zeigen, besonders gut zu behandeln. Vorteilhaft werden sie gegen Belohnung mit Geld oder Lebensmitteln für Führer und Kundschafterdienste zu verwenden sein« (ebd.).
Anders als Operation »Weiß« verlief Operation »Schwarz« durchaus er- folgreich. Die Verstärkung durch den vermehrten Einsatz der Luftwaffe und der 1. Geb. Div. machte sich deutlich bemerkbar. Nachdem die »illegalen« Tschetnik-Verbände entwaffnet und die »legalen« von italie- nischen Verbänden in den Rückraum gebracht worden waren, nahmen dann auch italienische Einheiten vermehrt an den Kämpfen teil, in erster Linie in Form von Sicherungsaufgaben (vgl. OKW 1943 Tb. I, 501). Wie schon in der Vorbereitung erwartet (vgl. MA: RS 3-7/13 Dok. 70ff), leiste- ten hauptsächlich nur die kommunistischen Einheiten Widerstand (vgl. OKW 1943 Tb. I, 486, 491 und 556).132 Sie wurden dabei immer wieder auch in Kämpfe mit nationalistischen Tschetniks verwickelt (vgl. ebd. 522). Die Mihajlovic-Verbände hatten hingegen schon am 17. Mai 1943 den Funkverkehr in Montenegro eingestellt, und man ging davon aus, dass
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
Mihajlovic nach Serbien geflüchtet war (vgl. ebd. 491). Somit konzentrier- ten sich die Anstrengungen der deutschen und kroatischen Truppen zu- nehmend auf die Einkesselung und Vernichtung der kommunistischen Partisanen. Dabei wurden sie von der Luftwaffe unterstützt, die laut Kriegstagebuch des OKW fast täglich Einsätze flog. Dort steht beispiels- weise über den 21. Mai:
»Luftwaffe: Außer Aufklärung Angriff mit Bomben und Ortschaften vor SS=Div. Dabei Mun.=Lager durch Volltreffer vernichtet. Insgesamt 27 Einsätze« (ebd. 514; Hervh. i. Orig.).
Am 27. Mai heißt es:
»Luftwaffe: Volltreffer in fdl. Truppenansammlungen vor 118. Jäg.-Div. Insgesamt 13 Einsätze« (ebd. 545; Hervh. i. Orig.).
Die Partisanen wehrten sich verzweifelt133 und unternahmen verschiedene Ausbruchsversuche, so am 24. Mai 1943 bei der 118. Jäg. Div bei Foca (vgl. ebd. 526), am 31. Mai 1943 am Unterlauf der Piva bei der 7. SS-Div. (vgl. ebd. 568) und am 2. Juni 1943 noch einmal bei Foca (vgl. ebd. 579). Zum Schluss gelang es den Partisanen in kleinen Gruppen – insgesamt etwa 3000 bis 4000 Mann – halbverhungert und geschlagen zwischen den Stellungen durchzuschlüpfen und nach Bosnien zu entkommen. Bei den »Nachsäube- rungen« des rückwärtigen Gebietes entdeckte die 1. Geb. Div. am 14. Juni 1943 »grosse Massengräber und ganze Ortschaften voll Typhustoter« (ebd. 642). Die 7. SS-Division fand am 15. Juni 1943 »200 Leichen an Verhunger- tem« (ebd. 647). In der Abschlussmeldung zur Operation »Schwarz« wird die Zerschlagung der Tito-Partisanen im »montenegr./herzegow. Raum« ge- meldet. Es werden mindestens 11000 bis 12 000 tote Partisanen, davon 10 000 »blutige« Verluste und 1000 bis 2000 durch Hunger und Seuchen ge- zählt. Damit war das im Divisionsbefehl vom 10. Mai 1943 vorgegebene Ziel, »alle bewaffneten Verbände … zu vernichten und evt. sich bildenden Banden jede Lebensmöglichkeit zu nehmen« (MA: RS4/1420, Dok. 20; Hervh. v. Verf.), erreicht.
Die Verluste aller deutschen Verbände wurden auf 465 Tote, 1554 Ver- wundete und 281 Vermisste beziffert. Das Missverhältnis zwischen den deutschen Verlusten und den getöteten Partisanen bedarf einer Erklärung. Zum einen war zu diesem Zeitpunkt die Kampfstärke der Partisanenein- heiten in einer direkten militärischen Konfrontation noch nicht mit der Kampfstärke der deutschen Truppen vergleichbar, und es mangelte an
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
schweren Waffen, sodass von einer höheren Zahl gefallener Partisanen aus- zugehen ist. Zum anderen war es bei allen zur Partisanenbekämpfung ein- gesetzten deutschen Verbänden üblich, die ermordete Zivilbevölkerung postum als getötete Partisanen zu zählen (vgl. Heer 1995, 57ff). Das heißt, auch bei den Verlustzahlen von »Schwarz« ist davon auszugehen, dass es sich zu einem großen Teil um getötete Zivilbevölkerung handelt.134
Die »Prinz Eugen« hatte sich in den Kämpfen wiederum als entschei- dender Rückhalt der eingesetzten Verbände gezeigt. Deswegen wurden ne- ben der 1. Geb. Div. die Leistungen der 7. SS-Division im Kriegstagebuch des OKW besonders hervorgehoben (vgl. OKW 1943 Tb. I, 660). Darüber hinaus erhielt SS-Sturmbannführer Dietsche für die Leistungen seiner Kampfgruppe während der Operation »Schwarz« ebenso wie Phleps das Ritterkreuz (vgl. Krätschmer 1993, 522). Die Verleihung des Ritterkreuzes an Phleps war schon längere Zeit geplant gewesen. So hatte am 23. März 1943 der SS-Untersturmführer Viktor Brack bei seinem Duzfreund SS- Obergruppenführer Wolff angeregt, dass Phleps das Ritterkreuz nicht nur für seine Leistungen an der Ostfront, sondern auch wegen des Aufbaus der »Prinz Eugen« erhalten solle (vgl. BA: NS19/938, Dok. 7f).
»Der Aussenstehende kann sich kaum eine Vorstellung davon machen, was es heisst, aus völlig serbisierten, zum grossen Teil überalterten Leuten SS-Männer zu machen … Heute ist schon klar zu erkennen, dass bei den Jungen zum allergrössten Teil das Soldatische sich durchgesetzt hat und die Div. >Prinz Eugen< kann heute mit Recht als SS-Division bezeichnet werden« (ebd. Dok. 8f).

Wie aus einem Vermerk zu Bracks Brief vom 13. April 1943 hervorgeht, hat- te auch Himmler schon die Verleihung beabsichtigt (vgl. ebd. Dok. 13). Zu- sammen mit der Meldung über die Verleihung des Ritterkreuzes erschien dann ein Artikel über Phleps in der SS-Zeitung »Das Schwarze Korps« (ebd. 21) unter dem Titel: »>Das ist unser General!< Ein Repräsentant Volks- deutschen Soldatentums im Donauraum« (ebd. Dok. 16; Hervh. i. Orig.).
Am 17. Juni 1943 sammelte sich die 7. SS-Division (vgl. OKW 1943 Tb. I, 658), um zurück in den Raum um Mostar zu marschieren, wo wieder ihr Div. Gefechtsstand errichtet werden sollte (vgl. ebd. 691). Dort übernahm der neue Kommandeur von Oberkamp die Division, während Phleps den Aufbau der »Bosniaken-Division« in Angriff nahm, aber mit der Leitung des V. SS-Gebirgskorps auch weiter den Oberbefehl über die 7. SS-Division behielt. Wie Himmler am 15. Juni 1943 geschrieben hatte, bekam Phleps da-
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
bei SS-Standartenführer Kumm als »Mitarbeiter« zur Seite gestellt (vgl. BA: NS19/2953 Dok. Cll).
Am 25. Juli 1943 erstellte die SS-Freiw. Geb. Division »Prinz Eugen« rückblickend einen »Erfahrungsbericht über das Unter- nehmen >Schwarz<«, in dem die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst wurden und aus dem sich auch ein genaueres Bild der Partisanenverbände ergibt. 13 5
Infanterie
Feind: a) Führung: Die Cetnik-Banden sind … nicht in den Kampf
eingetreten und ergaben sich kampflos. Kommunistische Banden Gegner kämpft hartnäckig und weicht nur langsam von Widerstandslinie auf Widerstandslinie aus. Wo es die Lage erfordert, geht er zum Gegenangriff über, b) Kampfweise: Feind kämpft verschlagen und hinterlistig, zum Teil mit dem Mut der Verzweiflung. Besonders zustatten kommt ihm die genaue Kenntnis des Gebietes: c) Waffen und Munition: Die Ausstattung mit leichten Waffen und Munition, zum Teil italienischer Herkunft, ist gut… Schwere Waffen … sind in geringer Zahl vorhanden, d) Beklei-
dung u. Ausrüstung: Landesübliche Bekleidung. Teilweise italienische
und auch deutsche Uniformen. Ausrüstung einfach und primitiv. Kein Rückengepäck, leichte Fußbekleidung. Daher beweglicher und schneller im Kampf, e) Verpflegung: Verpflegungslage … sehr schlecht. Die einge- brachten Gefangenen waren durchweg unterernährt, f) Transportmittel: Vorhanden sind in größerer Anzahl Tragtiere … Unnötiger Ballast wird nicht mitgeführt. Zugunsten der Beweglichkeit wird auf all das verzich- tet, was den Kampf im Gebirge und die Schnelligkeit beeinträchtigen könnte, g) Sanitätswesen: Das Sanitätswesen der Banden liegt in den Händen jüdischer und serbischer Ärzte. An Hilfskräften stehen eine Anzahl Frauen zur Verfügung, die auch notfalls mit der Waffe in der Hand am Kampfe teilnehmen. Gefangene Italiener werden als Verwunde- tenträger eingeteilt und mitgeführt. Arzneimittel und Medikamente feh- len. Häufig vorkommende Krankheiten sind Typhus, Flecktyphus und Unterernährung, h) Nachrichtenverbindung: Sein Nachrichten- und Agentennetz arbeitet ausgezeichnet… Die Bevölkerung steht fast aus- nahmslos auf Seiten der Banden als volkszugehörige Freiheitskämpfen. Uber eigene Bewegungen ist er meistens frühzeitig unterrichtet« (MA: RS 3-7/13 Dok. 86; Hervh. i. Orig.).
Da die Struktur der »Prinz Eugen« genügend dargestellt wurde, sollen dies- bezüglich nur die wichtigsten Punkte aus dem mehrseitigen Bericht zitiert werden.
»Eigene Truppe: a) Allgemeine taktische Grundsätze: Zweckmäßiger Einsatz der schweren Waffen und Ausnutzung des Feuers lässt zu wünschen übrig … Das Zusammenwirken mit Panzern im Kampf gegen starken in ausgebauten Stellungen sich verteidigenden Gegner war gut.

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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
b) Haltung der Männer: Eigene Truppe kämpferisch gefestigt. Die neu- hinzugekommenen Männer der Einsatzstaffeln haben sich nicht be- währt; mangelnder Angriffsschwung, fehlende Standfestigkeit, unzurei- chende Ausbildung. 3.) Waffen und Munition: Es ist erwünscht, nach Massgabe vorhandener Tragtiere, jede Jg. Kp. mit ls. Gr. W.-Gruppe auszustatten. Die Wirkung der schweren Waffen war gut. 4.) Bekleidung
und Ausrüstung: … b) Ausrüstung: Die derzeitige Ausrüstung der Geb.
Jäger entspricht nicht dem beweglichen Kampf im Gebirge gegen Ban- den. Der einzelne Jäger hat zu viel zu tragen. 5.) Versorgung: … d) Kfz.-
Wesen: Die schlechten Strassen- und Wegverhältnisse haben eine Über-
beanspruchung des Kfz.-Materials zur Folge gehabt, (ebd. Dok. 87-88)
Quartiermeisterabteilung
4.) Ausrüstung und Bekleidung: Gelieferte Sommerbekleidung für den Gebirgskrieg völlig ungeeignet; starke Temperaturschwankungen … 5.)
Versorgung: … c) Pferde: Bei annähernd 20 % Fehlstellen und den …
besonders schwierigen Wegverhältnissen, sowie d[em] Tempo des Vor- marsches ergab sich eine ganz ausserordentliche Überbeanspruchung der vorhandenen Pferde und Tragtiere, (ebd. Dok. 89).
Panzer-Waffe.
1.) Allgemeine Kampfweise: Bei allen Kampfhandlungen, an denen die Panzer-Kp. beteiligt war, verstand es der Feind vorzüglich, sich dem Gelände anzupassen und sich zu tarnen. Eine besondere Taktik oder Ausbildung in der Panzernahbekämpfung konnte nicht festgestellt werden. Der Panzerschreck ist in einem gewissen Maße nach wie vor vorhanden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Gegner über wenig panzerbrechende Waffen verfügt… Panzer-Deckungslöcher oder Gräben, Minen sowie Panzernahkampfmittel wurden nicht verwendet. 2.) Eigene
Truppe: Die enge Zusammenarbeit zwischen Panzern und Gebirgsjägern
war für den Erfolg ausschlaggebend. Die Panzer sind in diesem Einsatz ca. 2000 km gelaufen und ein Ersatz der Ketten ist dringend nötig« (ebd. Dok. 91; Hervh. i. Orig.).

Ebenfalls im Juli musste Berger wegen der beim Aufbau der Polizeikräfte in Kroatien entstandenen Schwierigkeiten, aber auch wegen der Aufstellung der »Bosniaken-Division«, nach Agram fliegen. Dort beabsichtigte Berger auch, wegen des katastrophalen Versagens der kroatischen Wehrmacht die Frage der Aufstellung einer zweiten kroatischen SS-Division anzuspre- chen (vgl. BA: NS19/2222 Dok. Cll) . Am 13. Juli 1943 berichtete er Himm- ler dann in einem Schreiben vom vollen Erfolg der Mission. Darüber hin- aus schrieb er, dass Altgayer, der inzwischen ganz den Standpunkt der SS eingenommen hätte, von Kasche »abgeschossen« worden sei (vgl. BA:
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
NS19/2117 Dok. All) . In der Tat hatte Kasche in einem Schreiben vom 24. April 1943 dafür gesorgt, dass Altgayer statt zur Polizei in Kroatien zur Waffen-SS ins Reich einberufen worden war (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 254/2427 Dok. Cl2).
Nicht nur bei der Rekrutierung konnte sich die Waffen-SS durchsetzen, sodass 3500 Volksdeutsche, die ursprünglich für die Polizei- verbände vorgesehen waren, eingezogen werden konnten (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 403/2820, Dok. H297545). Auch die Aufstellung einer zweiten kroati- schen SS-Division sollte später in Angriff genommen werden. Am 16. Juli 1943 erließ Himmler dann ausdrücklich den Befehl, dass Branimir Altgay- er aus dem Wehrdienst bei der Waffen-SS entlassen und wieder als Volks- gruppenführer eingesetzt werden sollte (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 311/2578 Dok. H19). Damit war in Kroatien, wie auch schon im Banat, die Zusammenar- beit der SS mit der Volksgruppenführung bei der Ausschöpfung des Wehr- pflichtigenpotenzials endgültig gesichert. 13 6
Bis zum nächsten großen Einsatz im September 1943 waren unter ande- rem Teile der Division weiter zur Sicherung des Bauxitgebietes bei Mostar (vgl. OKW 1943 Tb. II, 746), der überwiegende Teil aber zur Partisanenbe- kämpfung und zu »Säuberungsaktionen« in der Umgebung von Sarajewo und Tuzla (vgl. OKW 1943 Tb .II, 753) eingesetzt.137 Der SS-Division »Prinz Eugen« ist nach dem Krieg der Vorwurf gemacht worden, im Partisanen- krieg besonders grausam gegen die Zivilbevölkerung gehandelt zu haben (vgl. Nürnberg XX, 409ff). 13 8 Die Waffen-SS, auch Otto Kumm, leugnen die
Verbrechen:
»Der Verfasser war ein Jahr Chef des Gen.-Stabes des V. SS-Geb.-Korps und anschließend ein Jahr Kdr. der 7. SS-Geb.->Prinz Eugen< und kann an Eidesstatt versichern, dass dieser >Geiselbefehl< [Der OKW Befehl vom 14.10.41] in dieser ganzen Zeit von der Div. >Prinz Eugen< in keinem einzigen Fall ausgeführt wurde« (Kumm 1978, 383)

Der Aufruf zur Vernichtung der feindseligen Zivilbevölkerung war aber Teil der gängigen Divisionsbefehle. Die Verwirklichung dieses Aspekts der Befehle lässt sich neben den Zeugenaussagen der Opfer auch mit eigenen Dokumenten der Waffen-SS beweisen. In einem Schreiben an den Polizei- gebietsführer in Agram, Kammerhofer, vom 15. Juli 1943 wird über »Vergel- tungsmaßnahmen der Wehrmacht und Waffen-SS im Polizeigebiet Saraje- vo« berichtet (vgl. BA: NS19/1434, Dok. 2). Dabei hatte eine Einheit der 118. Div. am 8. Juli 1943 im Bezirk Gorazde »31 Muselmanen, darunter Frauen und Kinder erschossen«. Die Ermordung dieser Menschen war er-
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
folgt, nachdem Angehörige der Einheit die verstümmelte Leiche eines deutschen Soldaten im Ort gefunden hatten. Dieser Vorfall rief ein Ein- satzkommando der Polizei auf den Plan, da die Einheit der 118. Div. die »Sühnemaßnahme« durchgeführt hatte, ohne die Zusammenhänge zu prü- fen oder die Identität der Geiseln festzustellen. So hatte sie auch vier Frei- willige der Waffen-SS und die Frau eines SS-Mannes erschossen.
Weiter heißt es, dass am 12. Juli 1943 in Kosutica in der Nähe von Soko- lac sich ein Vorfall ereignet hat<, der die Erregung »der muselmanischen Bevölkerung noch steigerte«. Dort war die in der »Kirche« versammelte muslimische Bevölkerung – etwa vierzig Männer, Frauen und Kinder – von einer Einheit der »Prinz Eugen« erschossen worden. Die Erschießung wur- de gegenüber einem Einsatzkommando der Polizei damit gerechtfertigt, dass die »Kampfgruppe SS-Sturmbannführer Vollmer« vorher vom Dorf aus beschossen worden war. Außerdem sei das Dorf danach von etwa 150 Banditen verteidigt worden. Nach der Einnahme des Dorfes ließ dann ein SS-Führer die »Sühnemaßnahme« durchführen. Das Einsatzkommando der Polizei konnte aber im ganzen Ort keine Kampfspuren entdecken und berichtete deswegen, dass nur schwerlich ein solcher vor der Erschießung stattgefunden haben konnte. Vielmehr sei die Erschießung auf einen gene- rellen Befehl von Oberkamps zurückzuführen, wonach die Bevölkerung ei- nes Ortes, aus dem feindselige Handlungen gegen deutsche Einheiten be- gangen wurden, zur Vergeltung zu erschießen sei (vgl. ebd. Dok. 4). Im glei- chen Bericht wird auch auf SS-Sturmbannführer Wetzling der 7. SS-Division verwiesen, der einen muslimischen Goldschmied in Sarajevo, von dem er sich betrogen fühlte, öffentlich ohrfeigte und ihn dann durch die Feldgendarmerie der Division verhaften ließ (vgl. ebd. Dok. 5).
Wegen dieser Vorfälle, die sich nachteilig auf die Aufstellung der musli- mischen Division auszuwirken drohten, kam es zu einer heftigen Auseinan- dersetzung zwischen Kammerhofer und von Oberkamp, an der sich auch Himmler und Phleps beteiligten.139 In einer Aktennotiz über eine Bespre- chung zwischen dem Reichsführer-SS und Phleps am 28. Juli 1943 wurde zu den Vorgängen, auch zu der Erschießung von Frauen und Kindern durch Einheiten der »Prinz Eugen«, Stellung genommen. Der Tenor der damals übrigens von Kumm verfassten Aktennotiz war, dass wegen der Schwäche und Unfähigkeit der Polizei die Division die »Sühnemaßnahmen« letzt- endlich doch selbst durchführen müsste und die Erschießungen somit legitim gewesen seien. Darüber hinaus hieß es über eine Besprechung zwischen Vertretern der Division, der Polizei und den kroatischen Behörden:
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945 Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
»SS-Brigadeführer von Oberkamp versuchte den Kroaten gegenüber die Angelegenheit… als Panne hinzustellen, worauf SS-Oberführer Fromm Sühneaktionen« gegen einen Ort begonnen, da man den Verdacht hatte, dass die Partisanen von den Ortsbewohnern unterstützt worden seien (vgl.
[Fromm war wie Kammerhofer bei der Polizei; der Verf.] in Anwesenheit der Kroaten erwiderte: >Seitdem ihr hier seid, passiert leider eine Panne MA: RS 3-7/13 Dok. 44).
Die eben geschilderten Fälle zeigen, dass die von Phleps verfassten
nach der anderem« (ebd. Dok. 6).
»Grundsätze zur Führung des Kleinkrieges« nicht nur in die Divisionsbe- fehle eingeflossen waren und dass dann nicht nur die militärischen Vorga-
Zu einem gewissen Teil muss man sicherlich Fromms Bemerkung auf das unter den verschiedenen deutschen Stellen übliche Kompetenzgerangel ben umgesetzt wurden. Vielmehr waren auch die von Phleps geforderte Härte, die Unerbittlichkeit und Gnadenlosigkeit gegenüber der Zivilbevöl-
und die damit verbundene Konkurrenz zurückführen. Trotzdem passt sie aber zu verschiedenen Berichten, nach denen sich die »Prinz Eugen« noch kerung feste Bestandteile der Kampfweise der »Prinz Eugen«. Zwei Aspek- te sind dabei in dem von Phleps vorgelegten Bericht bemerkenswert: Er-
schlimmer als andere deutsche Einheiten an der Zivilbevölkerung vergan- gen haben soll.140 Offensichtlich war auch SS-Oberführer Fromm der Mei- stens, dass die Erschießung von Frauen und Kindern als »Sühnemaßnah- me« in den Augen der beteiligten SS-Führer und Männer im Allgemeinen,
nung, dass solche »Pannen« – wie die »unrechtmäßige« Erschießung von Zivilisten – bei der »Prinz Eugen« häufiger als bei anderen Einheiten vor- und denen der »Prinz Eugen« im Besonderen, völlig legitim und keiner weiteren Erwähnung wert war. Zweitens, dass nur wegen der Zugehörig-
kamen.
Wie dann aus einem Schreiben Himmlers vom 6. August 1943 hervor- keit der Erschossenen zu einer potentiell verbündeten ethnischen Gruppe sich überhaupt die Frage nach der Rechtmäßigkeit der »Sühnemaßnahme«
geht, stellte sich Himmler in dieser Sache ganz auf die Seite Kammerhofers. In Hinblick auf Kumm meinte Himmler recht wohlwollend, dass dieser sich gestellt hatte. Nur weil es bosnische Muslime gewesen waren, war es zu dieser Untersuchung gekommen. Eine Tatsache, die im Nachhinein die
übereifrig und zu kritiklos zum Anwalt von Oberkamps gemacht habe und noch lernen müsse, die Gesamtaufgabe der SS und der Polizei zu sehen. Unmenschlichkeit der Maßnahmen gegen Mitglieder von potenziell als feindlich eingeschätzten ethnischen Gruppen wie Serben, Juden und Zi-
Himmler bat Phleps, eine Untersuchung der Ereignisse einzuleiten und ihm Bericht zu erstatten und darüber hinaus den »wegen seiner schwierigen Art geunern noch einmal indirekt sichtbar werden lässt.
schon längst bekannten von Oberkamp ganz scharf in die Zügel zu nehmen« (ebd. BA: NS19/1434, Dok. 8) und dafür zu sorgen, dass die alte Disziplin
der »Prinz Eugen« wiederhergestellt würde. Am 7. September 1943 legte dann Phleps seinen Abschlussbericht Himmler vor. In Bezug auf die Er- 3.4
Die Einsätze vom September 1943 bis zur Kapitulation im Mai 1945141
schießung der Männer, Frauen und Kinder in Kosutica konnte Phleps keine Verfehlung feststellen. Der SS-Obersturmführer Juels von der l.Kp. Jg. 3.4.1
Rgt. 1. hatte, nachdem auf ihn geschossen worden war, nur nach den von Phleps selbst erlassenen Richtlinien gehandelt. Juels habe dabei im Gefecht Die Unternehmen »Achse«, »Herbstgewitter« und »Landsturm« – September bis November 1942
nicht feststellen können, dass die Erschossenen »Muselmanen« gewesen waren. Darüber hinaus konnte Phleps berichten, dass die größten Schwie-
rigkeiten zwischen von Oberkamp und Kammerhofer ausgeräumt seien und die zwei sich ausgesprochen hätten (vgl. MA: N756/149). Laut eines Divi- Während die »Prinz Eugen« nach der Operation »Schwarz« in der Nähe von Sarajewo zur Partisanenbekämpfung eingesetzt war, zeichneten sich in Italien Veränderungen ab, die langfristig auch den Einsatz der Divi-
sionsbefehls vom 21. Juli 1943 war es auch am 19. Juli 1943 zu einem Über- fall auf zwei Züge der »Prinz Eugen« durch Partisanen gekommen. Dabei sion mitbestimmen sollten. Am 10. Juli 1943 waren alliierte Verbände in Si- zilien gelandet (vgl. OKW 1943 Tb. II, 766), am 25. Juli 1943 Mussolini vom
wurden der Kompanieführer, ein Zugführer und 32 SS-Männer getötet. Auch in diesem Fall wurde eine »Untersuchung zwecks Einleitung von König abgesetzt und Marshall Badoglio zu seinem Nachfolger ernannt wor- den (vgl. ebd. 830). In den deutschen Plänen »Stichwort Achse« 14 3 für den
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
Fall des Ausscheidens Italiens aus dem Krieg war in Bezug auf den Balkan für die SS-Division »Prinz Eugen« frühzeitig geplant worden, sie in den bis dahin von italienischen Truppen gehaltenen Raum zu verlegen (vgl. ebd. 844). Schon am 3. August 1943 waren dann in Agram erste Gerüchte im Um- lauf, die sich später bewahrheiten sollten: Italienische Einheiten wollten sich nach einem Waffenstillstand auf dem Balkan mit den Partisanen Titos verbünden (vgl. ebd. 890). Trotzdem wurde die Zusammenarbeit zwischen den italienischen und deutschen Truppen bei der Partisanenbekämpfung zunächst einmal fortgesetzt (vgl. ebd. 894). Wie aus verschiedenen Eintra- gungen im Kriegstagebuch des OKW ersichtlich ist, verstärkte die Situation in Italien noch die bereits bestehenden Tendenzen im Krieg auf dem Balkan. Obwohl Mihajlovic angesichts der bevorstehenden Landung in Sizi- lien schon am 7. Juli 1943 und dann noch einmal am 16. Juli 1943 zu einer verstärkten Tätigkeit seiner Verbände aufgerufen hatte (vgl. ebd. 779 und 812), blieben größere Aktionen der Tschetniks und der D.M.-Verbände aus. Hingegen konnten die kommunistischen Partisanen Titos einerseits ihre Überfälle in Kroatien und Bosnien steigern,144 andererseits aber auch lang- sam zur Küste vorrücken, um dort direkt auf ein eventuelles Ausscheiden Italiens aus der Achse reagieren zu können (vgl. ebd. 959 und 974). Dass sich Tito langfristig gegen Mihajlovic durchgesetzt hatte, war darauf zu- rückzuführen, dass seine Einheiten als einzig wirklich multiethnische Ver- bände in diesem Krieg für Mitglieder aller ethnischen Gruppen des ehe- maligen Jugoslawien offen standen.145 Parallel zu den Partisanenverbänden bereiteten sich auch die deutschen Streitkräfte auf den Fall »Achse« vor. Für die »Prinz Eugen« bedeutete dies wieder die Verlegung aus dem Raum Sarajevo, wo sie von einem Jäg. Res. Regiment abgelöst wurde, in die Nähe von Mostar (vgl. ebd. 943). Gleichzeitig häuften sich die Desertationen bei den kroatischen Verbänden (vgl. ebd. 991 und 1018), wie Kasche am 30. August 1943 beim »Führer« über »Zersetzungserscheinungen in Kroatien« referierte ( vgl. ebd. 1035). Am 8. September 1943 wurde dann offiziell der bereits kurz vorher in Syrakus unterzeichnete Waffenstillstand zwischen Italien und den Alliierten verkündet (vgl. ebd. 1076 und 1079). Das Unter- nehmen »Achse«, also die Entwaffnung aller italienischen Verbände (vgl. ebd. 1026), wurde daraufhin von den deutschen Einheiten begonnen. Wäh- rend in den ersten Tagen noch Unklarheit darüber herrschte, wie mit den gefangenen italienischen Soldaten umzugehen war, erfolgte am 11. Sep- tember 1943 ein Führerbefehl und kurze Zeit darauf ein Befehl des OKW, die die weitere Vorgehensweise festlegten (vgl. Shelah 1995, 193). Dabei
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
waren Offiziere und Unteroffiziere der Einheiten, die sich der Entwaffnung widersetzte, ihre Waffen an Partisanen übergeben oder mit Partisanen pak- tiert hatten, zu erschießen (vgl. OKW 1943 Tb. II, 1094 und 1107; Shelah 1995,193). Auch beim Unternehmen »Achse« bestätigte sich die Bedeutung, die der »Prinz Eugen« innerhalb der deutschen Verbände zukam. Zwar stieß sie manchmal, so zum Beispiel in Mostar, auf keinen Widerstand bei der Entwaffnung (vgl. Kumm 1978, 95). Bei den großen Garnisonsstädten Ragusa (Dubrovnik) und besonders bei Split entwickelten sich hingegen schwere Kämpfe. Auch bei diesem Einsatz behielt die Division die bei der Operation »Schwarz« vorgenommene Einteilung in zwei Gefechtsgruppen und verschiedene Kampfgruppen bei. Die »Gefechtsgruppe Schmidhuber« eroberte nach kurzem, aber heftigem Widerstand der italienischen Einhei- ten, unterstützt von der deutschen Luftwaffe, am 12. September 1943 Du- brovnik und nahm alle italienischen Soldaten und Offiziere gefangen (vgl. Kumm 1978, 95; Shelah 1995, 194). Da zu diesem Zeitpunkt der »Führerbe- fehl« noch nicht bei der Einheit bekannt geworden war, wurden die italie- nischen Gefangenen nach Mostar in ein Kriegsgefangenenlager gebracht. Nur der Kommandant General Giuseppe Amico wurde erschossen (vgl. Shelah 1995, 194).146 Anders als um Dubrovnik sollten sich in Split lang- wierige Kämpfe entwickeln, sodass bis zur Einnahme der Stadt der Befehl des OKW der Division vorlag. Die »Gefechtsgruppe Petersen« war in Split auf heftigen Widerstand der nach der Waffenstillstandserklärung mit ita- lienischen schweren Waffen ausgerüsteten Partisaneneinheiten gestoßen (vgl. Kumm 107 ff). Die »Eliteeinheiten« Titos wurden bei der Verteidigung Splits von italienischen Freiwilligen unterstützt (vgl. Shelah 1995, 196). Nach über vierzehntägigem Kampf gelang es der Division »Prinz Eugen«, mit Hilfe der Luftwaffe und der Artillerie, Split am 26. September 1943 ein- zunehmen (vgl. OKW 1943 Tb. II, 1144; Kumm 1978, 113). Kurz zuvor hat- ten sich die Partisaneneinheiten und Teile der italienischen Truppen ins Hinterland zurückgezogen. 9000 italienische Soldaten wurden gefangen ge- nommen (vgl. Shelah 1995, 196).147 Ein Kriegsgericht unter der Leitung von Oberkamps verurteilte alle drei Generäle und die meisten der Offiziere zum Tod und ließ sie standrechtlich erschießen (vgl. ebd. 197). Petersen, der mit einem Bataillon seiner Gefechtsgruppe lange Zeit den Kampf allein geführt hatte, bekam für seinen Einsatz in Split am 13. November 1943 das Ritter- kreuz verliehen (vgl. Krätschmer 1982, 589). Im Anschluss an die Einnah- me von Split fanden entlang der Küste noch verschiedene kleinere Einsät- ze gegen verstreute Partisanengruppen statt. Am 21. Oktober 1943 begann
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
dann die Operation »Herbstgewitter«: die »Säuberung« der vor der Küste gelegenen großen Inseln Brac, Hrvar, Korcula und der Halbinsel Peljesac, auf denen starke Partisanenverbände stationiert waren (vgl. Kumm 1978, 114).148 Auch das Unternehmen »Landsturm« Anfang November 1943, das von der Kampfgruppe Petersen durchgeführt wurde, stand in direktem Zu- sammenhang mit dem Ausscheiden Italiens aus dem Krieg und sollte die Küste zwischen Split und Metkovic unter Kontrolle bringen (vgl. Kumm 1978, 134). Auch beim Einsatz während der Unternehmen »Achse«, »Herbstgewitter« und »Landsturm« hatte die Division ihre Kampfstärke be- wiesen. Dieser weitere militärische Erfolg der Volksdeutschen SS-Division »Prinz Eugen« bestätigte einen sich zu diesem Zeitpunkt immer deutlicher heraushebenden Aspekt, der für die Zukunft der deutschsprachigen ethni- schen Gruppen Jugoslawiens fatale Folgen haben würde: Während alle an- deren ethnischen Gruppen einerseits beim Kampf gegen die jugoslawische Volksbefreiungsarmee zunehmend versagten oder diesen aufgaben, waren sie andererseits gleichzeitig auch innerhalb der Partisanenbewegung ver- treten. Also gerade durch ihre multiethnische Zusammensetzung ermög- lichte es Titos Bewegung allen ethnischen Gruppen, an der Befreiung Jugoslawiens teilzuhaben, und verhinderte so ihre spätere ethnische Ver- folgung. Nur die Volksdeutschen aus der Baranja, aus Slawonien, Syrmien und Bosnien, aus der Batschka und dem Banat verweigerten fast vollzählig ihre Teilnahme am Befreiungskampf. Gleichzeitig stellten sie aber einen großen Teil der bewaffneten Einheiten der deutschen Besatzungsbehörden und darüber hinaus – mit der 7. SS-Division »Prinz Eugen« – ein entschei- dendes Instrument zur Aufrechterhaltung der deutschen Herrschaft. Ein Instrument, das sich sowohl durch seine unmenschliche Härte gegenüber der Zivilbevölkerung auszeichnete als auch den Partisanen militärisch überlegen war.
Während die geschilderten großen Veränderungen auf dem Kriegs- schauplatz stattfanden, hatte sich auch innerhalb der Division einiges ver- ändert. Wie für alle anderen SS-Divisionen waren auch für die »Prinz Eu- gen« neue Bezeichnungen eingeführt worden. Die verschiedenen Abtei- lungen der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division »Prinz Eugen« erhielten alle die Nummer 7. Die Regimenter 1 und 2 wurden zu 13 und 14 umbenannt (vgl. Kumm 1978, 115).
Ebenfalls im Oktober 1943 fand innerhalb der Division eine Umstruktu- rierung statt, die in einem späteren Zusammenhang noch einmal von Be- deutung sein würde. In allen Divisionen des »Panzerarmee-Oberkomman-
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dos 2« (Pz.A.O.K.2) wurde die Aufstellung von »Strafvollstreckungszü- gen« angeordnet. Aus einem Divisions-Sonderbefehl der »Prinz Eugen« vom 12. Oktober 1943 geht hervor, dass alle Disziplinarstrafen ab einer Dau- er von zehn Tagen nicht mehr bei der eigenen Einheit, sondern in einem »Strafvollstreckungszug« des SS-Geb. Pionier Btl. 7 abzuleisten waren (vgl. MA: RS 4/1132 Dok. 3480).148a In dem Befehl hieß es: »Die Kommandierung zum Strafvollstreckungszug wird als echte Strafe empfunden werden« (ebd.), und in der Anlage wurde dazu noch ausgeführt:
»Der Dienst im St.V.Z. soll härter sein und unter schlechteren Lebensbe- dingungen durchgeführt werden als der Frontdienst. In erster Linie kommen als Aufgaben in Betracht: Stellungsbau bei Nacht, Schneebesei- tigung, Strassenbau, Beseitigung von Sperren, Minenräumung, Muni- tionstransporte usw.« (ebd. Dok. 3483).

