Stane Dolanc – Titoist, Geheimdienstchef, Kommunist, oder unbekanntes Janusgesicht   Leave a comment

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Alles bleibt in der Familie

Stane Dolanc

Stane Dolanc, wurde erst seit 1965 in seinem 40ten Lebensjahr  Mitglied der slowenischen kommunistischen Partei (ZKS). Aus dem Nichts wurde bis dann nicht nur für die breite Öffentlichkeit, sondern viel mehr innenpolitisches Leben der Partei ein anonymer Genosse aus Slowenien entgegen den Regeln des herkömmlichen parteipolitischen Werdegangs der kommunistischen Partei, als das alle erste Gesicht neben Tito katapultiert. Wie vom Himmel gefallen, prägt der korpulente Slowene seit 1971 das fraglose Machtbild des Staatsapparats. Nur wenige Jahren später wird ähnlich wie im Fall Ranković, die Ehefrau des unantastbaren, fast göttlich verehrten Staatspräsidenten Titos, Jovanka, aus seiner Umgebung und öffentlichem Leben entfernt und mundtot gehalten werden. Die erste Dame schwieg über Jahrzehnten, lehnte jedes Interview ab, wurde seit Mitte 70er Jahren als staatliche geschlossene Geheimsache behandelt. Erst vor ihrem Lebensende sprach sie von ihrem Schicksal und belastete schwer gerade Stane Dolanc (Tondokument unten im Text), den aus dem Nichts geschaffenen ersten Chef der Partei als Drahtzieher der Verschwörung gegen sie. Neben anderem erzählt sie darüber wie ihr bis zum Lebensende unklar geblieben ist, woher und wie Dolanc in eine solche unantastbare Machtlage in dem staatlichen und parteilichen Apparat aus absoluter Anonymität gelangen konnte.

Nach zwei Jahren in der Partei, schon 1967 wurde Dolanc in das Zentralkomitee der slowenischen kommunistischen Partei (ZKS) durchgedrängt. Zwei Jahre später 1969., ist Dolanc Mitglied des Zentralkomitees der föderalen kommunistischen Partei (SKJ) und seit 1971 ihr erster und einziger Sekretär, die erste Führungsfigur des neu gegründeten exekutiven Büros des Parteivorstands, also auf dem Gipfel der Macht einer, ohne Zweifel, Einparteidiktatur neben dem unantastbaren Tito. Wie zu diesem blitzartigen Erfolg kam, mit welchen Zielen wurden gleichzeitig die Reformen in der Partei und im Staate durchgesetzt, blieb bis heute ohne ernstliche wissenschaftliche Forschung. Mit keinem anderen Werdegang kann sich entsprechend Regeln des Aufstiegs innerhalb der parteilichen Hierarchie der rasche Sternflug Dolancs vergleichen. Da er durch absolut keine ideologische oder andere besondere Leistung, wie beispielsweise als Denker des ideologischen Systems  sich auszeichnete, bleibt die Vermutung einer hintergründigen hohen politischen Unterstützung, warum nicht ganz offen zu vermuten mit besonderen Plänen, berechtigt. Übrigens, erst durch die höchste Stellung innerhalb der Partei wurde Dolanc in die alle erste Zone unmittelbarer Nähe um Tito eingesetzt.

Sergej_Kraigher_na_obisku_IMV_1969

L. Šentjurc – S. Kraigher Tante u. Onkel

Möglicherweise hat mit dem außerordentlichen Aufstieg Dolancs seine Tante, Genossin Lidija etwas zu tun. Vielleicht war der Onkel, Genosse Sergej Kraigher, der Ehemann der Tante Lidija, veranlasst gewesen, dem Neffen Stane die möglichst einflußreichste politische und nachrichtendienstliche Stellung zu ermöglichen. Und die alle beste Position wäre die um Tito, so könnte man nicht nur ständig den Einfluß ausüben, sondern noch viel mehr an den immer älteren Greis vorbei, eigene Ziele und Pläne leichter durchsetzen. Die Tante Lidija, wie der Onkel Sergej begleiteten sehr hohe Ämter in der Partei und Institutionen der Republik Slowenien und Föderation. Sergej Kraigher war in der kritischen Zeit Ende 60er der Vorsitzende des Rats der Republik Slowenien, in 70er durch die Verfassungsänderung vom 1971 ist Onkel Kraigher zusätzlich der Mitglied des föderalen Präsidiums Jugoslawiens geworden und letztendlich nach dem Titos Tod 1980 wurde Kraigher der zweite rotierende Vorsitzende des föderalen Präsidiums der Republik (81-82).

wikipedia öogo Sergej Kraigher
Als Kraigher 1952 ins Zentralkomitee des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens (BdKJ) gewählt wurde, begann sein Aufstieg in der Parteihierarchie.
1953–1958 arbeitete er als Direktor des föderalen Planungsinstituts, das sich mit dem Aufbau der sozialistischen Wirtschaft befasste. 1958–1963 war Kraigher Industrieminister, ehe er zum Vizepräsidenten der föderalen Kammer der Nationalversammlung gewählt wurde. 1967 vertauschte er diesen Posten mit dem des slowenischen Parlamentspräsidenten, den er bis 1974 innehatte. 1969 wurde er ins Parteipräsidium gewählt. Als Präsident eines Republiksparlaments war er von Amts wegen auch Mitglied des föderalen Staatspräsidiums, das Tito 1971 mittels einer Verfassungsänderung hatte einrichten lassen. Im Mai 1974 wurde Kraigher zum slowenischen Republikspräsidenten gewählt; er hatte dieses Amt acht

Sergej Kraigher

Jahre lang inne…
1981 wurde Sergej Kraigher turnusgemäß zum Vorsitzenden des Staatspräsidiums gewählt und er war damit für ein Jahr jugoslawisches Staatsoberhaupt. Zur gleichen Zeit leitete der slowenische Politiker eine nach ihm benannte Kommission von Experten, die der Regierung Vorschläge zur Bewältigung der seit Mitte der 70er Jahre in Jugoslawien herrschenden Wirtschaftskrise unterbreiten sollte. Die Kommission kritisierte eine Reihe von Missständen im sozialistischen Wirtschaftssystem und sprach sich für marktwirtschaftliche Reformen aus, ohne jedoch die Arbeiterselbstverwaltung grundsätzlich in Frage zu stellen. Die 1983 im Abschlussbericht der Kraigher-Kommission unterbreiteten Reformvorschläge wurden aber kaum umgesetzt.

Die Verknüpfung mit besonders starkem Machtzentrum und stille entscheidende Unterstützung bekam Dolanc auch vom slowenischen und föderalen Führungskopf, besonders nach der Entsorgung Rankovićs, Edward Kardelj, der nach dem Ranković aller seiner Ämter 1966 enthoben wurde, real als politisch-ideologische Chef in der Republik Slowenien und in der jugoslawischen Föderation befestigt wurde. Die Frau Kardelj, Pepca, war nicht weniger einflußreich, insbesondere weil sie Schwester der grauen Eminenz der slowenischen und jugoslawischen Geheimdienste, Ivan Matija Macek war. Diese „Alte kommunistische Hofgarde“ aus Slowenien war vom roten König Tito unzertrennlich, aber auch Tito war eigentlich auf sie schon seit der Vorkriegszeiten besonders stark privat wie politisch angewiesen. Trotz allen Herausforderungen, Veränderungen, inneren Spannungen und Differenzen zwischen Gruppen um Kardelj und Kraigher, blieb dieser slowenisch – heimatliche Kern der alten Partei eng miteinander verbunden. In der Öffentlichkeit wurde ein solcher Eindruck der Existenz eines geschlossenen slowenischen Kreises nie geweckt, viel mehr sprach man von der jugoslawischen Idee, Demokratie durch die Selbstverwaltung, besonders seit Veränderungen durch die Ablösung Rankovićs (Kleiner Staatsstreich) 1966.

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London und seine Geheimnisse

 

Edward Kardelj

1962 geschah für die breite jugoslawische Öffentlichkeit etwas kaum vorstellbares, nicht weniger galt es für die ganze Partei und damit blieb selbstverständlich streng geheime innere Angelegenheit in Beziehungen zwischen Spitzenamtsträger des jugoslawischen Staates und der Partei. Kardelj ist ganz privat und heimlich nach London abgereist und untertaucht. Zwar er hielt sich in den Räumen der diplomatischen Vertretung in London, aber immerhin war es eine ganz private Angelegenheit die nach seiner späteren Bestätigung niemanden angehen darf, einfach seine Privatsache sei. Was der Grund für Kardeljs „unangemeldete Reise“ und Urlaub in London sein könnte, kann man bis heute nur raten. Damals sollte es intern inoffiziell um dauerhaften Streit zwischen Befürwortern der Planwirtschaft um Vizepräsidenten  Ranković und Mitstreitern der Marktwirtschaft um Chefideologen Kardelj auf der Gegenseite gegangen sein. Übrigens ein künstlich politisch hoch gespieltes Thema. Ein irrationaler politisch-ideologischer Machtkampf der wenig inhaltlich mit tatsächlichen Grundfragen der notwendigen marktwirtschaftlichen Fragen zu tun hatte.

Eigentlich in diesem Streit ging es um die Frage ob mehr Planwirtschaft oder mehr Arbeitsselbstverwaltung in der Zukunft die unlösbare reale und daraus folgende ideologische Probleme oder umgekehrt lösen könnte. In der realen Wirklichkeit könnte  weder die Planwirtschaft noch die Arbeitsselbstverwaltung und daraus folgende Selbstverwaltung kein wahres Streitthema gewesen sein, sondern die Machtfrage über die Machtverteilung und Positionierung eigener Leute in einem streng diktatorisch geordneten Staatssystem in dem die Machtstellung mit sich eine kaum vorstellbare Entscheidungsfreiheit ohne notwendige, eigentlich nicht existente rechtsstaatliche Prozedur ermöglichte . Mit dem staatlichen oder später in das gemeinschaftliche umbenannte Eigentum und seiner Funktionsweise und ideologischer Stellung in einer Parteidiktatur, könnte keine Rede von der Marktwirtschaft gewesen sein. Man sollte die Vorteile der Selbstverwaltung weder unterschätzen noch überwerten, weil auch in den marktwirtschaftlichen Systemen bzw. Betrieben kennt man gute Erfahrungen mit der Beteiligung der Belegschaften durch Selbstverwaltung, aber ohne klaren Eigentumsverhältnisse und ohne Rechtsmechanismen für die Haftung für die Verluste und wirkenden Rechte aus Gewinnen, war und blieb jede seit Jahrzehnten andauernde Debatte über den weiteren Weg nur noch eine Farce. Ein Zustand, der sich mit allen Unterschieden bis in die Gegenwart hineingezogen hatte und damit nach tieg eingeprägten Gewohnheiten der Politik eine überwältigte Richterstellung ohne ausreichende Achtung des Rechts und der Gesetzeslage  ermöglicht. In den Fragen wo eigentlich die klare Mechanismen eines Rechtsstaates, unabhängige Gerichte und Richter, unabhängige Staatsanwälte, unabhängiger Gesetzgeber, aufgrund des Rechtes, der Verfassung und Gesetzes entscheiden sollten, stand und steht noch immer die Politik durch die gegenwärtige Machtstellung als der wahre Richter, oft über das geltende Recht und Gesetz. Damals 1962, wie übrigens bis zum Ende Jugoslawiens, hat sich in diesem Sinne eigentlich trotz allen optischen Erscheinungen der Veränderungen des Systems und großen Worten, nicht viel wesentliches geändert.

Wann Jugoslawien anfangs 80er Jahren in die tiefe Krise rutschte, versuchte man durch eine Reihe der Stabilisierungsprogrammen das Problem im Griff zu bekommen. Vergeblich, weil die alle erste Grundlage der Marktwirtschaft, das Eigentumsrecht und die Pflichten und Rechte aus dem Eigentum als ideologisch fremde Sache kein Thema waren. Ausgerechnet schrieb Sergej Kraigher ein umfassendes Programm über die Lösung der Krise, das keine Verwendung fand und übrigens mit keinem Wort an Grundfragen als Ursachen der andauernden Krise  einging. Diese Grundthesen lediglich nur als die Schilderung über einem Streit der in 60er genau so fruchtlos geführt wurde wie bis zum Zerfall des Landes und bis heute als allgemein wichtige Thematik grenzüberschreitend andauert.

Kardelj und London eine geheime Beziehung
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Interestingly, one day in December 1962, Kardelj left for London unexpectedly, without letting anyone know. Tito construed this as desertion pure and simple. “Kardelj has abandoned me”, he declared. Ranković, the famous – or, rather, infamous – interior minister of the day, widely
Tito Churchill Eden 1953 London

Tito, Churchill, Eden 1953 London

regarded as “the scourge of the Kosovar Albanians”, outlined three possibilities: Kardelj 1) deserted to the West; 2) went to see a doctor following a hunting accident at home; 3) simply needed a vacation. At first, Tito dispatched a foreign ministry hand named Simić to fetch him, but Kardelj would not so much as answer the phone. Finally, he was nudged back home by a friend called Bakarić. All that Kardelj offered to say was that he had flown to London for his vacation, availing himself of his privilege to travel without having to account for his movements to anyone. Tito hugged him to his chest in rapture over his comrade’s return, and everything was all right. Tito’s biographer Jasper Ridley underlines this episode as exemplifying a major difference between Stalin’s regime and Titoism, pointing out that Stalin would certainly have summarily executed any close ally who had the nerve to pull something like this on him. (Péter Bozsik)

Dušan Biladžić, der kroatische Politiker und Historiker, Mitglied der Partei und einer von Vertrauensleute Kardeljs in den 50er Jahren, schildert aufgrund persönlichen Erfahrungen und Archivdokumenten die wahre Strömungen und Überlegungen Kardeljs über die Zukunft Jugoslawiens. Nach Bilandžić sollte Kardelj 1957 und

wiederholt bei einem Treffen des Staatsgremiums 1965 Grundthesen über die Zukunft Jugoslawiens folgenderweise dargelegt haben:

1957 – Kardelj:
  • Jugoslawien ist das Produkt der weltpolitischen Konstellation.
  • Als historisches Projekt ist eine Fehlschöpfung.
  • Kann nicht von langer Dauer sein.
  • Es kommt die Zeit wann wir uns trennen werden.

 

1965. 14-07. März, exekutives Büro des Zentralkomitees der föderalen Partei – Kardelj:
  • Die Wiederholung der Grundthesen aus 1957
  • Wann wir einmal weggehen (Tito, er usw.), Serbien wird versuchen AVNOJ-Jugoslawien zu zerschlagen.
  • Aufgrund der weltpolitischen Lage können wir gegenwärtig eine Auflösung Jugoslawiens nicht wagen.
  • Was möglich sei, wäre eine Konföderation als Übergangslösung zur Auflösung des Staates.
  • Die Vertreter aus der Republik Serbien, Ranković, Veselinov usw. waren damals anwesend.

 

Ivo Banac

Prof. Ivo Banac

Die bekannte spätere Entwicklung bestätigt Bilandžićs Aussagen. Sie weichen nicht viel ab von Grundaussagen Baums und Dohnanyis im Dokumentarfilm des B-R und der D-W über besonderer Stellung und Gebrauchs Jugoslawiens angesichts aller historischen Realitäten, Ursachen und Folgen des ideologischen und des kalten Krieges in Europa und in der Welt. Sie werden auch durch die zahlreiche Erfahrungen als jedem verfügbare Beweise, die das ganze politische und öffentliche Leben prägten bestätigt. Der Professor Ivo Banac gibt eine knappe und wahrhaft lebendige historische Schilderung der ganzen Problematik. Die Nationalfrage in Jugoslawien prägte und zog sich hinein in jede andere Frage, auch diejenige die eigentlich mit ihr gar nichts zu tun haben sollten. Die Nationalfrage wurde eigentlich die absolut dominante Frage in einem System das bekanntlich und aufgrund aller historischen Erfahrungen kein Potential besaß die andere wichtige Fragen von dieser nationalen Grundfrage zu trennen. Man bediente sich mit dieser empfindlichen Themen und sie zog sich, nicht zuletzt aufgrund aller, sehr oft schweren historischen Auseinandersetzungen, in jedes Teilgebiet des politischen Lebens hinein.