Die Einrichtung der St.V.Z. war dabei, wie ausdrücklich erwähnt wurde, eine Reaktion auf »die allgemeine Lockerung der Disziplin«. In diesem Zu- sammenhang ist auch die im gleichen »Sonderbefehl« angekündigte öf- fentliche Hinrichtung eines Divisionsangehörigen als eine Disziplinie- rungsmaßnahme zu verstehen.149 Dabei wurden die Disziplinschwierigkei- ten auch auf die durch die Schwere und Dauer des Kampfes erhöhte Bela- stung der Männer zurückgeführt (vgl. ebd.). Vor allem das 13. Rgt. war nach dem Unternehmen »Landsturm«, laut dem Urteil des Divisions-Komman- deurs von Oberkamp, am »Rand der körperlichen Leistungsfähigkeit … [und] auch zu begrenzten Angriffsaufgaben nur mehr bedingt geeignet« (vgl. MA: RS 3-7/17).
Auch hatten sich die schon seit ihrer Aufstellung bekannten Spannung- en zwischen Teilen der reichsdeutschen und der Volksdeutschen Mitglie- der fortgesetzt. Wobei die Schwierigkeiten bis zu Berger und Himmler drangen. Berger hatte schon am 16. Juni 1943 einen Brief an den persön- lichen Stab des Reichsführer-SS Dr. Brandt geschrieben, in dem er grund- sätzlich zu den Problemen Stellung nahm:
»Wir müssen die Volksdeutschen eben im Anfang anders behandeln als die Reichsdeutschen. Genau so wie wir um der Gerechtigkeit willen den Germanen150 manches nachsehen, müssen wir diese Milde auch bei un- seren Volksdeutschen haben, zum mindesten so lange, bis die Rekruten- zeit beendet ist« (Originaldokument abgedruckt in Janko 1982, 226).151

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Am 27. Oktober 1943 kommt dann Himmler in einem Brief an Phleps auf ei- nen konkreten Fall zu sprechen. Es ging dabei um 173 Volksdeutsche aus Kroatien, die im August 1943 den Gehorsam verweigert hatten und darauf- hin in das Konzentrationslager Dachau gebracht worden waren. Himmler räumte Fehler der Volksdeutschen ein, gab aber den Führern und Unter- führern des »Gebirgs-Jäger-Regiments 2« wegen der von ihnen ausgespro- chenen Beleidigungen – sie hatten die Volksdeutschen als »serbischen bzw. kroatischen Dreck« bezeichnet – die Hauptschuld an dem Vorgang. Himm- ler ersuchte Phleps,
»in jedem solchen Fall Unterführer oder Männer, die die Mutter des Kameraden verfluchen, auf der Stelle niederzuschießen oder nieder- schießen zu lassen … Ist der Fall besonders schlimm, ist er zu erhängen« (BA: NS19/319, Dok 148).
Himmler fährt fort:
»Die 173 Volksdeutschen aus Kroatien habe ich einem Lager zugeführt, in welchem sie erzogen werden und insbesondere Deutsch-Unterricht haben. Ich bin der Uberzeugung, dass es uns auf diese Weise gelingt, sie zu guten Freiwilligen der Waffen-SS zu machen. Gegen die schuldigen Führer und Unterführer habe ich die Durchfüh- rung eines schärfsten Kriegsgerichtsverfahrens befohlen« (ebd. Dok. 149).
Dass sich sowohl Berger als auch Himmler – im Gegensatz zu anderen ho- hen SS-Führern wie beispielsweise Eicke oder auch Phleps152 – in diesen Streitfragen eher auf die Seite der Volksdeutschen stellten, leitet sich aus ihren Plänen zum Ausbau der Waffen-SS ab. So hatte Himmler bereits am 11. Juni 1943 verfügt, dass in allen Führeranwärter- und Reserveführeran- wärter-Lehrgängen der SS-Junkerschulen Redner der VOMI über Volks- deutsche Fragen unterrichten sollten. Er erklärte diesen Einsatz für not- wendig, da »im Rahmen der Waffen-SS in kürzester Zeit rund 150 000 Volksdeutsche dienen« (BA: NS19/370). Das »Wohlwollen« gegenüber den in der Waffen-SS dienenden Volksdeutschen steht dabei nicht in Wider- spruch zu der Härte, mit der sowohl Berger als auch Himmler insgesamt die Rekrutierung betrieben. So schrieb Berger in dem weiter oben zitierten Brief an Brandt – in Bezug auf die Einführung einer Wehrpflicht für Volks- deutsche – die berüchtigten Sätze:
»dass sich ja kein Mensch darum kümmert, was wir unten mit unseren Volksdeutschen tun … Es ist vor allen Dingen nicht notwendig, denn wenn eine Volksgruppe halbwegs passabel geführt wird, dann melden
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sich schon alle freiwillig, und diejenigen, die sich nicht freiwillig mel- den, bekommen eben die Häuser zusammengeschlagen! (Es soll solche Fälle im rumänischen Banat in den letzten Tagen gegeben haben.)« (Ori- ginaldokument abgedruckt in Janko 1982, 226).
Beides gehört zusammen: Einerseits der Zynismus und die Rigorosität, mit der die SS-Führung die Ausschöpfung des »Volksdeutschen Menschenma- terials« betrieb, und andererseits der Schutz der dann in der Waffen-SS dienenden Volksdeutschen. Das eine diente der größtmöglichen quantitati- ven Ausdehnung der Waffen-SS, das andere war notwendig, um die Kampfbereitschaft der Volksdeutschen zu erhalten. Erst die Vereinnah- mung der verschiedenen deutschsprachigen ethnischen Gruppen im Zei- chen des Nationalsozialismus – als Teile eines gemeinsamen deutschen Volkes – ermöglichte den Ausbau der Waffen-SS. Für die Volksdeutschen war die Bereitschaft, in der Waffen-SS zu kämpfen, eng mit der Vorstellung verbunden, ihre ethnische Identität gegenüber den anderssprachigen Eth- nien verteidigen zu müssen. Diese Bereitschaft konnte aber nur erhalten bleiben,153 wenn innerhalb der Waffen-SS der Schutz der einzelnen Volks- deutschen vor Demütigung wegen ihrer ethnischen Merkmale gewähr- leistet war.
Das Bild der »Prinz Eugen« als einer Volksdeutschen SS-Division, die in erster Linie nur ihre Heimat schützte, wurde auch während des Krieges von der Volksgruppenführung immer wieder beschworen. Sie sorgte dafür, dass auch äußerlich die Verbindung zwischen dem überwiegenden Teil der wehrpflichtigen Banater Schwaben, die ihren Dienst in der »Prinz Eugen« leisteten und so militärisch entscheidend zur Aufrechterhaltung der »deut- schen« Ordnung im ehemaligen Jugoslawien beitrugen, und den im Banat stehenden Einheiten des Selbstschutzes aufrechterhalten wurde. So erhiel- ten die im Banat eingesetzten Sturmbanne der DM oder auch des Arbeits- dienstes im Laufe des Krieges die Namen von bekannten Gefallenen der Ba- nater Schwaben wie Gustav Halwax, Karl Lenhardt, Ludwig Halbweiß und Christof Mayer-Helmer.154 Die Namensvergabe erfolgte durch den Volks- gruppenführer Sepp Janko und wurde dann in den verschiedenen Amts- blättern,155 im Fall der oben genannten im Amtsblatt Nr. 23′ vom 15. No- vember 1943, veröffentlicht (vgl. PA/AA: Inl. IIc R100383). In der Namens- vergabe drückt sich der Versuch aus, auch ideologisch die Verbindung zwi- schen den verschiedenen Mitgliedern der Volksgruppe in der DM und der »Prinz Eugen« beziehungsweise der Waffen-SS aufrechtzuerhalten, also ei- ne Gemeinschaft herzustellen, in der nicht nur die ethnischen, sondern
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auch die familiären sowie persönlichen Fäden zu einem großen nationalen deutschen Ganzen verwoben wurden. gefangenen Befehl Titos vom 4. November 1943 hervorgeht, hatte dieser schon vor der Tagung beschlossen, mit einem Großteil seiner Verbände den
Versuch zu unternehmen, nach Serbien einzumarschieren, um dort noch während des Krieges die Machtfrage über die zukünftige Regierung Jugos-
3.4.2 lawiens zu stellen (vgl. OKW 1943 Tb. II, 1260). Die Versuche der Verbände Titos, von Bosnien nach Serbien überzuwechseln, waren die Ursache für
Verschiedene Operationen in Bosnien zwischen November 1943 und Juli 1944
eine Reihe von militärischen Unternehmen, an denen die Division »Prinz Eugen« teilnehmen sollte. Das dabei eingesetzte V. SS-Gebirgskorps – be-
Obwohl die Durchführung des Unternehmens »Achse« reibungslo- ser als erwartet verlief, meldete das OKW am 13. September 1943, dass sich aus der veränderten Situation ein schwerwiegendes Problem für die deut- stehend aus der 7. SS-Div. »Prinz Eugen«, der 369. kroat. Div., der 181 ID., der 118. Jg. Div. und einigen Gebirgs-Regimentern – wurde dabei wiederum
von der 1. Geb. Div. unterstützt. Die Operation »Kugelblitz« begann am 2. Dezember 1943. Sie zielte darauf ab, zuerst den Einmarsch der Partisa-
schen Truppen auf dem Balkan ergeben habe. Durch das Vorschieben der deutschen Verbände an die Küste war das Hinterland weitgehend entblößt
nenarmee in Serbien – das OKW sprach von sechs Divisionen156 – zu ver- hindern, sie danach einzukesseln und zu vernichten (vgl. OKW 1943 Tb. II,
worden (vgl. OKW 1943, Tb. II, 1101), sodass sich dort die Partisanenbe- wegung – mit italienischem Kriegsmaterial noch besser ausgerüstet als zu-
1260 und 1311). Die Operation, ebenso wie auch die direkt angeschlosse- nen Operationen »Schneesturm« und »Waldrausch« Ende Dezember 1943
vor – von neuem formieren konnte (vgl. Churchill 1996, 879). Nach dem Waffenstillstand Italiens hatte sich die Überlegenheit der kommunisti-
und Anfang Januar 1944, erreichte letztendlich nicht das gesetzte Ziel (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 644). Zwar konnte der Durchbruch der Partisanen-
schen Partisanen gegenüber den Tschetniks und den Mihajlovic-Verbänden weiter vergrößert (vgl. OKW 1943 Tb. II, 1184 und 1253f). Da es nun end-
armee verhindert werden. Wie aber schon bei den Operationen »Weiß« und »Schwarz« gelang es den Partisanen, sich in kleinen Gruppen abzusetzen.
gültig Titos Einheiten waren, die das entscheidende militärische Gegenge- wicht zu den deutschen Verbänden im ehemaligen Jugoslawien darstellten,
Auch im Winter 1943/44 blieb es somit bei dem bekannten Bild: Die Ver- luste der Partisanen und unter der Zivilbevölkerung waren hoch, das OKW
erhielt vermehrt Tito und nicht mehr Mihajlovic die Unterstützung der westlichen Alliierten (vgl. Churchill 1996, 880ff). Gleichzeitig waren die
sprach von etwa 30 000 Toten zwischen Dezember 1943 und Januar 1944 (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 645), ohne dass es aber den deutschen Verbänden
Auflösungserscheinungen des kroatischen Staates und seine Unfähigkeit, Tito wirkungsvoll zu bekämpfen, so offensichtlich geworden, dass der
gelungen wäre, einen entscheidenden Sieg zu erringen.
Während an der »militärischen Front« die Volksdeutschen Männer in
Oberbefehlshaber Südost den Vorschlag machte, in Kroatien den militäri- schen Ausnahmezustand auszurufen. Seine genaue Wortwahl dabei ist be-
der »Prinz Eugen« zusammen mit anderen Einheiten weiter versuchten, die militärischen Verbände der Partisanenarmee zu zerschlagen, wurde in den
merkenswert: »Hier hilft nur noch der Chirurg, nicht mehr der Homöo- path« (OKW 1943 Tb. II, 1234). Der Vorschlag wurde zu diesem Zeitpunkt
Städten und den Dörfern verstärkt nach Partisanensympathisanten ge- sucht. Am 30. November 1943 erging vom Panzeroberkommando 2 der Be-
wegen der zu erwartenden Schwierigkeiten mit der kroatischen Regierung noch abgelehnt, er sollte dann aber 1944 Wirklichkeit werden.
fehl, im gesamten Operationsgebiet unter strenger Geheimhaltung Razzien durchzuführen (vgl. MA: RS 3-7/14 Dok. 60ff). Die nächste Razzia sollte am
Seit Ende des Jahres 1941 hatte der Schwerpunkt der militärischen Ak- tivitäten der kommunistischen Partisanenverbände in Kroatien und dort vor allen Dingen in Bosnien gelegen. Ende November 1943 fand im bosni- 21. Dezember 1943 von 14 bis 20 Uhr zum Zweck der »Aufbringung ver- dächtiger Personen« stattfinden. Für die Leibesvisitation der an Straßen-
schen Jajce – nach Bihac 1942 – die zweite Tagung des »Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Jugoslawiens« (AVNOJ) statt, auf dem eine provi- sperren und bei Durchsuchungen festgenommenen weiblichen Personen sollte nur
sorische Regierung unter dem Vorsitz Titos gebildet wurde (vgl. Janko 1982, 232 und Churchill 1996, 880). Wie aus einem von den deutschen Stellen ab- »auf geeignete und vertrauenswürdige Frauen zurückgegriffen werden. In Betracht kommen hierfür vor allem Volksdeutsche Frauen, deutsche
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Rote-Kreuz-Schwestern, Dolmetscherinnen [usw.] bei den deutschen Einheiten« (MA: RS 3-7/14 Dok. 60ff; Hervh. v. Verf.).
Laut Befehl sollten die Razzien regelmäßig unter den Stichworten »Falken- jagd – Datum – Uhrzeit« (ebd.) wiederholt werden. Auch in diesem Befehl zeigt sich, dass die deutsche Besatzungsmacht davon ausging, sich auf die Volksdeutschen – hier Volksdeutschen Frauen – grundsätzlich verlassen zu können. Während die anderen Frauen erst aufgrund ihrer Tätigkeit bei den deutschen Einheiten für Maßnahmen gegen Angehörige der anderen ethni- schen Gruppen geeignet erschienen, genügte bei den Volksdeutschen Frau- en schon ihre Herkunft als ausreichende Qualifikation für diesen Einsatz.
Im Januar und Februar 1944 erregte dann das Auftauchen des SS-Ober- gruppenführers und Generals der Polizei, Krüger, in Kroatien Aufsehen. Der Gesandte Kasche ließ über das AA nach dem Grund für Krügers Reise nachfragen. In einer Aktennotiz vom 5. Februar 1944, die von dem SS- Standartenführer Wagner aus dem AA unterzeichnet worden war, wurde versichert, dass Krügers Auftrag rein »militärisch-technischer Natur« sei und er sich zur Inspektion der Waffen-SS-Einheiten in Kroatien befände (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 85/1954 Dok. B/C7). Trotz dieser Versicherung war Ka- sche weiterhin der Meinung, wie er am 16. Februar 1944 an das AA schrieb, dass Krügers Anwesenheit darauf deutete, dass von Wehrmacht und Poli- zei »politische Sonderentwicklungen« in Kroatien betrieben würden (vgl. ebd. 310/2576). Bei einem Blick auf Krügers bisherige Tätigkeit werden Ka- sches Sorgen verständlich. Krüger war als »Höherer SS- und Polizeiführer« (HSSPF) des Generalgouvernements als eine Schlüsselfigur sowohl an den verschiedenen Schritten auf dem Weg zur Ermordung der europäischen Ju- den als auch an deren Durchführung beteiligt gewesen (vgl. Hilberg 1990, Aly 1995 und Dokumentenedition 1989). Nachdem er im Sommer 1943 wegen Schwierigkeiten mit dem Generalgouverneur Hans Frank von sei- nem Posten als HSSPF zurücktreten musste, hatte er sich zum Dienst an der Front gemeldet. Am 5. März 1944 schrieb Krüger an Heinrich Himmler (vgl. BA: NS19/2653 Dok. 100). Aus diesem Schreiben geht hervor, dass Krüger, nachdem er im Herbst 1943 verschiedene Ausbildungslehrgänge an den Schulen der Waffen-SS besucht hatte, zu einer sechswöchigen Einwei- sung beim V. SS-Armeekorps und der 7. SS-Division »Prinz Eugen« gewe- sen war. Krüger, dem Himmler ein eigenständiges Divisionskommando versprochen hatte, berichtete in dem Schreiben über seine Zeit beim Korps und bei der Division. Die dabei von Krüger gemachten Ausführungen sind
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in Hinblick auf den Charakter der Kämpfe, die die »Prinz Eugen« führte, be- sonders aufschlussreich. Zunächst zählte Krüger seine gewonnenen Er- kenntnisse über die »strategischen und taktischen Grundsätze der Trup- penführung im Klein- und Bandenkrieg«, über die »Führungsmassnah- men« beim Unternehmen »Waldrausch«, über die »artilleristischen und pionier-technischen Maßnahmen im Küstenabschnitt« und über den Ein- satz des Regiments 14 bei einem Unternehmen gegen Banden auf (vgl. ebd. Dok 100-101). Dann vergleicht er seine dabei gemachten Erfahrungen mit Polen:
»Die größeren Schwierigkeiten in Kroatien sind durch die politische Lage, das Landschaftsbild, die schwierigen Nachschubfragen und durch die Haltung der kroatischen Armee bedingt, sonst aber sind sie die gleichen, wie ich sie bei meinen früheren Einsätzen zur Genüge kennen lernte … Rückschauend bin ich immer wieder stolz auf das letzte »Kol- pak-Unternehmen« in Galizien und seinen Erfolg, das im Vergleich zu den im größeren Ausmaß durchgeführten Unternehmen »Waldrausch« sich jederzeit und in jeder Hinsicht würdig an die Seite stellen kann … Ob das Huballa-Unternehmen im Frühjahr 1940, die Bilgorayer-Befrie- dungsaktion oder das Kolpak-Unternehmen,… in Kampf und Führung ähneln sie sämtliche den Einsätzen in Kroatien« (ebd. Dok 102).

Die von Krüger genannten Unternehmen waren im Zuge der Vertreibung der polnischen beziehungsweise jüdischen Zivilbevölkerung und ihres wachsenden Widerstandes dagegen durchgeführt worden und hatten nichts mit »regulären« Kämpfen zu tun. Krügers Feststellungen zeigen – selbst wenn man davon ausgeht, dass er versucht, seine Qualifikationen be- sonders hervorzuheben – wie weit die zurückliegende Operation »Wald- rausch« sich ebenfalls von einem Kampf mit »regulären Formationen« unterschied.157
Schon im November 1943 hatte es Anzeichen für ein Ausscheiden von Oberkamps aus der Division gegeben. So waren sowohl »Kugelblitz« als auch »Schneesturm« von SS-Standartenführer Schmidhuber wegen einer Erkrankung von Oberkamps geleitet worden (vgl. Kumm 1978,138). Anfang Januar 1944, nach der Operation »Waldrausch«, bei der die Division wieder durch von Oberkamp geführt worden war, übernahm noch einmal Schmidhuber für wenige Tage den Befehl über die Division. Ab 30. Januar 1944 wurde dann Otto Kumm – mit Beförderung zum SS-Oberführer – neu- er Divisionskommandeur (vgl. Kumm 1978, 163).