Nun wenn es tatsächlich so wäre, oder mindestens die Bilandžićs Schilderungen zum Teil den politischen Realitäteten entsprächen, stellt sich die Frage was hat entscheidend die tragische Entwicklung ermöglicht oder mindestens begünstigt. Eine Antwort die kaum erwähnt wird, ist ausgerechnet Ausbleiben des demokratischen, rechtsstaatlichen Willens entscheidende Demokratisierung durchzusetzen und die Grundrechte und Bürgerrechte aufgrund bekannten Prinzipien so zu etablieren um den Übergang so zu ermöglichen, dass einerseits entscheidende marktwirtschaftliche Reformen tatsächlich ihre Wirkung entfalten könnten, andererseits  wären damit die Reformen zu mehr Rechtsstaatlichkeit und bürgerlicher Freiheit möglich gewesen. Diese Fragen blieben nicht nur ein Tabu, sondern werden erst Ende 60er und 70er so zementiert werden, dass jede politische Idee ob bürgerlich-nationale oder die liberal – demokratische im Keim erstickt wurde. Der große Verdienst dafür gehört Kardelj und Dolanc abgesehen von ihren tatsächlichen und anscheinenden politischen Willen, weil dieses Paar auf der Spitze der Macht  seit 70er volle Kontrolle über föderalen Institutionen und ihre Entwicklung, Reformen und ihrer Umsetzung, ideologisch wie praktisch ausüben könnten. Übrigens sehr oft nutzend ausgerechnet die effektive und wirksame Mechanismen einer weichen, aber damit nicht weniger amorpher Diktatur.

Dušan Bilandžić – Interview mit zitierten Aussagen (Kroatische Sprache)

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Über Stane Dolanc

 

  About „Stane Dolanc“

Stane Dolanc (November 16, 1925 – December 13, 1999) was a Yugoslav and Slovenian communist politician, one of Yugoslav President Josip Broz Tito’s closest collaborators and one of the most influential people in Yugoslav federal politics in the 1970s and 1980s. He was secretary of the Executive Bureau of the Presdium of the Central Committee (CC) of the League of Communists of Yugoslavia (LCY) from 1971 to 1978, federal Secretary of the interior from 1982 to 1984 and a member of the Presidency of Yugoslavia from 1984 to 1989. He was regularly appointed a member of the Federal Council for Protection of the Constitutional Order and was chairing the body in late 1980s. For most of his political career Dolanc defended strong authoritarian rule of the LCY and struggled against nationalism stemming from various parts of the country. He was influential in Yugoslav security structures and it is believed that he inspired a number of politically motivated arrests, especially while he was interior minister.
===Early life===
Dolanc was born to a worker family in the Slovenian town of Hrastnik, then part of the Kingdom of Serbs, Croats and Slovenes. After finishing elementary school in his home town, he was sent to the prestigious Bežigrad High School in Ljubljana. In April 1941, northern Slovenia was occupied by Nazi Germany. Dolanc continued his schooling in Graz in Austria. American journalist Dusko Doder stated in his book The Yugoslavs, published in 1978, that during the war Dolanc had been a member of Hitlerjugend. In 1944, however, Dolanc joined the Yugoslav Partisans and continued his military career after the war. He served as a deputy to the prosecutor in Ljubljana Army corps and finished his involvement in the military in 1960 while being a colonel in Zagreb office of the Yugoslav military counter-intelligence service KOS. During his military career Dolanc received a university diploma and in the 1960s he was a director of the Political Science School in Ljubljana run by the Slovene branch of LCY.

===Second person of the League of Communists of Yugoslavia===
In 1965 Dolanc became a member of the CC of the League of Communists of Slovenia (LCS), and at the ninth congress of LCY in 1969 he was elected a member of the CC LCY. Two years later Dolanc became secretary of the newly established Executive Bureau of the Party Presidium, i. e. second person of LCY, despite the de facto number two of Yugoslav politics remained Edvard Kardelj. Dolanc quickly gained strong influence in the Party. Dolanc was one of main organizers of the Kardjordjevo Party Presidium session in December 1971 that resulted in resignation of the leaders of the Croatian Spring. In November 1972, at a CC LCS plenum, he called for purges of the liberal wing of the Slovene Party branch which, eventually took place. He became famous for a statement he had made at a local communist conference in Split in September 1972: In the same speech Dolanc stressed that LCY had to be a united organization, announced expulsions of those party members that did not follow the new line and attacked Serb, Croat and Slovene nationalism. Dolanc’s Split speech was directly preceded by a letter signed by himself and Tito addressed to local LCY organizations throughout Yugoslavia. The letter urged strengthening party’s unity and leading role in the society, and thus announced continuation of Tito’s and his collaborators‘ struggle with liberalism and nationalism in LCY that eventually resulted in thorough changes within Croatian, Slovene and Serbian Party leaderships. Though the post of the Executive Bureau secretary was meant to change its holder every year, Dolanc kept it for eight years and thus remained one of the strongest persons of the Yugoslav politics. While he was occupying the office, he was often mentioned as a possible Tito’s successor. However, during 1970s in both LCY and federal state institutions evolved a system of rotating collective leadership that made it hardly possible for any single official to become a new leader after Tito. At the eleventh Congress of LCY in 1978 the Executive Bureau was abolished and although Dolanc was appointed secretary of the CC LCY Presidium, he resigned from this office in May 1979. The resignation is sometimes linked to the death of Edvard Kardelj of February in the same year, who reportedly had been protecting Dolanc. Dolanc however remained a member of the CC Presidium and, besides, in June 1979 he was re-appointed a member of the Federal Council for Protection of the Constutional Order, an agency of the Yugoslav Presidency coordinating internal security institutions. Dolanc therefore kept playing an important role in Yugoslav communist establishment after Tito’s death in May 1980.

===Minister of the Interior and member of the Presidency of Yugoslavia===
From May 1984 to May 1989 Dolanc was the Slovenian member of the Presidency of Yugoslavia and during the term he was also chairman of the Federal Council for Protection of the Constitutional Order. In 1988 and 1989, alongside the majority of the Presidency, he was unsuccessfully opposing the anti-bureaucratic revolution which he regarded an expression of Serb hegemonism. One of his last public interventions was an interview with the liberal opposition magazine Mladina, published in May 1989, in which he described himself as the „last Titoist“.

===Late life===
After his term in the Federal Presidency expired, Dolanc retreated from public life and moved to Gozd Martuljek close to Kranjska Gora. He died in Ljubljana on December 12, 1999 of cerebral stroke.

Zitat Ende

Seit `71 waren die wichtigste politische und parteiliche Funktionen der Föderation von zwei Slowenen besetzt. Dolanc als Sekretär des Exekutivbüros des Präsidiums  des Zentralkomitees der föderalen Partei und darüber hinaus absoluter Herrscher über Geheimdienste und Kardelj als Chef des föderalen politisches Rates und Präsident der Verfassungskommission. Beide Funktionen waren nach 1966/67 durch umfangreiche Verfassungsänderungen und Reformen innerhalb der Partei und Staates neu geschaffen worden. In dieser Zeit werden die Terrorakten aus dem Ausland intensiviert und zugleich die Gegenmaßnahmen der staatlichen Sicherheitsdienste getroffen, die bekanntlich auf einer klaren, oft chauvinistischen Basis ausgebaut wurden. Gleichzeitig wird der Prozess der Konföderalisierung  des Staates fortgesetzt, was ein synergetisches Effekt mit sich trug (konzentrierte Energie zur gemeinsamen Erfüllung von Aufgaben). Von der demokratischen Kontrolle der Geheimdienste aufgrund der Verfassung und gesetzlicher Regulierung wird nichts, im Gegenteil, man hat real die serbische Funktionäre entfernt und die zentrale Macht der gespaltenen Geheimdienste wurde von Dolanc erfüllt. Staat 1 Jahr als Sekretär des Präsidiumsbüros des Zentralkomitees wird Dolanc noch 8 Jahren lang diese Funktion gegen Parteistatut behalten. Warum und wie eigentlich es möglich war, würde sich in jeder Demokratie mit beinahe vorstellbaren funktionierenden rechtsstaatlichen Kontrollmechanismen als dringende Frage stellen müssen.

Marktwirtschaftliche Reformen und Liberalisierung der Wirtschaft

Diese tatsächlich seit langer Zeit lebensnotwendige Reformen werden völlig ausbleiben und damit werden wichtige verfassungsrechtliche und gesetzliche Voraussetzungen für eine effektive Entfaltung der marktwirtschaftlichen Prämissen nur ein Traum bleiben. Im Gegenteil, ideologisch proklamierte Reformen werden durch die Verfassung 1974 ein Experiment ermöglichen, das seine wahre Wirkung und Zielsetzung schon vor dem Tod Titos entfalten wird. Eine Art des durch die Machtstellungen der Entscheidungsträgern kontrollierten Chaos ohne grundsätzlichen Mechanismen marktwirtschaftlichen Voraussetzungen in der Funktionsweise des wirtschaftlichen Lebens, aber deswegen mit ausgiebigen politischen Hebeln unterschiedlicher Umverteilungen, getragen durch die politische Macht über makroökonomischen Mechanismen und einer Reihe der geheimen oder trüben Geschäfte, die alle ohne irgendwelche Kontrolle betrieben wurden. Die Märkte werden so innerhalb der Grenzen der Republiken mit unterschiedlichen Lösungen politisch kontrolliert, was noch eine effektive Stufe zur endgültigen Auflösung des (kon)föderalen Staates schaffen wird.

Kroatischer Frühling 1971

1971 werden die kroatische national – liberale Kräfte aus der Partei entfernt. Der Grund war der s.g. „Kroatische Frühling“, eine Bewegung mit nationalen und teilweise separatistischen Vorzeichen die genützt wurde um neben national-separatistischen, nicht weniger die liberal – marktwirtschaftlichen Forderungen seitens der föderalen Zentralmacht zu ersticken. Dabei muss hingewiesen werden, daß bei den Forderungen der Protestbewegung lediglich um die erste Voraussetzungen einer Liberalisierung der Wirtschaft damals ginge. Auf der öffentlichen Ebene der Forderungen brachte der kroatische Frühling vordergründig den Anspruch auf Reformen der Stellung der Republik Kroatiens innerhalb der jugoslawischen Föderation und damit die Stellung des kroatischen Volkes innerhalb der eigenen Republik bei der Beibehaltung vielen ideologischen und praktischen Lösungen der damaligen sozialistischen Grundordnung. Es vermischen sich unterschiedliche nationale und ideologischen Bestrebungen die eher aufgrund einer allgemeinen sozialen Unzufriedenheit durch nationale Vorzeichen gekennzeichnet waren. Ähnliche Forderungen könnten auch andere Nationalitäten stellen und so den gleichen Anspruch erheben um eine Verbesserung der eigenen Position zu erreichen. Nur das wahre Problem innerhalb des ideologischen Systems blieb damit unberührt.

wikipedia öogo Kroatischer Frühling

Die Ereignisse kamen in Gang, als im März 1967 zahlreiche kroatische Literaten und Linguisten wie z. B. Miroslav Krleža, und der kroatische PEN-Club eine Deklaration über die Bezeichnung und Stellung der kroatischen Schriftsprache veröffentlichten. Aus dieser Deklaration entwickelte sich eine kroatische Nationalbewegung, die zunächst vor allem von Intellektuellen getragen und von vielen Studentenorganisationen unterstützt wurde. Ihrer Bezeichnung nach war diese Bewegung eine „Massenbewegung“ (masovni pokret), der unter nationalen Vorzeichen und unter weitgehender Beibehaltung sozialistischer Rhetorik die Interessen der Sozialistischen Republik Kroatien durchzusetzen suchte.
Die Ereignisse kamen in Gang, als im März 1967 zahlreiche kroatische Literaten und Linguisten wie z. B. Miroslav Krleža, und der kroatische PEN-Club eine Deklaration über die Bezeichnung und Stellung der kroatischen Schriftsprache veröffentlichten. Aus dieser Deklaration entwickelte sich eine kroatische Nationalbewegung, die zunächst vor allem von Intellektuellen getragen und von vielen Studentenorganisationen unterstützt wurde. Ihrer Bezeichnung nach war diese Bewegung eine „Massenbewegung“ (masovni pokret), der unter nationalen Vorzeichen und unter weitgehender Beibehaltung sozialistischer Rhetorik die Interessen der Sozialistischen Republik Kroatien durchzusetzen suchte….

Aus einer Vermischung zwischen Forderungen nach kulturell – sprachlicher Selbständigkeit, daraus folgender nationaler Besonderheit und Stellung der politischen Ansprüchen aufgrund der ungleichen Behandlung in der Föderation werden die liberale – marktwirtschaftliche Ansprüche durch die Intervention der zentralen Machtstellen gegen nationalistischen Gefahren mit ihnen zusammen gedämmt.

 wikipedia öogo
Auf Titos Intervention hin wurde die Parteiführung in Zagreb im Dezember 1971 abgesetzt und mit der Unterdrückung der „Massenbewegung“ begonnen.[7] Vladimir Bakarić, Milka Planinc und andere hochrangige Vertreter der Kommunistischen Partei Kroatiens schlossen zahlreiche Beschuldigte aus der kommunistischen Studentenorganisation und der kommunistischen Partei aus. Insgesamt waren 741 Mitglieder, darunter auch zahlreiche Professoren, von Parteiausschlüssen betroffen, 411 verloren ihre Funktionen. Gegen Protagonisten der kroatischen Nationalbewegung, wie den späteren Staatspräsidenten Franjo Tudjman und andere Mitglieder des Zagreber Kulturvereins Matica hrvatska, wurde Anklage erhoben.[8]

Eine interessante Perspektive auf den „kroatischen Frühling“ und seine Folgen aus dem Jahre 1981 aus der Zeitung – Die Zeit:

 

Zeit logo „Kroatischer Frühling“

Der Nationalismus findet immer weniger Unterstützung in der Bevölkerung

Das jugoslawische Trauma rührt vom „kroatischen Frühling“ her, der das Land 1971 in eine tiefe Krise stürzte. Jene Entwicklung hatte Jahre davor mit Kritik an serbischer Vorherrschaft begonnen, dann auf das Feld der Wirtschaft übergegriffen, auf dem sich Kroatien benachteiligt und ausgenutzt fühlten, und plötzlich stand das Schicksal kroatischer Volksgruppen in anderen Republiken zur Diskussion. Von da war es nicht mehr weit bis zur Kritik am Unitarismus, bis zur Forderung nach innerer Liberalität

Kampf gegen serbischen Liberalen

Bis man entsprechend damaligen politisch – ideologischen Systemvoraussetzungen die Bewegung, kroatischer Frühling, als die Gefahr für den einheitlichen Staat leicht bekämpfen könnte und dabei noch immer auf eine stabile Unterstützung bei der breiten Bevölkerung weiter bauen dürfte, war die Abrechnung mit den serbischen Liberalen, die tatsächlich nur marktwirtschaftliche Reformen und damit entsprechend dem ideologisch zugelassenen Raum eine wirkende Liberalisierung der ganzen Gesellschaft und des Staates forderten, ein klares Zeichen dass von der Ankündigung der Reformen vom 1966 lediglich nichts übrig bleiben wird. Im Wesen der Sache lagen die Forderungen der serbischen und der kroatischen Führungskräfte bezüglich der Notwendigkeit nach liberalen Reformen sehr nah, aber erlebten das gleiche Schicksal. Die beiden Forderungen, wie ihre Ideenträger, der kroatischen wie der serbischen Parteiführungen wurden einfach zusammen in kürzester Zeit ausgeschaltet und damit bis zum Ende Jugoslawiens lahmgelegt.

1972 werden erneut die serbische Führungskräfte unter dem Verdacht der Forderung einer zu schnellen Liberalisierung aus dem öffentlichen Lebens entfernt und ihrer Funktionen enthoben. Innerhalb 6 Jahren entstand eine paradoxe Entwicklung. Im Namen der Notwendigkeit der Liberalisierung der Gesellschaft, Einführung marktwirtschaftlichen Voraussetzungen wurden mehrere Säuberungsaktionen durchgeführt um die nationale wie liberale Führungskräfte innerhalb der Partei und damit aus dem politischen Lebens auszuschließen. Besonders betroffen waren Kroatien und Serbien. Zugleich wurde einheitlicher Geheimdienst zerschlagen, aber so dass die wichtigste politische Funktionen auf der föderalen Ebene real auf die slowenische Politiker und Geheimdienstler verteilt wurden.  Ein Kommentar aus dem Spiegel 46/1972 gibt in einem knappen Satz das Grundproblem aller Probleme um das sich die ganze Staatskrise drehte punktgenau:

 

Spiegel logo JUGOSLAWIEN – 1972

Geheime Kanäle

Die Gründe freilich liegen heute ausschließlich in der Heimat: Jugoslawiens „sozialistische Marktwirtschaft“ — der halbherzige Versuch. einen dirigistisch gelenkten Markt durch Angebot und Nachfrage zu regulieren — kommt aus der Dauerkrise nicht heraus und hat den Vielvölkerstaat an den Rand des Zerfalls gebracht.