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Die 7. SS-Division »Prinz Eugen« war seit Beginn des Unternehmens »Achse« de facto ununterbrochen im Einsatz gewesen und brauchte drin- gend, wie es im Kriegstagebuch des OKW hieß, »eine längere Auffri- schung« (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 646). Der scheidende Divisionskomman- deur von Oberkamp beschrieb Anfang Januar 1944 die Situation mit den Worten:
»Infolge der übermenschlichen Marschleistungen im verschneiten Gebirge mit zerrissenem Schuhwerk ist der Abgang an Lazarettkranken … rapid gestiegen. Die Waffen, vor allem die Infanteriewaffen sind … in einem katastrophalen Zustand. Ebenso katastrophal ist die Pferdelage. Am 2.1. sind bereits Teile der Geb. Art. infolge Pferdeausfalls nicht mehr einsatzfähig. Die Stimmung der Truppe ist trotz auffallender Ermüdungs- erscheinungen zuversichtlich. Entsprechend dem duldsamen Charakter, der die Deutschen aus dem Südostraum kennzeichnet, tragen die Män- ner ihr Geschick mit bewundernswertem Gleichmut. Die Div. bedarf dringend einer mehrwöchigen Ruhepause ausserhalb des bandenver- seuchten Gebietes« (MA: RS 3-7/17).

Die von von Oberkamp genannte hohe Anzahl an Kranken wird durch die verschiedenen Zustandsberichte bestätigt. So gab es vom 21. November 1943 bis 20. Februar 1944 insgesamt etwa 5000 Krankmeldungen. Auffällig gering hingegen waren die Verluste der »Prinz Eugen« während der ver- gangenen drei Operationen. Im gleichen Zeitraum wie oben werden 110 Gefallene, 201 Verwundete und 133 Vermisste gezählt (vgl. MA: RS 3-7/17). Geht man bei den anderen auf deutscher Seite eingesetzten Divisionen von vergleichbaren Verlustzahlen aus und bedenkt, dass von ungefähr 30 000 toten Partisanen zwischen Dezember 1943 und Januar 1944 ausgegangen wurde (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 645), dann lässt auch dies Rückschlüsse auf den Charakter der Kämpfe zu.158 In den Zustandsberichten bestätigte sich auch der »katastrophale Zustand« der Waffen – vor allem bei den ge- panzerten Fahrzeugen. So waren am 20. Februar 1944 von insgesamt 39 Panzern und selbstfahrenden Panzerabwehrkanonen nur noch zwei ein- satzbereit (vgl. MA: RS 3-7/17).
Wie Schmidhuber in seinem Zustandsbericht über den Januar 1944 schrieb, wurde in der Zeit der »Erholung und Überholung« versucht, den Ausbildungsstand des Ersatzes – zu diesem Zeitpunkt fast 50 % der Mann- schaften – zu verbessern und den »Geist der Truppe« durch »intensive weltanschauliche Schulung« weiter zu festigen. Durch eine Neugliederung der Regimenter wollte man den chronischen Führer- und Unterführerman-
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gel abschwächen (vgl. MA: RS 3-7/17). In einem »Divisionsbefehl über die Überholung und Auffrischung der Truppe« vom 22. Januar 1944 wurden detailliert die Richtlinien für diese Zeit herausgegeben. Neben den üb- lichen Anweisungen über Schießausbildung, Gesundheitspflege, Pflege der Ausrüstung oder Waffen fallen besonders die folgenden Punkte auf: Offen- sichtlich beeindruckt von der Fähigkeit der Bevölkerung Kroatiens und Serbiens, auch nach drei Jahren Krieg und schärfster Unterdrückungsmaß- nahmen des Ustascha-Staates und der deutschen Besatzungsbehörden den Kampf immer wieder von neuem zu führen, wurde auf die »weltanschau- liche Stärke« der Partisanen verwiesen. Die Notwendigkeit einer eigenen weltanschaulichen Schulung wurde noch einmal ausführlich begründet:
»Bei unseren Gegnern, den roten Banditen, ist sie in verkehrtem Sinne geradezu vorbildlich … Die jüdische Lüge vom Sowjetparadies … wird dort solange verkündet!,] … bis sie sich in das Hirn auch des letzten Mannes festgefressen hat« (MA: RS 3-7/20).
Zweck der eigenen Schulung sollte deswegen sein:
»Erziehung zum selbstlosen Kameraden, zum gläubigen Nationalsozia- listen, zum tapferen und standfesten Soldaten. Zum Mut bis zur Hingabe des Lebens« (ebd.).
Gleichzeitig zeigte sich an einem anderen Punkt, dass der Krieg im ehema- ligen Jugoslawien noch immer ein klassischer Partisanenkrieg war und nur selten einem Kampf gegen »reguläre Formationen« gleichkam. Dort heißt
»Ausmerzung des Herdentriebes. Erziehung und Gewöhnung zum Einzelgänger und Einzelkämpfer. Wer zum Haufen geht, gefährdet sein Leben. Nur der Einzelne findet ausreichend Deckung. Ich will während der Überholungszeit keine geschlossene Abt. marschieren sehen, son- dern nur in geöffneter Ordnung« (ebd.; Hervh. i. Orig.).
Die »Ruhe- und Auffrischungspause« musste, wie es dann im »Werturteil des Kommandeurs« Kumm vom 20. Februar 1944 heißt, »von Teilen der Division erneut durch Kampf- und Säuberungsmaßnahmen in der Ostherze- gowina unterbrochen werden« (MA: RS 3-7/17).159
Nach der Pause wurde die Division im »Großraum Sarajewo« eingesetzt. Wie Kumm später in seiner Divisionsgeschichte schreibt, sollten dabei die verschiedenen Bataillone von ihren Standorten aus zuerst zu kleineren,
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Bild 8 »Bandenkampf in Bosnien. Durch Schlamm und Dreck stossen die deutschen Truppen in die bandenverseuchten Gebiete vor« (Untertitel zum Foto Januar 1944, Bayerische Staatsbibliothek).
später zu größeren Unternehmungen mit Unterstützung der schweren Waf- fen eingesetzt werden. Hierbei ging es nicht um »Einkesselung«, sondern um die »freie Jagd« des Feindes. Jedem Bataillon wurde noch einmal deut- lich gemacht, dass jeder Befehl unbedingt auszuführen war, gleichzeitig aber auch keine Gruppe in schwieriger Lage zurückgelassen werden würde (vgl. Kumm 1978,164). Wie aus mehreren Meldungen von Abteilungen des 14. Regiments zwischen dem 12. Januar 1944 und dem 28. März 1944 her- vorgeht, muss bei diesen Unternehmungen die Zusammenarbeit mit Tschetnik-Verbänden erheblich gesteigert worden sein.160 Dies entsprach durchaus den Ergebnissen eines Gesprächs zwischen kroatischen Mini- stem und dem »Führer« vom 1. März 1944, wonach zwar der selbstständi- ge Einsatz von Tschetnik-Verbänden endgültig eingestellt werden sollte, die Unterstellung einzelner loyaler Tschetnik-Gruppen unter deutsche Ein- heiten aber befürwortet wurde (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 742).
Auch in den nächsten Monaten sollte sich das schon bekannte Muster
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des Wechsels von großen Operationen mit kleineren Einsätzen fortsetzen. Wie gezeigt wurde, waren es gerade die zwischen den großen Operationen stattfindenden »Säuberungsaktionen« und »Sühnemaßnahmen«, bei denen von einem Gegner nicht mehr gesprochen werden konnte: Der Einsatz der Division richtete sich direkt gegen die Zivilbevölkerung. In dieser Phase der »freien Jagd« hieß es in einem Befehl des 14. Rgts. vom 11. März 1944 unter anderem:
»12. Sämtliche Wehrfähigen sind festzunehmen, die Dörfer TULJE , MRKONJICI, DRIJENJANI. DRACEVO? DUBLJANI sind niederzu- brennen, ebenso allejene aus denen Widerstand geleistet wird« (MA: RS 4/1131 Dok. 4062; hervh. i. Orig.).
Während die meisten Einsätze, die solchen Befehlen folgten, nicht doku- mentiert wurden und nur in der Erinnerung der Opfer aufbewahrt sind, fand über die Zerstörung des Ortes Otok in der Nähe von Sinj bei Split ei- ne breite Auseinandersetzung statt. Beim Nürnberger Prozess wurde dem Zeugen Hausser am 6. August 1946 ein Bericht der »Jugoslawischen Staats- kommission zur Feststellung von Kriegsverbrechen« vorgelesen. Danach waren die Verbrechen in Otok am 28. März 1944 von einem SS-Bataillon der »Prinz Eugen« und einem Bataillon der »Teufelsdivision«161 – beide un- ter Befehl des SS-Obersturmbannführers Dietsche162 – im Rahmen von »Säuberungsaktionen« verübt worden. Dort hieß es:
»Diese Massenschlächterei wurde in allen Dörfern in derselben schreck- lichen Art durchgeführt. Die deutschen Soldaten trieben Frauen, Kinder und Männer auf einen Platz zusammen und eröffneten dann Maschinen- gewehrfeuer auf die Menge … Nicht einmal die Säuglinge an der Mutter- brust wurden verschont« (Nürnberg XX, 409).
In Nürnberg wurde noch hinzugefügt, dass die betroffenen Dörfer keinen Anlass zu den Repressalien gegeben hätten (ebd. 410), eine Einschätzung, die bereits im April 1944 auch vom Gesandten Kasche getroffen worden war (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 404/2824 Dok. H298877). Der Überfall auf Otok und die anderen Dörfer der Region hatte bereits 1944 zur Überreichung ei- ner heftigen Protestnote der kroatischen Regierung an das Auswärtige Amt geführt (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 404/2824 Dok. H298881). Auch in Otok waren unter den Opfern wieder Angehörige von an deutscher Seite kämpfenden Einheiten gewesen, so beispielsweise der Ustascha. Von kroatischer Seite wurde der Vorwurf erhoben, dass das Massaker auf die Beratung der SS
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945

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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Bild 9 »Betende, heulende und bettelnde Partisanen. … und als die ganzen
frommen Gebete keinen Eindruck auf die deutschen Soldaten machten, fängt dieser Partisanenheld jämmerlich zu heulen an. Betende, heulende und bettelnde Partisanen – Titos Visitenkarte!«
(Untertitel zum Foto März 1944, Bayerische Staatsbibliothek).

durch Tschetniks und auf die serbischen Mitglieder der »Prinz Eugen« zu- rückzuführen sei. In einem Schreiben Kasches vom 9. April 1944 hieß es zur Begründung:
»Dies deshalb, weil sie bisher nie bei reindeutschen Truppen Erschie- ßung von Frauen und Kindern festgestellt hätten, sondern nur zweimal bei ähnlichen früheren Vorkommnissen der Division >Prinz Eugen<« (ebd.).
Im weiteren Verlauf spitzte sich die Situation zwischen den kroatischen und deutschen Behörden in Split so zu, dass es dort fast zu einer bewaff- neten Auseinandersetzung kam (vgl. PA/AA: Inl. Hg 404/2824 Dok. H298872). Während sich am 23. April 1944 das AA offiziell aufs Schärfste verbat, dass die kroatische Regierung überhaupt Forderungen oder Protest- noten an die deutsche Seite übergab (PA/AA: Inl. Hg 404/2824 Dok. H298886—887), war innerhalb der deutschen Wehrmacht und SS die Prü- fung der »Vorfälle« in Otok veranlasst worden. In einem Schreiben vom 16. April 1944 an den Reichsaußenminister berichtet Kasche über das vorläufi- ge Ergebnis der von SS-Obergruppenführer Phleps durchgeführten Unter- suchung, in der der Vorfall nicht bestritten wurde:
»Die beteiligte Truppe träfe keine Schuld, da die nachträglichen Er- schliessungen durch folgende Tatsache begründet sei: Fund von Munition, Propagandamittel, Verweigerung der Aussagen, feindliches Verhal- ten durch Verweigerung von Unterkunft, Stroh« (PA/AA: Inl. Hg 404/2824 Dok. H298876).

In der von Kasche berichteten Untersuchung wurde von etwa 486 Opfern ausgegangen, während die kroatische Seite von 1000 Toten sprach.163 Dar- über hinaus wurde der kroatische Vorwurf, dass sich Serben in der »Prinz Eugen« befänden, mit dem Hinweis auf Volksdeutsche aus Altserbien, die in der Division dienten, zurückgewiesen (vgl. ebd.). Dass die von Phleps eingeleitete Untersuchung letztendlich nur dazu gedacht war, den Schein einer wie auch immer gearteten »Rechtmäßigkeit und Ordnung« der »Süh-
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Bild 10 »Raijna Luka Radig; das Partisanenweib. Die Soldaten wissen den rich- tigen Ton mit Raijna Luka Radic anzuschlagen. Und nun verrät sie um ihr eigenes erbärmliches Leben zu retten, alle ihre Genossen. »Dort in dieser Schlucht sind sie. Ich führe Euch hin«!!!! … Raijna Luka Radic hat ihre Genossen verraten« (Untertitel zum Foto März 1944, Bayerische Landesbibliothek).

nemaßnahmen« zu wahren, und die Wirklichkeit ganz anders aussah, wird aus einem Schreiben des »Pz. Armee. Oberkommandos« vom 24. Mai 1944 deutlich. Phleps hatte angefragt, wie in Zukunft mit »Sühnemaßnahmen« zu verfahren sei. Offensichtlich beeinflusst durch die rigorose Vorgehens- weise der deutschen Einheiten auch gegenüber katholischen Kroaten und muslimischen Bosniern, waren inzwischen den »deutschen Kommandobe- hörden« in Kroatien ein »Beauftragter der kroatischen Landesregierung« und den deutschen Divisionen »kroatische Verbindungsoffiziere« zugeteilt worden. Mit diesen sollten »Sühnemaßnahmen« abgesprochen und danach zur Genehmigung dem kroatischen Innenminister vorgelegt werden. Laut Anweisung des Reichsführers-SS vom 10. März 1944 war die SS auf Divi- sionsebene allerdings von der Zuteilung kroatischer Verbindungsoffiziere ausgenommen worden: Eine Zusammenarbeit mit dem Beauftragten der kroatischen Regierung fand also nur auf Korpsebene statt (vgl. PA/AA: Inl. Hg 310/2576 Dok. J8). Im genannten Schreiben lautete dann auch die Ant- wort auf die Anfrage Phleps‘:
»Da bisher die beantragten Sühnemaßnahmen gar nicht oder erst nach langer Zeit vollstreckt wurden, … wird es für zweckmäßig gehalten, wenn die Truppe unter Anlegung eines scharfen Maßstabes und Bewah- rung schärfster Disziplin unter der Verantwortung der Kommandeure zur Selbsthilfe schreitet und notwendige Maßnahmen >im Kampf erledigt« (MA: RS 3-7/14 Dok. 51; Hervh. v. Verf.).
Zusammengenommen bestätigten diese Anordnungen die bereits prakti- zierte Vorgehensweise der SS. Die ganze Bedeutung des Begriffs »Freie Jagd«, wie er von der Wehrmachts- und SS-Führung verwandt wurde, wird hier sichtbar. Frei von allen Beschränkungen konnte die Verbindung des »Kämpferischen mit dem Jagdmässigen«, konnte das »kriegerische Ausle- ben« und der »sportgemässe Eifer«, wie es schon von Phleps in seinen »Grundsätzen zur Führung des Kleinkriegs« gefordert worden war, statt- finden. (vgl. MA: RS 3-7/15, Dok. 199 und Dok. 227). Abstrakter und un- menschlicher als »freie Jagd«, als »Falkenjagd«164 lässt sich die Aufstands- bekämpfung der Volksdeutschen SS-Division »Prinz Eugen«, lassen sich
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
die Massaker von Kosutica, Otok und Vlahovici nicht benennen. Während der ehemalige Divisionskommandeur Otto Kumm die gegen die »Prinz Eugen« vorgebrachten Vorwürfe in den meisten Fällen schlichtweg leug- net, nimmt er im Nachhinein zu den Vorfällen in Otok Stellung. Seine Darstellung ist dabei sowohl sprachlich als auch inhaltlich zynisch und heuchlerisch.
»Nur ein Vorwurf bleibt der Division »Prinz Eugen« nicht erspart, ob-
gleich er ihr rechtlich gar nicht anzulasten ist… Nachdem in diesem
Raum eines Tages eine Nachschubkolonne in einem Dorf bis auf den letzten Mann niedergemacht wurde, erhielt diese Armeereserve den Befehl, dieses Dorf (Otok, SO Sinj) bis auf den Grund zu vernichten. Dabei wurden sämtliche Ortsbewohner getötet. Daran war auch das Bataillon der Division »Prinz Eugen« beteiligt. Gegen alle beteiligten Kommandeure wurde ein Kriegsgerichtsverfahren eingeleitet – alle wurden freigesprochen … Leider konnten trotz eifrigster Nachforschung im Militär-Archiv in Freiburg … keinerlei Hinweise auf den bedauer-
lichen Vorfall gefunden werden« (Kumm 1978, 383; Hervorhebungen
durch den Verfasser).
Der Einsatz der »Prinz Eugen« in Bosnien hatte zunehmend auch Auswir- kungen auf den muslimischen Teil der Bevölkerung. Wie der Untersturm- führer Masic, der bei der SS-Division »Handschar« diente, am 16. Juni 1944 an den Divisions-Imam schrieb, hatte sich innerhalb der muslimischen Zi- vilbevölkerung Bosniens aufgrund der Zusammenarbeit der »Prinz Eugen« mit lokalen Tschetnik-Verbänden tatsächlich eine tiefe Verunsicherung verbreitet. Masic nennt eine Reihe von Fällen, wo Angehörige der »Prinz Eugen« und Tschetniks zusammen Verbrechen an der muslimischen Zivil- bevölkerung begangen hatten. Er forderte deswegen dringend, dass – wäh- rend die muslimische Division in Bosnien stationiert bleiben sollte – die »Prinz Eugen« das Gebiet Bosnien-Herzegowina verlassen müsse (vgl. MA:
RS 3-7/16 Dok. 282).165
Mit Otok liegt ein weiterer dokumentierter Fall vor, der belegt, dass von Seiten der »Prinz Eugen« »Sühnemaßnahmen« an Angehörigen verbünde- ter Ethnien vollzogen worden sind.166 Die tieferen Ursachen für das Vor- gehen der Division »Prinz Eugen« in Otok und den anderen Ortschaften werden dabei nur ersichtlich, wenn man sie im Gesamtkontext eines eth- nischen Konflikts betrachtet. Interessant ist dabei ein von Kasche aufge- griffenes Gerücht, wonach die Erschießung in Zusammenhang mit der Um- siedlung der Dorfbewohner zu sehen sei. Laut Kasche war in der Tat die Umsiedlung der kroatischen Bevölkerung dieser Küstenregion nach Sla-
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
wonien – von wo die deutsche Bevölkerung wegen der »Bandenlage« zu- nehmend ausgesiedelt werden musste – geplant gewesen (vgl. PA/AA: Inl. Hg 404/2824 Dok. H298877). Wie einem späteren Telegramm Kasches vom 14. November 1944 zu entnehmen ist, wurde die »Einweisung« kroatischer Familien auf von Volksdeutschen verlassenen Bauernhöfen Slawoniens und Syrmiens dann auch tatsächlich umgesetzt (vgl. ebd. 405/2828). Somit haben die von den Volksdeutschen Angehörigen der »Prinz Eugen« began- genen Sühnemaßnahmen neben der »militärischen« auch eine eindeutig ethnische Bedeutung. Sie sind nicht nur Teil des nationalen Krieges einer Besatzungsmacht, sondern auch Teil eines ethnischen Konflikts miteinan- der konkurrierender ethnischer Gruppen. In diesem Zusammenhang sind auch die verschiedenen Lageberichte, die das »Referat Kroatien der Volks- deutschen Mittelstelle« über die Monate Dezember 1943 sowie Januar und Februar 1944 erstellte hat, aufschlussreich.
Neben allgemeinen Berichten über die Zunahme der »Bandentätigkeit« und die daraus resultierende Evakuierung der Volksdeutschen Bevölke- rung aus besonders gefährdeten Teilen Slawoniens wurde über spezifische Punkte wie beispielsweise den Kriegseinsatz der Volksgruppe, Fragen der Fürsorge, Gesetze und Verordnungen informiert. Neben dem Genannten stand vor allem das Verhältnis zwischen der Volksdeutschen Bevölkerung und der kommunistischen Partisanenbewegung im Mittelpunkt. Dabei ist auffällig, dass der Schwerpunkt dieses Teils der Berichte nicht auf der Er- mordung deutschsprachiger Zivilisten lag – für den vierteljährigen Zeit- raum wurden etwa 75 tote Selbstschutzmänner und Zivilisten gemeldet (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 404/2824 Dok. 393201 ff). Vielmehr ging es um die Zer- setzung von »Geist und Wehrkraft« der »Volksgruppenangehörigen« durch die »Bandenführung« (vgl. ebd. Dok. 393215). Wie aus dem Lagebericht De- zember 1943 hervorgeht, versuchte die »kommunistische Führung«, Teile der Volksdeutschen Bevölkerung, besonders der Jugend, zum Eintritt in die »antifaschistischen Organisationen« zu bewegen (vgl. ebd. Dok. 393216). Offensichtlich versuchte sie auch, Volksdeutsche Gefangene für sich zu ge- winnen. So sollen sich von 184 Arbeitsmännern, die am 25. Oktober 1943 aus Oberjosefsdorf verschleppt worden waren, 23 zu der bereits erwähnten deutschen »Bandeneinheit Ernst Thälmann«, die inzwischen zu einer Kompanie umorganisiert worden war, gemeldet haben. Über diese 23 wur- de bemerkt: »Auffallend ist, dass diese entweder aus völkisch schwachen Einsiedlungen oder aus grösseren Orten mit unklaren Volkstumsgrenzen stammen« (ebd. Dok. 393217). Laut einem Informanten soll die Kompanie
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in erster Linie aus zum Dienst gepressten Volksdeutschen und nur aus we- nigen Verrätern bestanden haben. Nach einem Gefecht zwischen einer Wehrmachtseinheit und der Volksdeutschen Partisanenkompanie sollten dann vier ehemalige Volksgruppenangehörige, die sich unter den gefange- nen Partisanen befunden hatten, von einer Ustascha-Miliz zusammen mit den anderen Gefangenen exekutiert werden. Dies konnte nur durch das so- fortige Einschreiten des Bannführers der »Deutschen Jugend« (DJ) und des deutschen Gendarmeriepostenführers verhindert werden (vgl. ebd. Dok. 393 220). Weiter hieß es in dem Lagebericht, dass kein neuer Fall von Über- tritten zu den Partisanen gemeldet werden musste. Nur die Schwester des bereits im Oktober 1943 hingerichteten »VolksVerräters« Oehlschläger war zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter am 1. Dezember 1943 öffent- lich gehängt worden. Sie hatte einem nichtdeutschen Schwiegersohn und »Bandenmitglied« Unterschlupf gewährt. Bei seiner Verhaftung war es zu einer Schießerei gekommen, in der er und ein deutscher Soldat getötet wor- den waren (vgl. ebd. Dok. 393217 f). Laut Lagebericht über den Januar 1944 hatte sich das Verhalten der »Banden« gegenüber der Volksdeutschen Be- völkerung erheblich »verschlechtert«. Maßgebend dafür sei:
»a) die Flucht der für das »Volksbefreiungsheer« gemusterten Volksgrup- penangehörigen; b) das Bestreben der Frauen und Jugendlichen, sich dem Beitritt zu den antifaschistischen Frauen- und Jugendorganisatio- nen zu entziehen; c) die Feststellung, dass trotz der getroffenen Vorkeh- rungen Nachrichten über Tätigkeit und Bewegung der Banden durch Volksgruppenangehörige an die deutsche Polizei und Wehrmachtsstellen gegeben werden« (ebd. Dok. 393211).