In gleichem Spiegelartikel wird die Vorbereitung für die damalige neue Verfassung thematisiert, die nach zwei Jahren in Kraft treten wird, und den Zustand beschrieben im Artikel zementieren wird. Spiegel berichtet laut Informationen dass der Staatspräsident Tito in einem informellen Kreis behaupten sollte, die Verfassung werde aus dem Ausland über Inhaber der amerikanischen Ford-Stipendien verfasst.

 

Spiegel logo46/1972

  Tito selbst analysierte, weshalb der böse äußere Feind im Inneren Erfolg haben könne: weil die Autoren der neuen jugoslawischen Verfassung „Inhaber von amerikanischen Ford-Stipendien“ gewesen sind, die „in einem demokratischen Rausch“ gehandelt hätten. Tito: „Eine Art Euphorie, die es darauf abgesehen hatte, alles und jedes bis, zu einem solchen Ausmaß zu demokratisieren, daß die Partei von allen wichtigen Fragen des gesellschaftlichen Lebens abgeschnitten sein würde.“

 

Spiegel logo46/1972

Die kroatische Tageszeitung „Vjesnik“ — erst im vorigen Winter nach den Kroaten-Unruhen gesäubert — sekundierte: „Der Preis für eine Übernahme der westlichen Lebensart hieße bei uns Faschismus.“
So abenteuerlich und absurd die Verdächtigungen im einzelnen sind — die antiwestliche Geisterbeschwörung Titos hat System. Und es ist nicht das erste Mal, daß der inzwischen 80 Jahre alte Marschall die zentrifugalen Kräfte seines Vielvölkerstaates nur noch mit der Angst vor äußerer Bedrohung zusammenhält. Nach dem Bannstrahl der Kominform im Jahr 1948 und noch einmal nach dem Einmarsch der Sowjets 1968 in Prag machte Tito gegen den Osten mobil — nun gegen den Westen.
Die Gründe freilich liegen heute ausschließlich in der Heimat: Jugoslawiens „sozialistische Marktwirtschaft“ — der halbherzige Versuch. einen dirigistisch gelenkten Markt durch Angebot und Nachfrage zu regulieren — kommt aus der Dauerkrise nicht heraus und hat den Vielvölkerstaat an den Rand des Zerfalls gebracht.
Nach mehrfachem Zögern scheint der Altkommunist Tito daher nun endgültig entschlossen, sein unvollendet gebliebenes Lebenswerk — eine sozialistische Selbstverwaltung der Menschen in Staat, Gesellschaft und Betrieb — zurückzunehmen. Nur so ist der Kahlschlag zu verstehen, den Tito in diesen Wochen unter den modernen jugoslawischen Polit-Managern anstellt, weil sie das undogmatische System des Titoismus offenbar ernster genommen und besser verstanden haben als Tito.
Titos jüngste Massensäuberungen in Partei, Staat und den Republiken müssen im Land den Anschein erwecken, als bestehe der Bund der Kommunisten Jugoslawiens — vor allem an der Spitze — nur aus Parteifeinden, Tito-Gegnern und Agenten ausländischer Mächte.
Mit dem Vorwurf, „Nationalisten“ zu sein und eine „konterrevolutionäre Verschwörung zu decken“, hatte der Parteichef schon im vorigen Winter mit der kroatischen Parteiführung abgerechnet. In der vorletzten Woche mußten, des „Liberalismus“ verdächtigt, die serbischen Parteiführer, Ex-Außenminister Marko Nikezic und Parteisekretärin Latinka Perovic, ihren Abschied nehmen.
Wegen „Technokratismus“ wurde in Slowenien der liberale Premier Stane Kavcic gefeuert, wegen „personeller Bereicherung“ in Mazedonien der Parteisekretär Milosavlevski — am vorigen Mittwoch trat aus Protest gegen Titos Führungsstil auch Außenminister Mirko Tepavac zurück.
Ebenfalls zurückgetreten sein soll Altpartisan Koca Popovic, im Krieg Chef der berühmten „Ersten Proletarischen Brigade“, 1945 Generalstabschef, dann zwölf Jahre lang Außenminister, 1966/67 als Nachfolger des gestürzten Stalinisten Rankovic Vizepräsident und schließlich Mitglied des kollektiven Staatspräsidiums.
Mit jedem neuen Rausschmiß schrumpft auch Titos Freundeskreis. Selbst Edward Kardelj aus Slowenien und der Kroate Vladimir Bakaric, die inzwischen ergrauten Tito-Gefährten der Partisanenzeit, haben sich zurückgezogen. Geblieben ist dem Marschall, außer seinem Sicherheitsberater General Miskovic, nur Stane Dolanc, der neue Sekretär des Exekutivkomitees. Der fällige Slowene, der aus dem Halbdunkel der militärischen Abwehr zum „Kronprinzen mangels Alternativen“ aufstieg“ gilt weniger als politischer Kopf denn als verläßlicher Kontrolleur der Massen,
Der Bannstrahl des verbiesterten Parteichefs trifft inzwischen auch schon Genossen im hintersten Glied. Bei Radio Belgrad mußte der populäre Diskjockey „Minimaks“ den Platz am Mikrophon räumen, weil er für Titos Geschmack allzu flapsige „bürgerliche Meinungen“ hatte. Der Filmkritiker Miroslav Mandic muß gar für ein Jahr ins Gefängnis, weil er nicht die richtigen Worte für einen neuen Tito-Film (mit dem Amerikaner Richard Burton in der Titelrolle) fand. Mandid: „Um Tito zu verherrlichen, hätte es auch genügt, dessen Bild zwei Stunden lang unbewegt auf der Leinwand zu zeigen und am Ende den Sprecher sagen zu lassen: Das war Josip Broz Tito:
Die gefeuerten Partei- und Provinzchefs schienen bereit, Jugoslawiens Unabhängigkeit auch gegen jene Freunde zu verteidigen, von denen allein sich Tito an seinem Lebensabend noch Rettung verspricht: die sozialistischen Blockgenossen. Moskau fand sich kürzlich bereit. dem im Westen bereits mit 2,7 Milliarden Dollar verschuldete Jugoslawien mit einem Warenkredit im Wert von 1,3 Milliarden Rubel (rund 5 Milliarden Mark) zu helfen.
Freilich: Die politischen Säuberungen haben ein Klima totaler Unsicherheit erzeugt, die Sowjetkredite kommen wahrscheinlich zu spät. Denn nach den neuen Gesetzen über Rentabilität der Betriebe werden ab 1. Januar rund 800 000 Arbeiter und Angestellte mit Lohn- und Gehaltskürzungen rechnen müssen; die Preise „steigen — trotz Preisstopp — jährlich um 20 Prozent.
Die Beigrader Tageszeitung „Politika“ über die erwartete drastische Senkung des Lebensstandards: „Das wird einen Schock auslösen, von, dem sich viele nur langsam erholen werden.“
 
DER SPIEGEL 46/1972

Die absolute zentrale Figur des ganzen Staatssystems, wie der Partei ist ohne Zweifel in dieser Zeit 1972 Tito gewesen. Was absolut in dunklem bleibt sind die Aktionen, Prozessen und Geschehen in ihren gesamten Vorbereitungen, die eine Reihe weittragenden Entscheidungen verursacht haben. Erst diese unklare Prozessen sollten die Reaktionen des Zentrums um Tito durch sein letztes Wort ausgelöst haben.So war es mit Rankovic, dem übrigens damals 1966 wie bis zu seinem Tod gar nicht nachgewiesen werden könnte. Pauschale Schilderungen Stalinist, Gegner der Reformen können bei der objektiven Analyse jedem zugeschrieben, oder verneint  werden. Bleiben die unumstrittene Tatsachen dass seit 1966 in der kürzesten Zeit ein intensives Durcheinander, personell wie ideologisch stattfand, das eigentlich sich selbst bezweckte um in diesem Zustand des Durcheinanders, einer Art gelenkten und kontrollierten Chaos den ganzen Staat und zu fesseln und tatsächlich notwendige Reformen für die liberale Kräfte vorhanden waren in eine besondere weiche unbestimmte Diktatur mit dem Zentrum hinter den Staatspräsidenten Tito in seinem Namen und durch seine Isolierung und Einfluss auf ihn umzuwandeln.

In dieser Zeit ist Tit0 von drei maßgeblichen Entscheidungsträgern umzingelt, Dolanc als Parteichef aus dem Nichts, Kardelj als ältesten Mitkämpfer seit Vorkriegszeit, beide Slowenen, und wird dazu noch der Kroate Bakaric erwähnt. Die Hauptfront wird zwischen Serbien und Kroatien ausgebaut, aber erst dadurch dass die beide Teilrepubliken innerhalb kürzester Zeit schwere Verluste im Machtpoker erleiden müssten, dazu in einem System konserviert wurden, das erst nach 1974 seine Zielsetzung in späteren Geschehen und Entwicklungen ihre fatale Fehler entfalten wird. Eine von zentralen Figuren war und blieb bei diesen hintergründigen „Spielchen“ ausgerechnet aus dem Nichts geschaffener Dolanc. Ein mal als erstes Sprachrohr der Partei vor dem immer mehr isolierten Tito, dann als Drahtzieher der geheimen nachrichtendienstlichen Pfaden und Verbindungen und nicht zuletzt als der praktizierende Chefideologe des einzig übrig gebliebenen Ideologen Kardelj. Wer tatsächlich und maßgeblich bei der ganzen Planung und Vorbereitung für die neue Verfassung neben Kardelj beteiligt war, blieb bis heute unbekannt.

Titos Ehefrau, Jovanka, wird „gesäubert“

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Täglicher Newsletter Gerüchte um Titos Frau –

Aus Zorn zur Hausfrau degradiert

Jovanka Broz, nervös und reizbar, hatte sich zuviel herausgenommen

Von Eduard Neumaier
 An Gerüchten über Frau Jovanka (und über angebliche Amouren Titos) fehlte es freilich nie. Die sehr füllig gewordene Dreiundfünfzigjährige, die noch vor acht Jahren so rank war, daß sie auf Titos subtropischer Ferieninsel Brioni nackt baden konnte, habe ein Verhältnis mit einem serbischen General, Djoko Jovanovic, dem stellvertretenden Verteidigungsminister. Der Spiegel machte sie in einem Bericht zu einer nationalistischen Intrigantin, die politische Schlüsselpositionen mit Leuten ihres Vertrauens besetzt habe; schließlich sei in Serbien der Verlust einstiger Größe nicht vergessen. Der Korrespondent der Süddeutschen Zeitung drahtete das Gerücht, serbische Nationalisten hätten ihr eingeredet, sie müsse nach Titos Tod „gleichsam als Erbverwalterin eine politische Rolle übernehmen“.

So berichtete die Zeit im Herbst 1977 aus der Gerüchteküche  über das Verschwinden der Ehefrau Josip Broz aus dem öffentlichen Leben. Die mögliche Gründe haben sich nicht bestätigt, viel mehr haben sich als Teil der ganzen Strategie der Umzingelung Titos  durch die Verdrängung, ihm aus welchen Gründen schon immer vertrauten Personen. Nach eigenen Aussagen, die durch bekannte spätere Abläufe unterschiedlicher Ereignisse sich bestätigt haben, gab es absolut keinen Absichten nach Machtansprüchen oder irgendwelchen politischen Absichten seitens der Titos Ehegattin. Ein Streit gab sich lediglich um Stane Dolanc, weil vor der geplanten Reise nach Moskau, Peking und Pjöngjang im Frühling 1977, stellte Jovanka ein Ultimatum, entweder reist Stane Dolanc oder sie nicht. Bekanntlich, die erste Dame bleib zu Hause und damit war ihre Beseitigung nur noch technische Frage um die Umgebung des vergreisten Titos vollständig zu umzingeln und auch in privatem Bereich, wie es schon nach Gegebenheiten sein könnte, den möglichst größten Einfluß auszuüben.

Spiegel logo Interessant ist auch der Artikel aus dem Spiegel 47/1977 aus der gleichen Zeit, weil offenbart die wahren Motiven auf die Gerüchteküche die öffentliche Aufmerksamkeit einlenken sollte. Es wird über Intrigen, möglichen Liebesaffären, Eifersucht und ähnliches wie bei jeder anderer Hofberichterstattung   mutmaßt. Es wird der Name des Stellvertreters des Bundessekretärs der Armee, Jovanic erwähnt, der mit noch anderen vertrauten Generellen und Jovanka einen Putsch  geplant haben sollten.

Spiegel logo Spiegel 47/1977 – Link

Was ist mit Jovanka los?

Jugoslawiens Staatschef Tito und seine dritte Ehefrau

Eine serbische Dorfschönheit — lange Haare, breite Hüften, braune Augen-das war Jovanka Budisavljevic 1944, als Tito sie kennenlernte. Die Partisanin wurde Titos dritte Ehefrau und Begleiterin auf zahllosen Staatsbesuchen, doch seit Juni ist sie nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten. Wurde sie von politischen Gegnern kaltgestellt?

Noch ist ungeklärt, welche Rolle Jovanka bei der Nacht-und-Nebel-Aktion im Dezember 1971 gegen die Parteiführung von Kroatien gespielt hat. Fest steht, daß eine von dem Serben Dragosavac angeführte Delegation „besorgter Genossen“ unter Umgehung des Protokolls bei Tito vorsprechen durfte und daß mit Dragosavac und Jovankas Vorgesetztem im Krieg, Djoko Jovanic, zwei gute Freunde der Präsidenten-Gattin die Ämter des kroatischen Parteisekretärs und des kroatischen Militärbefehlshabers übernahmen.
Titos Generalsekretär Vladimir Popovic kolportierte, Tito sei längst Gefangener seiner Frau. ihr Gehilfe: General Miskovic, Titos Sicherheitsberater. Miskovic verschwand in einer Säuberung, aber Jovanka blieb und setzte abermals auf serbische, in Kroatien aufgewachsene Generäle, an der Spitze ihren Kriegskommandeur Jovanic, der sogar Vize-Verteidigungsminister wurde — bis Anfang dieses Jahres. Dann stürzte er, nach ihm verschwand Jovanka aus der Öffentlichkeit.

Darüber berichteten neulich anläßlich der Veröffentlichung des umfangreichen Interviews mit Jovanka Broz viele Zeitungen. Ein Detail vom Oktober 1976 scheint sehr interessant wegen Vorgehensweise des ersten Sekretärs der Bundespartei und dazu des ersten Chefs der geheimen politischen Dienste, Stane Dolanc, zu sein.

Der rote „Spezial“ klingelt

 Stane Dolanc sa Titom

Broz und Dolanc

Es sollte eine gewöhnliche Sitzung des Bundesverteidigungsrates sein. Anwesend waren Bundessekretär der Verteidigung, Genral Ljubucic, sein Stellvertreter Jovanic und andere hochrangige Offiziere. Dann unterbrach der rote Telefon, bestimmt für die besondere Angelegenheiten die Sitzung. Meldete sich Der erste Armeechef Ljubicic und antwortete nur ein paar mal mit Ja.

„Genosse Djoko Jovanic wird aller seiner Ämter enthoben“

„Genossin Jovanka Broz wird mit der sofortigen Wirkung unter Hausarrest gestellt.“ Wiederholte General Ljubicic die zweite Direktive vom Anrufer, Stane Dolanc.

Der entlassene zweite Mann der Armee, Jovanic blieb sprachlos, nahm seine Sachen und stand auf. Bei ihm Zuhause wurde ebenso angerufen, er sollte sich morgen um 8 Uhr bei dem Bundessekretär Ljubicic melden.

Вечерње новости лого So beschreiben die Novosti aus Belgrad die damals 1977 neuste Säuberung.- Link

Novosti fügen zu, die ausländische Presse damals sei besser informiert gewesen, über manchen wahren Hintergründe vermutete, wie die angebliche oder vorgestellte Nähe Jovanics zu UdSSR.