Weiter wurde berichtet, dass Familien, die Angehörige bei der Waffen-SS oder anderen Einheiten hätten, immer häufiger von ihrem Besitz vertrieben würden, falls sie nicht fahnenflüchtig würden und sich zu den Partisanen gesellten (vgl. ebd. Dok. 393211-212). Im Lagebericht über den Februar 1944 wurde noch einmal auf die 184 verschleppten Arbeitsmänner Bezug ge- nommen: 147 waren inzwischen freigelassen worden. Nur über den Ver- bleib von 19 Männern wusste man nichts Genaues außer: »Sie entstammen vorwiegend völkischen Mischehen oder sind in sprachlich und kulturell entdeutschten Siedlungen beheimatet« (ebd. Dok. 393203). Die »zusam- menfassende Lagebeurteilung« über Februar 1944 endete dann mit den Sät- zen:
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»Trotz den der Volksgruppe durch das Bandenwesen bereiteten Schwie- rigkeiten ist sie bestrebt, ihre Kriegspflichten voll zu erfüllen. Das eigen- ständige Leben der Volksgruppe entwickelt sich zufriedenstellend und die notwendige Grenzziehung gegenüber der fremdvölkischen Umwelt wird immer klarer« (ebd. Dok. 393209).
Fasst man die beiden Komplexe zusammen, so wird in ihnen die ganze Dynamik des ethnischen Krieges deutlich, wie er zugespitzt von den Volksdeutschen Organisationen, den Volksgruppenführungen und ihren bewaffneten Formationen, den Selbstschutzeinheiten und der »Deutschen Mannschaft«, sowie der Volksdeutschen SS-Division »Prinz Eugen« geführt wurde.
Bei den »Operationen« der Volksdeutschen SS-Division »Prinz Eugen« war jeder vom Tod bedroht, der andere ethnische oder nationale Merkma- le der Sprache und der Herkunft hatte. Setzte sich die fatale Dynamik der »Säuberungsaktionen« und »Sühnemaßnahmen« in Gang, schützte die in- dividuelle Entscheidung, an der deutschen Seite zu kämpfen, ja selbst die Mitgliedschaft in der Waffen-SS, nicht mehr. Zu schnell wurde die kollek- tive Einteilung in zu sicherndes Eigenes und zu vernichtendes Fremdes getroffen. Die einzig wirkliche Sicherheit vor der zum Teil fatalen Zu- schreibung, zu den Anderen, zu den Fremden, zu den Feinden zu gehören, war die möglichst eindeutige, durch Sprache und Herkunft erkennbare Zu- gehörigkeit zum »deutschen Volk«. Die Einteilung war einfach und klar. Das wirkliche, echte Eigene zeigte sich in seinem bedingungslosen Be- kenntnis zum Deutschsein. Die Mitgliedschaft von Volksdeutschen bei den Partisanen konnte noch durch ihre mangelnde Einbindung in die Volks- gruppe, in die Volksgemeinschaft erklärt werden: Bis auf einige »Volksver- räter«, die wie die Partisanen öffentlich gehängt wurden, erfuhren selbst Volksdeutsche bei den Partisanen, durch ihre Herkunft und Abstammung geschützt, die Protektion vor dem kroatischen Erschießungskommando.
Noch ein anderer für die Zukunft der deutschsprachigen ethnischen Gruppen im ehemaligen Jugoslawien entscheidender Aspekt zeichnete sich in den verschiedenen Lageberichten ab. Die überwiegende Mehrheit der Donauschwaben hatte in relativ abgeschlossenen ethnischen Kolonien gelebt. Auf der Basis der dort vorgenommenen Abgrenzung von den ande- ren ethnischen Gruppen hatte sich die nationalsozialistische Ideologie voll entfalten können. Hier verstand sich die Mehrheit der Donauschwaben als Teil des deutschen Volkes und machte in der Situation des ethnischen Krieges ihre Zukunft von einem für die deutsche Seite erfolgreichen Aus-
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gang abhängig. Folgt man der im Lagebericht vom Januar 1944 vorgenom- menen Einschätzung, dann stammten die wenigen deutschsprachigen Par- tisanen vorwiegend aus Gemeinden, in denen Akkulturation und inter- marriage stattgefunden hatten. Nur hier war es offensichtlich gelungen, das »stahlharte Gehäuse der Zugehörigkeit« (Nassehi 1997) aufzubrechen. Nur wenige sahen so im Widerstand gegen die Besatzungsbehörden des Deut- schen Reichs die Chance, sich ein Existenzrecht als Donauschwaben an der Seite der anderen Ethnien zu erkämpfen.
Im weiteren Verlauf des Jahres 1944 setzte sich erst einmal die schon be- kannte Struktur des Krieges fort (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 671). Es gelang den deutschen Truppen wieder, bei der Operation »Maibaum« im April/Mai 1944 das Überwechseln der Partisanenarmee von Bosnien nach Serbien zu verhindern (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 652). Während der Operation »Rösselsprung«167 in Zentralbosnien im Juni 1944 fand dann die Division, die bis auf Teile des Rgt. 14 vollständig an der Operation teilnahm (vgl. MA: RS 4/1135 Dok. 3937 ff), ihre erste Erwähnung im Wehrmachts- bericht:168
»In Kroatien haben Truppen des Heeres und der Waffen-SS[,] … unter- stützt durch starke Kampf- und Schlachtfliegerverbände, das Zentrum der Bandengruppen Titos überfallen und nach tagelangen schweren Kämpfen zerschlagen. In diesen Kämpfen haben sich die 7. SS-Gebirgs- division »Prinz Eugen« unter Führung des SS-Oberführers Kumm und das SS-Fallschirmjäger-Bataillon 500 unter der Führung des SS-Haupt- sturmführers Rybka hervorragend bewährt« (zitiert nach Krätschmer 1982, 975).
Aufgrund der »weiten räumlichen Ausdehnung« der Partisanenbewegung im Frühjahr 1944 und der Schwäche der deutschen Verbände war es nicht mehr möglich, eine weite Umfassungsoperation durchzuführen. »Rössel- sprung« war deswegen als gezielter Schlag gegen das »Operationszentrum« Titos geplant, dem dann die »freie Jagd« auf die versprengten Partisanen- einheiten folgen sollte (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 66lf).169 Fast wäre es bei der Besetzung des Hauptquartiers gelungen, Tito gefangen zu nehmen (vgl. Kumm 1978, 221). Die Operation war ein weitgehender Erfolg und führte zu einem vorübergehenden Rückgang der Partisanenaktivitäten (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 664f). Trotz dieser konkreten Erfolge gegen größere Partisa- neneinheiten nahm der Druck der Partisanen auf die deutsche Volksgrup- pe in Kroatien, vor allem in Slawonien mit seinem nur geringen Anteil deutschsprachiger Bevölkerung, weiter zu. Die bereits in den Lageberich-
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teil Dezember bis Februar berichteten Evakuierungsmaßnahmen wurden deswegen noch gesteigert (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 255/2429 Dok. H299739). Bis April 1944 waren etwa 20 000 Volksdeutsche aus dem westlichen Slawo- nien nach Syrmien evakuiert worden (vgl. ebd. Dok H299742).170 Dort wur- den sie in der Nähe von Esseg bei deutschen Familien und auf Bauernhö- fen untergebracht, die von ihren serbischen Besitzern verlassen worden waren (vgl. Dokumentation Bd.5, 85E).171
Nachdem am 6. Juni 1944 die Landung der Alliierten in der Normandie stattgefunden hatte und am 22. Juni 1944 die russische Großoffensive gegen die Heeresgruppe Mitte (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 670) erfolgt war, sollte sich endgültig auch die Lage im ehemaligen Jugoslawien ändern. Schon im Lagebericht der VOMI über Kroatien vom Juni 1944 gab es erste Meldun- gen, dass die »Generaloffensive gegen die Festung Europa« (OKW 1944-45 Tb. I, 670) den Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht belebte und die deutschsprachige Bevölkerung erste Anzeichen von Verunsiche- rung zeigte (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 255/2429 Dok. H299000).
Am 10. Juli 1944 schrieb dann der Kommandierende General des V. SS- Geb. Korps, SS-Obergruppenführer Phleps, an den Reichsführer-SS über die Lage in Kroatien und dem ehemaligen Jugoslawien. In seinem Bericht treten noch einmal die verschiedenen Aspekte der bisherigen Entwicklung des Krieges zutage. Darüber hinaus gewährt er noch einmal Einblick in die Gedankenwelt des deutschen Generals in einer von ihm gleichzeitig als fremd, feindlich und minderwertig erachteten Umgebung. Eine Gedanken- welt, aus der sich die aufgezeigte Art und Weise der Kriegsführung und der Umgang mit der Zivilbevölkerung ableiten lässt. Phleps stellt seinem Be- richt die Erkenntnis vorweg:
»Der unabhängige Staat Kroatien beharrt auf dem eingeschlagenen
verhängnisvollen Wege, der ihn sicher in den Abgrund führen wird!«
(BA: NS19/2154 Dok 1; Hervh.i.Orig.).
Nachdem er auf das »vollständige Versagen« der kroatischen Behörden, de- nen es an jeglichem »Interesse am Wohlergehen der Bevölkerung mangele«, zu sprechen gekommen war, berichtet Phleps über die »Überlegenheit« der Tito-Organisationen, die verständlich mache, warum immer mehr Men- schen ihm folgten:
»In diesen Gebieten wurde Ordnung geschaffen, … Post, Telegraph und Telephon funktionierten, die Bahnen wurden in Betrieb gesetzt, die Verpflegung wurde geregelt, die Schulen wurden eröffnet, der Aufbau
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der zerstörten Ortschaften und die Bebauung der brach gelegenen Felder mit aller Macht in die Hand genommen. Weltanschaulich wurde viel getan, Theater, Gesangverein und Kino kamen zu ihrem Recht. Diebstahl, Plünderei, unrechtmäßige Requisitionen und Trunkenheit wurden mit dem Tode bestraft« (ebd. Dok 2).172
Da seiner Meinung nach der kroatische Staat ausschließlich die eigene pra- voslawische173 Bevölkerung als Hauptfeind ansah, gleichzeitig aber der ver- hängnisvolle Einfluss der »Freimaurer und Juden«174 auf die Staatsführung weiterbestünde, erwartete Phleps früher oder später das Überlaufen der Kroaten auf die angloamerikanische Seite. Er kommentierte dies mit den Worten:
»Balkansitte, Balkangewohnheit, Balkantreue; keine Änderung der Gepflogenheiten der Vergangenheit« (ebd. Dok 4).
Er zitiert den ehemaligen Bischof der Siebenbürger Sachsen, Dr. Teutsch, der in Bezug auf die Türkenkriege geschrieben hatte: »Und wieder ging der Walache zum Feinde über.« Und fügt hinzu: »Sollte das nicht auch beim Kroaten der Fall sein« (ebd.). Damit dies verhindert werden könne, forder- te Phleps die »rücksichtslose« Umgestaltung des kroatischen Staates. Die kroatische Bevölkerung müsse
»derart bearbeitet werden, dass sie – gleich der deutschen – von der Notwendigkeit des Durchhaltens … überzeugt wird … Die Judenfrage müsse endlich zumindest im Sinne wie in Ungarn gelöst werden« (ebd.)
Von einem Ende der Verfolgung der Pravoslawen beziehungsweise deren Gleichstellung mit den katholischen Kroaten erwartete Phleps eine Lösung des Tschetnik-Problems. Er fordert eine Einstellung der unzähligen »Parti- sanenamnestien« und diesbezüglich mehr Härte.
»Konzentrationslager, Arbeitskolonnen und die Todesstrafe müssen Hand in Hand die Übeltäter fassen, weil der Balkanmensch die milde Hand nicht verträgt. Er muß die Peitsche fühlen!« (ebd. Dok 5).
Die deutschen militärischen Kräfte seien zu gering, die Beherrschung des Raumes alleine durchzuführen. Die Ustascha, die anfänglich ihr »Haupttä- tigkeitsgebiet« nur im »Hinschlachten hunderttausender pravoslawischer Männer, Frauen und Kinder« gesehen hätte, sei auch inzwischen »nicht viel besser«. Nur wenn die vielzähligen Einheiten der Ustascha, der Do- mobranen175 und der kroatischen Ortsmilizen aufgelöst und auf wenige, da-
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für aber zuverlässige Brigaden reduziert würden, sei eine »ehrliche Zu- sammenarbeit« mit den deutschen Truppen möglich (vgl. ebd. Dok. 7). Phleps knüpfte mit diesen Forderungen an Positionen an, die schon vorher der weltanschauliche Führer im SS-Gen. Kdo. V/SS-Geb. Korps, Standar- tenführer Bayer, in einem Gespräch mit dem SS-Brigadeführer Fick vertre- ten hatte und die von diesem am 16. März 1944 schriftlich dem Reichsfüh- rer-SS vorgelegt worden waren. Wie dann später Phleps hatte auch Bayer die Auflösung aller kroatischen Verbände verlangt. In diesem Zusammen- hang führte Bayer aus:
»3. Da Partisanen und loyale Kroaten nicht unterscheidbar sind, hilft nur … die möglichst vollständige Herausziehung aller Männer vom 12.-70. Lebensjahr« (BA: NS19/279 Dok 83; Hervh. i. Orig.).
Die zuverlässigen Kräfte sollten der SS zugeführt und der Rest der männ- lichen Bevölkerung als Arbeitskräfte ins Reich deportiert werden.
»6. Jeder Mann jedoch, der noch nicht erfasst ist und sich nicht sofort meldet, wird als Partisan an die Wand gestellt. 7. Damit ist den Partisanen jede Tarnung genommen, die Nachschubmög- lichkeit abgeschnitten und die Truppe hat auf ihren Streifen durch den Raum volle Schussfreiheit auf jeden männlichen Zivilisten« (ebd.).
Sowohl in Phleps neunzehnseitigem Schreiben als auch in Bayers kürze- ren Ausführungen spiegelt sich das ganze Dilemma deutscher Besatzungs- politik in Südosteuropa wider. Der Versuch, dort eine deutsche Ordnung zu etablieren, musste nicht nur zwangsläufig den Teil der Bevölkerung, dem in dieser Hierarchie die unterste Stufe zugewiesen wurde, gegen die- se aufbringen. Die deutsche Ordnung diente in erster Linie deutschen Inte- ressen, und das Prinzip deutscher Überlegenheit kam gegenüber allen Be- völkerungsgruppen zum Tragen. So produzierte sie zwangsläufig immer wieder neue Widersprüche. Da die deutschen Kräfte zu schwach gewesen waren, um alleine die Herrschaft auf Dauer durchzusetzen, hatten sich Bündnisse mit einzelnen Staaten wie Ungarn, Rumänien oder Bulgarien beziehungsweise mit Bevölkerungsgruppen wie den Kroaten, Slowaken und Albanern entwickelt. Aber auch hier blieb die hierarchische Struktur, also die deutsche Entscheidungsgewalt, erhalten. Für die Bündnispartner ging es darum, im Schutz der fremden deutschen Ordnung eigene Interes- sen zu verfolgen, so wie sich beispielsweise Rumänien im Zuge des Krie- ges territorial ausdehnen konnte oder auch die Ustascha versuchte, sich
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durch die Ermordung des serbischen Teils der Bevölkerung die Herrschaft im ehemaligen Jugoslawien langfristig zu sichern. Wenn die deutsche Ord- nung die Erfüllung dieser Interessen nicht mehr gewährleisten konnte, machte deren Unterstützung für die genannten Partner keinen Sinn mehr. Für die deutsche Besatzungsmacht bedeutete dies, dass sie sich zuneh- mend nur auf eigene, auf deutsche Kräfte verlassen konnte. Das Bewusst- sein der Differenz gegenüber den verbündeten Kroaten tritt dabei nirgend- wo deutlicher hervor als in Bayers Äußerung, dass »Partisanen und loyale Kroaten« nicht unterscheidbar seien. Phleps, gefangen in dem Bild deut- scher Überlegenheit und der Unterlegenheit des »Balkanmenschen«, führ- te den drohenden Bruch der Bündnisse auf »Verrat« und den Einfluss der »Juden« zurück. Die von Bayer und Phleps gemachten Lösungsvorschläge, die sie, soweit wie sie in ihrer Macht standen, schon umgesetzt hatten, mussten vor dem oben genannten Hintergrund umso mehr scheitern, als die deutschen Truppen auf den anderen Kriegsschauplätzen von den Alli- ierten zurückgedrängt wurden. Deswegen konnten weder die Erfolge des V. SS-Armeekorps, vor allem der »Prinz Eugen«, in dem »rücksichtlosen Kampf gegen die Banden Titos« (BA: NS19/2154 Dok l) noch die »Peitsche« gegen die Zivilbevölkerung den Aufstieg der Partisanen und den Nieder- gang der deutschen Ordnung im ehemaligen Jugoslawien aufhalten.

3.4.3
Der Einsatz nac h dem Abfall Rumäniens und Bulgariens – August und September 194 4
Nach Einschätzung des Lageberichts der VOMI über Kroatien vom August 1944 war trotz einer wachsenden Miss-Stimmung gegen die Volks- gruppenführung, die auf soziale und wirtschaftliche Probleme zurückge- führt wurde (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 405/2827 Dok 393269), die Identifikation mit dem Deutschen Reich weiter ungebrochen. Im Wortlaut hieß es: »Die Hoffnung auf den Sieg und das Vertrauen zum Führer blieben erhalten, da die breite Masse begreift, dass eine Niederlage des Reiches ihrer Vernich- tung gleichkäme« (ebd.). Demgegenüber stagnierten nach diesem Bericht auch weiterhin die Versuche, den Aufbau der Volksdeutschen Partisanen- einheit »Ernst Thälmann« zu verstärken, sodass nun mit Unterstützung durch »Marxisten aus binnendeutschen Gebieten« versucht würde, eine Abteilung »Freies Deutschland« zu gründen (vgl. ebd. Dok 393267).176
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Selbst wenn diese Aussagen zu einem gewissen Grad Teil einer Propaganda waren, die versuchte, die Situation aus deutscher Sicht zu beschönigen, dürfte ihre Einschätzung für die Volksdeutschen trotzdem weitgehend zu- treffen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ihre überwiegende Mehrheit von der Entwicklung hauptsächlich profitiert und die Volksgruppe eine privile- gierte Stellung gegenüber den anderen Bevölkerungsgruppen erhalten. Die Belastung durch den Krieg hatte sich in erster Linie auf die erhöhten wirt- schaftlichen Abgaben an das Deutsche Reich und den hohen Anteil an Wehrdienstleistenden unter ihren Männern beschränkt. Bedingt durch die Kriegsführung war die Anzahl der Gefallenen aber in den verschiedenen bewaffneten Formationen relativ gering.177 Noch waren die Volksdeutschen Einheiten zusammen mit reichsdeutschen Truppen in der Lage, ihre Hei- mat zu schützen. Im Banat hatten seit 1941 de facto keine Kampfhandlun- gen mehr stattgefunden, und auch die Volksdeutschen Kroatiens waren im Vergleich zu den anderen dortigen Bevölkerungsgruppen von den Schre- cken des Krieges relativ verschont geblieben.178 Nur die deutschsprachige Bevölkerung aus den Streusiedlungen Bosniens und West-Slawoniens hat- te im Zentrum von Kampfgebieten gelebt und war deswegen umgesiedelt worden.
Im August 1944 sollte dann das letzte große Unternehmen der deutschen Truppen, die Operation »Rübezahl«, im Stil der bisherigen Partisanen- bekämpfung durchgeführt werden. Auch diese Operation, bei der das »Pz. AOK 2«179 inklusive der »Prinz Eugen« unter Hinzuziehung der 1. Geb. Div., einer Sturmgeschütz-Brigade und eines Fallschirmjäger-Bataillons die Aufgabe erhalten hatte, die Partisanen Titos in Montenegro zu zerschlagen (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 682), erreichte letztendlich nicht ihr Ziel. Es ge- lang zwar das Eindringen der Tito-Verbände nach Serbien momentan zu verhindern, nach der Einschätzung des Wehrmachtsführungsstabs war Titos Aufmarsch aber nur verzögert und nicht dauerhaft vereitelt worden (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 684).
Die Operation »Rübezahl« wurde durch ein Ereignis beendet, das der Anfang vom Ende des bisherigen Balkankrieges war. Am 22. August 1944 stellte Rumänien die Kampfhandlungen gegen die Sowjetunion ein, und die Rote Armee konnte ohne Widerstand durch Rumänien in Richtung Bul- garien vorrücken. Nach dem »Abfall Rumäniens« wurde die 1. Geb. Div. von dem Einsatz gegen die Partisanen zurückgezogen und in den Raum Nisch verlegt (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 684). Wenige Tage später beendete auch die 7. SS-Division »Prinz Eugen« ihren Kampf gegen die Partisanen
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III Die Banater Schwabe n von 1941 – 194 5

Bild 11 »SS-Gebirgsjäger und albanische Freiwillige im Kampf gegen bolschewi-
stische Banden in den Bergen Bosniens und Albaniens. SS-Männer in einem Gehöft in den albanischen Bergen. Eine Frau beteuert ihnen gegenüber, dass sie mit den bolschewistischen Banden nichts zu tun habe. Grösste Vorsicht ist den Soldaten dabei geboten, denn der Feind kämpft mit aller Hinterlist und Tücke« (Untertitel zum Foto September 1944, Bayerische Staatsbibliothek). Der vordere Soldat trägt auf seinem rechten Kragenspiegel die »Odalsrune« und auf dem rechten Oberarm das »Edelweiss«. Dies weist ihn als einen Volksdeutschen Gebirgsjäger der SS-Division »Prinz Eugen« aus. Rechts von ihm ein reichsdeut- sches SS-Mitglied mit den klassischen SS-Runen auf dem rechten Kragenspiegel.
und wurde als Armeereserve an der Grenze nach Serbien bereitgestellt (vgl. ebd. 685). Schon während der Operation »Rübezahl« waren die an der ser- bischen Grenze eingesetzten bulgarischen Truppen durch ihre Passivität aufgefallen (vgl. ebd. 684). Als dann am 7. September 1944 auch noch Bul- garien dem Deutschen Reich den Krieg erklärte und bulgarische Einheiten deutsche Verbände angriffen, wurde für die 7. SS-Division der Wechsel
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
vom Partisanenkrieg zum Krieg gegen reguläre Formationen, zum Krieg an der Front, endgültig Wirklichkeit. Waren bisher die Partisanendivisionen wenn möglich ausgewichen, suchten sie in den folgenden Monaten des Krieges zusammen mit russischen und bulgarischen Divisionen das Ge- fecht mit den deutschen Truppen (vgl. ebd. 697).
Der Abfall Rumäniens und Bulgariens änderte auch für die deutsch- sprachige Bevölkerung alles. Innerhalb weniger Tage wurden dabei das bis- her ruhige Banat und die Batschka zu besonders gefährdeten Gebieten. Die Evakuierung der Volksdeutschen Kroatiens konnte noch nach Plan durch- geführt und bis Ende Oktober im Wesentlichen abgeschlossen werden (vgl. Dokumentation Bd.5, 87E). In einer Sitzung der für die Evakuierung zu- ständigen Dienststellen, die vom 3. bis 5. Oktober 1944 in Esseg stattgefun- den hatte, waren die notwendigen Schritte vorbereitet worden. Die Eintei- lung der Volksdeutschen Bevölkerung erfolgte in zwei Gruppen: Die zuerst zu evakuierende Gruppe 1 umfasste neben Frauen mit Kleinkindern und Kranken noch die Angehörigen von Mitgliedern der Wehrmacht, SS und Polizei. Die Gruppe 2 umfasste alle anderen Volksdeutschen Zivilisten (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 405/2828 Dok. Bl9). Im Gegensatz zu Kroatien scheiterte die Evakuierung im Banat völlig. Auch dort waren genaue Evakuierungspläne ausgearbeitet worden. Der Vormarsch der Roten Armee und der mit ihr jetzt verbündeten rumänischen und bulgarischen Truppen erfolgte aber so schnell, dass schon am 8. Oktober 1944 der »Höhere SS- und Polizeiführer« (HSSPF) in Belgrad, Behrends, an Himmler telegrafieren musste, dass kei- ne weiteren Trecks aus dem Banat mehr möglich seien. Von den letzten Trecks aus der Gegend um Belgrad konnten noch die Menschen »gerettet« werden, während Wagen und Gerät zurückbleiben mussten (vgl. BA: NS19/3809). Nach Schätzungen wurden in Kroatien fast alle, in der Batsch- ka und der Baranja etwa die Hälfte, im Banat hingegen nur etwa 10 % der Volksdeutschen evakuiert (Dokumentation Bd.5, 88 E).
Wie Janko später schrieb, hatte er sich im Oktober 1944, noch bevor die Rote Armee das Banat erreichte, zuerst erfolgreich für eine Verlegung der »Prinz Eugen« ins Banat eingesetzt. Folgt man Janko, so war es nur auf den überraschenden Vorstoß der Roten Armee auf Bulgarien zurückzuführen, dass sie dann in der Nähe von Nisch und nicht in ihrer Heimat eingesetzt wurde (vgl. Janko 1982, 234).180 Der »Prinz Eugen« kam dann in dieser letz- ten Phase des Krieges die Aufgabe zu, zusammen mit allen anderen ver- fügbaren deutschen Einheiten den Rückzug der Heeresgruppe E von Grie- chenland nach Kroatien zu decken (vgl. ebd. 812). Ihren ersten Fronteinsatz
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
in der Nähe von Nisch »bestand« die Division unter hohen Verlusten gegen bulgarische Truppen (vgl. ebd. 718). Im Wehrmachtsbericht vom 10. Okto- ber 1944 heißt es:
»Bei den erbitterten Kämpfen in Ostserbien haben sich die 1. Gebirgsdi- vision … und die 7. SS-Gebirgsdivision »Prinz Eugen« unter der Füh- rung des Eichenlaubträgers Oberführer Kumm in schwierigstem Gelände durch vorbildliche Standhaftigkeit und schwungvollen Angriffsgeist besonders ausgezeichnet« (Zitiert nach Krätschmer 1982, 978).

Am 20. November 1944 schickte die VOMI einen vom »Gebietsausschuss der Nationalen Befreiung Slawoniens« veröffentlichten Aufruf zur Kennt- nisnahme nach Berlin zum AA. Der Aufruf wirkt, in Anbetracht der Ent- schlossenheit, mit der sich die Volksdeutsche SS-Division noch immer ein- setzte, hilflos und klarsichtig zugleich. Er lautete in Auszügen:
»Volksdeutsche Soldaten! Der Krieg, in den Hitler das deutsche Volk gestürzt, hat ist verloren! … Dem deutschen Volke droht eine Katastro- phe, wenn es sich nicht rechtzeitig gegen seinen Unterdrücker Hitler erhebt. DER DEUTSCHEN MINDERHEIT IN KROATIEN ABER DROHT VÖLLIGE VERNICHTUNG, WENN SIE SICH NICHT NOCH RASCH BESINNT! Jahrhundertelang habt ihr friedlich unter Euren slawischen Nachbarn gelebt und besser als die Bauern im Reich. Als Hitler unser Land unterjochte, erhoben wir uns, um unsere Heimat gegen den landfremden Eindringling zu verteidigen. Ihr aber wurdet von Hitler als Stoßtrupp gegen uns eingesetzt. IN ZWÖLFTER STUNDE BIETET SICH EUCH NOCH EINMAL EIN WEG ZUR RETTUNG! … SCHON KÄMPFEN DIE BESTEN SÖHNE DER DEUTSCHEN MINDERHEIT IN UNSERER PARTISANENEINHEIT »FREIES DEUTSCHLAND« ZUR VERTEIDIGUNG UNSERER GEMEINSA-
MEN HEIMAT! FOLGT DIESEM BEISPIEL! … Solange der Kampf
dauert, könnt ihr zurück. Nachher nicht, denn die Früchte des Sieges werden diejenigen ernten, die Hitler vertrieben [haben]« (PA/AA: Inl. Ilg 254/2427 Dok. J12; Hervh. v. Verf.).
Der Aufruf enthält gleichzeitig eine Drohung und ein Angebot: Der deutschsprachigen Bevölkerung droht die sichere Vernichtung, wenn sie sich weiter als »Stoßtrupp« des Deutschen Reichs einsetzen lässt, denn ei- ne Zukunft in Jugoslawien bietet sich nur denjenigen an, die auf der Seite der Partisanen gekämpft haben. Der für die »Rettung« notwendige Wechsel von der Seite des Deutschen Reichs an die Seite der Partisanen wird als ein »zurück« beschrieben. Dabei unterscheidet der Aufruf zwischen dem Eth- nischen, dem Face-to-Face-Zusammenleben mit den »slawischen Nach-
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barn« und der »gemeinsamen Heimat« als dem »Eigentlichen« und dem Nationalen, dem »deutschen Volk«, »Hitler« und den »landfremden Ein- dringlingen« als einer schrecklichen und schuldhaften, aber dennoch revi- dierbaren Entwicklung. Dass es für die »Besinnung« schon spät – »in zwölf- ter Stunde« – war und »rasch« gehandelt werden musste, macht ein fast zeitgleich erschienener Artikel in der Politika deutlich.
Am 24. Dezember 1944 schickte der Vertreter des AA beim OB Südost, Ritter, ein Schreiben ans AA nach Berlin. Es enthielt einen Artikel der Bel- grader Zeitung Politika vom 24. November 1944 (vgl. PA/AA: Inl. Ilg. 254/2427 Dok. Jl9). Kurz vorher, am 21. November 1944, war ein Beschluss des »Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Jugoslawiens« (AVNOJ) über die Zukunft der Volksdeutschen gefällt worden (vgl. Dokumentation Bd.5, 103E), so dass davon auszugehen ist, dass sich der Artikel auf Anga- ben der AVNOJ stützt.
»Durch Einfluss der nationalsozialistischen Lehre betrachteten sich die Deutschen Jugoslawiens vor Ausbruch des Krieges als deutsche Staatsan- gehörige und in ihrer feindlichen Haltung gegenüber unserem Volke waren sie mit den Deutschen aus dem Reiche solidarisch … Schon am 6.4.1941, am ersten Tage des Krieges, stellte sich die gesamte dt. Minder-
heit der Wehrmacht des Dritten Reichs zur Verfügung, um gegen den
Staat, in dem es lebte, zu kämpfen. Der Kulturbund hatte sich über Nacht in eine polit. Organisation der Volksdeutschen verwandelt… Wer könnte die unzähligen Sabotageakte, den Verrat und die Denunziationen, die die Deutschen aus Jugoslawien während der schweren Tage in Jugoslawien verübten, aufzählen? Wer würde die Plünderungen, Morde, Schlägereien und das Erhängen anführen können, die von ihnen an unserem Volke seit April 1941 begangen wurden … man könnte ein dickes Buch schreiben, voll von Missetaten, Leid und Elend. Und was sollen wir über die Prinz Eugen Div. sagen? Sie wurde aus Volksdeut- schen des Banats zusammengestellt und zog im Verlaufe von 3 Jahren brandstiftend, zerstörend und mordend durch Serbien, Herzegowina und Montenegro« (PA/AA: Inl. Ilg 254/2427; Hervh. v. Verf.).
Der Artikel enthält einerseits eine Beurteilung der Rolle der deutschen Volksgruppe als »Hitlers Stoßtrupp«, welcher der Verfasser nach Bearbei- tung aller vorliegenden Dokumente nicht widersprechen kann. Gleichzei- tig wird aber von der »gesamten deutschen Minderheit« gesprochen, die sich »der Wehrmacht des Dritten Reichs zur Verfügung« gestellt habe. Die wenigen deutschen Partisanen bleiben unerwähnt. Es kündigt sich also in Ansätzen eine kollektive Verurteilung der deutschsprachigen Bevölkerung Jugoslawiens an. Darüber hinaus lässt sich erahnen, dass diejenigen Mit-
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
glieder der »Prinz Eugen«, die in jugoslawische Kriegsgefangenschaft ge- hen würden, wegen der von der Division begangenen Verbrechen das Schlimmste zu erwarten hatten. Es versteht sich aus der aufgezeigten Dy- namik ethnischer Konflikte von selbst, dass kollektive Verurteilungen, be- sonders wenn sie nach ethnischen Prinzipien vorgenommen werden, grundsätzlich neues Unrecht beinhalten. Dieses Unrecht kann zum einen als »archaische Strafe« (Moser 1992) aufgefasst und dadurch die eigene Schuld gleichsam als abgegolten betrachtet werden. Zum anderen aber schränkt die damit verbundene Trauer die Fähigkeit, Verantwortung für die eigenen Verbrechen zu übernehmen, ein. Noch wichtiger ist aber in diesem Zusammenhang, dass das erlittene Unrecht – aufgehoben im kollektiven Gedächtnis der Ethnien in Form auserwählter Traumata – wieder als Basis für neue Konflikte missbraucht werden kann.
Zusammengenommen spiegeln der Aufruf des Gebietsausschusses zur Befreiung Slawoniens und der Artikel der Politika die Situation der deutschsprachigen Bevölkerung Jugoslawiens wider. Während nur wenige ihrer Mitglieder an der Befreiung Jugoslawiens teilnahmen und so eine kleine Chance auf eine donauschwäbische Zukunft aufrechterhielten, kämpfte eine große Anzahl, kämpfte die »Prinz Eugen«, weiter verbissen ei- nen längst verlorenen Krieg und besiegelte so endgültig das Schicksal der Mehrheit der donauschwäbischen Bevölkerung in Jugoslawien.
Nachdem Mitte Januar 1945 die letzten Einheiten der Heeresgruppe E die kroatische Grenze überschritten hatten (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 812), wur- de die »Prinz Eugen« noch ein letztes Mal, am 19. Januar 1945, wegen ihrer Leistungen bei den Rückzugsgefechten im Wehrmachtsbericht hervorgeho- ben (vgl. Krätschmer 1982, 980). Ab dem 20. Januar 1945 übernahm Schmid- huber die Division181 und führte sie in weiteren schweren Kämpfen bis an die österreichische Grenze, wo sie am 12. Mai 1945 die Waffen niederlegte. Während es einem Teil der Mitglieder der Division gelang, sich abzusetzen, kam die Mehrheit in jugoslawische Kriegsgefangenschaft.
Abschließend zeigen die Einschätzungen zweier Generäle der deut- schen Wehrmacht beziehungsweise der Waffen-SS die Bedeutung der Division »Prinz Eugen« für den Krieg im ehemaligen Jugoslawien. So schrieb der Chef des Generalstabes der Heeresgruppe E, Schmidt-Richberg, im Nach- hinein über die Volksdeutschen in der Division:
»Oft standen Vater und Sohn in derselben Formation. Was diesen Män- nern an gediegener Friedensausbildung fehlte, ersetzten sie durch
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Die 7. SS-Gebirgsjägerdivision »Prinz Eugen«
Unerschrockenheit und Manneshärte. In der Kenntnis des Wesens und
der Kampfesweise des Feindes waren sie allen übrigen Deutschen überlegen. Sie waren deshalb bei ihren Gegnern gefürchtet… Wie hier bei der Behauptung der Ostflanke von Kraljevo [im Oktober 1944] erwies sich auch in Zukunft die Division als zuverlässige Stütze der Führung in den nun sich ständig wiederholenden Krisen« (Schmidt- Richberg 1955, 52).
Laut Urteil des SS-Oberstgruppenführers Paul Hausser wuchs die »Prinz Eugen«
»sich immer mehr zur letzten Eingreiftruppe der Heeresgruppe aus, die immer wieder die Lage bereinigen musste. Wenn überall der Wert der Truppe sank: hier war es anders! Die Deutschen aus dem serbischen Banat sahen die Lage klarer. Sie wussten, was ihnen bevorstand. Aber auch die Führung hatte an den Erfolgen besonderen Anteil… Die Division »Prinz Eugen« ist Rückhalt und Vorbild im Kampfraum gewe- sen. Ihr Ausharren und Opfermut haben viel zur glücklichen Rückkehr zahlreicher Verbände beigetragen« (Hausser 1953, 171 f).
In beiden Beispielen werden die Leistungen der »Prinz Eugen« auf die be- sondere Einstellung ihrer Volksdeutschen Mitglieder zurückgeführt.182 Weil sie als Donauschwaben und jahrhundertelange Nachbarn die anderen ethnischen Gruppen kannten, waren sie so konsequent in deren Bekämp- fung. Während alle anderen am Krieg beteiligten Bevölkerungsgruppen den Kampf gegen Titos Verbände mit zunehmendem Kriegsverlauf ein- stellten,183 kämpfte die 7. SS-Division noch, als es keine Heimat der Volks- deutschen mehr zu verteidigen gab. Im Januar 1945 vermerkte der Oberbe- fehlshaber Südost (Heeresgruppe F) im Kriegstagebuch noch einmal mit der ganzen nationalistischen Überheblichkeit:
»Letzten Endes ruht die ganze Last des pausenlosen Kampfes auf dem deutschen Menschen. Nur wo er steht, kommt kein Feind durch, nur wo er angreift wird das Ziel erreicht; nur wo er mitarbeitet, wächst auch das Werk fremder Hände (OKW 1944-45 Tb.I, 814).