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Djoko Jovanic, Vizeminister der Verteidigung

Allerdings alle diese Mutmaßungen und Intrigen lösten sich in Nichts, nicht zuletzt aufgrund der bekannten späteren Entwicklung, einer absoluten Zurückhaltung aller Verdächtigten und Beschuldigten die spurlos aus dem öffentlichen Leben und Staatsapparats verschwanden. Später veröffentlichte amtliche Erklärungen der Beteiligten mit den zahlreichen Interviews und Büchern entkräften alle damalige Vermutungen, aber lassen ein viel schärferes Bild und Blick über wahren Motiven und Zielen der Drahtziehern entstehen.

nspm-logo Der Internetportal „Der neue politische serbische Gedanke“ veröffentlichte 2013 ein Feuilleton über das gleiche Thema, Geschichte der ersten Dame, Jovanka Broz, und erinnerte an einen Beschluß des Parteiuntersuchungsausschusses anfangs 1974, dem zufolge sollte ein bestimmter, nicht näher definierter Kreis der pensionierten und aktiven Generelle, Geheimdienstler und „anderen Kreisen, die Vorbereitungen unternommen haben um über Intrigen äußerlichen Einfluß auf die Residenz, Josip Broz und Jovanka Broz auszuüben. Darüber hinaus ging es den Verschwörern um einen Angriff auf die Militärspitze und damit Destabilisierung der Armee . Was da wahr, oder doch nur ein Teil des größeren parteipolitischen Spielchens war, weiß niemand. Intrigen gab es allerdings im Überfluß, sie werden so gar einverleibter Bestandteil der Politik werden, obwohl jeder denkende Mensch wissen sollte, dass die wahre Herausforderungen, institutionelle Reformen, wirkende Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung als die Voraussetzungen  für die Marktreformen damals viel wichtiger waren.  Was man getan hatte, war das Gegenteil von ultimativen Notwendigkeiten, man schnurrte immer erneut die Intrigen und fesselte immer mehr ein System ein, das sich besonders nach dem Tod Titos hoffnungslos unreformierbar zeigen würde.

nspm-logo Die Fortsetzung 8 des Feuilletons unter dem Titel „Kardelj befahl die Isolation (Titos Ehefrau jovanka)“ , werden die Auszüge aus Archiven dargestellt, und sollten sie wahrhaft sein, dann ging es tatsächlich um die Intrigen, aber nicht von angeblichen Verschwörer, sondern vom Kardelj selbst, der die Partei auf deren Spitze Stane Dolanc schon über drei herrschte, als Druckmittel für den inneren Machtkampf benützte. Vor der Gründung der Parteikommission im Januar 1974 gab es Sitzungen der Parteigremien, die durch die Reformen seit 1968 geschaffen wurden und da ging es erneut um die Abhörung des Marschalls und damit die Angriffe auf ihn. Kardelj beschuldigte direkt die Ehegattin durch sein Verhalten und Machtansprüchen dafür verantwortlich zu sein. Im Vorfeld ließ man Gerüchteküche zwischen zahlreichen höchsten Ämter und Behörden kochen um den Chaos zu vervollständigen. Nach dem Motto »Wer von euch noch nie gesündigt hat, soll den ersten Stein auf sie werfen!«, schmiß Kardelj den ersten Stein, viel mehr, entstand tatsächlich eine fast biblische moral-politische Auseinandersetzung, die niemals gar nichts anderes bei der kommunistischen Partie bedeutete, als unmoralische Ziele durch den Missbrauch der Moral, wenn man überhaupt über die Moral bei solchen politischen Vorgängen sprechen darf, durchzusetzen.  

Ljubicic i Tito

Verteidigungsminister Ljubicic und Josip Broz

Вечерње новости лого Der schon zitierte Artikel der belgrader Zeitung Novosti ging auf die protokollierte Aussagen des im Oktober 1976 in den sofortigen Ruhestand versetzten Generals Jovanic ein. Vom Putsch war überhaupt keine Rede, sondern es ging um einen Befehl Ljubicics (Bundessekretär – Minister der Verteidigung)  selbst. Der Vizeminister Jovanic sollte mit der eingesetzten Kommission einen Personalplan der neuen Armeeführung frtigstellen, da viele ältere Generelle, neben anderem Jovanic und Ljubicic, nach neuem Gesetz pensioniert werden sollten. Dolanc nutzte auch dies, um ein Keil in der Armeespitze aufzutreiben.  Nach einem Besuch Ljubicics, damals 1976 in Kanada, wartete Dolanc am Flughafen Branik in Slowenien auf ihn um ihn zu fragen, wer seine Ablösung befohlen hätte.  Der Verdacht viel an Kommission, aber wurde schnell  ausgeräumt, weil es ging um den eigenen Befehl des Armeechefs bezüglich des Personalplans. Was der Bundesparteichef Dolanc dem Staatschef Tito davon vorgetragen habe um bald der „neuen Welle der Säuberung“ freien Weg zu machen, wird man nie erfahren. Die Spitze der Partei und der parteilichen Geheimdienste  waren unter Kontrolle des Generalsekretärs Stane Tito - Jovanka süßDolanc. Der Chefideologe Eduard Kardelj vollbrachte durch die umstrittene Verfassung über seinen Vorstellungen einer Selbstverteilung eine reale Konföderation zustande und damit waren der Staat und die Partei streng nach Regeln aufgeteilt. Die letzte Säule des gemeinsamen Staates, die Armee wurde teilweise durch die neugegründete territoriale Verteidigung der Teilrepubliken angetastet, aber der Weg zur endgültigen Spaltung war noch lang. Allerdings in 10 Jahren wurde das ganze System umgestalten, aber die wichtigste und notwendigste Reformen blieben nicht nur aus, sondern wurde ein System geschaffen die reale Vorstufe vor dem bekannten Ende ermöglichte, und zwar durch eine offensichtliche neue Umverteilung und Kontrolle der Macht, einschließlich die Kontrolle über den Staatschef Tito.

Dass, das ganze über Jahre andauernde Theater mit Jovanka Broz absolut nichts mit ihr vorgeworfenen Absichten zu tun hatte, bestätigen in vielen Punkten zwei hochrangige Armeechefs und spätere Verteidigungsminister Branko Mamula und Stane Potocar. Ein zweiteiliges Interview in der Zeitung Politika des ehemaligen Armeechefs und Verteidigungsministers, Branko Mamula, über die ganze Entwicklung, Fehlern, Rolle und Umwandlung der Armee geht ausdrücklich auf die Frage des Schicksals Jovanka Broz, die Rolle der Armme und angeblichen Putschabsichten. Absolut verneint als eine heiße Blase und nichts anderes.

Politika - logo Interview mit General Branko Mamula Teil 1 – Link

Der damalige Armeechef Mamula wurde im Juli 1976 zu Staasachef Tito vorgeladen, es ging um die Personalfrage der neuen Besetzung Titos Adjutants. Was Tito tatsächlich interessiert war die Information über Zustand in der Armee, und nach den ersten allgemeinen Antworten ging Tito direkt auf die Frage des Verrats  in der Armeespitze ein. Mamula verneinte solche Vermutungen als ihm unbekannt und unvorstellbar. Die sofortige Amtserhebung des Vizeministers Jovanic, der anch Gerüchten mit Jovanka einen Putsch oder langfristig Machtübernahme gelant haben sollte, wird erst im November desselben Jahres folgen. Ebenso war der als mögliche Nachfolger des Verteidigungsministers Ljubicic, General Stane Potocar, sonst Slowene davon überzeugt dass es sich um ein Komplott gegen Jovanka Broz und General Jovanic gehandelt hatte.

Politika - logo Interview mit General Branko Mamula Teil 2 – Link

In einem Feuillteon im beglarder Magazin Nin mit dem Generall Jovanic, wurde auch diese wie andere interessante Details bearbeitet und von irgendwelcher Planung, irgendwelchen Programmen war gar keine Rede. Es war ein hintergründiges Spiel mit dem einzigen offensichtlichen Ziel die Unsicherheit und Unwissenheit zu verbreiten, Konflikten entflamen zu lassen und durch die Verdrängung anscheinend potentielle Konkurrenten im Machtkampf für die breit angelegte und kontrollierte Einflußposition um Tito  zu beseitigen.