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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
4
Das Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien
Die mit dem Rückzug der deutschen Truppen einhergehende Eva- kuierung und Flucht der deutschsprachigen Zivilbevölkerung war ein letz- ter Ausdruck ihrer Entfremdung von den anderen ethnischen Gruppen Ju- goslawiens. Die zur Evakuierung ergriffenen Maßnahmen waren innerhalb der deutschen Stellen durchaus umstritten. Während Wagner vom AA und auch Legationsrat Reichel im September 1944 für die Evakuierung der ge- samten deutschsprachigen Bevölkerung waren, weil ihrer Meinung nach der deutschen Volksgruppe bei einem Rückzug der deutschen Truppen in Jugoslawien die »völlige Vernichtung« (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 255/2429 Dok. L5-8) drohe, wollte Kasche sich
»nicht vorbehaltlos dem Abtransportgedanken anschließen, [da] verlas- sener Boden verloren [ist]. Geschichte beweist, dass wohl in ähnlicher Lage Verluste eintreten, aber Raum behauptet werden kann« (ebd. Dok. E025284).
Einerseits entsprach die Evakuierung der ethnisch begründeten Angst der Mehrheit der Volksdeutschen, keine Zukunft in Jugoslawien zu haben. An- dererseits kann davon ausgegangen werden, dass gerade diejenigen Do- nauschwaben, die individuell weniger Grund hatten, die Rache der Parti- sanen zu fürchten, mit dem Verlassen ihrer Heimat zögerten. Nach Anga- ben in der Dokumentation waren bei Kriegsende noch ungefähr 200 000 Donauschwaben – davon ein Großteil Banater Schwaben – in Jugoslawien zurückgeblieben (vgl. Dokumentation Bd.5, 89E). Während es in der ersten Zeit nach dem Abzug der deutschen Truppen zu spontanen Racheakten an der deutschsprachigen Bevölkerung kam, setzte eine gezielte Verfolgung erst mit der offiziellen Übernahme der Verwaltung durch die Partisanen ein (vgl. ebd. 9lE). Was sich in dem Flugblatt des »Gebietsausschusses der Na- tionalen Befreiung Slawoniens« und in dem Artikel der Politika bereits angedeutet hatte, wurde für die Mehrheit der Donauschwaben nun zur Wirklichkeit. Fast alle anderen ethnischen Gruppen hatten durch ihre Teil- nahme am Befreiungskrieg ein Existenzrecht im neuen Staat erworben.184 Dies führte dazu, dass die Abrechnung der kommunistischen Partisanen mit ihren Gegnern weniger entlang ethnischer Grenzen, sondern mehr nach politischen Differenzen verlief. Katholische Ustascha-Mitglieder, muslimische SS-Angehörige, serbische Tschetniks, slowenische »Weißgar-
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Das Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien
disten« wurden von kroatischen, serbischen, slowenischen und bosni- schen Partisanen abgeurteilt (vgl. Sundhaussen 1993, 93). Auch bei der Ab- rechnung mit dem ehemaligen Gegner kam es von Seiten der Partisanen in großem Ausmaß zu Grausamkeiten und Massenhinrichtungen, die die Schonungslosigkeit des vergangenen Krieges fortsetzten.185 Wegen der multiethnischen Zusammensetzung der Partisanen Titos konnte sich bei dieser Abrechnung aber nie die »Phantasmagorie der Reinheit« in Totalität mit den mit ihr verbundenen Konsequenzen ethnischer Säuberungen und Vertreibungen entfalten.186
Wie gezeigt werden konnte, war die überwiegende Mehrheit der deutschsprachigen Bevölkerung eine wichtige Stütze der deutschen Besat- zungsherrschaft gewesen. Diese Tatsache wendete sich nun auch gegen die- jenigen Donauschwaben, die vielleicht nur widerwillig oder sogar ge- zwungen, an der Unterdrückung ihrer anderssprachigen Nachbarn teil- genommen hatten. Zwar differenzierte der neue jugoslawische Staat in Bezug auf die Volksdeutsche Bevölkerung, sodass sich auch in diesem Zu- sammenhang der hellsichtige Aufruf der Volksbefreiungsfront Slawoniens bewahrheiten sollte: Laut Beschluss des »Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Jugoslawiens« (AVNOJ) vom 21. November 1944 sollten von den Maßnahmen der Internierung, Deportation und Enteignung ex- plizit nur jene Volksdeutschen ausgenommen werden, die entweder
»1. aktiv am Partisanenkampf teilgenommen oder in der >Volksbefrei- ungsbewegimg< mitgewirkt hatten; 2. vor dem Kriege assimiliert und während der Besatzungszeit … [nicht] als Angehörige der verschiedenen deutschen Volksgruppen aufgetreten waren;… 4. eine Ehe mit einem Angehörigen der südslawischen Völker oder anerkannten Minderheiten geschlossen hatten…« (Zitiert nach Dokumentation Bd.5, 103E).187
Allerdings war die Zahl der Volksdeutschen Partisanen und ihrer Unter- stützer so gering und die Mitgliedschaft in der Volksgruppe so umfassend gewesen, dass nur wenige Volksdeutsche von Repressionen ausgenommen wurden. Vielmehr entluden sich gegenüber der donauschwäbischen Be- völkerung die aufgestauten Vergeltungsbedürfnisse nach vier Jahren deut- scher Besatzungsherrschaft. Wie hatte der Volksgruppenführer Sepp Janko noch 1943 gesagt:
»Das deutsche Volk im Reich hat freudigen Herzens von unserem Dasein Kenntnis genommen und uns wieder in seine Gemeinschaft aufgenom- men, und unsere Gegner haben uns als Deutsche kennengelernt« (PA/AA: Inl. IIc 32/153 R100380; Hervh. v. Verf.).
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III Die Banater Schwaben von 1941-1945
Was zur Zeit der deutschen Erfolge noch wie eine positive Verheißung ge- klungen hatte, verwandelte sich im Nachhinein in das Gegenteil. Die deutschsprachige Bevölkerung wurde nun nicht, wie es 1943 in Bihac über die anderen ethnischen Gruppen geheißen hatte, als eines der »Völker« Ju- goslawiens oder als eine anerkannte Minderheit angesehen, sondern als fremde Deutsche behandelt. Dabei nahm die Vergeltung des neuen jugosla- wischen Staates an den Donauschwaben Formen ethnischer Säuberungen an. Zwar wurden in erster Linie Mitglieder der »Prinz Eugen«, Verwal- tungsbeamte und Aktivisten der deutschen Volksgruppe zum Ziel von Ver- geltungsmaßnahmen (vgl. Dokumentation 91E). Zunehmend waren aber auch alle Mitglieder der ehemaligen deutschen Volksgruppe Jugoslawiens potenziell bedroht, Misshandlungen, Verhaftungen und wahllosen Tötun- gen zum Opfer zu fallen (vgl. ebd. 92E).188 Schon im November 1944 war die deutschsprachige Bevölkerung der Banater Städte auf Lager in den Nach- bardörfern verteilt worden (vgl. ebd. 92E). Aus den Lagern heraus wurden die arbeitsfähigen Volksdeutschen bereits während des Rückzugs der deut- schen Truppen für Zwangsarbeiten in Jugoslawien rekrutiert (vgl. ebd. 93E). Darüber hinaus fand von Dezember 1944 bis Januar 1945 die Deportation von ungefähr 27 000 bis 30 000 Volksdeutschen in die Sowjetunion, ebenfalls zum Zweck der Zwangsarbeit, statt (vgl. ebd. 96E). Bis zum März/April 1945 wurde die Einlieferung der Volksdeutschen in Lager weit- gehend ausgebaut, sodass dann das Leben der deutschsprachigen Bevöl- kerung Jugoslawiens fast nur noch in Lagern – unter unzureichender Er- nährung und einer hohen Sterblichkeitsrate – stattfand (vgl. ebd. 108E und 93E). Parallel zur Internierung wurden sowohl zurückkehrende Volksdeut- sche Flüchtlinge, als auch vormals in die Sowjetunion Deportierte noch an der Grenze zurückgewiesen und nicht mehr nach Jugoslawien gelassen (vgl. ebd. 101E). In dem bereits zitierten Artikel der Politika vom 24. No- vember 1944 war auch die Regelung des Volksdeutschen Eigentums be- nannt worden:
»Wie man sieht, ist die Frage der Beschlagnahme des feindlichen Vermö- gens des Deutschen Reiches und der Deutschen, die sich in unserem Lande befinden, endgültig und kompromisslos geregelt. Jedenfalls ist dies nur ein geringer Teil des Schadensersatzes, welchen unser Staat von Deutschland und vom deutschen Volke für alle Zerstörungen und Unta- ten, die in diesem Kriege entstanden, fordert. Dabei wurde kein Unter- schied zwischen Staats- und Privatvermögen gemacht, gerade wie die Deutschen bei Vernichtung und Plünderung unseres Landes Privat- vom Staatseigentum nicht trennten« (PA/AA: Inl. Ilg 254/2427 Dok. 19).
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Anmerkungen zu Kapitel III
Aufbauend auf dem frühen Beschluss aus dem Jahre 1944 wurde dann im August 1945 fast der gesamte Besitz der Volksdeutschen dem »Boden- fonds« der »Agrarreform« Jugoslawiens zugewiesen. Dabei sollte das ehe- mals Volksdeutsche Eigentum bevorzugt an Partisanen verteilt werden (vgl. Dokumentation Bd.5, 103E). Nach dem neuen Staatsangehörigkeitsgesetz, ebenfalls vom August 1945, konnte denjenigen Volksdeutschen, die die Be- satzungsherrschaft unterstützt hatten, die Staatsangehörigkeit aberkannt werden, ohne dass aber eine »Kollektivausbürgerung« wie in anderen Län- dern Ost-, Mittel- und Südosteuropas durchgeführt wurde (vgl. Dokumen- tation Bd.5, 104f). Obwohl die jugoslawische Zivilbevölkerung sich gegen- über den Volksdeutschen insgesamt wohlwollend verhielt (vgl. ebd. 110E) und ab 1948 die Lager zunehmend aufgelöst wurden (vgl. ebd. 114Eff), war eine Anknüpfung an das alte donauschwäbische Leben nicht mehr mög- lich. Im Verlauf der folgenden Jahre nahm die Zahl der ausreisewilligen Volksdeutschen weiter zu, und ihre überwiegende Mehrheit wanderte, mit Billigung der jugoslawischen Regierung, in die BRD aus.189 250 Jahre nach dem Eintreffen der ersten deutschsprachigen Siedler im Banat und den an- deren Gebieten Jugoslawiens kann von einer donauschwäbischen Lebens- weise, von donauschwäbischen Ethnien in Jugoslawien nicht mehr ge- sprochen werden.
Anmerkungen zum Kapitel III
1 Die Abkürzungen stehen für: PA, Politisches Archiv; AA, Auswärtiges Amt.
2 Im gleichen Schreiben beschwert sich Berger bei Himmler über die mangelnde Bereitschaft
des AA, diesbezüglich mit der SS und dem SD zusammenzuarbeiten (vgl. BA: NS 19/2802 Dok 1).
3 In der Mappe, die Triska übergeben wurde, fanden sich weitere Lageberichte, u.a. auch von Jakob Lichtenberger, der, wie bereits in der Arbeit gezeigt, einer der ersten Aktivisten der Volksgruppe war, der eine SS-Ausbildung erhielt (PA/AA, Inl. Ilg 251/2419, Dok. H297364).
4 Die blutigen Übergriffe gegen die serbische Bevölkerung setzten sich nicht nur in Kroatien weiter fort. Unter Berufung auf regierungsamtliche ungarische Stellen berichtete der SD an das Auswärtige Amt am 25. 2.1942, dass es auch in der Batschka noch Anfang 1942 zu Mas- sakern seitens des ungarischen Militärs und der ungarischen Zivilbevölkerung an serbi- schen Zivilisten, auch Frauen und Kindern, kam (vgl. PA/AA, Inl. Ilg, 253/2423, H301021). Siehe hierzu auch verschiedene Berichte von Volksdeutschen (vgl. ebd. H296615ff).
5 Wenn die Quellenangabe sich auf unnummerierte Dokumente auf Mikrofichen bezieht, wird wenn möglich zur näheren Angabe ihre Stellung im üblichen Koordinatensystem der Mikrofiche-Leseapparate angegeben, z.B. D17.
6 Der Volksgruppenführer Dr. Janko befand sich zu diesem Zeitpunkt noch in Berlin und wur- de dort von Hitler und Himmler über die Teilungspläne Jugoslawiens informiert (vgl. Hamburger Institut 1999, 151).
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Anmerkungen zu Kapitel III
7 In dem Bericht eines Volksdeutschen über ungarische Verbrechen an serbischen Zivilisten vom 3. 2. 1942 heißt es: »Einen einzigen verdächtigen Juden gibt es in unserer Gasse und dem ist nichts geschehen« (PA/AA: Inl. Ilg. 402/2817 Dok. H296620).
8 Die Zahlenangaben über die Stärke der jüdischen Bevölkerung im Banat schwanken, da nach der »Machtergreifung« der Nationalsozialisten in Deutschland und Österreich eine Fluchtbewegung einsetzte, die die demografischen Verhältnisse veränderte. So schreibt Lustiger (1994, 375), dass Jugoslawien zwischen 1933 und 1941 »… 60 000 Flüchtlingen aus von Deutschland beherrschten Gebieten Asyl [gewährte]«. Laut den in der Dokumen- tation Bd.5 veröffentlichen Zahlen von 1931, »bearb. u. hrsg. von der Publikationsstelle Wien 1943«, lebten insgesamt ca. 28 000 Menschen jüdischen Glaubens im damaligen Ju- goslawien und davon ca. 2000 im Banat (vgl. Dokumentation Bd.5, 11E). Markovic nennt die Zahl von 7-10000 Juden, die 1941 im Banat lebten und dann in die KZs eingeliefert wurden (vgl. Markovic 1945, 3 in Friedmann 2000). Hilberg beruft sich auf Originaldoku- mente der Besatzungsbehörden, in denen von alleine ca. 8000 jüdischen Männern, die so- fort 1941 in Serbien ermordet werden sollten, die Rede war (vgl. Hilberg 1990, 730ff). Ins- gesamt gibt Hilberg die Zahl von 60 000 Todesfällen in Jugoslawien an (vgl. ebd. 1300).
9 In Hinsicht auf die Waffen-SS in Kroatien bietet Sundhaussen (1971) eine detaillierte Untersuchung, die allerdings die Entwicklung im Banat weitgehend außer Acht lässt. Auch der Einsatz der 7. SS-Division Prinz Eugen in Kroatien wird von Sundhaussen nur kurz umrissen.
10 Aus einem Fernschreiben an den Gesandten von Rintelen vom 14.5.1941 über die Um- siedlung der Slowenen aus der nun zum Reich gehörenden Südsteiermark und Kärnten er- klärt sich die Beteiligung des Innenministeriums. Die Arbeitsteilung im Dritten Reich er- gab, dass Angelegenheiten der den Reichsbehörden unterstellten Gebiete von innerdeut- schen Behörden bearbeitet wurden, während sich das Auswärtige Amt nur dann ein- schaltete, wenn auch andere Staaten betroffen waren (vgl. PA/AA: Inl. Ilg, 251/2420, Dok. H296095).
11 Für die Banater Schwaben in Rumänien galt, wie der dortige Volksgruppenführer Andre- as Schmidt im Februar 1941 verlauten ließ, dass sie auf Befehl des Führers in der rumäni- schen Wehrmacht zu dienen hatten (vgl. Dokumentation Bd.3, 53E).
12 Die königstreuen Verbände des Draza Mihajlovic (D.M.) waren die von den Briten und Amerikanern zuerst unterstützten Teile der Tschetnik-Verbände. Die Draza-Mihajlovic-Ein- heiten bekämpften dabei sowohl die deutschen Besatzungstruppen als auch die von der serbischen Regierung Nedic gebildete Serbische Staatswache und das Serbische Freiwilli- gen-Korps. Die Nedic-Regierung war von den deutschen Besatzungsbehörden eingesetzt worden, um den serbischen Widerstand weiter zu spalten. Ihre bewaffneten Verbände wa- ren zahlenmäßig von geringer Bedeutung und wurden von den deutschen Besatzungsbe- hörden zur Bekämpfung der Draza-Mihajlovic-Verbände geduldet. Alle Tschetnik-Verbän- de kämpften in der Regel gegen die kommunistischen Partisanen unter Tito. Die Draza-Mi- hajlovic-Bewegung geriet im weiteren Verlauf des Krieges immer mehr unter den Druck der Tito-Partisanen, sodass es immer wieder zu einzelnen Waffenstillstandsabkommen zwi- schen den Mihajlovic-Verbänden und deutschen Einheiten kam (vgl. Kriegstagebuch des OKW 1944-45, Teilband I, 1982, 636 f. Im weiteren Verlauf der Arbeit nur noch: OKW 1944-45, Tb. u. S.).
Für den Kampf gegen die deutsche Besatzungsmacht verlor die Draza-Mihajlovic-Bewe- gung zunehmend an Bedeutung, sodass ab der Konferenz von Teheran im November 1943 die angloamerikanische Unterstützung für den jugoslawischen Kampf voll zugunsten der Einheiten Titos ging (vgl. Churchill 1996, 881). Für die deutsche Besatzungsmacht waren die Tschetnik-Verbände auf der einen Seite durch ihre Feindschaft mit Tito hilfreich. Auf der anderen Seite befürchtete das Oberkommando der Wehrmacht (OKW), dass bei einer

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Anmerkungen zu Kapitel III
angloamerikanischen Landung auf dem Balkan alle Tschetnik-Verbände zum Feind über- laufen würden (vgl. OKW 1944-45, Tb. I., 729).
13 Siehe Kapitel III/3.3 dieser Arbeit.
14 Der Begriff der »Waldgänger« oder des »In-den-Wald-Gehens« stammt noch aus der Zeit
der Kämpfe gegen die osmanischen Herrscher. Er steht für die Tradition der südslawischen Bevölkerung, sich der Kontrolle der jeweiligen Fremdherrschaft durch den Rückzug in die nur schwer zugänglichen Waldgebiete des Balkans zu entziehen und von dort aus gegebe- nenfalls den Guerillakrieg zu führen.
15 Der bei der »Lösung der Judenfrage« in Serbien eingesetzte SS-Hauptsturmführer Abro- meid (vgl. PA/AA: Inl. Ilg., 86/1955, Dok.. H300390) wurde dann ab August 1942 nach Kro- atien versetzt, um am Transport der dortigen Juden nach Auschwitz mitzuwirken (vgl. ebd. Dok. 300363 und 85/1952, Dok. H300481).
16 Insgesamt bietet Schlarp (1986) eine umfassende Analyse der wirtschaftlichen Bedeutung Jugoslawiens für die Kriegswirtschaft des Deutschen Reiches, in deren Rahmen er auch die Sonderstellung des Banats untersucht.
17 Laut Bericht des Gesandten Benzler vom 20.7.1942 befand sich unter allen leitenden Be- amten des Banats, das galt für Kreis- und Bezirksvorsteher und deren Stellvertreter, nur ein »einziger Serbe« (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 283/2500H6). Der ungarischen Volksgruppe wur- den von 11 »Bezirksvorsteherstellen« 3 sowie die Stelle des stellvertretenden Kreisvorste- hers im Banat zugestanden, wie dem Legationsrat Triska im August 1942 vorgelegt wurde (vgl. ebd. 283/2501 Dok. E313674).
38 Janko (1982,198) erklärt diese Maßnahme mit der Unzuverlässigkeit der anderssprachigen ethnischen Gruppen bei der Partisanenbekämpfung.
19 Juni 1942 hatte der ungarische Ministerpräsident dem »Führer« eine Note überreicht, in der er sich über die Behandlung der ungarischen Bevölkerung im Banat beschwerte, die sich eher wie die Serben schlecht behandelt als mit den verbündeten Deutschen gleich- gestellt fühlte (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 283/2501, Dok. E313678). Siehe auch das daraufhin vom AA entworfene Memorandum vom August 1942, das versucht, das Gegenteil zu be- weisen (vgl. ebd. 283/ 2499 Dok. K10), und die Auseinandersetzungen zwischen dem un- garischen und deutschen Gesandten im Laufe des Jahres 1943 (vgl. PA/AA: Inl. Ilg. 283/249 7).
20 In Rahmen der vorliegenden Arbeit kann keine umfassende Darstellung der Ausbeutung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Kroatien und Serbien gegeben werden. Sie- he hierzu Hilberg (1990), Manoschek (1998) und Friedmann (2000) oder auch, was die wirtschaftspolitischen Aspekte der Arisierung betrifft, Schlarp (1986).
21 Auf einer späteren Besprechung 1943 wurde dieses Prinzip von der Volksgruppenführung insofern konkretisiert, als dass darauf geachtet werden sollte, dass bei der Teilung der Ju- denfelder, wie Janko erklärte, der Streubesitz an die Ungarn, zusammenhängende Grund- stücke, die zur Errichtung von Bauernhöfen geeignet waren, aber an die Volksdeutschen übergeben werden sollten (vgl. PA/AA: Inl. Ild., 26/3, R100614).
22 Der Brief Zwirners steht in Zusammenhang mit einer vorübergehenden Unterbrechung der Arisierungen im November 1941, die auf außenpolitische Bedenken gegenüber Ungarn zu- rückging (vgl. Schlarp 1986, 299).
23 Erst nach einer Intervention von SS-Brigadeführer Behrends wurde das Verbot wieder auf- gehoben. Allerdings sollte auch weiterhin darauf geachtet werden, dass dies nur im Rah- men der allgemein für die Volksdeutschen geltenden Bedingungen zur »Vermögensver- besserung« geschehen würde (vgl. PA/AA: Inl. Ild 5/3 R100548). Trotzdem wurde Jakob Awender wegen seiner persönlichen Bereicherung während der Arisierungen von Dr. Jan- ko zur Rechenschaft gezogen. Alleine drei Mitglieder der Familie Awender hatten, folgt man einer Erhebung vom 20.2.1942, über 10 % der zum Kauf von »Judenbesitz« von der