NINNin Feuilleton , mit einem der Hauptbeschuldigten, General Jovanic. Nicht nur dass keine Absichten vorhanden waren, sondern lösen sich nicht weniger viele andere Spionageverdächtigungen in Nichts. Die willkürliche Gerüchte und Komplotten verfolgen damit eine stille Vereinbarung zwischen Stalin und Churchill über Jugoslawien als die Zone der verteilten Einflüsse. Während des kalten Krieges war dieser Einfluß 50:50 Prozent geteilt und die innere Streitigkeiten verfolgten eigentlich diese Formel, nach manchen Mustern und fest ausgebildeten oder eingebildeten Vorstellungen, die mit tatsächlichen Realitäten sehr oft gar nicht zu tun haben könnten. Auf anderer Seit zum „Westen“ liefen ebenso die zahlreichen Verbindungen und Verknüpfungen die eine logische und ausgewogene Einflußnahme bildeten. Es war nach 1966, Stillegung Rankovics,  die etablierte Teile in engerer Beziehung zum Kardeljs Kreis der slowenischen kommunistischen Führung, die diesen Umstand als eigene Chance für die bessere Durchsetzung eigener Interessen und Plänen, nicht nur erkannte sondern ins parteipolitische Leben einer sanften kommunistischen Diktatur seit 1966 umsetzten. Eine operative Verbindung zum Westen, und es heißt mir den breiteren Vernetzung der Maßnahmen innerhalb der Truman-Doktrin und damit   in diesem Sinne, begleitet und umgesetzt mit vielen anderen Kontrollmechanismen der macht, als die  Vorbereitung für die Zeit nach dem Tito, hatte ohne Zweifel Stane Dolanc und seine prägende Manipulationsart erfüllt.

Die Beseitigung der Ehefrau der absolut zentralen Figur des ganzen Systems, war verknüpft, ähnlich wie im Fall Rankovic, neben anderem mit den Vorwürfen über Ausspähung Titos durch Lauschangriffe. Dabei sollte eine Verknüpfung der Ehegattin mit manchen hochrangigen Offizieren aus der Armeespitze mindestens als ganz ernst und begründet erscheinen gelassen werden. Vor der konkreten Stellung unter Hausarrest 1977, gab es seit 1974 parteipolitischen Beratungen veranlaßt von Karedlj selbst. Das ist durch die Archivdokumenten, konkrete, später bekannte und bestätigte Ereignisse, wie nachträgliche Schilderungen der Beteiligten bewiesen. Nun im Mittelpunkt stand die Armee, die Frage der Gestaltung und Ausrichtung der Verteidigung als das ganze System, Einführung und die Stellung der „Territorialen Verteidigung“, einer Art der Selbstverteidigung, die durch lokalen Gemeinden bis zum operativen Niveau der Teilrepubliken als leicht bewaffnetes ziviles System gedacht wurde. Die Frage die mit dieser zweiten Säule der Verteidigung, war politisch, wie aus der Sicht des Militärs nicht ganz unumstritten. Manche sahen darin ein Keim der  künftigen Armeen der Teilrepubliken. Solcher extremen Zweiflern und Meinungen über Folgen der Reformen des Verteidigungssystems, gab es selbstverständlich in 60en und 70en Jahre, aber kaum in der Armeespitze. Solche Bestrebungen wurden  der angeblichen, vermuteten Verschwörungsgruppe um Ehegattin Jovanka nie nachgewiesen. Beim politischen Tauziehen zwischen immer stärkeren politischen Strukturen und Ansprüchen der Teilrepubliken, spielte die gestaltung und Personalbesetzung immer mehr eine bedeutende Rolle. Bei diesen politischen Fragen war es wichtig wie sich  die Bundesarmee gegenüber des jüngeren Bruders, der „Territorialen Selbstverteidigung“ als Anfang der Bildung der Armeen der Teilrepubliken verhalten wird. Aber diese Frage der Machtbalancen und Einflußmöglichkeiten war ein Bestandteil der Vereinbarung zwischen Stalin und Churchill, als eine weit wichtigere alt bekannte geopolitische und geostrategische Frage, die den ganzen Balkan mehrmals in unnötige Mitleidenschaft gezogen hatte.

Spiegel logo Der Spiegel 49/1977 stellte diese Frage anläßlich einer großen Mobilmachungübung  ganz klar:

Gegen wen Titos Staat verteidigt werden soll, ist in der jugoslawischen Armee ebenso umstritten wie die Frage, womit. Ihr jeweiliges Feindbild hat sich bisher elastisch dem Stand der Ost-West-Beziehungen des blockfreien Staates angepaßt. Prosowjetische Phasen der Außenpolitik wechselten mit prowestlichen — im Moment spekuliert Belgrad sogar mit einer militärischen Kooperation zwischen Jugoslawien und dem Nato-Partner Griechenland.
Denn je älter Tito wird, desto schwerer wird die Sorge, bei dem nach seinem Tod erwarteten Konflikt im Vielvölkerstaat könnte Moskau zur Intervention veranlaßt werden.

Dieselbe Frage zog sich durch alle politische Streitigkeiten und groß angekündigten Reformen mit verstärkten Nachdruck seit 1962 (sehe oben „London und seine Geheimnisse). Die kurze Phasen der tatsächlichen Demokratisierung und darunter ist effektive Marktwirtschaft gedacht gab es in zwei kurzen Zweiabschnitten 1963-1965 und wieder kurz als politische Initiativen zwischen 1968-1972. Dann wurden die liberale Kräfte abgebremst und beseitigt. Die Macht wurde in dieser Zeit anders verteilt und wie geschildert bekamen die Macht über Partei und Geheimdienst verbunden mit der Nähe zu Tito interessanterweise Kardelj und Dolanc, die maßgeblich die politische Richtung prägten. Der Streit entflammte sich seit 1966 und mit der „Kroatischen Frühling“ erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt.  Schon damals rückt die Rolle der Armee und das Verhältnis und die Rolle der „Territorialen Selbstverteidigung“ in den esrten Plan der politischen Diskussionen und künftigen Reformen zementiert 1974 durch die konföderale Verfassung.

Die Reformen, die ohne Zweifel notwendig waren blieben aus, es gab zu vielen Zwischenfällen und Säuberungen danach, Tito wurde zunehmend isoliert um in „seinen Namen“ als vorderes moralisches Schild Entscheidungen zu treffen. Eine wertvolle Studie über dieser Zeit mit zahlreichen Links veröffentlichte Institut für die neue Zeitgeschichte aus Ljubljana (Inštitut za novejšo zgodovino) unter dem Titel:

Slowenien – Jugoslawien Krisen und Reformen 1968/1988 – Link

Im Abschnitt „Jugoslawische Volksarmee in 60er und erster Hälfte der 70er Jahre“  wird auf zahlreiche Ereignisse mit ausführlichen Links eingegangen und bestätigt sich eigentlich dass das ganze Komplott nicht nur nicht existent war, sonder viel mehr eher als ein politisches Kalkül mit ganz anderen Hintergründen und Interessen erklärt werden konnte.

General Stane Potocar, der Generalstabschef der Armee 1972-1979 in seinem Buch „Die Treue“ (“Zvestoba” – Ljubljana 1994), ein Slowene schildert die kritische Zeit und verneint jede Vorstellung über den Putsch in der Armee, zuschreibend so gar solche Manipulationen dem Stane Dolanc als Drahtzieher.

Auszüge aus dem Buch des Generals Potocar – Link

Von einer Verschwörung konnte keine Rede sein. Eine politische Stellung gegen allgemein eingeschlagenen Reformen gab es auch nicht. Die Machtbestrebungen für die Zeit nach Titos Tod gab es auch nicht. Was könnte dann der tatsächliche Grund der ganzen Vorbereitung und Beseitigung der Ehegattin Jovanka gewesen sein?

In einem ausführlichen Interview mit Jovanka Broz wird bestätigt alles das was aus allen Dokumenten und Analysen hervorgeht, sie wurde einfach durch die Intrigen vom Staatschef Tito entfernt, unter strengstes Hausarrest gestellt und über Jahren nach dem Titos Tod war sie ohne jeglichen Grund ein von Zentralthemen des Staatspräsidiums und der Partei. Für ihr, wie sie es empfindet tragisches Schicksal beschuldigt sie besonders Stane Dolanc und Armeechef und späteren Minister der Verteidigung, Präsidenten der Republik Serbien, Nikola Ljubicic.

Die Motiven der beiden blieben außerhalb Machtansprüchen nach ihrer Meinung nicht ermittelbar.

 

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Veröffentlicht 18. Dezember 2014 von Viktor Koss

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