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Anmerkungen zu Kapitel III
»Heimbaugenossenschaft« an insgesamt 64 Volksdeutsche vergebenen Kredite in An- spruch genommen (PA/AA: Inl. Ild 19/2 R100587). Offensichtlich hatte Awender, durch- aus auch wie manch andere Beteiligte, nicht begriffen, dass die Bereicherung am jü- dischen Vermögen nur verwaltungstechnisch »ordentlich« und nicht spontan und indivi- duell erlaubt war. Awender wurde im Oktober 1942 seiner Ämter enthoben und von der VOMI für ein halbes Jahr nach Berlin geschickt, um dort näher mit den Grundsätzen und Techniken der Deutschen Genossenschaftsarbeit vertraut gemacht zu werden (PA/AA: Inl. IIc., 13/1, R100566).
24 Egger war vorher Landschatzwart gewesen (vgl. PA/AA: Inl. Ild 5/3 R100548). In seiner neuen Funktion war er Nachfolger des abgesetzten Jakob Awender.
25 Eggert fasst die kriegswirtschaftlichen Leistungen zusammen und gibt, offensichtlich stolz auf das Geleistete, einige zwar merkwürdige, aber doch auch beeindruckende Vergleiche. So hätte alleine durch die Ausfuhren des Banats seit der Besetzung der Bedarf der gesam- ten Reichsbevölkerung für 12 Tage mit Weizen und für 332 Tage mit Sonnenblumenöl ge- deckt werden können.
26 Siehe hierzu auch den ebenfalls im Januar 1942 von Janko mitverfassten Bericht über die Leistungen der Volksgruppe im Zuge der Partisanenbekämpfung (vgl. PA/AA: Inl. Ilg. 283/2499 Dok. H299911ff).
27 Im Vergleich zum Banat war die Situation in der Batschka nach wie vor sehr schwierig, wie aus vielen Beschwerden von Volksdeutschen vom Juli 1942 hervorgeht (vgl. PA/AA: Inl. Ilg. 283/2500 H8ff).
28 So antwortete Göring im Kreuzverhör durch den sowjetischen Ankläger Rudenko auf die Frage, ob er mit der Theorie der Herrenrasse übereinstimme: »Ich habe nie mein Einver- ständnis zum Ausdruck gebracht, daß ich eine Rasse über die andere als Herrenrasse be- zeichne, aber die Verschiedenheit der Rassen betont« (Nürnberg IX, 718).
29 Während im Banat den Volksdeutschen Schulautonomie gewährt wurde, wurde im De- zember 1942 in Serbien die Wiedereröffnung der nach der Besetzung Belgrads geschlosse- nen Universität endgültig untersagt (BA: NS19/290 Dok. 2-21). Am 3. 8. 1943 drückte dann der Gesandte Benzler seine Verstimmung darüber aus, dass es durch Beitritt zur ungari- schen Volksgruppe im Banat serbischen Studenten möglich gemacht wurde, in Ungarn zu studieren (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 283/2497 Dok. H299796f).
30 Berger war selbst ein Schwabe und hatte eine weitverbreitete Verwandtschaft in Südost- europa (vgl. Wistrich 1983, 21). Bergers Schwiegersohn war der Volksgruppenführer der Volksdeutschen in Rumänien, Andreas Schmidt (vgl. Stein 1967, 152).
31 Dass die Volksdeutschen Rekruten für die Waffen-SS von Berger bis zur Aufstellung der »Prinz Eugen« rein quantitativ als Ersatz betrachtet wurden, wird auch aus seinen Zah- lenspielereien deutlich. So philosophiert Berger in einem Schreiben an Heinrich Himm- ler vom 7. 8. 1940 über Millionen Volksdeutsche in Nord- und Südamerika, die irgend- wann der SS zur Verfügung stehen würden (vgl. BA: NS19/1711 Dok. 1-4).
32 Dieser erste Teil des hier zitierten Schriftstücks Eickes wurde bereits von Stein (1967, 172) verwendet. Stein belegt seine Einschätzung, dass die Schlagkraft der Volksdeutschen SS- Divisionen deutlich unter dem der reichsdeutschen gelegen habe, u.a. mit Hilfe dieser Äußerungen Eickes. Dass Eickes Bemerkung über die schlechte körperliche Verfassung der Volksdeutschen nicht verallgemeinert werden darf, wird aus einem Tätigkeitsbericht des SS-Rekruten-Depots SS-Truppen-Übungsplatz Heidelager vom Mai 1943 deutlich. Dort heißt es u.a.: »Mit Ausnahme der aus der Oberkrain stammenden und durch den Anschluß dienstpflichtig gewordenen Volksdeutschen fielen diese Männer vor allem durch ihre Dienstfreudigkeit auf … Sprachmängel wurden überwunden … Körperlich waren die Volksdeutschen überlegen« (Prag: Karton 3, 10/kr.2. SS-Rekrutendepot Debica; Hervh. v. Verf.).

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Anmerkungen zu Kapitel III
Weitere Aspekte von Eickes Bericht werden von Stein nicht zitiert, da sie für dessen Argumentation nicht von Bedeutung waren. So entgeht Stein auch die Bedeutung, die Eickes Einschätzung für die Rekrutierung der Volksdeutschen in Jugoslawien hatte. Stein geht denn auch nicht auf die Tatsache ein, dass die 7. SS-Division »Prinz Eugen« in Bezug auf ihre Kampfkraft den reichsdeutschen SS-Divisionen in keiner Weise nachstand (vgl. Haus- ser 1953, 171) und unter den nach ethnischen bzw. nationalen Gesichtspunkten aufge- stellten Volksdeutschen Divisionen eine Sonderstellung einnahm.
33 Sowohl Kumms als auch Michaelis Divisionsgeschichten bleiben hauptsächlich im Rah- men einer Beschreibung der militärischen Ereignisse. Sie enthalten zwar eine Fülle von Erinnerungen ehemaliger Divisionsangehöriger, die sich aber leider fast ausschließlich auf Kampfbeschreibungen beschränken. Beide Divisionsgeschichten verklären das »soldati- sche Heldentum«, ohne dabei wirklich auf Ursachen und Hintergründe einzugehen. Trotz- dem verweisen beide auf die später noch genauer dargestellten Probleme zwischen Reichs- und Volksdeutschen (Siehe Kapitel III/3.2.1 dieser Arbeit).
34 Peter Witte kommentiert die den Besuch betreffende Eintragung in Himmlers Dienstka- lender so, dass Himmler Janko anwies, das Heimatschutzregiment aufzustellen (vgl. Hamburger Institut 1999, 256). Ob der Vorschlag wirklich von Janko selbst stammt oder letzt- endlich auf einen Befehl Himmlers zurückgeht, ist aus den Quellen nicht ersichtlich. Der weitere Verlauf der Ereignisse deutet allerdings darauf hin, dass die Entscheidung nicht monokausal zustande gekommen ist, sondern auf verschiedenen Ansätzen beruht.
35 Da in Restserbien, einschließlich Belgrads, insgesamt nur ungefähr 13 000 Volksdeutsche lebten (vgl. Dokumentation Bd.5, 59E), zielten die Anstrengungen des Deutschen Reichs bei der Ausschöpfung der Wehrkraft der Volksdeutschen in den ihnen de facto unterse- henden Gebieten des ehemaligen Jugoslawischen Königreichs fast ausschließlich auf das Banat.
36 Die wenigen Volksdeutschen aus der Batschka, die in der »Prinz Eugen« dienten, dürften von den Werbemaßnahmen im Banat stark beeinflusst gewesen sein. Die Batschka hatte bis 1941 zu Jugoslawien gehört. Wie gezeigt werden konnte, war die Situation der Volksdeut- schen in der Batschka wesentlich ungünstiger als im Banat. Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass es auch für die Volksdeutschen aus der Batschka verlockend war, nicht an der Ostfront, sondern in der unmittelbaren Nähe ihrer Heimat eingesetzt zu werden.
Böhm (1990) setzt sich gezielt mit den Ungarndeutschen in der Waffen-SS auseinander, geht aber nicht speziell auf die wenigen in der »Prinz Eugen« dienenden Volksdeutschen aus Ungarn ein.
37 Für die wenigen Volksdeutschen aus der Slowakei in der »Prinz Eugen« kann davon aus- gegangen werden, dass sie aus vergleichbaren Gründen wie die rumänischen Volksdeut- schen in der Division dienten. Ihre geringe Zahl rechtfertigt, dass im Rahmen der Arbeit auf die spezifischen Bedingungen der Slowakei nicht eingegangen wird. Zur Geschichte und Situation der Volksdeutschen in Rumänien und der Slowakei bieten die verschiedenen Bände der vom Bundesministerium herausgegebenen Dokumentation eine Fülle von Material. Ebenfalls muss in diesem Zusammenhang selbstverständlich auf Schödls Land an der Donau verwiesen werden. Zur allgemeinen Problematik der Rumä- niendeutschen in der Waffen-SS siehe auch die kontrovers diskutierte Magisterarbeit Hans-Werner Schusters (1987).
38 In seinem Buch berichtet Janko (1982, 215) auch von dem Treffen mit Phleps Anfang 1942, ebenfalls ohne ein genaues Datum anzugeben.
39 Ursprünglich hatte der Aufruf mit dem Satz: »Die deutsche Wehrmacht hat im Frühjahr des vergangenen Jahres unsere Dörfer und Wohnstätten vom jugoslawischen Joch erlöst« begonnen. Auf Anregung des Gesandten Jagow in Budapest war er aber noch vor der Be-

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Anmerkungen zu Kapitel III
sprechung in Belgrad geändert worden, da sich, wie Jagow meinte, die Deutschen unter der ungarischen Herrschaft mehr bedrückt fühlten als dies unter Jugoslawien der Fall war (PA/AA: Inl. Ilg., 17d/1767, Dok. 129704).
40 Wie Phleps später, am 19.9.1942, schrieb, war ihm von »Berlin« in der Aufstellungsphase untersagt worden, andere Volksdeutsche als aus dem Banat und Serbien in seine Division einzustellen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 305/2563 Dok J19).
41 Die Aufgabe des Freiwilligkeitsprinzips zugunsten der Wehrpflicht bei der Waffen-SS ist Gegenstand aller wichtigen Arbeiten über die Waffen-SS (vgl. u.a. Stein 1967, 153ff, Weg- ner 1997, 273ff). So wichtig die Auseinandersetzung mit dieser Frage ist, sollte sie aber nicht zu der falschen Annahme verleiten, dass sich Wehrpflichtige grundsätzlich weniger mit ihren Aufgaben und Zielen identifizieren bzw. ihre Pflichten weniger konsequent er- füllen als Freiwillige (vgl. Browning 1993; Goldhagen 1996).
42 In der vom Bundesministerium herausgegebenen Dokumentation ist eine Fülle von Er- innerungen vertriebener Donauschwaben aus Jugoslawien gesammelt. Auf diese Weise wurde viel dazu beigetragen, ein lebendiges Bild der damaligen Zeit zu bewahren. Aller- dings muss in diesem Zusammenhang bemerkt werden, dass einerseits die befragten Do- nauschwaben, nachdem sie mit dem Vorwurf, kollektiv an den Verbrechen des National- sozialismus beteiligt gewesen zu sein, vertrieben worden waren, verständlicherweise nicht frei über die Zeit der deutschen Besatzung Jugoslawiens sprechen konnten. Begei- sterung über die Anfangszeit der deutschen Besatzung in Jugoslawien wird deswegen oft nur vorsichtig geschildert und steht gegenüber Berichten über den von der SS ausgeübten Zwang eher im Hintergrund. Andererseits liegt das Gewicht der Dokumentation eindeutig auf dem Aspekt des durch Jugoslawien an den Donauschwaben begangenen Unrechts. So steht die Zahl von zwölf Berichten aus der Zeit der deutschen Besatzung einer Zahl von 72 Berichten über Flucht, Vertreibung und Nachkriegsschicksal gegenüber, sodass ein ver- zerrtes Bild über das Verhältnis des von beiden Seiten begangenen Unrechts entsteht (Der Verfasser).
43 Trotz oder vielleicht auch wegen der starken Verwendung der Volksgruppe in den unter- schiedlichsten Bereichen der deutschen Besatzungsmacht achtete die Volksgruppenfüh- rung auf die Respektierung der ihnen zugesprochenen Befugnisse. Wie aus einem Schrift- wechsel Ende 1942 zwischen dem AA und der VOMI hervorgeht, unterstützen beide Stel- len die Volksgruppenführung darin, einen reichsdeutschen Rednereinsatz im Banat zu verhindern. Der vom Wehrmachtbefehlshaber Südost beim Propagandaministerium bean- tragte Rednereinsatz wurde daraufhin zurückgezogen. U.a. hieß es in einem Telegramm vom 12. 11. 1942, dass auch laut Meinung des AA und der VOMI »… nur die Volksgrup- penführung Trägerin einer solchen Veranstaltung sein könne« (PA/AA: Inl. Ilg 151/2130).
44 Mehr zur Person Viktor Brack und seinen Motiven, in der »Prinz Eugen« zu dienen, findet sich im Kapitel III/3.3.3.
45 Siehe hierzu auch Kapitel III/3.3.2 dieser Arbeit.
46 In einem Aktenvermerk für den Gauamtsleiter Triska berichtet ein nicht näher genannter
Informant, dass besonders unter der männlichen Jugend Unmut über das Abkommen ent- standen sei, da man ursprünglich davon ausgegangen war, eigene deutsche Abteilungen zu bekommen, und nun mit den Kroaten zusammen dienen müsse (vgl. PA/AA: Inl. Ilg, 254/2426, Dok. H296686).
47 Weitere Berichte finden sich u.a. auch als Anlage zu einem Schreiben Rademachers an Triska vom 13.8.1942 (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 402/2819 Dok. 219ff).
48 In einem Bericht des deutschen Polizeiattaches von Zagreb an das Reichssicherheits- hauptamt vom 25.9.1942 wird der Verdacht geäußert, dass die Wut der serbischen Bevöl- kerung durch die Ustascha gezielt auf die Volksdeutschen gelenkt worden sei. Die Usta- scha hätte das Gerücht verbreitet, die Pogrome seien auf Befehl Deutschlands geschehen.

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Anmerkungen zu Kapitel III
Selbst wenn der Verdacht unbegründet sein sollte, so spiegelte er doch die Wirklichkeit wider. Nur solange die deutschen Einheiten die Partisanen bekämpften, war die Ustascha stark genug, die serbische Zivilbevölkerung zu terrorisieren, (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 86/1956 Dok. H300193 ff).
49 Sommers Bericht über die Situation der Volksdeutschen wirkt gerade dadurch glaubhaft, dass er nicht den leisesten Versuch unternimmt, den Serben die Schuld an der Entwick- lung zu geben, sondern im Gegenteil voller Empathie von ihrem Leid berichtet.
50 Luther befürchtete darüber hinaus, dass Himmler beabsichtigen könnte, alle Volksdeut- schen aus Kroatien auszusiedeln. So schrieb er noch im Dezember 1942 in einer Notiz über ein Gespräch mit dem VOMI-Chef Lorenz, dass die Frage der Umsiedlung aller Volks- deutschen aus Kroatien noch einmal im Frühjahr 1943 erörtert werden würde (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 306/2564 Dok. E464631). Eine Angst, die vorübergehend in Erklärungen Bergers im September 1942 Bestätigung gefunden hatte, nach denen Himmler persönlich beim Füh- rer habe vorstellig werden wollen, um die Umsiedlung aller Volksdeutschen in Kroatien doch noch durchzusetzen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg, 205/2562, Dok. H8-H9). Wie aus einem Ver- merk des Gesandten von Rintelen vom 27.9.1942 hervorgeht, hatte Himmler die Frage der Aussiedlung aller Volksdeutschen Kroatiens mit dem Auswärtigen Amt tatsächlich erör- tert und ausdrücklich befürwortet (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 255/2428 Dok. B8). In einem Schreiben Triskas vom 4. 11. 1942 heißt es, dass daraufhin der Reichsaußenminister eine genaue Prüfung des Problems angeordnet hatte (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 255/2428 B20). Es ist zu vermuten, dass auch die Forderung der kroatischen Regierung vom 10.10.1942, alle in der Waffen-SS dienenden Volksdeutschen und ihre Familien nach dem Krieg ins Reich umzusiedeln (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 306/2564 Dok. C6), dazu beigetragen hatte, solche Pläne auch tatsächlich in den höchsten deutschen Führungskreisen zu erörtern. Auch Kasche hatte schon am 3.10.1942 erklärt, dass er grundsätzlich für die Umsiedlung sei, sprach sich aber wegen der Aufstandslage dafür aus, sie erst nach dem Krieg vorzunehmen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 255/2428 Dok. C9). Am 22.1.1943 schrieb Himmler dann an Lorenz, dass er die Volksdeutschen aus Syrmien wegen der dortigen starken Anbindung an das Banat noch dort lassen wolle. Himmler plädierte aber weiterhin für die Aussiedlung aus den an- deren Gebieten Kroatiens (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 255/2428 Dok. E6). Himmlers Pläne sollten dann Anfang 1944, wenn auch modifiziert, noch einmal aufgegriffen werden. Siehe Kapi- tel III/3.3.5 dieser Arbeit.
51 Oberstleutnant Willibald Keller, ein Volksdeutscher aus Syrmien und ehemaliger Haupt- mann der jugoslawischen Armee, der die »Einsatzstaffel« (ES) seit ihrer Aufstellung kom- mandiert hatte (PA/AA: Inl. Ilg, 254/2426, Dok. H296583), war zu diesem Zeitpunkt bereits zur Waffen-SS eingezogen worden (vgl. ebd. Dok. H296590).
52 Im Zuge der Auseinandersetzungen Luthers mit dem Chef des SS-Hauptamtes, Berger, er- klärte Luther im Oktober 1942 die von ihm selbst genannte Zahl von 10 000 als zu hoch ge- griffen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 306/2564 Dok. D/E21). De facto sollten aber Ende 1943 viel mehr Volksdeutsche Kroatiens in der Waffen-SS dienen (vgl. Herzog 1955, 17).
53 Obwohl hiermit grundsätzlich die Einberufung der Volksdeutschen zur Waffen-SS auf den Weg gebracht worden war, setzte sich die Auseinandersetzung darüber noch weiter fort (vgl. BA: NS 19/319). Im Oktober verfügte Berger sogar, dass 200 Volksdeutsche aus Kroa- tien, die zur »Prinz Eugen« einberufen worden waren, ins Reich in Marsch zu setzen seien, »…da unten erhebliche politische Schwierigkeiten entstehen« (BA: NS 19/1629, Dok. 53). Diesen »Rückzieher« machte Berger nicht freiwillig, vielmehr musste er sich in dieser Fra- ge, wie einem Schreiben Luthers vom 24.10. 1942 zu entnehmen ist, dem von Kasche und Luther entfalteten Druck beugen (PA/AA: Inl. Ilg 306/2564 Dok. H297431).
54 Wie aus einem Blitztelegramm Bergers an Himmler vom 3.9.1942 hervorgeht, hatte wohl Kasche, seine Kompetenzen überschreitend, eigenmächtig mit der Aufstellung von zwei

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Anmerkungen zu Kapitel III
Regimentern im Sinne Luthers und Lohrs begonnen, was aber vom Reichsaußenminister auf Druck Bergers gestoppt wurde (BA: NS 19/319).
55 Wie aus einem Briefwechsel zwischen der VOMI und dem AA hervorgeht, muss Altgayer die Veröffentlichung des »Stabsbefehls« veranlasst haben, bevor die Rückmeldung aus Berlin vorlag. Weil er den Stabsbefehl in dieser Form nicht mit den zuständigen Behörden abgesprochen hatte, wurde er, ebenso wie schon Janko vor ihm, heftig für seine Eigen- mächtigkeit kritisiert (vgl. PA/AA: Inl. Ilg., 254/2426 Dok. Nl- N16). Darüber hinaus war sein Stabsbefehl, wie es in einem Schreiben der VOMI an das AA über die »Festlegung des Werbeverfahrens in der deutschen Volksgruppe in Kroatien« vom 4.11.1942 hieß, »inzwi- schen abgestellt worden« (ebd. 306/2564 Dok. F4/5).
56 Siehe hierzu Kapitel III/3.3 dieser Arbeit.
57 Siehe hierzu auch die Auseinandersetzung über den Umgang mit der jüdischen Bevölke-
rung zwischen den deutschen und den italienischen Behörden in Kroatien, an denen deut- scherseits ebenfalls die bereits bekannten Luther und Kasche beteiligt waren (PA/AA: Inl. Ilg., 194/2249 Dok. H299676- H299719). Dabei wurde den italienischen Behörden ein zu nachsichtiger Umgang mit den Juden vorgeworfen, obwohl der »Duce« einen den deut- schen Vorstellungen entsprechenden Umgang mit den Juden im September 1942 bereits angewiesen hatte (vgl.ebd. 194/2248 Dok. K212277). So hieß es in einem Brief an das »Reichssicherheitshauptamt« (RSHA) vom 23.10.1942: »Die judenfreundliche Haltung der Italiener in dem gesamten von ihnen besetzten Gebiet hält unvermindert an« (PA/AA: Inl. Ilg 86/1956 Dok. H300242).
Laut Lustiger (1994, 376) war für die Juden Jugoslawiens die italienische Besatzungszone der »…einzige Lichtblick und Zufluchtsort«.
58 Zur Bedeutung des Bauxitgebietes für die deutsche Kriegswirtschaft und im weiteren Kriegsgeschehen siehe Kapitel III/3.3.3.
59 Wie Kasche Ende Oktober an das AA schrieb, erklärte der mit der Durchführung der Wer- bung beauftragte SS-Obersturmbannführer Herrmann, dass er »eine grosse Bereitwilligkeit zum Einrücken feststellen« konnte und höchstens »2% der Einberufenen zum Abtrans- port nicht erschienen« waren (PA/AA: Inl. Ilg 306/2564 Dok. E21).
60 Diese Frage betraf auch die Versorgung der Familien der in der Waffen-SS dienenden Volksdeutschen, die zu diesem Zeitpunkt nur unbefriedigend geregelt war (PA/AA: Inl. Ilg 306/2564 Dok H297407). Im Mai 1943 konnte dann ein Abkommen bezüglich der Versor- gung getroffen werden, welches den Beibehalt der Sozial- und Krankenversicherung für die Familien der Freiwilligen in der Ustascha, den Verbänden der »Einsatzstaffel« (ES) und der Waffen-SS gleichermaßen regelte (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 311/2579 Dok. H8).
61 Im Präger Archiv (18-SS Division »Horst Wessel«, Karton 4) kann in die Briefe der Frauen an ihre sich in der Waffen-SS befindlichen Männer eingesehen werden.
62 Die Abkürzungen stehen für: DM = Deutsche Mannschaft, DJ = Deutsche Jugend. Über die Abkürzung NSDG konnte der Verfasser keine genaue Angaben finden. Aus dem Zu- sammenhang ergibt sich aber, dass es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um die deutsche Volksgruppe handelte. Die Abkürzung NSDG könnte also für »Nationalsozialistische Deut- sche Volksgruppe« stehen.
63 Siehe auch den Bericht des Volksdeutschen D. T. aus Mekenyes (Baranya), der über die un- garischen Freiwilligen der Waffen-SS schreibt, dass sie sich dort »freier« als in der »Hon- ved« (Bezeichnung für alle ungarischen Truppen.) fühlten (vgl. Dokumentation Bd.2, 3).
64 Der größte Teil, über 50 %, der in diesem Abkommen für die Waffen-SS zur Musterung frei- gegebenen Volksdeutschen stammte aus der Batschka, die bis April 1941 zu Jugoslawien gehört hatte (vgl. Dokumentation Bd.2, 33E, Anm. 1 und Böhm 1990, 83).
65 Wie aus dem bisher Gezeigten hervorgeht, ist diese Aussage Schmidts nicht »wörtlich« zu verstehen. Auch Schmidt wusste ja um die illegalen Eintritte Volksdeutscher in die Wehr-

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Anmerkungen zu Kapitel III
macht bzw. SS. In der Tendenz hat aber Schmidt sicherlich Recht, da erst mit dem Ab- kommen von 1943 massenhaft rumänische Volksdeutsche rekrutiert wurden. Schuster gibt an, dass Ende 1942 – ohne die schon 1941 gemusterten 1000 Mann – etwa 3000 Rumänien- Deutsche in der SS und 2500 im deutschen Heer standen (Schuster 1987, 149). Man kann also davon ausgehen, dass im Verlauf des Jahres 1942 die Übertritte von Volksdeutschen zunahmen, wie sie dann ja auch nach der Niederlage in Stalingrad Anfang 1943 massen- haft stattfinden sollten.
66 In einem Fernschreiben vom 17.11.1942 an den Höheren SS- und Polizeiführer Serbien und den Kommandeur der SS-Division »Prinz Eugen« untersagte Himmler ausdrücklich »jedes Überschreiten der serbisch-rumänischen Grenze durch irgendeinen Mann der SS und der Polizei« (BA: NS 19/2858).
67 In seinem Erlebnisbericht von 1958 erinnert sich der Landarbeiter Franz Unterreiner, wie sich die Älteren – er war 1943 51 Jahre alt – an Janko wandten und um ihre Ablösung durch jüngere Rekruten baten, da sie den schwierigen Einsätzen nicht gewachsen waren. Im Herbst 1943 wurde er dann aus der Division entlassen (vgl. Dokumentation Bd.5, 71).
68 Aus dem gleichen Schreiben geht hervor, dass mit Teilen der gemusterten Volksdeutschen aus Rumänien auch die Aufstellung der 2. Division des SS-Panzerkorps »Wiking« ermög- licht werden sollte. Darüber hinaus wurden zwischen 1500 und 1800 Rekruten, die den Divisionsbedingungen der Musterung Leibstandarte SS »Adolf Hitler« entsprachen, zu dieser Division geschickt (vgl. BA: NS19/371).
69 Es folgten 1944, nämlich am 3.3., 23.3. und 3.4., noch weitere Erhebungen, die allerdings
nur minimal von der Erhebung vom Februar 1944 abwichen (MA: RS 3-7/17, Dok. 463ff), sodass, auch unter Berücksichtigung der Kriegslage und der Situation in den anderen Staa- ten Südosteuropas, davon ausgegangen werden kann, dass sich die Zusammensetzung ab diesem Zeitpunkt nicht mehr erheblich veränderte. Leider gibt es im Militärarchiv in Freiburg nur Dokumente, die eine Aufstellung der lands- mannschaftlichen Zusammensetzung der Prinz Eugen im Jahr 1944 enthalten. Eine ver- gleichbar detaillierte Aufstellung über die Zusammensetzung vor bzw. nach dem Frühjahr 1944 konnte der Verfasser auch in den anderen Archiven nicht finden.
70 In dem Bericht wird das Soll der Division mit 30091 Mann angegeben. Damit hatte sie zu diesem Zeitpunkt einen Fehlbestand von 7432 Mann (MA: RS 3-7/17).
71 Allerdings waren gerade in Kroatien die jüngeren Jahrgänge 1908 bis 1925, die auch schon Kampferfahrung in Volksdeutschen Selbstschutzeinheiten oder in Volksdeutschen Batail- lonen der Wehrmacht gesammelt hatten, der »Prinz Eugen« überwiesen worden (vgl. PA/AA: Inl. Ilg. 307/2566 Dok. H297384).
72 Im Mittelalter wurde das Stammgut skandinavischer Edelleute »Odal« genannt. Es konn- te nur an verwandte Standesgenossen weitergegeben werden (vgl. DBG Lexikon 1962, 925). Der mit der Odalsrune verbundene Wahlspruch lautete: »Ehre, Blut und Boden« (Do- kumentation Bd.5, 70, Anm. 2).
73 In der in dem Befehl angegebenen Liste von Ausbildungsstandorten für den SS-Ersatz, z. B. Panzerausbildung in Wildflecken, Fahrlehrer-, Mechaniker- oder Schlosserausbildung in Wien, Nachrichtenausbildung in Nürnberg, Flakspezialistenausbildung in Arolsen, Pio- nierausbildung in Dresden, fallen drei Standorte auf: Veterinärausbildung in Radom, Sa- nitäts-Dienste in Oranienburg und Verwaltungsdienste in Dachau (vgl. BA: NS 19/3519, Dok. 139). Die dort stationierten Ersatzeinheiten wurden – bis auf einige Freiwillige – nicht zum Dienst in den Konzentrationslagern herangezogen, »lernten« aber in Sichtwei- te der Lager und sahen die KZ-Häftlinge, wie sich ein reichsdeutscher Angehöriger der Schlachterkompanie, der bei Dachau ausgebildet worden war, in einem Gespräch mit dem Verfasser erinnerte.
Aus einem Schreiben vom 8.9.1942 über die Bereitstellung für den ersten Einsatz der Di-

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Anmerkungen zu Kapitel III
vision geht hervor, dass die Ausbildung der Nachrichten-Abteilung auch in Unna stattge- funden hatte (vgl. MA: RS 4/1419, Dok. 20 und BA: NS 19/2563).
74 Laut Eintragung im Kriegstagebuch der II. Abt. SS- Geb. Art. Rgt. vom 10.11.1942 wurden zur Unterhaltung der Männer in Groß-Kikinda ein Bordell eröffnet und außerdem regel- mäßig Kinovorführungen gegeben (vgl. MA: RS4/1376).
75 Laut Eintragung vom 1.1.1943 in ihrem Kriegstagebuch war die III. Abt. SS- Geb. Art. Rgt. dann gegen Ende des ersten Einsatzes in Serbien in Cacak stationiert (vgl. MA: RS4/1377) (Siehe III/3.3).
76 Im Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg wurde diese Frage zum Gegen- stand des Verhörs von Paul Hausser (vgl. Nürnberg XX, 400ff).
77 Die Dienstränge der allgemeinen SS wurden bei einem Eintritt der betreffenden Personen in die Waffen-SS nicht übernommen, um den Unterschied zwischen dem Dienst in der Organisation und dem Dienst im Krieg zu betonen. Daraus erklärt sich, warum Viktor Brack, obwohl er SS-Oberführer der allgemeinen SS war, dann mit einem niedrigeren Rang – Untersturmführer – in die Waffen-SS eintrat.
78 Bracks Rolle bei der Ermordung der Juden, sein Wunsch, »im fremden Land mit fremden Menschen« zu arbeiten, und dann sein Einsatz bei der Partisanenbekämpfung sind in sich nicht widersprüchlich, sondern können als eine besonders aggressive Verbindung von Exotismus und Xenophobie interpretiert werden.
79 Am 20.8.1947 wurde Viktor Brack von einem amerikanischen Militärgericht zum Tode verurteilt und am 2.6.1948 in Landsberg gehängt (vgl. Wistrich 1983, 30).
80 Für den Ersatz für andere SS-Divisionen galt die SS-Eignung und 170 cm Mindestgröße, in Ausnahmefällen 168 cm. Für SS-Brigaden und Polizei 165-168 cm Mindestgröße und kv Heer. Für Konzentrationslager sollten die Freiwilligen SS-geeignet sowie kriegs ver- wendungsfähig und mindestens 165 cm groß sein (vgl. BA: NS 31/367, Dok. 23).
81 Am Rande sei hier bemerkt, wie sehr die Wortwahl Phleps in Bezug auf die »anonymen Briefschreiber« den Bezeichnungen der deutschen Besatzungsbehörden für die Partisanen gleicht. Auch diese wurden selbst im Nachhinein noch als heimtückisch, hinterlistig und feige beschrieben (vgl. Steiner 1992, 202).
82 In seinem Erlebnisbericht erinnert sich 1958 der Landarbeiter Franz Unterreiner, wie die Volksdeutschen von ihren reichsdeutschen Ausbildern als »Banater Speckfresser und Kukuruz Bauern« beschimpft worden waren (vgl. Dokumentation Bd.5, 71).
83 Nach Otto Kumm war Scherhaufer der Führer des IV. Btl. des 1. Regiments der Division (vgl. Kumm 1978, 41).
84 Der Schutzumschlag zu Kumms Buch (1978) zeigt die Wandbilder und die dazugehören- den Überschriften und Kommentare.
85 Wie weitgehend die SS-Führung bei der Partisanenbekämpfung generell bereit war, den Begriff der »Gegenbande« wörtlich zu nehmen und sich der Kampfweise der Partisanen anzupassen, zeigt sich im Kriegstagebuch Nr. 3 des Rgts. 39 der 18. SS-Division »Horst Wessel«. Bei dieser 1944 aufgestellten SS-Division war es offensichtlich üblich, die »Auf- klärung« ohne Uniform – »in Zivil« – durchzuführen, wie aus verschiedenen Einträgen vom März 1944 ersichtlich ist (vgl. Prag: 18. SS Fr. PZ. GR. DIV. Horst Wessel, Karton).
86 Das Tragen der Kragenspiegel – im Fall der »Prinz Eugen« war dort die Odalsrune abge- bildet – war grundsätzlich vorgeschrieben (vgl. Mollo 1993, 59). Offensichtlich befand sich aber, vor allem mit den zunehmenden Versorgungschwierigkeiten in den letzten Kriegs- jahren, das Divisionszeichen nicht durchgehend auf allen Uniformteilen (vgl. Steven/ Amodio 1992 und Mollo 1993). Zum Teil wurden auch die Kragenspiegel bei bestimmten Einsätzen entfernt, um dem Gegner eine Identifizierung der SS-Verbände zu erschweren (vgl. Mollo 1993, 39 und 59).
87 Unterschrift leider unleserlich.

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Anmerkungen zu Kapitel III
88 Ein klares Bild der strategischen Zusammenhänge ergibt sich aus dem Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht und hier besonders aus den Kapiteln »Die deutsche Wehrmachtsführung im Kulminationsjahr des Krieges« im »Darstellenden Teil« des Kriegstagebuchs des OKW (1943 Tb. II, 1536 ff, 1563 ff und 1612 ff) und »Der Südostraum im Rahmen der Gesamtkriegführung« (OKW 1944-45 Tb. I, 601 ff). Die Arbeit von Schmi- der (2002) bietet eine umfassende Analyse der militärischen und politischen Bedeutung des jugoslawischen Kriegsschauplatzes während der deutschen Besatzungszeit.
89 In dieser Form finden sich Darstellungen des Kriegsgeschehens in allen möglichen Bü- chern der verschiedenen »Militaria-Verlage« über den II. Weltkrieg. Ganz in diesem Sinne liest sich auch der größte Teil von Otto Kumms (1978) Divisionsgeschichte und auch Mi- chaelis‘ (1998) Buch über die Gebirgs-Divisionen der Waffen-SS. In beiden Büchern gibt es eine Fülle von Kampfbeschreibungen, die letztendlich austauschbar sind und so auf allen Kampfplätzen des II.Weltkriegs stattgefunden haben könnten. Während aber bis auf ein- zelne Details Michaelis‘ Buch im Großen und Ganzen uninteressant ist, bietet hingegen Kumm, als ehemaliger Divisionskommandant, zwar einen verherrlichenden Einblick in das Kampfgeschehen, der aber doch, was die militärischen Aspekte betrifft, der Überprü- fung anhand der Originaldokumente standhält.
90 Die Ersatzstellen der verschiedenen Truppenteile blieben auch weiterhin im Banat. So z.B. in Pantschowa, Groß-Betschkerek (vgl. MA: N756/149) und Werschetz (vgl. MA: RS 3-7/14 Dok 94 ff).
91 Im Kriegstagebuch des OKW (1942, Tb. II.) finden sich für das gesamte zweite Halb- jahr 1942 in Bezug auf Serbien nur Meldungen über einzelne Überfälle, darauffolgende »Sühnemassnahmen« (OKW 1942, Tb. II. 1131), Verhaftungen und Erschießungen, in er- ster Linie von Draza Mihajlovic-Anhängern, manchmal auch Kommunisten und Tschet- niks. Wenn überhaupt Ortsangaben erfolgen, werden dabei neben der Stadt Belgrad die Ortschaften Cacak und Uzice genannt (vgl. OKW, 1942, Tb. II. 997,1013,1155 etc). Im Un- terschied zu Kroatien und Bosnien, wo heftige Kämpfe gemeldet wurden, gibt es keinen Bericht über größere Kampfhandlungen in Serbien.
92 Kumm druckt den Div. Befehl vom 5.10.1942 mit allen militärischen Einzelheiten und in vollem Umfang ab, um zu zeigen, mit welcher Sorgfalt SS-Gruppenführer Phleps »Führer und Truppe« einzuführen sucht (Kumm 1978, 46ff). Phleps Genauigkeit war sprichwört- lich bekannt, und so sagt Kumm denn auch über den Vorbefehl vom 3.10.1942, ohne wohl bewusst aus diesem zu zitieren, dass dieser, der wie gesagt die »Richtschnur für die künf- tige Arbeit« darstellte, mit der gleichen Gründlichkeit wie der Div. Befehl verfasst worden sei (vgl. Kumm 1978, 51).
93 Außerhalb der wörtlichen Zitate wird diese Schreibweise, wie sie z.B. auch bei Hory/ Broszat (1964) verwendet wird, beibehalten.
94 Cacak, Uzice und Kraljevo sind zwischen 100 und 120 km von Pantschowa im südöst- lichen Banat entfernt.
95 In Mladenovac (50 km südsüdostw. Belgrad) wurden, nachdem zwei deutsche Offiziere auf offener Straße angeschossen worden waren, als vorläufige Sühne fünfzig Kommunis- ten erschossen (vgl. Eintrag vom 25.12.42 OKW 1942 Tb. II. 1187).
96 Über die genaue Anzahl waren sich Kasche und das SS-Hauptamt bis Ende November wei- ter uneinig. Berger gab 4341 Männer an, von denen, wie er schrieb, 1209 »zu den Bewa- chungsmannschaften in den KL geschickt worden waren (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 306/2564 Dok. M6). Kasche verwies auf die Angaben der Volksgruppenführung und ging von 5505 Männern aus. Er beschwerte sich über die Abweichungen beim AA (vgl. ebd. Dok. MIO).
97 Eine Zielscheibe der Angriffe Kasches und Luthers war dabei der von Berger mit der Durchführung der Werbung beauftragte Obersturmbannführer Herrmann. Berger und Herrmann wurde vorgeworfen, sich nicht an die mit dem AA getroffenen Abmachungen

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Anmerkungen zu Kapitel III
gehalten zu haben (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 306/2564 Dok. H297429). Außerdem beschwerte sich Luther über den unangemessenen Ton, den Herrmann ihm, einem alten National- sozialisten, gegenüber einschlug (vgl. ebd. Dok. H297413).
98 Vergleicht man die Eintragungen im Kriegstagebuch des OKW im zweiten Halbjahr 1942 in Bezug auf Serbien und Kroatien miteinander, so wird der Unterschied überdeutlich. Während es in Serbien nur kleine Partisanenaktionen gab, fanden in Kroatien heftige Kämpfe mit der Partisanenarmee Titos statt. Die Meldungen über Kroatien ähneln dabei mehr denen von regulären Kämpfen auf anderen Kriegsschauplätzen als den Meldungen über die »Ordnungsmaßnahmen« in Serbien.
Eine kurze Anmerkung zur Kriegsführung der deutschen Wehrmacht und der damit ver- bundenen Behandlung der Zivilbevölkerung: Bei der Durchsicht des Kriegstagebuchs des OKW stieß der Verfasser auf eine Eintragung über die Lage in Kroatien vom 12.12.1942. Dort heißt es: »Mehrere Überfälle auf Eisenbahnstrecken, z.T. erheblicher Sachschaden. Hauptstrecke Agram-Novska und Agram-Sisak ist vorübergehend durch Minenlegung unterbrochen. Die vermehrte Heranziehung der Zivilbevölkerung zur Streckenbegehung ist eingeleitet« (OKW 1942 Tb. II, 1125).
99 Dass die Entscheidung bis in die höchsten SS-Kreise hinein zumindest unklar war, wird daraus ersichtlich, dass Meyszner noch im November 1942 beim Reichsführer-SS schrift- lich nachfragte, ob dieser dem Einsatz der Division außerhalb Serbiens zugestimmt habe (vgl. BA: NS 19/292, Dok. 13).
100 Am 25. 1. 1943 konnte Kasche in einem Schreiben an das AA abschließend nur noch be- merken: »Es handelt sich nicht um eine >Freiwilligen-Aktion in Kroatiens sondern um eine vom Reichsführer-SS befohlene, vom Reichsaußenminister gebilligte und damit mir gegen die hier geltend gemachten Bedenken vorgeschriebene Maßnahme einer allgemei- nen Rekrutierung der Wehrfähigen der Deutschen Volksgruppe in Kroatien« ( PA/AA: Inl. Ilg 307/2566 Dok. H297394).
101 Im Februar 1943 verlor dann Kasche seinen Mitstreiter Luther wegen dessen Versuch, Reichsaußenminister Ribbentrop zu stürzen. Als Himmler schwankte, ob er Luther wirk- lich in ein KZ einliefern lassen sollte, wurde er von dem alten Freund Bergers, dem Chef des Persönlichen Stabes des Reichsführers-SS, Wolff, dazu überredet (vgl. Höhne 1976, 482 ff). Man kann davon ausgehen, dass Luthers konsequente Opposition gegen Bergers Pläne ihm auch die Feindschaft von Bergers Duzfreund Wolff eingebracht hatte. Siehe hierzu auch verschiedene Schreiben, in denen sowohl Luther als auch Berger sich je- weils, zum Teil in denunziatorischem Ton, übereinander bei Wolff beschweren (vgl. BA: NS 19/319 und PA/AA: Inl. Ilg. 306/2564).
Auch im Kriegstagebuch des OKW wird im Verlauf des Jahres 1943 bei allen Fragen, die die Rekrutierung von Volksdeutschen betreffen, zunehmend auf die ausschließliche Zu- ständigkeit des Reichsführers-SS verwiesen (vgl. OKW 1943 Tb II, 1323).
102 In Berichten an das RSHA vom Oktober 1942 wurden z.T. unter Verweis auf die Informa- tionen von kroatischen V-Männern die Italiener beschuldigt, die Tschetniks offen gegen die Kroaten zu unterstützen und sogar selbst an Verbrechen an der kroatischen Zivilbe- völkerung beteiligt gewesen zu sein (vgl. PA/AA : Inl. Ilg 86/1956 Dok. H300222ff und Dok. H300244 und 86/1957 Dok. H300266ff).
103 Die Organisationen der ungarischen Volksgruppe in Kroatien waren zu schwach, um selbstständig in den Kämpfen ein Rolle zu spielen. Wie aus verschiedenen Berichten an das RSHA hervorgeht, arbeiteten sie mit den kroatischen oder deutschen Organisationen zusammen, obwohl es Widersprüche in territorialen Fragen gab (PA/AA: Inl. Ilg 86/1956 Dok. H300162-164 und Dok. H300186-188).
104 Wie aus einem Bericht vom 25.9.1942 über eine »Tagung der muselmanischen Geistlich- keit« hervorgeht, gab es darüber unter den Muslimen eine breite Missstimmung (vgl.

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Anmerkungen zu Kapitel III
PA/AA: Inl. Ilg 86/1956 Dok. H300196-201). Die Differenzen zwischen Muslimen und Ustascha waren für Himmler mit ausschlaggebend dafür, den Aufbau einer bosnisch- muslimischen SS-Division zu betreiben.
105 In einem erschütternden Bericht vom 10.2.1943 aus der muslimischen Gemeinde Buko- vica heißt es: »Am 5.2. des Jahres haben Cetnici die Gemeinde Bukovica angegriffen… und etwa 500 Männer, Frauen und Kinder verbrannt… Es wurden Mädchen gefunden, die man nach erfolgter Vergewaltigung gepfählt hatte … Im Dorfe Strazice wurde die Lei- che des Hadschi Tahirovic gefunden, dem man die Haut von den Kniekehlen über den Rücken und Kopf auf die Brust gezogen hatte« (PA/AA: Inl. Ilg 310/2574 Dok. F12). Es liegen zu den von den Tschetniks begangenen Grausamkeiten weitere vergleichbare Be- richte vor (vgl. ebd. Dok. Fl3-14). In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass der Verfasser in den deutschen Dokumenten keine vergleichbaren Berichte über Verbrechen der Partisanen Titos gefunden hat. Zwei reichsdeutsche Angestellte der Hansa Leichtmetallwerke bei Livno waren von den Partisanen gefangen genommen worden und verbrachten mehrere Wochen in Titos Hauptquartier in Bosnien. Im September 1942, nach ihrem Austausch gegen gefangene Partisanen, berichteten beide sowohl von der Disziplin und der modernen Ausrüstung der Verbände Titos als auch über ihre absolut korrekte Behandlung als Gefangene. Darü- ber hinaus schilderten sie, wie drei Partisanen, die eigenmächtig Racheakte an Ustascha- Gefangenen verübt hatten, von einem Partisanengericht zum Tode verurteilt worden wa- ren. Die drei Partisanen wurden hingerichtet, obwohl bekannt war, dass diese Ustascha- Gefangenen vorher an Terrorakten beteiligt gewesen waren (PA/AA: Inl. Ilg 86/1956, H300175-H300185).
106 Im Sitzungsprotokoll steht im genauen Wortlaut »Vertreter aller unserer Völker« (PA/AA: Inl. Ilg., 86/1957, Dok. H300310)
107 Das Gleiche galt selbstverständlich für vereinzelte deutsche Soldaten. In Westbosnien wurden bei den Kämpfen im Raum Sanski Most-Prijedor vermisste deutsche Soldaten als Leichen, zum Teil verstümmelt, geborgen (vgl. Eintrag vom 26.12.42 OKW 1942 Tb. II. 1190).
108 Laut Lustiger (1994, 377) sind 4700 Juden namentlich bekannt, die unter Tito kämpften. 109 ID steht für Infanteriedivision.
110 An dieser Stelle sei auf Kapitel I verwiesen, in dem auf den Begriff des Reinen und Un- reinen analog zum Eigenen und Fremden und den damit verbundenen Begriff der Säu- berung im ethnischen Krieg eingegangen wurde.
111 An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass die Distanz zwischen Heimat und Einsatzort für die Mehrheit der Volksdeutschen innerhalb der »Prinz Eugen« auch in den folgenden Kriegsjahren maximal wenige hundert Kilometer betrug. Dass die damalige Zusicherung aber durchaus nicht endgültig war, zeigen Pläne des OKW vom 30.1.1943, die SS-Div. »Prinz Eugen« nach Abschluss von »Weiß« als operative Reserve für Griechenland ein- zusetzen (vgl. OKW 1943 Tb., 120).
112 Auch Kumm zitiert Auszüge des Befehls vom 18.1.1943, ohne nur einen kleinen Hinweis auf die obige Passage zu geben. Er verbleibt völlig bei selbst für den militärischen Aspekt belanglosen Details (vgl. Kumm 1978, 57).
113 Schon in einem Bericht des Polizeiattaches von Zagreb an Himmler vom 24.9.1942 über Verhandlungen des italienischen Divisionsstabs bei Mostar mit den Tschetniks wurde die Schwäche und Unsicherheit der italienischen Truppen beklagt (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 86/1956 Dok. H300190-H300192).
114 Am 18.4.1943 heißt es im Kriegstagebuch: »Schlechte Moral und geringer Kampfwert der kroat. Truppen in wiederholten Zusammenstößen mit den Aufständischen bestätigt« (OKW 1943 Tb. I, 350).

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Anmerkungen zu Kapitel III
115 Während im Kriegstagebuch des OKW in Bezug auf die Operation »Weiß« immer wieder von Schwierigkeiten der verschiedenen Divisionen bei der Erfüllung der gesteckten Zie- le zu lesen ist, wird die »Prinz Eugen« meistens im Zusammenhang mit Erfolgsmeldun- gen genannt. Am 27.2.1943 heißt es z.B.: »In Kroatien drängte die SS=Div. den Gegner trotz Behinderung durch Wetter und Gelände zurück« (OKW 1943, Tb. I, 165).
116 Laut einer Eintragung vom 13. 2. 1943 deckten die Gruben in der Nähe von Mostar 10 % des deutschen Bedarfs und stellten 25 % der kroatischen Förderung an Bauxit (vgl. OKW 1943, Tb. I, 122).
117 Laut einer Eintragung vom 3.2.1943 waren allein in der Zeit vom 20.1. bis 30.1.1943 bei der Operation »Weiß« 1390 Partisanen getötet worden. Dem standen 100 deutsche und 74 kroatische Gefallene gegenüber (vgl. OKW. 1943, Tb., 97).
118 Wie aus einem Telegramm Bergers vom 22.5.1943 hervorgeht, hatte Kammerhofer bei Himmler um den Einsatz des Sonderkommandos »Dirlewanger« in Kroatien gebeten. Himmler hatte allerdings abgelehnt, aber versprochen, eine ebenso gute, aber wesentlich stärkere Truppe zur Verfügung zu stellen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 309/2572 Dok. B25). Die Brigade »Dirlewanger« war eine berüchtigte SS-Bewährungseinheit und 1941 im Gene- ralgouvernement aufgestellt worden (vgl. Hilberg 1990, 1033). Sie wurde ab 1942 bei der Partisanenbekämpfung in der Sowjetunion und 1944 bei der Niederschlagung des War- schauer Aufstands eingesetzt (vgl. Stein 1967, 242). Die von ihr begangenen Grausamkei- ten »überschritten selbst das SS-genehme Maß« (vgl. Stein 1967, 241 und Wistrich 1983, 54).
119 Am 29.3.1943 lässt der General Glaise-Horstenau nachfragen, ob es möglich sei, als Ver- geltungsmassnahme auch die Umsiedlung ganzer Dörfer vorzunehmen. Als Beispiel wird die Umsiedlung eines Dorfes in Syrmien angegeben, wo ein Dorf nach einem Überfall auf einen Eisenbahnzug geschlossen in ein deutsches Konzentrationslager in Semlin ge- bracht worden war. Da aber der ungarische Gesandte gegen diese Maßnahme protestiert hatte, wurde um eine Klärung gebeten (vgl. PA/AA: Inl. Ilg. 403/2820 Dok. 267333).
120 In der Dokumentation Bd. 5 wird in einer Anmerkung eine Propagandaabteilung »Ernst Thälmann« erwähnt, die mit der von Altgayer genannten Partisanenabteilung identisch ist (vgl. Dokumentation Bd.5, 64E). Siehe hierzu auch Kühnrich/Hitz (1997).
121 Das »Generalkommando V. SS Gebirgskorps wurde am 1. 7.1943 aufgestellt und war zur Führung der SS-Gebirgsdivisionen auf dem Balkan bestimmt. Es wurde im März 1945 in »V. SS Freiw. Geb. Korps« umbenannt (vgl. Hausser 1966, 329).
122 Offensichtlich war sich Himmler bewusst, dass er in von Oberkamp eventuell keinen fä- higen Nachfolger als Divisionskommandanten gefunden hatte. Er ließ deswegen in dem Schriftstück noch den Zusatz eintippen: »Die Voraussetzung für die endgültige Einset- zung des SS-Brigadeführers von Oberkamp als Divisions-Kommandeur ist selbstver- ständlich seine in den Wochen seines Kommandos bewiesene Eignung« (BA: NS 19/2601, Dok. 6). Unter von Oberkamp sollte die Division in der Tat einige Probleme bekommen. Er leitete sie dann auch nur bis 30.1.1944.
123 Wie aus seiner Gebührniskarte hervorgeht, war Bothmann Jahrgang 1911 und von Beruf Kriminalkommissar. Er war am 1.3.1933 in die NSDAP und am 1. 6. 1933 in die SS ein- getreten. Er war ab 4. 2.1939 dem Reichssicherheitshauptamt zugeteilt und diente offi- ziell vom 25.5.1943 bis 31.1.1945 in der Waffen-SS. Er erhielt im Krieg in Kroatien das K. v. K. I. (1943) und II. Klasse (1944) mit Schwertern und den kroatischen Orden der Krone des Königs Zvonimir II. Stufe mit Schwertern (1943). Mit Wirkung vom 31.1.1945 schied er aus dem »aktiven Wehrverhältnis« der Waffen-SS aus (BA: SSO, Bothmann Hans. Die Signatur SSO steht für Dokumente aus der SS-Führerpersonalakte). Bothmann beging in britischem Gewahrsam 1946 Selbstmord (vgl. Hilberg 1990, 1166).
124 Im Original war fälschlich Botmann geschrieben.

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Anmerkungen zu Kapitel III
125 Im Original verwendet Lumans das Wort »outrageous«.
126 Uber den generellen Zusammenhang zwischen der Umsiedlung der Volksdeutschen und
der Ermordung der europäischen Juden siehe Aly (1995).
127 Die 717. ID, die an »Weiß« teilgenommen hatte, war nach Griechenland verlegt worden.
Auch dort war ihre Aufgabe die Aufstandsbekämpfung. Sie war dabei für das »Blutbad von Kalavrita« verantwortlich. Kalavrita wurde zum Symbol für die unter der deutschen Besatzungsherrschaft begangenen Verbrechen (vgl. Manoschek/Safrian 1995, 370). Sowohl bei der 717. ID als auch bei der 718. ID war im Anschluss an »Weiß« mit Um- strukturierungen begonnen worden, um sie dem verstärkten Krieg gegen die Partisanen anzupassen. Beide veränderten ihre Bezeichnung und wurden zur 717. und 718. Jg. Div. – später 117. und 118. Jg. Div. (vgl. OKW 1943 Tb. I, 215 f).
128 Die 1. Geb. Div. hatte bereits am Überfall auf Jugoslawien April 1941 teilgenommen und war danach an der Ostfront eingesetzt gewesen (vgl. Kaltenegger 1989, 62).
129 Laut Kriegsrangliste sämtlicher Offiziere und Beamten in Offiziersrang des SS Geb. Pi. Btl. 7 »Prinz Eugen« diente dort vom 17.3. bis 26.6.1943 der SS-Ostuf. d. Res. Truppen- arzt Dr. Georg Awender. Anschließend wurde er zum Artl. Rgt. der »Prinz Eugen« versetzt (vgl. MA: RS/4-1428). Georg Awender war der Bruder des Volksgruppenaktivisten Jakob Awender.
130 Ganz in diesem Ton lesen sich auch die Divisionsgeschichten von Kumm (1978) und Mi- chaelis (1998). Angereichert sind sie durch Erinnerungen einzelner Kombattanten an das Einnehmen von Höhen und das Bezwingen des soldatischen Gegners.
131 Im Bericht der Jugoslawischen Staatskommission über den Einsatz der »Prinz Eugen« bei der Operation »Schwarz« heißt es: »Gleich nach dem Einfall eröffnete diese Truppe ohne jeden Grund das Feuer sämtlicher Waffen und begann mit der Ausübung unerhörter Ver- brechen in den ruhigen Dörfern. Alles was sie antraf, wurde niedergebrannt, ermordet und geplündert… Die Opfer wurden erschossen, abgeschlachtet, gefoltert oder in bren- nenden Häusern verbrannt« (Nürnberg XX, 410 f).
132 Auch die Verlust- bzw. die Gefangenenzahlen sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache. Am 30.5.1943 meldete das OKW 897 tote Kommunisten gegenüber 15 toten Tschetniks und 701 gefangene kommunistische Partisanen gegenüber 3049 gefangenen Tschetniks (vgl. OKW. 1943 Tb. I, 563).
133 Wie bereits angedeutet, vermeidet Kumm möglichst jeden Hinweis auf die Brutalität der Vorgehensweise der Division. Man kann aber erahnen, wie die Situation der Einge- schlossenen gewesen sein muss, wenn er über »Schwarz« schreibt: »Dem Feind, dem nun die ganze Misere seiner Lage klar wird – mit weit über 40000 Mann, dabei entsetzlich vie- len Typhuskranken und Verwundeten, in völlig vegetationslosem Karst, ohne Verpfle- gung, ohne jede Unterkunft – im Hochgebirge ist es zu dieser Zeit noch grimmig kalt, auf allen Höhen vom Vojnik bis zum Maglic und Durmitor noch tiefer Schnee« (Kumm 1978, 78). »Die Btlne. melden, dass bei einigen Feindbrigaden 40-50 % Frauen kämpfen, sie sind im Kampf am fanatischsten« (ebd. 88).
134 Vergleicht man die Verlustzahlen der 707. ID beim Einsatz hinter der Ostfront, so stehen dort 3423 getöteten Feinden eigene sieben Tote und acht Verwundete gegenüber (vgl. Heer 1995, 120). Auch hier zeigt sich der besondere Charakter des Kampfes in Jugosla- wien. Er war beides, wirklicher Kampf gegen zum Teil gut bewaffnete Partisaneneinhei- ten und Verfolgung und Ermordung der feindlichen Zivilbevölkerung.
135 Im gleichen Schreiben wird deutlich, dass der vorher mit dieser Aufgabe betraute SS- Standartenführer Oberwurzer abberufen wurde (vgl. BA: NS 19/2953). Oberwurzer über- nahm dann das Kommando über die in Aufstellung befindliche kroatische SS-Division »Handschar«, die in erster Linie aus muslimischen Kroaten bestehen sollte (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 310/2575 Dok H297522).

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Anmerkungen zu Kapitel III
136 Nachdem Kasche immer wieder versucht hatte, den Ausbau der Volksdeutschen Waffen-
SS in Kroatien zu behindern, ist davon auszugehen, dass sein Versuch, Altgay er zu ent- fernen, mit dessen Einstellung zu den Rekrutierungsmaßnahmen der Waffen-SS zu tun hatte.
138 Laut einer Eintragung im Kriegstagebuch des OKW vom 11.7.1943 wurde nach wie vor erwogen, die 7. SS-Division auch außerhalb ihrer Heimat, hier konkret in Griechenland, zur Abwehr der erwarteten alliierten Invasion einzusetzen (vgl. OKW 1943 Tb. II, 772).
139 Als ein besonders erschütternder Beleg dafür, den auch viele Autoren zitierten (z.B. Stein 1967, 246; Sundhaussen 1971, 194), wurde beim Nürnberger Prozess gegen die Haupt- kriegsverbrecher ein Foto vorgelegt, das SS-Männer zeigt, die einen Gefangenen köpfen (vgl. Nürnberg XX, 440). Schon im Prozess versuchte der als Zeuge befragte Generaloberst der Waffen-SS, Paul Hausser, die vorgelegten Beweise, Fotos und Zeugenaussagen un- glaubwürdig zu machen, indem er darauf verwies, dass nicht eindeutig festgestellt wer- den könne, ob es sich bei den Tätern wirklich um Männer aus Einheiten der Waffen-SS gehandelt habe (vgl. Nürnberg XX, 391 ff und 405 ff).
140 Formal bestand auch während des Krieges in Jugoslawien die Trennung zwischen den Aufgaben der SS-Polizei und der Waffen-SS weiter. Erschießungen von Zivilisten waren deswegen bei strenger Auslegung der Gesetze den Waffen-SS Einheiten untersagt, d.h. die Tötung von Zivilisten als Teil der Partisanen hatte im Kampf zu erfolgen. Nach der Beendigung der Kämpfe war formal die SS-Polizei, in Absprache mit den kroatischen Be- hörden, für die Durchführung der verhängten »Sühnemaßnahmen« zuständig.
141 Siehe Kapitel III/3.4.2 und 3.4.3 dieser Arbeit.
142 Die bisher ausführlich dargestellte Vorbereitung und Durchführung der verschiedenen
Operationen zeigt ein Bild der Division, das auch im weiteren Verlauf ab September 1943 seine Gültigkeit behält. Im Folgenden werden daher militärische Einzelheiten nur dann näher beleuchtet, wenn sie neue Aspekte verdeutlichen. Im Militärarchiv in Freiburg fin- det sich eine beeindruckende Menge von Dokumenten mit unzähligen »militärischen« Details über die verschiedenen Operationen »Weiß« (vgl. MA: RS 4/1419), »Schwarz« (vgl. MA: RS 3-7/13) und Rösselsprung (vgl. MA: RS 4/1135).
143 Am 28. 7.43 findet sich im Kriegstagebuch des OKW die Eintragung, dass das für diesen Fall vorgesehene Stichwort »Alarich« am 1.8. bzw. 8.8. durch das Stichwort »Achse« er- setzt werden sollte (vgl. OKW 1943 Tb. II, 850 und 1647).
144 Kumm schreibt über diese Phase bis zum Beginn des Unternehmens »Achse«: »So haben die einzelnen Btlne., jeweils auf sich allein gestellt, ohne einheitliche Führung, in die- sem Riesenraum eine schwere Zeit zu überstehen« (Kumm 1978, 94).
145 Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Mihajlovic am 16. 7. die Devise herausge- geben hatte, »um Tito den Wind aus den Segeln zu nehmen«, den Kampf nun nicht mehr unter großserbischem, sondern unter jugoslawischem Vorzeichen zu führen (vgl. OKW 1943, 812).
146 Laut Michaelis (1998, 122) wurde Amico vom SD erschossen, da er ein erklärter Gegner der Judenverfolgung war. Amico war es zuvor öfters gelungen, Juden vor der Vernichtung zu retten. Schmidhuber soll nach der Eroberung Dubrovniks sofort die Verhaftung aller dort noch lebenden Juden angeordnet haben (vgl. Michaelis 1998, 122 Anm. 15).
147 Laut einem Bericht des Gesandten Neubacher hatte die kroatische Zeitung Nova Hrvats- ka am 7.10.1943 die Einnahme Splits mit den Worten gefeiert: »Blutig wurde die Front der serbisch-jüdischen Partisanenverbrecher und der italienischen Katzelmacher zer- schlagen« (PA/AA: Inl. Ilg. 404/2824 Dok. D6).
148 Im Dezember 1943 sind in einer Operation »Herbstgewitter II« aus dem gleichen Grund noch einmal deutsche Verbände, diesmal Kampfgruppen der 118. Jg. Division, bei Kor- cula und Raciste gelandet (vgl. OKW 1943, 1379).

// 316

Anmerkungen zu Kapitel III
148a Laut Kumm wurde am 11. 7.1977 in der jugoslawischen Zeitung Politika von der Einwei- hung eines »Denkmals für die Opfer des faschistischen Terrors« berichtet. Dabei stand in der Zeitung: »Auf diesem Platze massakrierten Strafeinheiten der übelbeleumundeten SS-Division »Prinz Eugen« am 7. Juni 1943 annähernd 500 Frauen, Kinder und erwach- sene Männer« (zitiert nach Kumm 1978, 385). Nach den Unterlagen im Militärarchiv Frei- burg wurde die Aufstellung von St.V.Z. zum erstenmal am 13.9.1943 für das Pz.A.O.K.2 befohlen. Die »Prinz Eugen« erhielt erst am 12.10.43 den Divisionsbefehl. Wenn Kumms Daten aus dem Zeitungsartikel stimmen, dann sind die dort verwendeten Zeitangaben zu- mindest ungenau. Wenn aber Kumm generell gegen die Vorwürfe Stellung nimmt und da- bei u.a. behauptet, »1. Die Division »Prinz Eugen« hatte während der 3 Jahre ihres Be- stehens nie »Strafeinheiten« (ebd. 386), dann sagt er offensichtlich die Unwahrheit.
149 Der SS-Kannonier Franz Glwitz aus Sarwasch in Kroatien sollte wegen Fahnenflucht, Diebstahls und fahrlässiger Tötung vor seiner Einheit, der II. Abt. des SS- Geb. Art. Rgt. 7, erschossen werden (vgl. MA: RS 4/1132 Dok. 3481).
150 Innerhalb der Waffen-SS wurden Freiwillige aus Nord- und Westeuropa als »Germanen« bezeichnet.
151 Aus Bergers Brief an Brandt ist bereits oft zitiert worden, um sich mit dem Aspekt der Wehrpflicht bzw. der Freiwilligkeit der Volksdeutschen auseinander zu setzen (vgl. Her- zog 1955, 5; Stein 1967, 155; Sundhaussen 1971, 189 etc). Nur bei Janko (1982) wird aber auf die auch hier zitierte Stelle verwiesen.
152 Janko schreibt in der Rückschau, dass ihm damals die Einstellung des SS-Gruppenführer Phleps befremdete, der doch als Siebenbürger Sachse in den angeführten Fällen Ver- ständnis für die Volksdeutschen hätte aufbringen müssen (Janko 1982, 227).
153 Janko schreibt in Bezug auf die in diesem Zusammenhang gegen ihn geführten Angriffe und den gescheiterten Plan von Teilen der Divisionsführung, ihn und die Volksgruppen- führung in Zukunft auszuschalten: »Der Misserfolgl, den] Plan durchzusetzen, wurde zu einem Erfolg für die Division. Der Kampfwille der Männer wäre im gegenteiligen Falle vollständig zusammengebrochen, denn sie hätten das Gefühl haben müssen, ihrer Stütze in der Heimat beraubt worden zu sein« (Janko 1982, 228).
154 In der Tat kann man die Verflechtung der Banater Schwaben mit den verschiedenen Aspekten der deutschen Besatzungszeit bis ins Detail verfolgen. So sind die Namen Christof Mayer-Helmer und Ludwig Halbweiß auch in der Liste derjenigen zu finden, die die ersten Kredite zum Ankauf von Judenbesitz 1941 erhielten (PA/AA: Inl. Ild, 19/2, R100587).
155 Die Amtsblätter der Volksgruppenführung der Deutschen Volksgruppe im Banat und in Serbien trugen auf der Titelseite ein aus der Odalsrune, einem Schwert und Weizenähren zusammengesetztes Zeichen. Auch in ihm spiegelt sich der Versuch wider, die Verbin- dung zwischen der Banater »Wehrbauerntradition« und der »Prinz Eugen« symbolisch auszudrücken (vgl. PA/AA: Inl. IIc R100383).
156 Die Tito-Truppen waren durch italienische Freiwillige verstärkt worden. Churchill (1996, 879) spricht von 2 Divisionen. Das OKW (1944-45 Tb. I, 646) beziffert am 10. 2. 1944 die zu diesem Zeitpunkt schon stark dezimierten italienischen Partisaneneinheiten noch im- mer auf etwa 20000 Mann.
157 Nach seiner Zeit bei der »Prinz Eugen« bekam Krüger dann im Juli 1944 das von ihm heiß ersehnte Divisionskommando bei der 6. SS-Gebirgsdivision »Nord« (vgl. ebd. Dok 117). Krüger fiel »angeblich« im Mai 1945 (vgl. Hilberg 1990, 1173).
158 Interessant ist es, die Verlustzahlen der Waffen-SS-Divisionen an der Ostfront denen der »Prinz Eugen« gegenüberzustellen. Ein Beispiel: Am Überfall auf die Sowjetunion waren in den ersten Wochen vier SS-Divisionen mit insgesamt knapp 70 000 Soldaten aktiv be- teiligt gewesen (vgl. Stein 1967, 108 Anm. 108). Bereits fünf Wochen nach dem Überfall

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Anmerkungen zu Kapitel III
auf die Sowjetunion waren davon etwa 8000 Mitglieder verwundet oder vermisst bzw. ge- fallen (vgl. Wegner 1997, 282).
159 So hieß es in einem Divisionsbefehl für das Unternehmen »Falkenjagd« über eine »Maß- nahme« bei Stolac: »Bevölkerung kommunistisch…Gefangene der 29. Banditendivision sind grundsätzlich aufzuhängen, da sie neuerdings alle deutschen Gefangenen tötet« (MA: RS 4/1131 Dok. 4021). »Bei diesem Einsatz hatte das Geb.Pi.-Btl.7 die Aufgabe, die Orte wie VLAHOVICI und andere … restlos zu vernichten. Die gesamte Bevölkerung ist als Munitionsträger usw. einzuteilen und anschliessend zur Aussonderung und Über- prüfung nach Stolac in die Gefangenensammelstelle der Feldgendarmerie abzuliefern« (vgl. ebd. Dok. 4022). An der »Falkenjagd« waren laut Divisionsbefehl auch Teile des 14. Rgts. und Tschetniks beteiligt. Der Kompanieführer der 9. Kompanie des 1. Btl. des 14. Rgts. war zu diesem Zeitpunkt der ehemalige Aktivist der deutschen Volksgruppe Ja- kob Lichtenberger (vgl. ebd. Dok. 4024).
In Zusammenhang mit der 29. »Banditendivision« sei auf eine Eintragung im Kriegstage- buch des OKW vom 31.12.1943 verwiesen. Die 29. kommunist. Div. hatte, da sie sie nicht abtransportieren konnte, alle deutschen Gefangenen (3 Offz. und 26 Uffz. und Mann- schaften), darunter den Eichenlaubträger Hptm. d. Luftwaffe Kirchner, bei Stolac in der Nähe von Mostar erschossen. Der »Führer« genehmigte danach auf eine Anfrage des OB Südost, dass alle bei der Insel Korcula gemachten Gefangenen (ca. 220 Mann) öffentlich gehängt bzw. erschossen wurden (vgl. OKW 1943 Tb.II, 1393). Offensichtlich hatte die Division aber die Hoffnung in Bezug auf Kirchner noch nicht ganz aufgegeben. Jedenfalls wurde das I. Bataillon des 14. Rgt. am 15. 2. 1944 damit beauftragt, in Bjelovici nach Kirchner zu forschen (vgl. MA: RS 4/1131 Dok. 4045).
160 So hieß es, um nur ein Beispiel zu nennen, am 27.1.1944: »Aufklärung und Benachrich- tigung durch Cetniks sehr gut« (MA: RS 4/1131 Dok. 4000). Wie aus einem Schreiben Kammerhofers vom 10.1.1944 hervorgeht, war vom III. Germ. SS-Panzerkorps in diesem Zeitraum eine Überläuferaktion in Gang gesetzt worden. Mit ihr versuchte die SS, ein- zelne Banden aus der Aufstandsbewegung herauszulösen (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 404/2824 Dok. H298842).
161 Bei der Befragung des Zeugen Haussers in Nürnberg leugnete dieser die Existenz einer »Teufelsdivision«. Hausser: »Nein, eine Division >Teufelsdivision< hat es nie gegeben« (Nürnberg XX, 413). In einem Schreiben der deutschen Gesandtschaft vom 3.5.1943 be- findet sich allerdings ein Protokoll einer Lagebesprechung in Sarajewo. Bereits bei dieser Besprechung, die im April 1943 stattfand, sagte der Bevollmächtigte der kroatischen Re- gierung für Zentralbosnien, Minister Canki: »Im Lande bestehen zahllose Verbaende: Ustaschas, Domobranen, oertliche Milizen, deutsche Wehrmacht, so dass die Gefahr der Zersplitterung gegeben ist. Zweckmaessig waere die Errichtung von einheitlichen Ver- baenden unter deutscher Fuehrung nach dem Muster der Teufelsdivision« (Hervh. v. Verf.). Welche offizielle Bezeichnung sich hinter dem Begriff »Teufelsdivision« verbirgt, ist nicht genau festzustellen. Im Kriegstagebuch des OKW wird davon gesprochen, dass am »Zwischenfall« von Otok neben der »Prinz Eugen« auch serbische Tschetnik-Einhei- ten beteiligt waren, sodass diese vielleicht unter dem Namen »Teufelsdivision« geführt wurden (vgl. OKW 1944-45 Tb. I, 745).
162 Im Protokoll des Nürnberger Prozesses wurde Dietsche als Oberstleutnant bezeichnet. Das entspricht als Wehrmachtsdienstgrad dem Rang eines SS-Obersturmbannführers (vgl. Nürnberg XX, 409).
163 Beim Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wurde die Zahl von 834 To- ten genannt (vgl. Nürnberg XX, 409).
164 Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass die amerikanischen Piloten in Zusammenhang mit der Verfolgung fliehender irakischer Panzerverbände 1991 von »Truthahnjagd« spra- chen (vgl. Mentzos 1993, 113).
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Anmerkungen zu Kapitel III
165 In einem Schreiben vom 11.11.1944 kommt Kasche noch einmal auf Otok zu sprechen. Kasche schreibt: »Im Raum des V. SS-Korps haben die Vorfälle bei Otok im weiten Raum gegen uns die Bevölkerung aufgebracht« (PA/AA: Inl. Ilg 405/2828 Dok. 405481).
166 Im Kriegstagebuch des OKW heißt es zu Otok u. a.: »Die Untersuchung des Pz.=AOK 2 er- gab, dass es sich um im Bandenkampf begangene Kampfhandlungen handelte. Das OKW verlangte jedoch eine Fortführung der Untersuchung, … da Angehörige der Domobra- nen= und Legionsdiv.en betroffen worden [waren] und die Rückwirkungen auf diese er- heblich seien« (OKW 1944-45 Tb. I, 745).
167 So wie die Operationen »Weiß« und »Schwarz« waren auch die folgenden Operationen vor- und nachbereitet worden. So z.B. »Rösselsprung« in einem Divisionsbefehl vom 23.5.1944 (vgl. MA: RS 4/1135 Dok. 3837 ff). Der vierzehnseitige Erfahrungsbericht des Unternehmens ist vollständig bei Kumm (1978, 195 ff) abgedruckt.
168 Im Wehrmachtsbericht wurden Namen von Soldaten und Einheiten genannt, die sich im Kampf besonders hervorgetan hatten (vgl. Krätschmer 1982, 968).
169 Bei der »Freien Jagd« war am 31.7.1944 der SS-Hauptsturmführer Reiser als Komman- deur des III. Btl. 14. Rgt. gefallen (vgl. Kumm 1978, 240). Reiser hatte vorher schon das I. Bataillon des 13. Rgts. geführt (vgl. ebd. 162). Wie Janko später schreibt, wurden nach Reisers Tod die verschiedenen Sturmbanne der »Deutschen Mannschaft« (DM) zu einer Standarte zusammengefasst und nach ihm benannt (vgl. Janko 1982, 164).
170 Wie einer Vortragsnotiz, die dem AA am 19.4.1944 vorgelegt wurde, zu entnehmen ist, war zwischen Kasche und den zuständigen Behörden der SS über den wahren Charakter der Maßnahmen eine Auseinandersetzung entbrannt. Kasche sah die Evakuierungen als kontinuierliche Fortsetzung der Umsiedlungspläne Himmlers an, während Lorenz sie als notwendig bezeichnete, um eine ungeordnete, panikartige Flucht zu verhindern (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 255/2429 Dok. D1-D4 und Dokumentation Bd.5, 86E).
171 Im Lagebericht der VOMI, Juni 1944, wird beschrieben, welche Schwierigkeiten sich dar- aus für die Volksdeutschen aus Slawonien ergaben, beispielsweise welche Umstellungs- probleme der Wechsel von einer waldreichen Gegend, in der viel Vieh- und Weidewirt- schaft betrieben wurde, zu einer Landwirtschaft, die in erster Linie Getreide- und Indu- striepflanzen anbaute, aufwarf (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 255/2429 Dok H298999). Dass man sich noch mit diesen Schwierigkeiten auseinandersetzte, zeigt, wie wenig zu diesem Zeit- punkt im Bewusstsein der Bevölkerung der Gedanke verbreitet war, dass in wenigen Wo- chen viele von ihnen für immer Kroatien verlassen würden.
172 Die deutsche Besatzungsmacht war bis zur Divisionsebene hervorragend über die Parti- sanen informiert. Im Militärarchiv in Freiburg finden sich unendlich viele Detailberich- te aus dem Bestand der »Prinz Eugen« über Zustand, Ausrüstung, weltanschauliche Po- sitionen und militärische Stärke der Verbände Titos (vgl. MA: RS 3-7/14-16).
173 Im Sprachgebrauch des Ustascha-Staates wurde die serbische Bevölkerung als Pravosla- wen bezeichnet.
174 Phleps nennt es unhaltbar, dass mehrere Minister mit Jüdinnen und der Poglavnik mit ei- ner Halbjüdin verheiratet sei (vgl. BA: NS 19/2154 Dok 3).
175 D.h. der kroatischen Wehrmacht.
176 Auch in der »Dokumentation der Vertreibung« wird nur von einer begrenzten Tätigkeit
der kleinen Partisaneneinheit »Ernst Thälmann« gesprochen (vgl. Dokumentation Bd.5, 64E). Nach Kühnrich/Hitz (1997, 115) stellten die Reichsdeutschen zeitweilig mit nur et- wa 90 Mann sogar die Mehrheit der kleinen deutschsprachigen Partisaneneinheit.
177 Wie aus einem Schreiben Belgrads an das Auswärtige Amt in Berlin vom 22.7.1943 her- vorgeht, waren bis zu diesem Zeitpunkt von den insgesamt 22 000 zum Wehrdienst ein- gezogenen Banater Schwaben 698 gefallen (PA/AA: Inl. IIc 32/153 R100380). Laut einer Erhebung der Volksgruppenführung war die Zahl bis 21.1.1944 auf 745 gestiegen. 112

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Anmerkungen zu Kapitel III
wurden vermisst und 60 waren verunglückt. Inklusive einer Zahl von 173 Verstorbenen wurden die Verluste auf insgesamt 1090 beziffert. Davon waren 795 Angehörige der Waf- fen-SS, d.h. der »Prinz Eugen« (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 253/2425 Dok. C25).
178 So nannte der Chef der VOMI, Lorenz, für die Volksgruppe die Zahl von 1500 Toten und Verschleppten bis einschließlich März 1944 (vgl. PA/AA: Inl. Ilg 255/2429 Dok. Dl).
179 Seit dem 1. 9. 1943 waren die deutschen Kräfte des OB Südost neu strukturiert worden. Der OB Südost verfügte über die Heeresgruppe E in Griechenland und das Pz. AOK 2 in Jugoslawien. Diesem wurden alle in Serbien und Kroatien liegenden Heerestruppen, das heißt auch das V. SS- Geb. AK mit der »Prinz Eugen« und der »Handschar«, unterstellt (vgl. OKW 1943 Tb. II, 969f).
180 Obwohl Janko diese Entscheidung des zuständigen Generals bedauert, hat er doch Ver- ständnis dafür, weil, wie er später schrieb, »… die Kriegsentscheidung auf des Messers Schneide« gestanden habe (im Oktober 1944!!) (Janko 1982, 234).
181 Otto Kumm übernahm am 6.2.1945 das Kommando über die 1. SS-Panzerdivision Leib- standarte SS »Adolf Hitler« (vgl. Krätschmer 1982, 248). Im Februar 1945 wurde Schmid- huber dann noch einmal in der Frontzeitung der SS-Gebirgsjäger Der Grenzer gefeiert. In dem Artikel »Den Kommandeuren der Division Prinz Eugen«, der als Anlage dem Kriegs- tagebuch des SS Geb. Pi. Btl. 7 beigegeben ist, heißt es: »In unserem neuen Divisions- kommandeur SS-Brigadeführer August Schmidhuber ist einer der erfolgreichsten Führer im Bandenkampf zu seiner Einheit zurückgekehrt« (MA: RS/4-1429).
182 Stein stellt in seinem Buch über die Waffen-SS die Gleichung auf: »[J]e höher der Pro- zentsatz der Volksdeutschen, desto niedriger das Leistungsniveau« (Stein 1967, 173). Diese Einschätzung ist in Hinblick auf die »Prinz Eugen« eindeutig nachweisbar falsch.
183 Italien, Rumänien und Bulgarien hatten bereits den Kampf an deutscher Seite aufgege- ben. In Ungarn konnte dies nur durch einen Putsch der »Pfeilkreuzler« verhindert wer- den. Sowohl die kroatische SS-Division »Handschar« als auch die albanische SS-Division »Skanderberg« mussten im Verlauf des Jahres 1944 wegen zunehmender Befehlsver- weigerungen und Desertationen aufgelöst werden. Die kroatische SS-Division »Kama« kam über die Phase der Aufstellung nicht hinaus (vgl. Stein 1967, 165 ff).
184 Eine Ausnahme machte hier vielleicht die ungarische Bevölkerung. Wie bereits erwähnt, war es nach der Übernahme der Baranja und der Batschka durch Ungarn auch dort zu Po- gromen an der serbischen Bevölkerung gekommen. Im Laufe des Krieges scheinen sich nur wenige Mitglieder der ungarischen Bevölkerungsgruppe an dem Kampf der Partisa- nen beteiligt zu haben. Insofern lässt sich die Tatsache, dass nach 1944 keine Vertreibung der ungarischen Bevölkerung einsetzte (vgl. Dokumentation Bd.5, 99E), nicht aus ihrer Teilnahme im Partisanenkampf erklären. Eventuell kann, nach anfänglichen spontanen Racheaktionen, die weitgehende Schonung der ungarischen Minderheit im Nachkriegs- jugoslawien zum einen auf das sich am Ende der Besatzungszeit langsam verbessernde Verhältnis zwischen den serbischen und ungarischen Bevölkerungsteilen zurückgeführt werden. Zum anderen ist zu bedenken, dass ungarische Einheiten keine Rolle bei der Be- kämpfung der Partisanen gespielt hatten.
185 Bei Bleibtreu in der Nähe von Klagenfurt an der österreichisch-slowenischen Grenze wurden zehntausende Gefangene der kroatischen Wehrmacht und der Ustascha von der »Volksbefreiungsarmee« getötet, nachdem sie ihr vorher von britischen Truppen überge- ben worden waren (vgl. Sundhaussen 1993, 93).
186 Die multiethnische Zusammensetzung war dabei Ausdruck sowohl der über den gesam- ten Zeitraum des Krieges hinweg konsequent betriebenen Politik Titos, den Befreiungs- kampf im Namen aller »Völker« Jugoslawiens, unabhängig von jeder ethnischen Zuge- hörigkeit, zu betreiben, als auch der ihr zugrunde liegenden kommunistischen bzw. inter- nationalistischen Weltanschauung (vgl. Sundhaussen 1993, 88ff). Es sei an dieser Stelle

// 320

Anmerkungen zu Kapitel III
daran erinnert, dass Tito von Geburt Josip Broz hieß und 1892 in Nordkroatien als Sohn eines kroatischen Vaters und einer slowenischen Mutter geboren worden war (vgl. Hem- mo 2001, 122). Wie schwierig es aber offensichtlich war, die ethnischen Differenzen im ehemaligen Jugoslawien zu befrieden, zeigt sich daran, wie noch zur Zeit des Vielvölker- staates Jugoslawien versteckt zwischen serbischen und kroatischen Nationalisten um die Verteilung der Ressourcen und die Macht gestritten wurde (vgl. ebd. 119 ff) und wie schnell der Konflikt nach Titos Tod und dann ab 1990/91 eskalierte (vgl. Grandits/Leut- loff 2001, 227 ff).
187 Spannend ist in diesem Zusammenhang, dass in der Dokumentation diese Einschrän- kung der kollektiven Verfolgung der Volksdeutschen benannt wird, ohne daraus aber ent- sprechende Schlüsse zu ziehen. Auch weiterhin wird dort von kollektiver Diskriminie- rung und pauschaler Verurteilung ausschließlich der »Deutschen« gesprochen.
188 Sowohl in der Dokumentation (Bd.5, 90Eff und 91 ff) als auch in dem von der Donau- schwäbischen Kulturstiftung herausgegebenen Buch über die an den Deutschen began- genen Verbrechen in Jugoslawien wird eine Fülle von erschütternden Berichten über die dabei begangenen Unmenschlichkeiten und das dabei verursachte Leid vorgelegt (Donauschwäbische Kulturstiftung 1998, 85 ff).
189 Alleine zwischen 1953 und 1960 wurde 53 298 Aussiedlern die Ausreise in die BRD ge- stattet (vgl. Dokumentation Bd. 5, 118E).
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Veröffentlicht 5. Juni 2015 von Viktor Koss in Allgemein

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